Heiopei der Woche: FC St. Pauli

Am Hamburger Millerntor hat heute ein denkwürdiges Spiel stattgefunden – es war das letzte Heimspiel mit der alten Gegengeraden, die nun abgerissen wird. Eine Tribüne, wie sie in Profiligen kaum noch zu finden war, morbider Charme statt Plastikarena. Viele Fans wollten zum Andenken ihren alten Schalensitz als Souvenir mitnehmen, haben aber die Rechnung ohne den „non-establisheden“ FC St. Pauli gemacht.

Von Patrick Gensing

Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde abgebaut und mitgenommen nach dem Abpfiff des Spiels FC St. Pauli – SC Paderborn (5:0): Sitzschalen, Latten, sogar ein Wellenbrecher wurde zerlegt. Am Ausgang dann die große Überraschung, der FC St. Pauli wollte seine treuen Fans, die in finsteren Regionalligazeiten den Verein durch Spenden am Leben erhalten hatten, zur Kasse bitten, mal wieder.

Stolze 19,10 Euro sollten die Fans für ein Stück Plastikmüll bezahlen, eine Sitzschale, die in den kommenden Tagen ohnehin im Müll gelandet wäre. Mit anderen Worten: Es handelt sich um Schrott, der nur für Liebhaber der Gegengeraden einen ideelen Wert besitzt.

Doch einmal mehr zeigte der FC St. Pauli, wie sich mit der Treue der Fans Geld machen lässt. Ordner versperrten die Ausgänge, einige Damen kassierten das Geld. Viele Leute gaben wutentbrannt ihr Andenken zurück, einige versuchten, den Sitz unter der Jacke mitzunehmen.

Für ein Stück Plastikmüll wollte der FC St. Pauli seinen treuen Fans 19,10 Euro abknöpfen. Einfach Kult!
Für ein Stück Plastikmüll wollte der FC St. Pauli seinen treuen Fans 19,10 Euro abknöpfen. Einfach Kult!

Ein vollkommen übermotivierter Ordner verfolgte einen solchen Übeltäter über das Heilige Geistfeld vor dem Stadion und streckte ihn dann zu Boden, sogar eine Polizeiwanne fuhr auf. Eine Gruppe von 20 bis 30 St. Pauli-Fans konnte dem Ordner aber immerhin noch klarmachen, dass hier deutlich überreagiert wurde, der Mann mit dem Stuhl konnte gehen, ohne Stuhl versteht sich. Mehrere Ordner versuchten ihr Vorgehen zu rechtfertigten, beriefen sich auf Anordnungen des Vereins. Angeblich solle das Geld an eine Fan-Initiative gespendet werden, die weiß aber bislang nichts davon, berichtete ein Blogger aus der Fanszene.

Der FC St. Pauli dürfte jetzt eine weitere Baustelle aufgerissen haben, denn wie viel diese Aktion in die Kassen gespült hat, ist unklar, viele Sitze wurden wie erwähnt zurückgegeben. Den Schaden, den man mit solchen Aktionen verursacht, ist indes gar nicht in Geld zu messen.

Einige Altona-93-Fans brachten das Geschnorre St. Paulis während der „Retter-Aktion“ gekonnt auf den Punkt, als die Shirts bei Mc Donalds neben Fleischburgern und Fritten angeboten wurden und der damalige Bürgermeister von Beust die Kampagne unterstützte: St. Pauli – Mc Donalds – und die CDU. Nun heißt es mal wieder: Ca$h from Chaos.

18 thoughts on “Heiopei der Woche: FC St. Pauli

  1. Ach Klaus,
    die Fans auf der GG sind in der Vielzahl Vereinsmitlieder, die Betrag und oft seit Jahren und Jahrzehnten eine nicht gerade günstige Dauerkarte bezahlen. Gerade bei den alteingesessenen kommt diese „ich sach mal so 19,10€ für einen Sitz“ Ansage echt ziemlich Hans Wurst mässig rüber. Lieber Verin, was wollt Ihr denn noch? Andere Vereine würden uns fast jede Woche 19,10€ zahlen, oder sogar glatte 20€, damit WIR kommen. WIR sind der Verein. WIR. Und da denkt man das Präsidium gehört dazu, aber das gibt’s leider immernoch dieses, Wir und Ihr. Wie oben schon in einem anderen Kommentar gesagt, mit ner freiwilligen Spende, vielleicht dann sogar wirklich für Fanräume, wäre womöglich mehr ‚rumgekommen, als jetzt mit so einer hilflosen Aktion, die alle nur sauer macht. So hat man aber das „Freibeuter der Liga“ Tum geschürt, als Fans hält uns das aber auch wieder zusammen, und das Präsiduim muss sich spätestens auf der JHV dazu erklären. Keine Ahnung warum die Vereinsführung auf Eigentore steht, aber die können Sie momentan ganz gut…

  2. @Saalepirat

    Ihnen ist da ein Komma verrutscht. 25 nicht 250 Euro ist das Gebot. Auch die Möglichkeit ab 1 Euro mitzubieten ist für den Kommentarspalten-Idealisten bei einer weiteren Arschschale gegeben:

    http://www.ebay.de/itm/Sitz-FC-St-Pauli-original-Sitzplatz-Sitzschale-letzten-Spiel-Gegengerade-/300707069218?pt=DE_Sport_Fu%C3%9Fball_Fu%C3%9Fball_Fanshop&hash=item460389bd22

    Das Ebayhändler nicht automatisch Hardcore-Sankt-Paulianer sind ist auch bekannt…

  3. bitterster kommerz und so gar nicht „non established“

    aber was soll man machen, wenn man halbwegs professionell fussball spielen will, dann kostet das halt geld. das passt nur leider nicht so recht zu dem ja so gepflegten und selbst auferlegt ungepflegten image! auch kollidiert dies vermutlich mit der lebenseinstellung der eigentlichen st. pauli fans!

  4. Das Komma war nicht verrutscht.
    Das Angebot stand tatsächlich für 250,- drin.
    Das Ganze ging ja auch schon durch facebook. Der Typ hat kalte Füße bekommen, so einfach ist das.
    Für uns hier ist ein Heimspiel fast 400 Km entfernt.
    Wir als Fanclub hätten uns gern einen der Sitze vom Verein für 19,10
    gekauft, aber wir Idioten stellen uns hin und unterstützen die Amateure,
    statt nach Hamburg zu fahren uns einen Sitz zu holen.

  5. Hallo,
    na klar gebe ich euch recht besser wäre einfach eine spendendose gewesen und jeder hätte dort auch 5€ rein gesteckt.
    was ich ein wenig traurig finde ist das es teilweise alles nun auf die Ordner da ging den die machten auch nur Ihren Job.

    man sollte gestern eigendlich auf einem Auge eine Träne haben und auf der anderen seite Stolz auf den Verein was er geleistet hat.

    Nun ja ich wünsche euch was

  6. erstens mussten die ordner auch den anweisungen des fc st pauli folge leisten und zweitens gabs fans die sehr akressiv waren…und da waren tummulte vorrauschbar…..es hiess von anfang(siehe flyer in der gegengerade)das die sitzschalen 19,10euro kosten sollten.hätten sie sich dran gehalten währe alles gut verlaufen ….und einige fans hätten sich nicht wie schweine verhalten…soviel zu den treuen und ruhigen fans..eine schande war das

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