Freie Fahrt für freie Reichsbürger!

Die Reichsbürger sorgen auch bei der Polizei für ungläubiges Kopfschütteln. In Bayern wurde ein Autofahrer kontrolliert, der einen Reichsführerschein vorlegte, auch die Beifahrerin wies sich als Reichsbürgerin aus. Danach meldeten sich bei der Polizei zwei Damen von der „Staatsanwaltschaft – Deutsches Reich“.

Am 23. April 2012 haben Beamte der Polizeiinspektion Traunstein auf der Autobahn 8 einen Pkw mit zwei Insassen kontrolliert. Beide händigten laut Polizeiangaben neben ihren nationalen Ausweisen auch noch solche des „Deutschen Reichs“ aus. Der Fahrer, ein 54-jähriger Österreicher, kam demnach der Aufforderung sich auszuweisen sogleich nach. Doch paradoxerweise händigte er zwei Personalausweise aus: einen österreichischen und einen „Personalausweis des Deutschen Reichs“. Der Mann erklärte den kontrollierenden Beamten, dass der österreichische Ausweis falsch sei und nur der „Reichsausweis“ echt wäre. Dass es sich bei dem „Reichsausweis“ um ein Phantasiedokument handelte, welches selbst hergestellt wurde, war offensichtlich. Des Weiteren überreichte der Fahrer auch noch einen selbst hergestellten Führerschein des „Deutschen Reichs“.

Bei der 46-jährigen Beifahrerin, welche zunächst ihren regulären deutschen Personalausweis aushändigte, wurden laut Polizei in der Handtasche ebenfalls ein solcher Dokumentensatz, bestehend aus einem „Reichsausweis“ und einem „Reichsführerschein“ sowie ein Stempelsiegel des „Reichsland Österreich“ gefunden.

Dann sei es aber erst richtig losgegangen, berichtet die Polizei weiter. Die anschließende polizeiliche Aufarbeitung brachte noch einige Überraschungen zu Tage. Kaum auf der Dienstelle angelangt, um den vorliegenden Sachverhalt zu klären, meldeten sich nacheinander telefonisch zwei Damen, die behaupteten, sie seien von der „Staatsanwaltschaft – Deutsches Reich“ sowie der „Generalstaatsanwaltschaft in Berlin“ und seien mit dem polizeilichen Einschreiten gegen die Fahrzeuginsassen nicht einverstanden. Die Fantasieausweise und das Siegel wurden von der Polizei einbehalten, um zu verhindern, dass sie zukünftig im Rechtsverkehr zum Einsatz kommen.

Mittels einer Rückverfolgung der eingehenden Anrufe konnten die beiden Anschlussinhaberinnen ausfindig gemacht werden. Nach Rücksprache mit dem „echten“ Staatsanwalt in Rosenheim wird nun gegen die beiden Damen wegen Amtsanmaßung ermittelt.

Die "Selbstverwaltung Deutsches Reich" bietet Ausweise und Führerscheine an, als ob ein Führer nicht gereicht hätte.
Die "Selbstverwaltung Deutsches Reich" bietet Ausweise und Führerscheine an, als ob ein Führer nicht gereicht hätte.

Jeder kann sich so einen lustigen Fantasieausweis übrigens bestellen, bei der „Selbstverwaltung Deutsches Reich“ – Kostenpunkt: 50 Euro…

Dank an den „Arbeitskreis der Vorsitzenden der Arbeitskreise in der NPD„.

Siehe auch:Reichsbürger drohen: Spinnerei oder echte Gefahr?

9 thoughts on “Freie Fahrt für freie Reichsbürger!

  1. Das sind aber auch inkonsequente Weichkekse. Ein echter überzeugter Reichsbürger hätte natürlich nur Papiere des deutschen Reiches bei sich geführt. So ganz überzeugt sind die von ihrer Sache offenbar nicht.

  2. Das ist wirklich extrem skuril! Aber was mich an der Sache ägert – da überlege ich seit Jahren wie ich günstig an einen Führerschein gelangen kann.

    Immerhin, es zeigt wes geistes Kind derartige Vögel sind. Kann mich da nicht so recht entscheiden ob ich darüber lachen, oder eher betroffen sein soll… :)

  3. Der NSK-Staat sollte vielleicht zusätzlich zu Reisepässen auch Führerscheine aushändigen.

  4. Erinnert ein wenig an das selbsternannte „Fürstentum Germania“. Damals residierten eine Handvoll Reichsdeppen in einem baufälligen Anwesen. Schloss wäre übertrieben. Diese Leute wollten Grenzen abstecken und sich selbst verwalten. Also Ausweise und Führerscheine, sowie eigene Autokennzeichen ausgestellt auf das Fürstentum Germania. Dieses muntere „Reichsdeutsche“ Treiben endete, ich glaube 2010 mit einer Zwangsräumung der Polizei.

    Beste Grüße

    G.

  5. Bald landen die runden Scheiben und nehmen hoffentlich alle diese verrückten mit.

  6. Doppelte Inkonsequenz fällt mir erst beim zweiten Lesen auf: Warum sollte sich die Staatsanwaltschaft des „Reiches“ dienstlich an die Polizeibehörden eines angeblich nicht existierenden Staates wenden? Das zeigt ja nur, daß die selber nicht glauben, was sie verzetteln.

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