Protest gegen Indien als Lehre aus Auschwitz

Indien hat eine neue Langstreckenrakete getestet, die Atomwaffen mehrere Tausend Kilometer weit tragen kann. Damit reichen die indischen Nuklearwaffen bis nach China und in fast alle asiatischen Staaten sowie bis nach Europa. In Deutschland sorgte die nukleare Aufrüstung für einen Aufschrei der Empörung, Proteste dagegen seien eine Lehre aus Auschwitz, erklärte das „Free Kaschmir“-Komitee.

Deutsche Menschenrechtler kritisierten schon oftmals (nie), dass die Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947 durch die Teilung des Subkontinents zu einer der größten Vertreibungs- und Fluchtbewegungen der Geschichte geführt hatte. Ungefähr 10 Millionen Hindus und Sikhs wurden aus Pakistan vertrieben, etwa 7 Millionen Muslime aus Indien. 750.000 bis eine Million Menschen kamen ums Leben. NGOs fordern, bevor Pakistan Indien endgültig anerkennen könnte, müsste zunächst die Flüchtlingsfrage geklärt werden: Die 17 Millionen Menschen sowie ihre schätzungsweise 82 Millionen Nachkommen müssten ein Rückkehrrecht erhalten.

Atommächte (Quelle: Wikipedia)
Atommächte (Quelle: Wikipedia)

Auch die Kriege zwischen Indien und Pakistan empörten Hunderttausende Friedensfreunde in Europa (nicht) – genau wie die Notstandsgesetze Ende der 1970er Jahre sowie die Unregelmäßigkeiten bei Wahlen. Auch der Umgang mit der Unabhängigkeitsbewegung in Punjab und Kaschmir sorgte in Europa (nie) für größere Demonstrationen, linke Aktivisten in Bremen und Duisburg forderten (nicht) den Boykott indischer Waren, in Skandinavien und Großbritannien wurde bei Auftritten von indischen Künstlern protestiert, in Schottland wurden indische Bücher aus einer Bibliothek entfernt. Auch der wachsende Einfluss des Hindus-Nationalismus in Indien wird in Deutschland (nicht) thematisiert, genau wie die extreme Armut sowie die religiösen und ethnischen Konflikten zahllose NGOs (nicht) auf den Plan rufen. Pogrome gegen Christen mit fast 60 Toten im Jahr 2008 und andere Gewalttaten verursachten (k)einen Aufschrei der Empörung bei Menschenrechtsgruppen in Deutschland. In einem (nicht existenten) offenen Brief – unterzeichnet von 0 Hochschuldozenten und Kulturschaffenden  – wurde ein besserer Schutz von Minderheiten in Indien gefordert.

Indienkritiker prangerten zudem (nicht) an, dass die indischen Verteidigungsausgaben im Jahr 2005 stolze 18,86 Milliarden US-Dollar betrugen, gleichzeitig aber mehr als 40 Prozent der Bevölkerung weniger als einen US-Dollar am Tag zum Leben hat. Gleichzeitig lieferte Deutschland in den vergangenen Jahren Rüstungsgüter im Wert von vielen Hundert Millionen Dollar nach Indien, was ebenfalls (keine Sau interessiert) für Aufsehen und Debatten sorgt.

Lehre aus Auschwitz

„Angesichts der besonderen Verantwortung aus unserer Geschichte haben wir Deutschen die Pflicht, diesen indischen Amoklauf in Asien zu stoppen“, sagte Patrick G. Ensing vom Komitee „Free Kaschmir!“. Er betonte, Deutschland dürfe nicht erneut Schuld auf sich nehmen. Ensing zeigte sich erfreut, dass das Thema nun in Deutschland endlich auf der Agenda stünde – und die Reaktionen in den Internet-Foren zeigten, dass das nukleare Wettrüsten in Asien die Bundesbürger stark (kein bisschen) beschäftigt. Er rechne damit, dass schon bald Demonstrationen gegen die Aufrüstung und gegen die deutschen Waffenexporte nach Indien organisiert würden. Proteste gegen die Machthaber in Neu Delhi seien die Lehre aus Auschwitz. „Da unsere Großelterngeneration der Welt den Krieg erklärt hatte, erklären wir jetzt eben den Frieden“, so Ensing. Die Anschläge islamistischer Terroristen in Indien verurteilte er, da Gewalt keine Lösung sei, letztendlich heize das hindunistische Regime die Konflikte aber immer wieder an.

Ensing, der noch nicht einen Fuss auf indischen Boden gesetzt hat und sich politisch für den Lebensraum von Ringelenten in Hamburg-Övelgönne engagiert, betonte, er sei ein Freund Indiens, er selbst gehe mindestens zwei Mal pro Jahr beim Hindu speisen (Chicken Tikka Masala). Doch angesichts der drohenden Auslöschung und Vernichtung Pakistans und Chinas sei ein ernstes Wort zwischen Freunden überfällig. „Das musste jetzt eben einfach mal gesagt werden“, dichtete Ensing kurzerhand – und brachte sich abschließend selbst für den Friedensnobelpreis ins Gespräch.

19 thoughts on “Protest gegen Indien als Lehre aus Auschwitz

  1. Sehr geehter Herr G.Ensing,

    Ich fand Ihrern Kommentar derletzt richtig gut: „Niemand soll meine Artikel unterschreiben, mir wäre es lieber, möglichst viele Leute dächten über die Inhalte nach, beispielsweise warum beim Thema Israel nicht wenige deutsche Linke und Rechtsextreme einer Meinung sind. Ich finde das auf jeden Fall höchst bedenklich. Und da mir die linke Bewegung in Deutschland nicht egal ist, werde ich dies auch weiter thematisieren.“

    Ich würde diesen Artikel auch nicht unterschreiben, denn ich finde ihn zu polemisierend.
    Ich bitte um etwas mehr Neutralität und Sachlichkeit, denn genau das habe ich bisher (!!!) an publikative und Ihren Artikeln geschätzt. Ich fürchte das könnte für Ihr selbst formulierten Anliegen kontraproduktiv sein.

    Die Kritik an Grass und seinen Äußerungen finde ich nachvollziehbar und berechtigt auch wenn ich da auch nicht ganz d`accord bin mit der ME zu einseitigen Art und Weise.
    Eine Glosse finde ich im Zusammenhang mit Ausschwitz und dem Indien und Pakistan-Konflikt unpassend. Zudem haben Sie einen sehr sehr schlechten Zeitpunkt ausgewählt für die Veröffentlichung Ihre Glosse. Ausgerechnet am Tag der Schoa eine Glosse zu schreiben ist für mich ein no-go.

    „Entenfreund“ G.Ensing, das war leider etwas der Bogen überspannt, bitte um etwas Contenance.

    Denn sonst landen Sie irgendwann auf diesem Niveau:
    http://bonjourtristesse.wordpress.com/2011/07/27/gaza-hautnah/

    Danke

    MfG Gallendieter

    P.S. Wenn ich schon dabei bin Kritik zu äußern, aber das habe ich auch schon geschrieben, dass dieses hässliche Bild (mit fießen Lächeln) von dieser spießigen Tante in ihren Artikeln so inflationär verwendet wird. Das verdirbt mit immer den Tag und die Lust die sehr guten Artikel über die verschiedenen Symptome reaktionärer Verblendung von Kristina S. zu lesen.

  2. Lieber G. Allendieter,

    danke für Ihre Kritik. So eine Polemik ist Geschmackssache, keine Frage, ich bin mit dem Text allerdings zufrieden, auch wenn ich gerne mehr Zeit gehabt hätte, um diesen hübscher zu formulieren, aber das ist als Blogger fast immer so.

    Viele Grüße
    Patrick Gensing

  3. „die verteidiger indiens merkten auf die kritik an den ausschreitungen und tötungen von christen durch radikale hindus an, dass diese kritik vollkommen verkenne, dass es sich bei indien um die größte demokratie der welt handele. dem hinweis auf radikale hindunationalisten in der regierung, die die ausschreitungen gegenüber christen anstacheln, wurde entgegengesetzt, dass die inder unter der britischen besatzungsmacht jahrzehntelang gelitten hätten und es im übrigen gerade viel schlimmere ethnische konflikte z.b. im sudan gebe, worum sich die indienkritiker wohl gar keine gedanken machten, weil sie so obsessiv mit der verurteilung indiens beschäftigt seien.“

    herr gensing, sie sind so (un)witzig. ihr artikel bringt mich (nicht) zum lachen und ich bin (k)ein großer bewunderer ihrer journalistischen (un)fähigkeiten.

  4. „Gerade wir als Deutsche bla bla“ und Kritik am „Hindu-Regime“, aber keine am „Moslem-Regime“??? Selbstgerechte Linke, die sich mal wieder mit mangelnder Geschichtskenntnis auf die falsche Seite stellen. Indien ist das Land, das den größten Völkermord der bekannten Geschichte erlitten hat, mit etwa 100 Millionen Opfern durch mohammedanische Eroberungswellen. Sehen Sie in diesem Licht mal auch deren neuzeitliche Terroraktionen, und versuchen sich vorzustellen wie man sich als Inder dabei fühlen mag. Man guckt nicht überall so blauäugig in die Welt wie im dekadenten Alten Europa.

    Es handelt sich um eine Satire.

  5. Ein klasse Beitrag! Aber witzigerweise offenbar zu hoch für die Kommentatoren hagbard und max.

  6. Patrick, langsam gehen die Pferde mit dir durch.
    Es gibt gute Medikamente. Nimm sie.

    Dieser Beitrag zeigt aber immerhin, daß die Linke im Allgemeinen gar nicht mehr in dieser Welt lebt, sondern in einer grotesken Welt bestehend aus Ideologismen und Worthülsen. Wie gesagt, die Couch beim Psycho-Doc ruft, Patrick G. Ensing 😀 (sic!)

    Du wirst noch die Knaller-Fußnote in jedem Geschichtsbuch. Genau wie Freißler, oder Dirlewanger.

  7. Und an die restlichen Linken hier:

    Hört auf über die Welt zu quatschen, wo sie mit euch doch gar nichts zu tun haben will. Die Inder scheißen auf euch, egal wie groß da Völkermorde waren oder nicht. Eure Denkstrukturen sind vollkommen wahnsinnig! Lasst die Inder in Ruhe, vollidiotisches micheliges Pack!

    Merkt ihr eigentlich noch was? Tragt ihr diesen halb-psychotischen Polit-Irrsinn auch an unpolitische Leute heran oder beschränkt ihr euch darauf, euch auf arrogante Art und Weise in dieser Kommentarspalte dichtzulabern?

  8. Hallo Herr Gensing,

    jetzt melde ich mich nochmal zu Wort.

    Sie haben recht, dass es Geschmacksache ist.
    Jedoch hat mir folgender Umstand den Geschmack noch mehr verdorben:
    Dass nun der Blog „die Achse des Guten“ für den u.a. der Rassist Henryk M. Broder schreibt, der inzwischen von seinen bisherigen „Fans“ schon kritsiert wird http://blog.zeit.de/joerglau/2012/01/24/die-achse-des-guten-gegen-schwule-parasiten_5375#comments finde ich sollte auch Sie erkennen lassen, dass Sie wie ich kritisiert habe den Bogen überspannt haben.

    Sie schrieben, dass Sie erschrocken sind, von welchen Seiten die Grass-Befürwoter alles Zuspruch erhalten. Das ist richtig.

    Aber ebenso schreibe ich Ihnen, dass ich entsetzt bin, dass Ihre Glosse nun auch aus diesem Lager Befürwoter findet.

    Was sagen Sie dazu?

    MfG Gallendieter

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