Der Shitstorm der schweigenden Mehrheit

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck, hat eine Antwort auf die vielen „israelkritischen“ und/oder israelfeindlichen Kritik- und Hassmails veröffentlicht, die ihn in den vergangenen Tagen wegen seiner Kritik an Günter Grass erreichten. Beck wendet sich entschieden gegen die Mär vom Tabu-Bruch und greift den bestehenden Antisemitismus in der Debatte an.

Von Volker Beck, zuerst veröffentlicht bei beckstage

Günter Grass sendet in allen relevanten Medien. Die Mär von der „Meinungsdiktatur“ ist Bullshit. (Foto: sebibrux)

Es ist vollkommen egal, ob man Catherine Ashton dafür kritisiert, dass sie in einem antisemitischen Reflex bei toten jüdischen Kindern in Frankreich offenbar relativierend versucht daran zu erinnern, dass in Gaza auch Kinder sterben, oder Günter Grass ein als Gedicht verbrämtes „Man muss doch einmal sagen dürfen“ des antisemitischen Stereotyps eines vermeintlichen Tabus der Kritik an israelischer Politik kolportiert . Es dauert nicht lange, bis eine „unterdrückte Meinung“ zum lautstarken Shitstorm bläst. Man würde, so der friedensbewegte Bürger mit dem überzeugten Neonazi im Chor, in „Arschkriecherei für Israel“ sich dem „Klientel der Juden anbiedern“ und nur die „Kritik der gleichgeschalteten Medien nachplappern“ (Zitate aus Emails der letzten Tage). Selbst aus den Reihen der SPD wird in NPD-ähnlichen Formulierungen beklagt, dass man Israel nicht kritisieren könne, „ohne dafür mit der Antisemitismuskeule verdroschen zu werden und ein entsetztes Aufheulen der vermeintlichen Gutmenschen zu provozieren.” Nun kann man von Henryk M. Broder halten was man will, er hat dies aber einmal so polemisch wie zynisch sehr treffend beschrieben: „Antisemitismus fängt bei sechs Millionen toten Juden an. Alles drunter ist Friedenspolitik.“

Antisemitismus in 3D

Man kann selbstverständlich die Politik der israelischen Regierung, insbesondere der aktuellen, kritisieren, ohne das man sich je der Kritik des Antisemitismus ausgesetzt sieht. Es ist schon peinlich, eine solche Selbstverständlichkeit aussprechen zu müssen. Im so genannten 3-D-Test (Dämonisierung – Doppelstandards – Delegitimierung) werden die selben Kriterien auf den Antizionismus angewandt, die auch seit Jahrhunderten die verschiedenen Dimensionen des klassischen Antisemitismus identifiziert haben.

Die Solidarität zu Israel ist ein Grundsatz deutscher Außenpolitik. Deshalb ist klar, dass Aufgrund dauerhafter Drohungen Israel darauf angewiesen ist, sein Existenzrecht verteidigen zu können. Das Atomwaffenprogramm des Iran und die antisemitische Vernichtungsrhetorik der iranischen Führung gegen Israel ist eine ernste Bedrohung. Ihr muss international mit verstärktem Druck auf ein Einlenken des Iran nicht-militärisch begegnet werden. Man ist sich aber auch parteiübergreifend einig (bis auf die Piraten, die haben entweder keine Ahnung oder noch keine Meinung), dass trotz der Bedrohung durch das iranische Atomprogramm man Israel vor einem Militärschlag gegen den Iran nur warnen kann. Diese Position wird auch von Militär- und Geheimdienststrategen getragen, wie beispielsweise dem ehemaligen Chef des Mossad, Meir Dagan. Auch die Siedlungspolitik in der Westbank wird von keinem relevanten politischen Akteur auf diesem Planeten unterstützt. Mir wurde für diese Position bei Gesprächen mit der israelischen Botschaft oder bei Reisen nach Israel noch nie eine antisemitische Haltung vorgeworfen, obwohl man diese Politik sehr kontrovers und emotional diskutieren kann.

Grass verkennt in seinem Gedicht, wie so viele „Israelkritiker“ vor ihm, die besondere Lage Israels in der Region. Israel ist der einzige Staat der Welt, dessen Existenzrecht von einem Teil seiner Nachbarn und dem Iran in Frage gestellt wird. Die Drohung des Irans allein als Maulheldentum abzutun, ist – auch angesichts der massiven Menschenrechtsverletzungen des Iran im Inneren – mehr als naiv. Zur Besonnenheit gehört es auch, reale Gefahren für die Existenz Israels zu erkennen und ernst zu nehmen. Nun mag Grass subjektiv nicht antisemitisch sein, aber was er aufgerührt hat, ekelt einen schon an.

Inzwischen ist eine umfangreiche, fundierte Kritik am Grass-Gedicht in Blogs und Zeitungen erschienen. Seine Worte in Interviews, die Reaktionen hierauf und seine Wahrnehmung davon funktionieren im Muster einer selffullfilling-prophecy. Der Literaturnobelpreisträger Grass ist auf seine alten Tage tief gefallen. Marcel Reich-Ranicki bezeichnete das Gedicht in einem lesenswerten FAZ-Interview als politisch und literarisch wertlos und bei genauerer Betrachtung lässt Frank Schirrmacher von diesem Gedicht wenig gutes übrig.

Grassarrazin: Die Mär vom Tabu-Bruch in der Meinungsdiktatur ist Bullshit!

Das antisemitische Stereotyp eines vermeintlichen Tabus der Kritik an israelischer Politik ist geradezu lächerlich und kommt viel zu oft mit dem „Man muss doch einmal sagen dürfen“-Wunsch und der Sehnsucht nach einem Schlussstrich im Schlepptau. Hier liegt auch der Schnittpunkt der Debatten um Grass und Sarrazin. Während Grass mit seinem Gedicht in der Süddeutschen Zeitung und den Tagesthemen ein maximaler medialer Erstschlag gelang, konnte sich Sarrazin über Unterstützung aus der Bild-Zeitung und Einladungen in nahezu allen TV-Talkshows erfreuen. Alan Posener erkennt ebenfalls eine Grassarrazin-Symbiose, in der „ein Tabu gebrochen“ werden würde, obwohl „die Israelkritik ebenso wie die Kritik der Zuwanderung seit Jahrzehnten zu den festen Bestandteilen des medialen und politischen Diskurses“ gehöre. Und Patrick Gensing argumentiert zudem, dass sich Grass nicht einmal mehr – wie Sarrazin – pseudowissenschaftlicher Erkenntnisse bedienen müsse, denn er behauptet es einfach so.

Günter Grass (Foto: Christoph Müller-Girod /CC BY-ND 2.0)
Günter Grass (Foto: Christoph Müller-Girod /CC BY-ND 2.0)

Grass möchte sich nun als Opfer einer gleichgeschalteten Presse fühlen und mobilisiert deshalb mit antisemitischen Stereotypen. Sein Gerede vom Schweigen ist bullshit. Nicht die Warnung an Israel vor einem Militärschlag, sondern die Behauptung, man dürfe sich dazu nicht frei äußern, sondern müsse schweigen, ist die Kolportage eines antisemitischen Propaganda-Stereotyps. Damit stilisiert er sich zum mutigen Tabubrecher.

Einreiseverbot: unsouverän und demokratisch nicht klug

Die Verärgerung in Israel mag man gut verstehen können. Grass zeigt sich ignorant gegenüber der tatsächlichen Bedrohung Israels durch den Iran, den ständigen Angriffen auf Israels Staatsgebiet durch Raketen aus dem Gaza-Streifen und die Infragestellung seines Existenzrechtes durch den Iran und seinen verbündeten in der Region. Zudem hat er sich als vermeintlicher Tabubrecher eines Israelkritik-Verbotes geriert und damit sich eines antisemitischen Propagandainstruments bedient. Das rechtfertigt alles eine harsche Kritik aus Israel und in Deutschland. Dennoch: Ein Einreiseverbot für Grass ist überzogen und falsch. Es passt zu der Linie der aktuellen israelischen Regierung und wie sie mit Kritik und Streit auch im eigenen Lande umgeht. Das ist aber unsouverän und demokratisch nicht klug.

Siehe auch: Querfront gegen die “Endlösung”Grass – eine ZwischenbilanzIm Zweifel gegen Israel,  SPD: Antisemitismuskeule, Gutmenschen, SchuldstolzGrass – der Sarrazin für Israelkritiker?,Beim Schälen der KartoffelNeues von der Waffen-SS

10 thoughts on “Der Shitstorm der schweigenden Mehrheit

  1. Die völlige überzogene und dumme Reaktion der israelischen Regierung bestätigt, dass Klischees fast immer einen wahren Kern haben. Im Falle Israels außer unter der Regierung des von mir hochgeschätzten Jitzchak Rabin, versucht jede Regierung eines Staus Quo mit einer menschenfeindlichen Siedlungspolitik zu schaffen und die Palästinenser immer als die Dummen dastehen zu lassen.

  2. Ist die Friedensbewegung jetzt der neue Stammtisch? 😉

    Der Grass-Sarrazin-Vergleich hinkt. Während Sarrazin mit diffusen, völkisch-biologistischen Theorien aufwartet und so folgerichtig von ökonomie-darwinistischen Berufspolemikern wie Broder oder Sloterdijk protegiert wird, bekommt Grass nun den aus dieser Ecke unterstützten, inhaltlich flachen, journalistischen „Shitstorm“ (dieses Wort bitte immer schön inflationär benutzen 😉 ) ab, weil er eine aggressive, auf Eskalation setzende Miltitärpolitik kritisiert (und nur darum geht es im Kern!), die von rechtsradikalen Regierungmitgliedern vorangetrieben wird. Dies passiert in einer Einheitlichkeit, die Grass leider recht gibt, der Begriff self fulfilling prophecy scheint hier der Versuch einer Relativierung zu sein. Dass Menschen antisemitische Mails schreiben, ist traurig, gerade weil deutsche Rechtsradikale dem Gedankengut Grass‘ so unendlich fern und auf der anderen Seite Leuten wie Lieberman und Jischei in ihrer rechten Radikalität so nahe stehen. Zum Glück gibt es eine kritische Diskussion in Israel. Die Mehrheit der Pro-Grasser erlebe ich da in ihren Leserkommentaren eher weniger antisemitisch, aber das hat ja sicher auch was mit selektiver Wahrnehmung zu tun.

    Also nochmal: Grass hat weder Israel das Existenz- oder Selbstverteidigungsrecht abgesprochen, noch den Holocaust geleugnet, weder gesagt, dass Israel den Iran auslöschen will, noch antijüdische Inhalte geäußert. Weder Doppelstandards noch Dämonisierung, zum Glück jedoch eine Delegetimierung eines israelischen Erstschlags.

    Und weil ich jetzt diese Meinung habe, bin ich Antisemit, gehöre ich zur Querdender-Front? Ich sehe hier im Blog leider wieder absolutistischen Meinungshoheitsanspruch, der die Linken, als wären alle andere „Elsässer“, spalten und nicht in ihrer Vielschichtigkeit einigen möchte.

    Welche konkrete Meinung haben eigentlich publikative-Schreiber zu Details der israelischen Außenpolitik und zur israelischen Regierung sowie zur Unterstützung durch mitfinanziertes deutsches Kriegsmaterial? Das wäre bei so vielen Artikeln zu diesem Thema ja mal interessant gewesen.

    PS: „Shitstorm der schweigenden Mehrheit“ erinnert irgendwie an „Tyrannei der Masse“

  3. Ich weiß nicht, aber wird’s nicht langsam langweilig, den Grass schon wieder rauszuholen?
    Wobei tatsächlich mal sachliche Anklänge dabei waren. Gratulation dafür. Genug Anläufe hat’s ja gebraucht.

  4. @Anonymous: Es geht hier nicht darum, besonders unterhaltsame Beiträge zu veröffentlichen, sondern gesellschaftlich und politisch relevante. Was wir uns aber fragen: Wo genau ist jetzt der Unterschied zwischen Beck und den vorherigen Beiträgen? Was ist daran sachlicher?

  5. Wo geht Volker Beck auf den Inhalt ein? Wo sind die Medien auf den Inhalt eingegangen? Was Grass bemängelt und auch davor warnt ist eine Mitschuld der Deutschen, wenn es zu einem Krieg kommt durch einen Angriffskrieg der Israelis, der sich sehr schnell zu einem 3. Weltkrieg ausweiten kann. Diese Gefahr ist real und Deutschland liefert sogar Kostenlos U Boote an Israel, also in ein Krisengebiet, was ein Pulverfass ist durch diese islraeische Regierung. Die Einschätzung, dass die Israelische Regierung eine grössere Gefahr für den Weltfrieden ist, als die iranische Regierung wird von vielen Kennern geteilt. Gerade auch Auslandskorrospondenten aus verschiedenen europäischen Ländern sehen die Lage so und ob es Volker Beck gefällt oder nicht, aber diese rechtsradikale israelische Regierung ist gefährlich. Ich habe Volker BEck noch nirgendwo dafür eintreten sehen, dass er eine andere Regierung in Israel wünscht. Keine Forderung nach einem Regime Change. Warum gehen grüne gegen rechtsradikale in Deutschland auf die Strasse und in Israel hofieren sie Rechtsradikale, die sogar einen 3. Weltkrieg auslösen wollen? Wie passt das zusammen? Wer sein Gehirn an der Garderobe hängt und nur noch von Staatsräson schwafelt, der sollte keine Politik machen, denn dann ist er nur ein Soldat der Befehlen gehorcht. Die Grünen waren mal eine Friedenspartei, was sich seit 1999 geändert hat. Jetzt scheint sie sich völlig der Kriegs und Eroberungslogik als Fortsetzung von Politik unterworfen zu haben. Volker Beck, stramm stehen und der Fahne durch Staatsräson dienen hätte man in den 80ern nie geglaubt, dass das den Grünen passieren könnte.

  6. Vielleicht ist das Einreiseverbot zum jetzigen Zeitpunkt politisch falsch gewählt. Aber grundsätzlich sollte Israel doch ehemalige SS Mitglieder ohne weitere Erklärung Einreiseverbote verhängen können. Nicht vergessen, wer Grass ist und war.

  7. So so, da Grass vpr 65 Jahren bei der SS war, ob freiwillig oder nicht sei dahingestellt, ist sein ganzes Leben verwirkt? Es ist danach unmöglich auch nach heruasragende Taten, bspw. einem Literaturnobelpreis, ein noramels und wertvolels Leben zu führen?

    Bei all der berechtigten Kritik, aber dies Argument ist mehr als lächerlich.

    Der Past war in der HJ. Sollte man den auch schnellstmöglich zum Teufel jagen?

  8. @ Armutsschere: Du schreibst „Grass hat weder Israel das Existenz- oder Selbstverteidigungsrecht abgesprochen,“
    – Doch, implizit eben schon. Das Problem ist, dass viele Israelkritiker nach dem immer selben Muster vorgehen: Jede Handlung die Israel zu seiner Verteidigung vornimmt ist notwendigerweise gewalttätig (es gibt auch unnötige Gewalttaten durch Israel, aber das sei jetzt mal für einen Moment hintangestellt). In diese Kerbe hauen dann die „Friedensfreunde“ die Gewalt ablehnen. Das ist bestenfalls eine bequeme Haltung, die man von einer Couch in Stuttgart ganz gut formulieren kann, die aber in der Realität des Nahen Ostens Selbstmord ist. Die Forderung an Israel sich „friedlich“ zu verhalten kann (muss nicht) einer Forderung nach seiner Vernichtung gleichkommen. Das ist nicht immer so, aber ein stetig wiederkehrendes Muster bei „Israelkritik“ aus der Friedensbewegung.
    Im konkreten Fall kann man Grass unterstellen, dass er Israel auffordert „friedlich“ zuzusehen, wie der Iran eine Atombombe baut (das ist zumindest eine naheliegende Interpretation des Gedichtes) oder dass er entgegen JEDER Faktengrundlage bestreitet, dass der Iran für Israel gefährlich ist.
    Du fährst fort:
    „noch den Holocaust geleugnet,“
    Stimmt, wobei man anmerken kann, dass er mal 6 Millionen ermordete Deutsche Kriegsgefangene zusammenfantasiert hat. Woher er die Zahl hat bleibt sein Geheimnis… Es kann ein bloßer Versprecher gewesen sein, aber wenn es das nicht war riecht es streng nach Relativierung der Shoa.

    „…weder gesagt, dass Israel den Iran auslöschen will,“
    Haben wir das gleiche Gedicht gelesen??

    „noch antijüdische Inhalte geäußert.“
    Doch, wenn man ihm unterstellt, dass er als Literaturnobelpreisträger weiß wie Worte auf Menschen wirken. In seinem Fall spricht er von „Verbrechen“ und „Auslöschung“ und zieht ganz explizit eine Verbindung zur Deutschen GEschichte. Bei ihm werden aber diese Verbrechen und die Aggression den Juden unterstellt. Das KANN (muss man nicht) als Versuch der Aufrechnung lesen. Von der Tatsache abgesehen, dass es die militärischen Realitäten der Region völlig umdreht.

    „Doppelstandards noch Dämonisierung, zum Glück jedoch eine Delegetimierung eines israelischen Erstschlags.“
    Naja… also entweder unterstellt er Israel dass es einen nuklearen Erstschlag plant, dann wäre das Dämonisierung und er müsste schon mal erklären wo er diesen Unfug her hat. Oder aber er bestreitet Israels recht auf einen Präventivschlag. Dann bestreitet er in dieser konkreten Situation Israels recht auf Selbstverteidigung, da bei drohender Herstellung eines nuklearen Patts der Präventivschlag der einzig mögliche Schlag ist bevor es zum konventionellen Wettrüsten kommt.

  9. @MaterialismusAlter

    #existenzrecht_absprechen?
    Nein, eben auch nicht implizit, sonst hätte Grass Israel ja das Recht auf Rüstung absprechen müssen, das hat er nicht getan, auch nicht implizit. Er ist auf die Art und Weise der Rüstung und der politisch-aggressiven Haltung der Regierung eingegangen.

    #israel_will_iran_auslöschen?
    [… Erstschlag, der das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte, …]
    Hier ist explizit von „könnte“ die Rede, nichts davon, dass Israel es will. Wenn sich diese Zeile nicht in dem von Dir gelesenen „Gedicht“ befindet, hast Du leider das falsche gelesen, ich habe es mehrfach überprüft.

    #holocaust_relativieren?
    Grass schreibt im Gedicht gegenteilig:
    [… weil aus meinem Land, das von ureigenem Verbrechen, die ohne Vergleich sind …]

    #antijüdische_inhalte?
    Hier bezieht sich alles mögliche auf Feinheiten in der Rezeption, die ich nicht nachvollziehen kann, Inhalte solcherlei Art sind nicht zu finden. Er hat ausdrücklich nochmal dazu gesagt, dass er die israelische Politik kritisiert, von Juden kein Wort.

    #dämonisierung
    Ist Kritik an spezifischer Militäkritik Dämonisierung? Und wenn ja, wer wird „dämonisiert“? Eine „Dämonisierung“ ein in Teilen rechtsradikalen Hardlinerregierung kann doch wohl beim besten Willen nicht als antisemitisch durchgehen.

    Es sei nochmal darauf hingewiesen, dass Grass‘ größte Angst daher rührte, dass ein israelischer Erstschlag auf iranische Atomanlagen, der ja nun nicht gerade völlig aus der Luft gegriffen ist, unglaubliche atomare Folgeschäden für den Iran hätte. Welche tatsächlichen Folgen ein solcher Erstschlag wirklich haben mag, sei dahingestellt, es ist jedoch nicht abwegig, dass auf den gesamten nahen und mittleren Osten schnell ein verheerender Krieg zukommen könnte.

    So, ich könnte weiter auf jeden Satz eingehen, versuche aber doch abzukürzen.
    Wichtig ist doch, dass wir es ertragen müssen, dass es gerade in Bezug auf Inhalte der letzten zwei Absätze (militärische Realitäten, Erstschlag als Selbstverteidigung) sehr unterschiedliche Ansichten gibt, auch in der Linken, die es zu diskutieren gilt.

    Dir, MaterialismusAlter, danke ich, da Du auf Details eingehst und so zumindest eine Diskussion zustande kommen läßt.

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