Proteste gegen Ludendorffer

Das ging daneben: Eine Gruppe von Jungsozialisten hat am Freitag lautstark in der Heidegemeinde Dorfmark gegen eine Tagung der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Gruppe der sogenannten Ludendorffer protestiert. Doch bei der Auswahl ihrer Parolen hatte die Juso-Gruppe offenbar ein wenig nachlässig recherchiert: Lautstark skandierten sie „Marlene ist Sch…“. Doch das Objekt ihres Zorns heißt anders, nämlich Mathilde. Gemeint ist Mathilde Ludendorff, die 1966 verstorbene Frau des Hitler-Kampfgefährten Erich Ludendorff.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Mathilde Ludendorff ist Namensgeberin der rechten Gruppierung, die sich auch „Bund für Gotterkenntnis“ nennt. Seit gut 30 Jahren kommen mehr als 100 Angehörige dieser Gruppierung immer wieder zu Ostern zu ihrer Jahrestagung nach Dorfmark. Die Jusos waren Teil eines Demonstrationszuges von rund 140 Menschen, die gegen diese Tagung in Dorfmark protestierten. Ihren Irrtum nahmen die Jusos mit Humor, nachdem Beobachter sie auf den Fehler hingewiesen hatten.

Die "Ludendorffer" im Internet
Die "Ludendorffer" im Internet

Jedes Jahr treffen sich die rechten Ludendorffer im Ferienort Dorfmark, jedes Jahr gibt es Proteste dagegen. Doch der Ort tut sich schwer mit den Demonstranten von außen. Die Demonstranten zogen vom Bahnhof zum „Deutschen Haus“, wo die Tagung stattfindet. Seit fünf Jahren gibt es in Dorfmark Widerstand gegen die rechte Jahrestagung, organisiert unter anderem von Nicole Ahrens, SPD-Politikerin aus Bad Fallingbostel. Diesmal fiel der Protest besonders laut aus. Ein Demonstrationszug zog vom Bahnhof zum „Deutschen Haus“, dem Tagungsort der Ludendorffer. Dabei waren auch Parolen wie diese zu hören: „Staat und Nazis Hand in Hand – organisiert den Widerstand“ oder „Gegen Antisemitismus – nieder mit Deutschland und für den Anarchismus“. Zwar dürften die Urheber dieser Parolen eine Minderheit im Demonstrationszug gewesen sein – auf dem Weg zum Ortszentrum aber waren sie offenbar die Lautesten. Wohl auch deshalb zeigten Bereitschaftskräfte der Polizei in Dorfmark an diesem Tag deutliche Präsenz.

Pastor stört Namensgebung der Gruppe

Die meisten Demonstranten lassen sich dem bürgerlichen Spektrum zurechnen. Vor dem Veranstaltungsort der Ludendorffer war von diesen Parolen dann kaum noch etwas zu hören. Die Mehrheit der Demonstranten gehörte dem sogenannten bürgerlichen Spektrum an. Dabei war auch Pastor Wilfried Manneke aus Unterlüß im Landkreis Celle, der sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus in seinem Heimatkreis engagiert. Ihn stört besonders die Namensgebung der rechten Sekte. „Diese Gruppierung unterscheidet Menschen in sogenannte Licht- und Schachtrassen. Wir als Christen glauben genau das Gegenteil, nämlich dass alle Menschen gleich sind, unabhängig von Herkunft oder Kultur. Solch eine Gruppierung ist ganz fürchterlich“, sagt der Kirchenmann.

Für die SPD-Politikerin Nicole Ahrens war die Veranstaltung zum Auftakt ein gelungener Protest gegen die Ludendorffer. „Am Anfang war es lautstark, jetzt stehen wir hier friedlich bei Kaffee und Kuchen – das kann man als Erfolg werten“, sagte Ahrens. Und dennoch: „Es macht mich auch ein wenig traurig, dass ich wieder und wieder hier stehen muss und die Ludendorffer kommen trotzdem immer wieder.“

Für die Bereitschaftskräfte der Polizei gab es am späten Nachmittag einen weiteren Einsatz: Im Landkreis Celle hatten Rechtsextremisten zu einer sogenannten „Solidaritätsfeier“ mit verhafteten Gesinnungsgenossen aufgerufen. Schauplatz: der Hof eines rechtsextremen Landwirts in Eschede. Nach der Kundgebung in Dorfmark zogen viele Demonstranten weiter in die Südheide um gegen das dortige Neonazi-Spektakel zu protestieren.

Siehe auch: Holocaust-Relativierung und KindererziehungSchlagfertige Ludendorffer“Ludendorffer”: Prominentester Altnazi in der HeideEsoterik – Nationalsozialismus – Rechtsextremismus, “Ludendorffer” trafen sich erneut in Dorfmark

5 thoughts on “Proteste gegen Ludendorffer

  1. Gegen Ludendorffer zu agitieren ist peinliche Zeitverschwendung. Das festigt diese religiöse Sekte von marginaler Bedeutung nur.

  2. „Die meisten Demonstranten lassen sich dem bürgerlichen Spektrum zurechnen. Vor dem Veranstaltungsort der Ludendorffer war von diesen Parolen dann kaum noch etwas zu hören. Die Mehrheit der Demonstranten gehörte dem sogenannten bürgerlichen Spektrum an.“

    Welchem „Spektrum“ der Autor angehört, scheint mir recht deutlich bei seinem pikierten Umgang mit den etwas radikaleren Demorufen.

Comments are closed.