SPD: Antisemitismuskeule, Gutmenschen, Schuldstolz

Günter Grass` Israel-Deutsche-Schuld-Gedicht ist in Politik und Medien fast durchweg auf Ablehnung gestoßen. In der jungen Welt und der Deutschen Stimme stieß Grass hingegen auf Zustimmung, außerdem auch bei einigen Kulturschaffenden, denen der Inhalt egal ist, hauptsache es wird über ein Gedicht gesprochen. Auch Politiker der Linken unterstützen Grass – sowie die SPD in Mecklenburg-Vorpommern.

Norbert Nieszery, SPD-Fraktionschef in MVP
Norbert Nieszery, SPD-Fraktionschef in MVP

Der Schweriner SPD-Fraktionschef Norbert Nieszery bezeichnete „jeden Antisemitismus-Vorwurf an Günter Grass“ als „intellektuell erbärmlich und politisch unredlich“. Dieser Vorwurf werde reflexartig erhoben, behauptete der Sozialdemokrat ohne weitere Beispiele zu nennen. Nieszery sprach zudem von einem „deutschen Schuldstolz“ (in einer erste Version war von dem Schuldkult die Rede, ein Begriff, der in keinem rechtsextremen Pamphlet zum Thema fehlen darf) und erklärte, Grass befürchte

„insbesondere, dass wir Deutschen uns – aus einer falsch verstandenen Wiedergutmachung an Israel heraus – mitschuldig an einem Atomkrieg im Nahen Osten machen. Darauf aufmerksam zu machen, auch – vielleicht sogar besonders – als Deutscher ist ein Akt tief empfundener Menschlichkeit, für den ich Günter Grass meinen ganzen Respekt zolle. Ich verstehe nicht, warum es heute immer noch nicht möglich ist, Kritik an Israel zu üben, ohne dafür mit der Antisemitismuskeule verdroschen zu werden und ein entsetztes Aufheulen der vermeintlichen Gutmenschen zu provozieren.“

Antisemitismuskeule, Gutmenschen, Schuldstolz – Ihre SPD in Mecklenburg-Vorpommern. Beim Thema Israel lassen sich die Sozen von der NPD auf jeden Fall nicht den Schneid abkaufen.

Siehe auch: Grass – der Sarrazin für Israelkritiker?

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9 thoughts on “SPD: Antisemitismuskeule, Gutmenschen, Schuldstolz

  1. In der ursprünglichen Fassung seiner Mitteilung hatte Nieszery tatsächlich den NPD-einschlägigen Begriff „Schuldkult“ verwendet. Nachdem dies aufgefallen war, wurde dieses Wort offenbar umgehend durch „Schuldstolz“ ersetzt.

    Die erste „Schuldkult“-Fassung schlug sich noch in verschiedenen kommentierenden Veröffentlichungen nieder, so etwa bei

    – der Tageszeitung Nordkurier („… griff er selbst zu Vokabeln wie „deutscher Schuldkult“ und „Antisemitismuskeule“, die zur Grundausstattung rechtsextremer Propagandisten zählen …“)

    – einer Mitteilung der Jungen Union MV („… Reaktion des Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Norbert Nieszery, der in diesem Zusammenhang von einem „deutschen Schuldkult“ und einer „falsch verstandenen Wiedergutmachung an Israel“ gesprochen hatte.“)

    – einem Blog-Kommentar, der auf eine entsprechende Veröffentlichung in einer weiteren regionalen Tageszeitung verweist („… Begriffe wie „deutscher Schuldkult“ (laut Print-NNN ; in der SPD-Stellungnahme inzwischen(?) in „deutscher Schuldstolz“ umgewandelt)“)

    – usw.

    Auch im Google-Cache ist noch der ursprüngliche „Schuldkult“ zu sehen.

    Erneut fällt damit – nach Sigmar Gabriel und seinem Hebron-Fiasko – ein führender sozialdemokratischer Funktionär mit antisemitischen Äußerungen auf, die es bislang aus den Reihen der „demokratischen Mitte“ allenfalls von einem Jürgen Möllemann zu hören gegeben hatte. Lang ist es her, seit August Bebel vom Antisemitismus als „Sozialismus der dummen Kerle“ gesprochen hatte.

  2. Grass hat nicht die Unterstützung der Parteibuch-Journalisten und der etablierten Politbüros, aber 70 % des Volkes stimmen ihm zu. Das Volk ist eben schon weiter als die BRD-Altkader.

  3. @Albrecht Kolthoff:
    „Erneut fällt damit – nach Sigmar Gabriel und seinem Hebron-Fiasko – ein führender sozialdemokratischer Funktionär mit antisemitischen Äußerungen auf…“

    Im Kampf um die Stimmen der muslimischen Wählerinnen und Wähler werden wir uns an so etwas gewöhnen müssen. Der Islam gehört zu Deutschland, und praktizierte Willkommenskultur bedeutet eben auch, offener für die Vielfalt an Positionen in dieser Community zu werden. Die Geister die Ihr rieft….

  4. Meiner Meinung nach haben wir Deutschen ein Problem:

    Ein Problem welches mich an die Situaition vor dem WK 1 erinnert.

    Unterstützen wir Israel weiter und die Sache geht schief (wie auch immer) und Israel wird vernichtet, wird man und Deutschen vorwerfen Israel nicht davon abgehalten und noch U-Boote geliefert zu haben und zumindest zur Eskalation beigetragen zu haben.

    Unterstützen wir sie nicht wird es heissen wir haben sie im Stich gelassen.

    Noch was anderes: Nehmen wir mal an Israel würde ein türkisches Schiff versenken (was nicht so ganz unwahrscheinlich ist) und die Türkei würde den Bündnisfall ausrufen?

    Was dann? Eigentlich müssten wir dann der Türkei gegen Israel beistehen. LOL

    Tun wir es so dann ist das Geschrei gross. Erklärt sich von selbst.

    Nicht alleine wegen der Geschichte, sondern vor Allem weil wir in den letzten Jahren immer grosspurig davon gesprochen haben auf der Seite Israels zu stehen.

    Tun wir es nicht, wäre das in der Geschichte ein einmaliger Vertrauens- und Treubruch und würde, gelinde gesagt, zu beträchtliche Unanhemnlichkeiten in Deutschland führen da viele Türken bei uns leben.

    Ich weiss das sich viele Leute gerade hier darüber keinen Kopf machen aber ich bin zu dem Schluss gekommen das diese „Mienenfelder“ absichtlich gelegt wurden damit Deutschland, egal was passiert, schlecht darsteht. Wir können nur verlieren.

    Wir sollten dringends unsere Neutralität erklären um schaden von diesem Land abzuwenden.

    Israel ist mir mehr oder weniger egal. Nur wenn sie angreifen und die Sache geht schief dann sollen sie auch die Suppe alleine auslöffen und hinterher nicht rumheulen wenn ihr ach so heiliges Land für die nächsten „paar“ Jahre nicht mehr bewohnbar ist.

    Und hier brauchen sie sich dann auch nicht mehr blicken zu lassen.

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