Neues von der Waffen-SS

Vergangenheitsbewältigung auf Feuilleton-Art: Ex-Waffen-SS-Mitglied Günter Grass, der sich auch schon mal „6 Millionen tote deutsche Kriegsgefangene“ in Russland zusammen fantasiert, hat ein neues Gedicht geschrieben –  zum Atomkonflikt mit dem Iran! Laut Berliner „Tagesspiegel“ ist dieses „politisch, prosaisch, und es geht hart mit Israel ins Gericht.“

Von Redaktion Publikative.org*

Günter Grass (Foto: Christoph Müller-Girod /CC BY-ND 2.0)
Pfeife rauchen macht auch nicht klüger: Günter Grass (Foto: Christoph Müller-Girod /CC BY-ND 2.0)

Mit wem auch sonst, möchte man fragen, angesichts eines verbohrten alten deutschen Literaten, der in den letzten Jahren keine „auch Deutsche unter den Opfern“-Phrase ausgelassen hat – von der „Gustloff“ bis zu seinen toten Kameraden in Taiga und Tundra. Nebenbei noch ein paar „erotische“ Gedichte geschrieben – fertig ist ein deutscher Spitzenintellektueller.

Laut „Tagesspiegel“ nimmt Günter Grass den Iran in seinem Gedicht in Schutz. Er spreche „nicht nur im Blick auf die deutsche Vergangenheit von Verbrechen“, sondern meint, „die Deutschen könnten ‚Zulieferer eines Verbrechens werden‘, das voraussehbar sei, „weshalb unsere Mitschuld / durch keine der üblichen Ausreden zu tilgen wäre“. Es gehe um „‚Planspiele‘, an ‚deren Ende als Überlebende / wir allenfalls Fußnoten sind‘, dann um ‚das behauptete Recht auf den Erstschlag‘, der das ‚iranische Volk auslöschen könnte'“.

Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Ein ehemaliger Angehöriger jener Mörderbande, die in Nürnberg als Ganzes zur verbrecherischen Organisation erklärt wurde,  liest nun in seiner Welt Israel die Leviten. Jenem Staat also, der seine Existenz der Tatsache schuldet, dass Grass und seine damaligen Kameraden der Welt bereits einmal demonstriert hatten, wozu die Judenhasser fähig sind, wenn man sie lässt. Dass der iranische Präsident derjenige ist, der bereits mehrfach erklärt hat, Israel vernichten zu wollen, und nicht umgekehrt – geschenkt! Das kann doch einen deutschen Moralisten nicht erschüttern.

Als Günter Grass vor wenigen Jahren im Gespräch mit dem israelischen Historiker Tom Segev über seine vermeintlich sechs Millionen Kameraden palaverte, die von den Russen on Kriegsgefangenschaft „liquidiert“ worden seien, da halluzinierte er auch: „Es gibt Leute, die wollen, dass ich das Maul halte. Sie werden keinen Erfolg haben.“ Manchmal wünschte man sich, es gäbe diese Leute und sie hätten Erfolg.

Siehe auch: EU-Diplomatie: Mit toten Kindern gegen IsraelGabriels Apartheid-RegimeJüdische Ikone der Israelgegner“Fremde Freunde” – Konferenz über das Verhältnis zwischen Deutschland und IsraelDie Statistik von den traurigen Witzen9. November: Hammer, Sichel und ganz viele Nägel

*mit Dank an Daniel Killy

50 thoughts on “Neues von der Waffen-SS

  1. An meinen Möchtegernkritiker: vielleicht sollten Sie sich das noch mal durchlesen. Ich habe nicht behauptet, Israel hätte keine Atomwaffen. Aber warum glaubt der von mir kritisierte Herr der Regierung des Iran ihre Lügen, sie wollten keine Nuklearwaffen, während die Angaben der israelischen Regierung, die den Besitz solcher dementiert, von ihm als völlig unglaubwürdig dargestellt werden?

    Der Irak ist tatsächlich eine Demokratie, wenn auch eine recht instabile. Vielleicht sollten Sie sich mal besser informieren. Das für sich genommen wäre sicher noch nichts besonders Tolles, aber es ist so. Und unabhängig davon: fragen sie mal die Kurden im Norirak, ob deren Leben heute besser oder schlechter ist als unter Saddam. Fragen Sie auch die restliche Bevölkerung. Und fragen Sie auch die afghanische Bevölkerung. Oder, wenn Sie es selbst nicht wollen oder können: sehen Sie sich die empirischen Untersuchungen dazu an. Die gibts nämlich und die sagen eindeutig aus, dass das Leben dort besser ist als unter den Taliban.

    Und ich verstehe Ihren absurden Kommentar zu Bush nicht recht. Ist er ernstgemeint? Bush war wenig interessiert daran, das Recht auf Religionskritik durchzusetzen, schließlich ist er selbst ein reichlich religiöser Politiker gewesen. Wenn Ihr Kommentar ironisch darauf anspielt, dass er es eben nicht gewesen sei, dann haben sie in diesem einen Punkt Recht.

    Vielleicht sollten Sie nicht alle Ihre Informationen aus der Jungen Welt entnehmen. Dann wüssten Sie ein kleines Bisschen besser Bescheid.

    Und zu Sebastian: das mit der Vernichtungsdrohung gegen Israel war keine Propagandalüge, es ist die reine Wahrheit. Meinen Sie allen Ernstes, dass jemand, der die Existenz des Holocaust leugnet, was Ahmadinedschad tut, vor so einer Drohung zurückschreckt, wenn er die Mittel hat, es zu tun? Dann haben Sie sich nicht mit der Struktur des Antisemitismus auseinandergesetzt.

  2. Ahso sorry, ich habe leichtsinnigerweise gedacht dass jemand, der die Frage „Wie kommen sie darauf, Israel hätte Atomwaffen?“, stellt, damit impliziert, dass er/sie selbst der Meinung ist, Israel hätte keine Atomwaffen. Tut mir leid, wenn ich mich im Paralleluniversum Ihrer persönlichen Logik nicht so gut auskenne.
    Danke für den Tipp bezüglich Zeitungslektüre. Ich darf Sie beruhigen – ich lese die jw nicht. An dieser Stelle könnte ich natürlich auch irgendwelche konservativen Zeitschriften und Blogs aufzählen und Ihnen empfehlen, Ihre Informationsquellen nicht nur darauf zu beschränken, doch diese Art der ritualisierten Auseinandersetzung mit Andersdenkenden überlasse ich gerne Ihnen.
    Bevor Sie anderen eine einseitige Sichtweise unterstellen, sollte sie sich vielleicht im Sinne ihres Benutzernamens betätigen und etwas kritischer mit der Situation im Irak und in Afghanisatan beschäftigen. Zusätzlich zu den über 1 Millionen Toten, der völligen Zerstörung der Infrastuktur und der Wirtschaft bei einer Arbeitslosigkeit von rund 50% im Irak und einer Inflationsrate einer ähnlichen Größenordnung – hat man in diesen beiden Ländern natürlich mitnichten eine Demokratie. Wer sich die Mühe macht, ein wenig zu recherchieren, findet Informationen über Manipulationen, Wahlfälschungen und Nicht-Zulassung von Kandidaten, die sich gegen die Besatzungsmächte positionieren. Dementsprechend gab es auch große Proteste gegen die Ergebnisse dieser Wahlen. Und am Ende herrschen die Warlords, Drogenbosse und kriminellen Cliquen weiter, mit dem Segen der Besatzungsmächte. Tolle Demokratie. Hat sich ja richtig gelohnt.

  3. noch einmal an den Möchtgernkritiker: meine Bemerkungen zum ersten Kommentar hatte ich mit den Worten eingeleitet, aus welchen trüben Quellen er schöpfe, was genug Hinweis darauf gewesen wäre, sich einmal die doppelten Standarts durch den Kopf gehen zu lassen, mit denen da gemessen wird. Denn Israel behauptet wie der Iran, keine Atomwaffen zu beitzen, hat sie aber bereits in der Hand, ohne sie jemals eingesetzt zu haben, obwohl es in dauernden kriegerischen Auseinandersetzungen mit seinen ihm feindlich gesinnten Nachbarn steht. Aber wem glaubt der Herr die Inszenierung als verfolgte Unschuld? Dem waffenstarrenden, höchst autoritären Mullahregime.

    Die Millionen Toten, die Sie erwähnen, gehen übrigens mitnichten alle aufs Konto der vermeintlichen Besatzer. Die meisten sind bei Terror- und Mordanschlägen umgekommen, die der sogenannte „irakische Widerstand“ veranstaltet hat. Inzwischen hat sich die Besatzungsarmee aus dem irak zurückgezogen und das Land sich selbst überlassen. Wahlmanipulation ist da bedauerlich, kommt aber in derart umkämpften Wetlgegenden immer vor. Wie gesagt verstehe ich Demokartie auch nur als relativen Fortschritt.

    Und wenn Sie meinen, mich im konservativen Lager verorten zu können, dann liegen sie bedauerlich falsch. Ich verstehe mich als Kommunist, bloß als einer, der eben nicht blind moralistisch und traditionell antiimperialistisch argumentiert, sondern die Welt als von Kräfteverhältnissen durchzogene ansieht und auf dieser Grundlage eine Analyse vorzunehmen gedenkt. Und da sehe ich eben folgendes: Israel ist eine bürgerliche Demokratie, die einzige des Nahen Ostens. Seine Feinde haben sich sämtlich autoritären Zielen verschworen, in der Regel sind sie mehr oder minder antisemitisch und nicht auf friedliches Zusammenleben aus. Israels Bevölkerung und abseits einer auf Entschlossenheit und Abschreckung abzielenden Politik auch seine Regierung hingegen sehr wohl. Schön wäre es, wenn die iranische Freiheitsbewegung es schaffen würde, mit ihrer eigenen Befreiung auch die Gefahr der atomaren Vernichtung Israels abzuwenden. Vielleicht aber, und momentan sieht es ganz so aus, käme dieser Akt der Befreiung zu spät. Aber dass sich Israel aus der zionistischen Selbstverpflichtung, die Juden nie mehr als Opfer zur Schlachtbank führen zu lassen, eine atomare Bedrohung durch ausgewiesene Antisemiten nicht wird gefallen lassen, wollen moralinsaure Friedensbewegte ihm nun zulast legen.

  4. Verblüffend, was man mit dem „relativen Fortschritt“ und einer Verdrehung von Ursache und Wirkung in Bezug auf die Opfer des von den Invasoren begonnenen Krieges alles bewirken kann. Es soll auch Leute geben, die mit ähnlichen rhetorischen Kunstgriffen beispielsweise den Terrorismus gegen Israel rechtfertigen.

  5. Nachrichtensprecher: „Erneute Spannungen zwischen Pakistan und Indien… es wurde mit einem Atomschlag gedroht…“…
    Zuhörer: „Ach ja schlimm… die streiten sich ja schon wieder…“

    Nachrichtensprecher: „Erneute Spannungen zwischen Israel und Iran… Deutschland liefert ein U-Boot an Israel…“
    Zuhörer: „Panik, Weltkrieg, Armageddon… die werden uns alle vernichten!!!… “

    jau, odä?

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