Eine Nazi-Demo und der neue Kurs der Polizei

Die Dortmunder Polizei hat sich verändert. Statt wie einer Besatzungsmacht trat sie im Umfeld der gestrigen Proteste gegen die Nazi-Demo als Teil der Stadtgesellschaft auf.

Von Stefan Laurin, Ruhrbarone

Ja, die Nazi-Demo in Dortmund fand gestern statt. Und ebenfalls ja, die Polizei unterband kleinere Versuche, sie durch Blockaden aufzuhalten.  Und doch war am Samstag in Dortmund vieles anders. Schon im Vorfeld hatte die Polizei ihr Bedauern darüber geäussert, dass die Demo nicht verboten werden konnte. Sie hatte sich in einer  Pressemitteilung auf die Seite des Protestes gestellt und das durch allerlei Maßnahmen im Vorfeld der Nazi-Demo auch deutlich gemacht: Razzien im braunen Milieu,  ein paar Festsetzungen örtlicher Nazi-Promis machten  klar, auf wessen Seite die Beamten stehen.

Neonazis am 31. März 2012 in Dortmund (Foto: Stefan Laurin)
Neonazis am 31. März 2012 in Dortmund (Foto: Ruhrbarone, weitere Bilder hier http://www.ruhrbarone.de/dortmund-die-nazi-demo-und-der-neue-kurs-der-polizei/)

In Dortmund hat sich vieles geändert, seitdem Norbert Wesseler Polizeipräsident ist. Ihn und Oberbürgermeister Ullrich Sierau verhöhnten die Nazis gestern auf ihren Transparenten. Darauf können beide stolz sein, es zeigt den Erfolg ihrer Arbeit. Unter Wesselers Vorgänger Schulze schwärmten die Nazis noch von der guten Zusammenarbeit mit der Dortmunder Polizei. Das ist vorbei. Die Polizei wurde für die Nazis innerhalb weniger Monate vom Partner zum Feind. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, war es in Dortmund jedoch lange nicht.

Polizisten plauderten im Westpark mit Autonomen, die Bürger an den Sperren wurden freundlich behandelt, Familien auch ohne Kontrollen der Ausweise durchgelassen. Es herrschte gestern keine aggressive Atmosphäre in der Stadt. Es hat sich eine Menge geändert in Dortmund.

Das merkte man auch an den Orten der Auftakt- und Abschlusskundgebung der Nazis.  Es gab gestern wohl kaum eine windigere und kältere Ecke als die Mulde zwischen Harenberg-Center und Bahndamm, wo der  Naziaufmarsch begann. Polizeiwagen bildeten eine Wand zwischen Kundgebungsort und Wall. Der Verehr floss fast den ganzen Nachmittag ohne Störungen, die Nazis blieben fast unsichtbar. Die Demo selbst geriet zum Spießrutenlauf, vorbei an Gegendemonstranten, die die Nazis beschimpften und verhöhnten. Früher unterband die Polizei in Dortmund jeden Protest in Nähe der Nazis – gestern ließ sie ihn zu – zum ersten Mal bei einer Demo seit 2005 –  und schützte die Demonstranten vor den Nazis, als die sich auf einen Mann stützen wollten, der zwei halbvolle Luftballons mit Wasser auf sie warf.

Sicher, Dortmund ist noch immer eine Nazihochburg. Und es ist nicht nur die Aufgabe der Polizei, das zu beenden. Aber mit der Einrichtung der Task Force gegen die Nazis in Dorstfeld, der Taktik der Nadelstiche gegen die Braunen, der Drohenden Räumung des Nazi-Zentrums an der Rheinischen Straße und der Offenheit gegenüber Protesten sind Stadt und Polizei dabei, ihren Teil zur Lösung des Problems beizutragen. Den Rest, den Großteil der Arbeit, müssen alle Bürger gemeinsam leisten.

Siehe auch:  Kristina Schröders Kuschelworkshop für Neonazis, Schlechte Aussichten für Dortmunder Nazis

 

10 thoughts on “Eine Nazi-Demo und der neue Kurs der Polizei

  1. das ist doch mal eine gute nachricht! aber selbst in diesem ominösen internet sollten artikel korrektur-gelesen werden!

  2. Mal ganz ehrlich lieber Stefan, kannst Du mir bei deiner ganzen abfeierei der Polizei kurz folgenden Sachverhalt erklären?
    https://www.youtube.com/watch?v=iZVDkyOWyhA
    Oder hat sich seit der Gedenkkundgebung für Schmuddel und der Demo dein beschriebemer Wechsel innerhalb der Polizei vollzogen? Nein. Und eben deshalb ist es gerade zu fahrlässig der Dortmunder Polizeit und seiner Führungsriege einen solchen Persilschein auszustellen.

  3. „yeah! yeah! yeah! polizei! polizei!
    endlich stehen sie auf der richtigen seite! I love cops!“
    der artikel ist hoffentlich ein aprilscherz…

  4. @“Anonymous“: Sorry, aber wer Polizisten angreift oder probiert, direkt zu jemandem zu gelangen, der gerade festgesetzt wird, ist selbst schuld.
    Das, was ich in dem Video sehe, ist folgendes: Eine Person wird von der Polizei festgesetzt, andere versuchen, dies entweder zu verhindern oder zu der festgesetzten Person zu gelangen und bekommen dann auch Ärger. Weiterhin gibt es Personen, die Polizisten direkt angehen und sich dann wundern/beschweren, wenn sie von diesen im Gegenzug ebenso attackiert werden.

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