EU-Diplomatie: Mit toten Kindern gegen Israel

Der Chef der SPD spricht im Zusammenhang mit Israel von einem Apartheidsregime, der iranische Präsident Ahmadinedschad leugnet im deutschen Fernsehen den Holocaust – und die EU-Außenbeauftragte Ashton missbraucht die Opfer des Anschlags auf eine jüdische Schule in Frankreich, um Israel auf die Ebene des Staatsterrorismus zu ziehen. Europa – ganz alt.

Von Redaktion Publikative.org

„Wenn wir daran denken, was heute in Toulouse passiert ist, erinnern wir uns daran, was letztes Jahr in Norwegen passiert ist, wir wissen, was momentan in Syrien passiert und wir sehen, was in Gaza und an anderen Orten passiert, wir denken an junge Menschen und Kinder, die ihr Leben verloren haben,“ sagte Ashton nach einem Bericht der Nachrichtenagentur AFP am Montag am Rande eines Treffens mit palästinensischen Jugendlichen in Brüssel.

Antiisraelische Propaganda auf einer FB-Seite eines linken Deutschen.
Antiisraelische Propaganda auf einer FB-Seite eines linken Deutschen.

Ashton, Chefdiplomatin der EU, schmeißt also rechtsextreme Mörder, die eine geplante Jagd auf Kinder und Jugendliche veranstalten, einen Machthaber, der Krieg gegen die Bevölkerung führt und tote Kinder im Gazastreifen in einen Topf.  Das israelfeindliche Europa darf jubeln: Die Propaganda vom Terrorstaat Israel hat es bis ganz nach oben geschafft.

Israel wies Ashtons implizierten Vergleich zwischen rechtsextremen Terrorakten und dem Vorgehen des jüdischen Staates zurück. Verteidigungsminister Ehud Barak forderte Ashton laut Welt auf, ihren Vergleich zurückzunehmen. Er sei „abscheulich und weit von der Realität entfernt,“ sagte Barak. Israel gehe im Gazastreifen „mit der der allergrößten Vorsicht vor, um die Leben Unschludiger zu schützen“. Er hoffe sehr, „dass die EU-Außenbeauftragte ihren Fehler einsieht“. Oppositionsführerin Tzipi Livni sagte: „Es gibt keinerlei Gemeinsamkeit zwischen einem Akt des Hasses oder einem Machthaber, der sich gegen sein eigenes Volk wendet, und ein Land, das Terrorismus bekämpft, selbst wenn dabei Zivilisten ums Leben kommen sollten.“

„Antisemitischer Reflex“

Zur Erklärung der EU-Außenbeauftragten Ashton zum Anschlag in Toulouse erklärte Volker Beck von den Grünen, es sei  „ein antisemitischer Reflex, bei toten jüdischen Kindern daran zu erinnern, dass in Gaza auch Kinder sterben. Statt Inne zu halten und den Opfern zu gedenken entsteht bei Ashton der Eindruck, sie wolle die Tat politisch relativieren. Der gestrige Anschlag erfüllt uns alle mit Trauer. Unser Mitgefühl gilt deshalb uneingeschränkt den Familien und Freunden der Opfer.“

In einer Stellungnahme aus Ashton Büro hies es erwartungsgemäß, ihre Äußerung sei natürlich missverstanden worden. Sie habe „über Tragödien gesprochen, die Kinder überall auf der Welt das Leben kosten und keinerlei irgendwie geartete Parallele zwischen den Umständen des Anschlags von Toulouse und der Situation in Gaza gezogen.“ Wie im Fall Gabriel gilt offenbar auch für Ashton: Das Problem sind nicht die Aussagen, sondern immer die, die diese angeblich falsch interpretieren.

Jene, die ohnehin im Zusammenhang mit Israel von Staatsterrorismus, Völkermord und Apartheid reden, werden die Signale aus Brüssel aber deuten können. Um Israel mal kritisieren zu können, ist es auch legitim, Opfer von offenkundig antisemitischen Anschlägen  zu benutzen.

Siehe auch: Kein Po und Busen, dafür tote JudenGabriels Apartheid-RegimeJüdische Ikone der Israelgegner

19 thoughts on “EU-Diplomatie: Mit toten Kindern gegen Israel

  1. Mit ganz großen Kanonen auf sehr kleine Singvögel….

    Bitte komplett Zitieren:

    „Wenn wir uns an junge Menschen erinnern, die unter allen möglichen furchtbaren Umständen getötet wurden – die belgischen Kinder, die ihr Leben in einer schrecklichen Tragödie verloren haben und wenn wir daran denken, was heute in Toulouse geschehen ist, wenn wir uns daran erinnern, was vor einem Jahr in Norwegen passiert ist, wenn wir wissen, was in Syrien passiert, wenn wir sehen, was in Gaza und in anderen Teilen der Welt geschieht – dann erinnern wir uns an junge Menschen und Kinder, die ihr Leben verloren haben“

    Das ist das Ursprüngliche Zitat, wie es veröffentlicht wurde.
    nach dem Nachhören wurde auch nach Gaza noch Sderot eingefügt….
    http://www.tagesspiegel.de/politik/vergleich-zwischen-toulouse-und-gaza-empoerung-in-israel-ueber-ashton-rede-niederschrift-nun-korrigiert/6350028.html

    da zeigt sich mal wieder das hübsche selektive Zitieren, wie wir es ja schon bei der Gauck-Diskussion gesehen haben.
    Was wird also in zusammenhang gestellt:
    Tote Kinder durch Terror, Tote Kinder durch Unfälle, Tote Kinder durch Kollateralschaden….
    (tatsächlich könnte man nach der gleichen oben genannten Vergleichsmethodik die Kollateralschäden durch israelische Militäraktionen mit dem tragischen Tunnelunglück in der Schweiz vergleichen, ich erwarte jetzt bitte umgehend den Aufschrei der arabischen Liga!)

    Ich frage mich ernsthaft, warum bei jeder nicht 100% lobenden und blumenstreuenden Erwähnung von Israel sofort die Antisemitismus-/Antiisraelismuskeule ausgepackt wird. Dieses Verfahren kenne ich auch von anderen „Proisraeliten“. Allerdings ist dieses Vorgehen Kontraproduktiv und spielt im Endeffekt nur den eigentlichen Antisemiten in die Hände.

    Es gibt genügend mehr als unpassende Vergleiche (z.B. den Gabriel-Vergleich, um mal was aktuelles zu bringen) aber hier was aufzublähen, ist doch vollkommener Unfug!
    Jeder kann in alles irgendwas reininterpretieren, und das wird ja auch weidlich gemacht, aber häufig ist eine Zigarre einfach eine Zigarre und nicht in jedem Rohrschach-Test muss man unbedingt irgendwelchen Schweinskram sehen. Man kann ja auch aus Juden oder Wolfgang Benz Antisemiten machen, wenn man sich nur richtig Mühe gibt.

    Mike

  2. Pingback: Tolouse « PRSLM!
  3. Danke Mike für deinen Beitrag!

    Mit der Tatsache, dass ein europaweiter Antisemitismus existieren soll tue ich mich auch eher schwer. Ich fliege gern nach Israel, weil ich Land und Leute sehr schätze aber trotzdem kann ich ohne schlechtes Gewissen sagen, dass die Politik der Regierung Netanyahu Kritikwürdig ist und teilweise auch katastrophal. Genauso wie die der palästinensisch Autonomiebehörde.

    Wenn ich Bekannten in Israel erzählen würde, dass man deswegen schon als Antisemit bezeichnet werden kann, klopfen die sich auf die Schenkel vor lachen.

    Liebe Grüße,

    Christian

  4. @publikative

    Ihr Artikel ist vielleicht gutgemeint… aber wie so oft, ist gutgemeint etwas anderes als gutgemacht.

    Nein, jetzt kommt kein Geheule ala „Aber Israel ist doch soooo böse“. Sicher Israel macht als Staat Fehler, auch große, keine Frage, eben weil er ein Staat ist.

    Aber darum geht es nicht, es ist eher die auf dieser Seite, in diesen Fall und leider meist auch allgemeine gemachte Gleichsetzung „Tote Kinder in Gaza=Israelische Angriffe/Vorgehensweise“.

    JA, ich weigere mich den Denkmuster, selbst wenn es wie hier aus gutgemeinten Motiven entstanden ist. Frau Ashton musste nicht einmal Israel erwähnen, das machen die „Verteidiger Israels“ und Befürworter ganz freiwillig und schwafeln geschlossen etwas von „Angriffen bei denen auch Zivilisten sterben“.

    Natürlich, so blauäugig, das ich glaube Frau Ashton meint etwas anderes als Palästinenser Kinder die durch Israelische Angriffe getötet wurden bin ich nicht.
    Trotzdem begrüße ich sie zu dieser Aussage, den auch ich gedenken den jungen Menschen die in Gaza getötet werden, misshandelt werde und in Angst leben… dank einer Hamas die ständig nach „Kollaborateure mit Israel/Fatah“ sucht um sie auszumerzen, die die Meinungsfreiheit hart einschränkt, deren Splittergruppe gegenseitig Kleinkriege führen… kurz eine Hamas die einen terrorisiert wenn man nicht auf Marschrichtung ist(und nicht einmal das nützt einen manchmal).

    Fest zuhalten ist: Das „Palästina=Opfer/Israel=Täter“ Schema ist mittlerweile überall fest verankert, und führt zu gutgemeinten Antisemitismus. Das der trotzdem so beschissen ist wie der „normale“ dürfte klar sein.

    @Alex

    Noch eine kurze Anmerkung zum „irren“ Ahmadenidschad, genau das ist ein böser Fehler, genauso wie zum Beispiel die Verklärung eines Breiviks als Wahnsinnigen.
    Diese Personen, sind nicht „Irre“, sie sind massiv Ideologisch, sie denken diese zu Ende.
    Es wäre „schön“ wäre Antisemitismus, Rassismus, Homophobie und co. nur deswegen möglich: „Weil die halt alle nicht richtig im Kopf sind“ Dann bräuchten wir die alle nur ärztlich zu Behandeln und gut ist es.
    Leider gibt es keine Behandlung für den Mist, Überzeugungen sind keine Krankheiten.

    @Mike

    Och stimmt der arme Gauck… Publikative hat dort wunderschön nachgelegt und das „Es ist alles aus den Kontext gerissen“ damit gekontert in dem mal der Kontext aufgezeigt wurde…

    Zum Nachhören,… so zufällig wurde was überhört, aber jetzt haben wir ja nach dem ganzen unverständlichen Aufschrei nochmal nachgehört und alles ist gut… klaro 😉

    Und zu ihren Vergleich „Tode beim Busunglück in der Schweiz und Tode in Gaza“, wenn ernst gemeint, ja in der Tat, diese Gleichsetzung ist genauso bescheuert. Wenn das sarkastisch ala regt euch ned auf gemeint war, dann IST der Satz bescheuert.

    Zu einen Benz, der mittlerweile die Taten Breivik als „normale Gewalt“ tituliert, schreib ich nichts mehr…

  5. @ Mothra: Das man über Gauck viels kritisieren kann, habe ich nirgendwo bestritten. Fakt ist, dass in der Auseinandersetzung einige seiner Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen und massiv überinterpretiert wurden. Dadurch wurde er durch einige bereits zum neuen Gottseibeiuns aufgebaut… Der er nun wirklich nicht istm genausowenig wie er die neue Heilsgestalt der deutschen Politik ist.

    zum Vergleich: kann man so sehen, kann man auch anders sehen. Jedenfalls ist die Riesenwelle, die darum gemacht wurde, irgendwie nicht so ganz dem Anlass angemessen.

    Zu Benz:
    Wieder mal aus dem Zusammenhang gerissen zitiert:
    Benz: „Ich fürchte, dass kaltblütige Taten wie die von Oslo und Toulouse normale Gewalt in einer Massengesellschaft ist. Dies hat es immer gegeben, auch in Europa. Im 19. Jahrhundert versetzten russische Anarchisten mit Bombenanschlägen die Gesellschaft in Angst. Die Sicherheitsbehörden müssen nun vor allem mögliche Nachahmer der Tat von Toulouse verhindern.“

    Er fürchtet, dass…
    und natürlich hat es derartige kaltblütige Taten immer schon gegeben, ich erinnere nur an das Oktoberfestattentat… an Bologna…
    Machen wir uns doch nichts vor! Solche Taten sind keine abstrusen „Einzelfälle“ sondern sie werden wieder geschehen. es dürfte kein Grund zur Beruhigung sein, wenn solche Taten tatsächlich „normal“ = in der „Massengesellschaft an sich“ angelegt sind.

    Darüber wäre jetzt zu diskutieren, in wie weit extremistische Gewalttaten sich aus der heutigen Gesellschaftsstruktur selbst heraus ergeben.

    Mike

  6. Wird hier sonst nicht immer das „Israel-Kritik =/= Antisemitismus“-Schild hochgehalten?

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