Mit der V2 gegen den Iran?

Wollen die USA den Iran mit einer V2 angreifen, die im Stollen des KZ Mittelbau-Dora gebaut wurde? Wohl kaum. Doch die Bebilderung eines taz-Interviews legt diesen Gedanken zumindest nahe.

Von Benjamin Mayer

Die Situation zwischen Israel und dem Iran spitzt sich immer weiter zu. Befürchtet wird ein Präventivschlag Israels, um das iranische Atomprogramm zu stoppen. Passend zur angespannten Lage fand sich ein Interview mit dem außenpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Gernot Erler bei TAZ-Online.

Bemerkenswert ist aber vor allem die Bebilderung des Interviews. Ausgewählt hatten die Redakteure eine Aufnahme, welche aus dem Stollen der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora stammt. Zu sehen war ein Antriebsteil der „V2“, die Rakete, mit welcher die Nationalsozialisten vor allem London und Antwerpen ab 1944 bombardierten. Die Waffen ließen die Nazis seit 1944 in der Nähe der Thüringischen Stadt Nordhausen im Konzentrationslager Mittelbau bauen. Tausende Menschen starben vor allem bei Arbeiten am Stollensystem, in welchem die Waffenproduktion als Schutz vor Luftangriffen untergebracht war.

Screenshot von taz-online (09.03.2012, 17:33 Uhr)

Und eben aus jenem Stollensystem stammt die Aufnahme, mit welcher die Redakteure von TAZ-Online das Interview über Waffenlieferungen an Israel bebilderten. Ein Zusammenhang ist schlicht nicht erkennbar. Wenig passend auch die Bildunterschrift: „Bunkerbrechende US-Waffen könnten einen Präventivschlag verhindern.“

Auch Stunden nach einem Hinweis auf das höchst unpassende Bild aus einem KZ im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Israel und Iran war das Foto der dpa noch online. Ob die Nachrichtenagentur oder die taz das Bild falsch eingeordnet haben, ist unklar, kurios bleibt dieses kleine Missgeschick aber.