Ist geistiges Eigentum Diebstahl?

„Tatsache ist, dass sich das Problem des illegalen Kopierens von Netzinhalten gar nicht lösen lässt, solange nicht allen der Wert von geistigem Eigentum bewusst ist.  […]

Vielleicht wäre es daher tatsächlich sinnvoll – wie von vielen Netzaktivisten gefordert – Netzinhalte prinzipiell freizugeben, sprich: zu vergesellschaften und im Gegenzug das Bewusstsein für den Wert solcher Inhalte zu schärfen, um auf diese Weise einen Wandel von der allgegenwärtigen Kopier- und Umsonst- hin zu einer Bezahl-Mentalität im Internet zu erreichen. […]

Über eines müssen sich die Befürworter einer Vergesellschaftung von Netzinhalte klar sein: Wenn man mit geistigem Eigentum kein Geld mehr verdienen kann, dann werden es andere tun. Kunst und Kultur würden dann gezwungenermaßen dorthin zurückkehren müssen, wo sie vor langer Zeit schon einmal waren: Zum Mäzenatentum“, meint Ulrich Woelk in seinem Politischen Feuilleton auf Dradio Kultur.

14 thoughts on “Ist geistiges Eigentum Diebstahl?

  1. Ich sehe noch mehr Möglichkeiten als nur das genannte Mäzenatentum. Zum einen gibt es das noch, zum Beispiel in der Forschung, dort wurden die Mäzen institutionalisiert und heißen heute Max-Planck-Gesellschaft oder Universität. Das Prinzip ist das Gleiche: Kreative (hier Forscher_innen) bekommen Geld und können machen worauf sie Lust haben (leicht vereinfacht).
    Eine andere Möglichkeit ist die Auftragsarbeit. Auch diese gibt es schon heute, zum Beispiel in der Werbeindustrie. Kreative schaffen Werbespots im Auftrag von anderen Leuten und werden dafür bezahlt.
    Die dritte Möglichkeit ist Crowdfunding. Hier wäre als bekanntestes Beispiel Kickstarter zu nennen, dass in diesem Jahr voraussichtlich mehr Geld vergeben wird als die (zugegebenermaßen unterfinanzierte) US-Kulturstiftung. Auch hier gibt es Konzepte für den Journalismus.
    Des weiteren gibt es das noch einzuführende bedingungslose Grundeinkommen. Ein Betrag der jedem Menschen die Existenz sichert und mit dem dann der Mensch entscheiden kann was er in seinem Leben machen möchte – zum Beispiel Musik oder Nachrichtenrecherche.
    Vier Möglichkeiten die alle parallel funktionieren und alle besser sind als ACTA und die dahinter stehende Geisteshaltung.

  2. Die Rede vom „Diebstahl geistigen Eigentums“ und der unvermeidliche Diebstahl im Supermarkt-Vergleich sind schlicht irreführend. Es werden unerautorisierte Kopien erstellt – nichts „gestohlen“. Beim Ladendiesbstahl „kopiere“ ich aber nicht die Tafel Schokolade, sondern entwende sie.

  3. Lieber Patrick,
    an anderer Stelle habe ich gelesen, Du wärest nicht mehr bereit, 30-40€ für ein Konzert auszugeben. Mein Ansatz ist mittlerweile: Fast nichts mehr für Konserven ausgeben (ausser für die wirklich wichtigen Scheiben) und dafür vermehrt auf Konzerte gehen. Kann ich mir durch die Umsonstkultur nämlich leisten. Wenn ich dran denke, dass bei mir unterm Bett an die 500 CDs lagern (alle zwischen 10 und 20€), habe ich gefühlt noch etwas Kredit der Musikindustrie gegenüber…
    An Herrn Regener habe ich übrigens bislang für die Herr Lehmann Trilogie in Papierform meinen vollen Beitrag gezahlt und zwar gerne. Was ich nicht verstehe ist, warum ein Hörbuch 35€ kosten muss. Tut mir leid, dann lieber illegaler Fan.

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