Klarsfeld: „Mein Thema ist Antifaschismus“

Während Joachim Gauck nach seiner Nominierung zum Kandidaten von CDU, CSU, FDP und Grünen zunächst schwieg, hat Beate Klarsfeld, die gestern von der Linken nominiert wurde, sofort Stellung bezogen. „Man nominiert hier eine Deutsche“, sagte sie der Jüdischen Allgemeinen, „deren Lebenswerk immer von drei Punkten geprägt war: zu verhindern, dass Nazis in einflussreichen Stellungen sind, NS-Verbrecher in Deutschland und im Ausland aufzudecken und zu bestrafen. Und dann vor allem auch die Solidarität mit Israel.“

Beate Klarsfeld at Beyrouth, Lebanon, 1986
Beate Klarsfeld at Beyrouth, Lebanon, 1986

Die 73-jährige Klarsfeld lobte den Mut der Linkspartei, jemanden aufzustellen, der 1968 Bundeskanzler Kiesinger geohrfeigt hatte. Sie müsse „nicht mit allen Thesen der Linken übereinstimmen, entscheidend ist, dass sie mich und meine Arbeit achtet“, so Klarsfeld.  In ihrem Leben sei immer die Solidarität mit dem Staat Israel wichtig gewesen, betonte sie: „Ich wollte eine Brücke zwischen dem deutschen und dem jüdischen Volk schlagen. Das ist gelungen, und dafür wurde ich von der Knesset zweimal für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Das ist für eine Deutsche einzigartig.“ Sie nehme allerdings an, dass nicht alle einverstanden waren mit ihrer Kandidatur, „dass nicht alle die gleiche Einstellung gegenüber Israel haben“. Aber sie sei einstimmig vom Geschäftsführenden Vorstand der Linken nominiert worden, was heißt, dass mich auch diejenigen gewählt haben, die meine Haltung zu Israel nicht teilen“, betonte Klarsfeld.

Sie sieht in ihrer Kandidatur ein Zeichen: „Man nominiert hier eine Deutsche, deren Lebenswerk immer von drei Punkten geprägt war: zu verhindern, dass Nazis in einflussreichen Stellungen sind, NS-Verbrecher in Deutschland und im Ausland aufzudecken und zu bestrafen. Und dann vor allem auch die Solidarität mit Israel. Ich halte es als Antifaschistin für meine moralische Pflicht, mich für die Opfer einzusetzen, die verfolgt worden sind. Angesichts der neonazistischen Gewalttaten, die in Deutschland in der jüngeren Vergangenheit geschehen sind und für deren Aufklärung sich auch besonders Die Linke einsetzt, ist meine Kandidatur ein Signal.“

Während Gauck in seiner ersten öffentlichen Stellungnahme nach seiner Nominierung eine Geschichtsvergessenheit gegenüber der Stasi beklagte, setzt Klarsfeld andere Punkte: „Mein Thema ist Antifaschismus. Mein erster Weg als Bundespräsidentin wäre der zum Grab von Hans und Sophie Scholl.“ Schade, dass Rot-Grün dafür nach der NSU-Terrorserie nicht zu gewinnen ist – auch ein Zeichen.

Alan Posener schrieb dazu: „Natürlich müsste für die Russen die Aufarbeitung der Verbrechen der Kommunisten im Vordergrund „des nationalen Diskurses“ stehen. Das ist nicht die Frage. Auch die Opfer des Stalinismus jedoch müssen anerkennen, dass bei der Niederringung Hitlerdeutschlands und die Befreiung des KZ Auschwitz Stalin auf der Seite der Engel stand. Hitler stand dort nie. Der 8. Mai 1945, sagte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker, sei auch für uns Deutsche ein Tag der Befreiung gewesen. Wird der künftige Bundespräsident Joachim Gauck dieses Wort wiederholen? Man darf es bezweifeln und es daher als besonders merkwürdig empfinden, wenn der Pfarrer a.D. in der Bundesversammlung die Stimmen von SPD und Grünen erhält.“

Beate Klarsfeld hatte sich als “Nazi-Jägerin” einen Namen gemacht, bekannt wurde sie besonders, weil sie 1968 den damaligen Bundeskanzler Kiesinger  geohrfeigt hatte. Sie engagiert sich seit Jahren für Ausstellungen über jüdische Kinder, die von der Reichsbahn in den Tod deportiert wurden. Hier ein Interview mit Klarsfeld, aus dem Jahr 2007.

Siehe auch: Lengsfeld und die demagogischen VersatzstückeNoch mehr “Schweinejournalismus!”Klarsfeld gegen Gauck?Die Gauck-Debatte in den sozialen NetzwerkenVoll im Kontext: Gauck und die Überfremdung

6 thoughts on “Klarsfeld: „Mein Thema ist Antifaschismus“

  1. Ich für meinen Teil, halte die Nominierung von Frau Klarsfeld für buchstäblich „unglücklich“: gerade WEIL sie so engagiert ist. Ein repräsentieren der Bundesrepublik Deutschland, würde ihr – mehr als mutmaßlich – durch die unzähligen Antisemiten, Antikommunisten des „Kalten Krieges“, Iran-Freunden etc. UNMÖGLICH gemacht. Wenn schon ein salon-bolschewistisches Blättchen a`la „Junge Welt“ – sich als „links“ sehend – propagandistische Geschütze nach JN/NPD-Muster und deren braunen „Antiimperialismus/Antizionismus“ auffährt, da die „Junge Welt“ meint einen Iran verteidigen zu müssen, der seinen antisemitischen Support u.A. durch deutsche Neonazis erhält und diesen in seine Propaganda gegen Israel einfliessen läßt, dann wird man sich wohl ausmalen können, welchem Feuer eine zukünftige Bundespräsidentin Klarsfeld von Kreisen ausgesetzt wäre, die rechts neben der „Jungen Welt“ stehen… Zuerst ging ich wirklich davon aus, dass es sich bei dieser Nominierung um einen „Joke“ handeln würde.

    Hinsichtlich der „Jungen Welt“ und deren Verhältnis zum Iran, bin ich „schmunzelnd“ an die DDR erinnert: Es fehlte nur noch, dass die „Junge Welt“ bzgl. des Iran von einem „jungen, sozialistischen Nationalstaat“ redet, der sich dem „kapitalistischen Weltblock“ erwährt… Die „Deutsche Stimme“ und die „Junge Welt“ sollten zusammenarbeiten, da zumindest ich nicht mehr weiß`, Wer nun eigentlich Wem zuarbeitet. Erschwerend kommt hinzu, dass offenbar die Autoren und Redakteure des, durch Jens aufgezeigten, Artikel der „Jungen Welt“, so furchtbar ungebildet sind. – Dort sollte man sich im Vorfeld der Artikel etwas schlauer zu den religiös motivierten Zielstellungen hinsichtlich der „Vernichtung der Juden“, zur „Hizb`allah“ und zu den schiitischen Fatwas (Richtlinien) im Iran machen, anstatt deren politische Linie in den Einklang mit den „klassenkämpferischen Zielen“ einer deutschen „Linken“ bringen zu wollen. Diese Dummheit der „Jungen Welt“ ist ja einfach nur erschreckend…

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