Behörden ignorierten offenbar Adressliste mit gesuchten Nazis

 Screenshot aus dem NSU-Bekennervideo (Publikative.org)
Screenshot aus dem NSU-Bekennervideo (Publikative.org)

Bei der Fahndung nach den untergetauchten Rechtsextremisten Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe kam es seinerzeit offenbar zu einer weiteren „Panne“, wie es Der Spiegel nennt. Im Zuge einer Hausdurchsuchung im Jahr 2000 war bei dem Chemnitzer Neonazi Thomas S., 44, der inzwischen wegen mutmaßlicher Unterstützung der Terrorzelle NSU im Visier der Ermittler steht, eine Adressaufstellung gefunden worden, die auch die Namen Mundlos und Zschäpe enthielt. Das berichtet das Nachrichtenmagazin in seiner jüngsten Ausgabe. In der Liste tauchten demnach zahlreiche andere Namen und Adressen von heute verdächtigen NSU-Unterstützern auf.

S. galt Ende der 1990er Jahre als Führungsfigur der Chemnitzer Neonazi-Szene. Laut aktuellen Zeugenaussagen soll er damals der Skinhead-Gruppe „CC 88“ angehört haben, zu der auch die mutmaßlichen NSU-Unterstützer Jan W. und Mandy S. Kontakt hatten, schreibt der Spiegel weiter. S., der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, wurde bereits wegen Volksverhetzung, gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch in besonders schwerem Fall verurteilt. Die Ermittler verdächtigen ihn nun, dem Trio Böhnhardt, Zschäpe und Mundlos vor ihrem Abtauchen im Januar 1998 rund 1,4 Kilogramm TNT beschafft zu haben.

Die im Jahr 2000 gefundene Adressliste wurde laut Spiegel damals offenbar weitgehend ignoriert. Die Sachsen schickten sie an das Thüringer Landeskriminalamt – und hörten angeblich nie wieder davon. Ein weiteres Indiz für den skandalösen Umgang der Behörden mit der Gefahr durch Rechtsterroristen.

Siehe auch: Straßenverkehrsordnung schützte Nazi-Trio