‎“Education for death“

‎“Education for death“ ist ein US-amerikanischer von Walt Disney produzierter Zeichentrickfilm, der am 15. Januar 1943 uraufgeführt wurde und der ursprünglich auf dem gleichnamigen Buch von Gregor Ziemer basiert. Er wurde, wie auch „Der Fuehrer’s Face“, als Anti-Nazipropaganda während des Zweiten Weltkriegs produziert. Kriegspropaganda wurde von allen Seiten betrieben, wobei dieses Dokument qualitativ heraussticht.

Dank an Ramon Schack für den Hinweis.

4 thoughts on “‎“Education for death“

  1. man sollte dabei nicht vergessen zu erwähnen, weshalb vorallem Walt Disney selbst gegen Hitler Stimmung machte. Er war Republikaner, Nationalist, Antikommunist, gläubiger Christ und tendenziell Antisemit und Antijudaist. Auch das kommt in dem Film zum Ausdruck, beispielsweise ab 8:56 min. als anstelle einer Synagoge eine Kirche Ziel von Nazibanden wird. Deutlich werden seine Einstellungen auch in einem weiteren Film aus dieser Zeit: http://www.youtube.com/watch?v=HAa05fFXKVk . Ich denke diese Fakten sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn man sich mit solchem Material auseinandersetzt.

  2. Die antikommunistische und nationalistische, z. T. sogar rassistische Gesinnung Disneys ist mir bekannt. Dennoch war es psychologisch sehr sinnvoll, in diesem Film Kirchen als Ziele der NS-Aggression zu zeigen – denn auf antisemitische Gewalttaten hätten wahrscheinlich die meisten Zuschauer mit einem achselzuckenden „Schlimme Sache. Aber was gehen mich die Juden drüben in Europa an?“ reagiert. In einer Gesellschaft, in der (christliche) Religion eine so große Rolle spielt wie in den USA, mobilisieren Bilder brutal zerstörter Kirchen weitaus mehr, als das z. B. in Frankreich, Skandinavien oder auch Großbritannien der Fall gewesen wäre. Geschickte Propaganda ist kulturspezifisch.
    Der Film stärkt, wenn auch mit propagandatypischen Mitteln, das Bewusstsein dafür, dass Nazideutschland nicht „nur“ für Juden gefährlich war, und seine Aggression nicht „nur“ auf Europa beschränken würde.
    Ein weiterer Aspekt: „das Christentum“ steht im Kontext von „Education for Death“ auch für eine bestimmte, zwar nicht genuin christliche, aber im allgemeinen Bewusstsein (nicht immer zurecht) mit den Christentum verbundene Ethik: Gleichheit der Menschen, Rücksichtnahme gegenüber Schwachen, Wertschätzung des einzelnen Menschen, Wichtigkeit des Gewissens und der Gewissensprüfung, Wertschätzung jeden menschlichen Lebens, auch des Eigenen. Dagegen die Ethik des Faschismus, vor allem der Nazis: Ungleichheit, „Recht des Stärkeren“, Unterordnung des Einzelnen unter die „Volksgemeinschaft“: „Du bist nichts, dein Volk ist alles“, „das Gewissen ist eine jüdische Erfindung“, „lebensunwertes Leben“ und die beinahe selbstverständliche Erwartung, gegebenenfalls das eigene Leben für „Vaterland und Führer“ zu opfern.

    Ich könnte z. B. auch kritisieren, dass umgedichtete Volksmärchen im der realen Nazideutschland keine entscheidende Rolle spielten, dafür aber alte Mythen auf NS-Weltanschauung zurechtgebogen wurden. Aber Aschenputtel kennt jeder, die Edda eher nicht, und auch die Kenntnis des Nibelungenliedes und der berüchtigte „Nibelungentreue“ in deutschnationaler Lesart kann nicht vorausgesetzt werden.
    Genau so ist es mit der Namensliste. In dieser Form gab es nicht nicht. Aber sie illustriert, wie sehr sich der Staat in die persönlichsten Dinge einmischte.
    Hingegen ist die Art und Weise, wie brutaler Sozialdarwinismus im Biologie-Unterricht vermittelt wurde, sehr nahe an der nazideutschen Realität. Auch die ungeheuerliche Idee, schwächliche und kranken Kindern nicht zu helfen, sie sterben zu lassen oder (was in dem Film nicht vorkommt) aus „eugenischen Gründen“ umzubringen, ist hart an der Realität.

    Positiv gegenüber anderen, auch us-amerikanischen, Propagandafilmen dieser Zeit: er zeigt, dass nicht etwa irgendeiner quasi-genetisch gedachter „deutscher Nationalcharakter“ für die deutschen Gräueltaten verantwortlich ist, sondern dass Nazi-Mörder „gemacht“ wurden, und auch eine Idee davon vermittelt, wie sie gemacht wurden.
    Er macht auch deutlich – meine Ansicht nach anders als der sehr viel unterhaltsamere und daher wohl wirkungsmächtigere – Disney-Trickfilm „The Fuehrers Face“ – dass US-Amerikaner nicht schon deshalb gegen die „Erziehung für den Tod“ gefeit waren, nur weil sie Amerikaner seien.

  3. …angeblich litt Walt Disney an einer unheilbaren Tyrannophobie. Böse Zungen behaupten ausserdem er sei weder Jude noch vollwertiger Antisemit und lasse sich deshalb schlecht in einfache Weltbilder einordnen.

Comments are closed.