Noch mehr „Schweinejournalismus!“

Mit Schaum vor dem Mund geifern die Gauck-Fans aus allen fünf Nominierungsparteien derzeit gegen kritische Stimmen: Gegen die vermeintlichen Online-Dilettanten, die nicht richtig zitieren können und alles aus dem Kontext reißen, weil ihr Gehirn nur noch in Twitter-Textlängen denke. Zeit, klar und deutlich zu sagen: Mitnichten, liebe Leute, mitnichten! Denn warum um alles in der Welt sollten linke, linksliberale, sozialdemokratische Wählerinnen und Wähler diesen Kandidaten mittragen?

Von Andrej Reisin

"Wir sind Präsident!" - Ausschnitt aus dem Titelbild der jungen Freiheit (Foto: Screenshot / Junge Freiheit)
„Wir sind Präsident!“ – bei der „Jungen Freiheit“ weiß man, was man an Gauck hat. (Foto: Screenshot / Junge Freiheit)

„Wir sind Präsident!“ titelte die „Junge Freiheit“ (JF) – Deutschlands wichtigstes Sprachroher derjenigen, die sich mehr oder weniger rechts von der Union als die wahre, die eigentliche Nation sehen – angesichts der Nominierung von Joachim Gauck zum Bundespräsidenten-Kandidaten. Gauck werde, jubilierte die national-konservative Wochenzeitung, ein „Präsident des Volkes, der mit geistiger Führung überzeugen wird“ – „die Krise“ mache es möglich. In mehreren Kommentaren ergänzte JF-Gründer und Chefredakteur Dieter Stein, warum er und seine Zeitung sich so über die Nominierung Gaucks freuen:

„Die Nominierung Joachim Gaucks ist ein Glücksgriff. Auch zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Deutschen ein verunsichertes Volk. Wir stehen im Lebensabend unserer Geschichte. Thilo Sarrazin – dem Gauck im Gegensatz zur Kanzlerin Mut für seine Thesen attestierte – hat vor zwei Jahren das drohende Szenario unserer Selbstabschaffung realistisch umrissen. Joachim Gauck – trotz konservativer Färbung keinem politischen Lager eindeutig zugehörig – ist es zuzutrauen, die Aussöhnung der Deutschen mit sich und ihrer Geschichte zu forcieren. Sein Plädoyer für Vaterlandsliebe und Freiheitswillen, sein beispielgebender Patriotismus könnten die Normalisierung unserer Nation befördern. Von ihm sind intellektuelle Impulse, geschichtspolitische Akzente zu erwarten, kurz: eine geistig-moralische Führung, zu der das versammelte Bundeskabinett nicht mehr in der Lage ist.“

Soweit die Junge Freiheit, brav im Kontext zitiert, wie es dieser Tage ja von den selbsternannten Gralshütern des deutschen Qualitätsjournalismus eingefordert wird, die ansonsten nicht das geringste Problem damit haben, Fetzen aus privaten Mailbox-Nachrichten zu zitieren, die noch nicht mal veröffentlicht und damit überprüfbar sind. Die Frage, die man vor allem SPD und Grünen stellen muss, lautet schlicht und ergreifend: Irrt sich die „Junge Freiheit“? Ist Dieter Stein auch nur nicht in der Lage, Gauck im Kontext zu lesen oder hat er stattdessen ziemlich genau studiert und verstanden, was für ein Kandidat Gauck ist – und warum in seiner Person die zitierte Riesenchance für die „Neue Rechte“ in Deutschland liegt?

Die Kritik an Gauck ist weder neu noch falsch

Die Kritik an Gauck ist weder neu, noch kommt sie einzig aus dem scheinbar ominösen Internet – wie linksliberale Politiker von Rot bis Grün und gönnerhafte Zeitungskommentare von „Frankfurter Rundschau“ bis „Süddeutscher Zeitung“ derzeit gerne glauben machen wollen. Die Wahrheit ist: Die Kollegen und ihr politisches Spektrum sind verärgert, weil sie in ihrer Begeisterung für den Kandidaten Gauck dessen für ihre eigene Klientel teilweise hochgradig problematischen Positionierungen schlichtweg übersehen, verdrängt, vergessen haben.

Mit Schaum vor dem Mund wird daher nun zurückgebellt gegen die vermeintlichen Online-Dilettanten, die nicht richtig zitieren können und alles aus dem Kontext reißen, weil ihr Gehirn nur noch in Twitter-Textlängen denke. Und Jürgen Trittin ereifert sich bei Maybritt Illner über die Kommentare von Deniz Yücel in der TAZ: Chefredakteurin Ines Pohl müsse sich bei Gauck „für ihre Zeitung entschuldigen“ – so der Grünen-Fraktionschef. Inhaltlich geht Trittin mit keinem Wort auf den von Yücel ausführlich dokumentierten Vorwurf ein, Gauck wolle die Singularität der Shoah aufheben, in dem er bewusst den Tabubruch begehe, von deren „Überhöhung“ zu sprechen.

Stattdessen wird auf Gaucks Verein „Gegen Vergessen – für Demokratie“ verwiesen – der in Wirklichkeit genau dasselbe Spiel betreibt: Man schaue sich die Aufteilung der Homepage des Vereins, den Trittin als Beleg von Gaucks moralischer Unangreifbarkeit aus dem Hut zaubert, genau an: „Nationalsozialismus / DDR / Politischer Extremismus / Demokratieförderung“ heißen dort die vier Hauptnavigationspunkte – gleichberechtigt nebeneinander. Nationalsozialismus und SED-Diktatur stehen auf einer Stufe des „Unrechts“ – ein Weltkrieg mit (50-70 Mio. Tote) und sechs Millionen ermordete Juden sind nur mehr ein Appendix der „Diktaturen“ und des „Extremismus“. Da passt die Warnung vor einer vermeintlichen „Überhöhung“ der Shoah bestens ins Bild – schade nur, dass die dürftige Vorstellung von TAZ-Chefredakteurin Ines Pohl Trittin in keiner Weise in die Bredouille brachte, sein moralinsaures „Schweinejournalismus“-Gegeifer auch inhaltlich belegen zu müssen. *(Anmerkung: siehe unten)

Nicht in unserem Namen

Dies sei hiermit nachgeholt: Gauck ist der mit Abstand wertkonservativste Präsident seit Roman Herzog, ein deutscher Protestant reinsten Wassers, in dessen Weltanschauung neben Jesus nur noch der Antikommunismus einen gleichwertigen Rang einnimmt und der, wenn er von „wir“ („wir haben doch ganz andere Traditionen“) und den „Menschen in Europa“ spricht, explizit „alteingesessene“ „Christen“ meint. Der auf Publikative.org ausführlich dokumentierte und keineswegs „kontextlos“ zitierte Text belegt dies zur Genüge: Da werden hier geborene Menschen in dritter Generation zu Repräsentanten eines vormodernen Etwas namens Islam – anstatt zu ganz normalen Staatsbürgern. Aus dem „wir“ der „ganz anderen Traditionen“ wird ein Kollektiv, aus dem die „anderen“ rhetorisch ausgeschlossen werden – ganz gleich ob sie hier geborene Staatsbürger sind oder nicht. Wer so denkt, ist noch lange kein Rassist, aber seine Vorstellung von „Nation“ bewegt sich in gedanklich recht engen Grenzen. Warum man derlei 2012 als progressiv wahrnehmen sollte, weiß der Geier – oder Jürgen Trittin.

Dass Gauck den rhetorischen Ausschlusses aus dem Kollektiv trotz Staatsbürgerschaft etwas verschwurbelt formuliert, ändert nichts daran, dass die Formulierung eines „tiefen Unbehagens alteingesessener Europäer“, die „allergisch sind“, wenn sie „überfremdet“ werden, eine Sprache spricht, die bei Dieter Stein und der „Jungen Freiheit“ eben nicht „zufällig“ auf Gegenliebe stößt – alles andere als das. Es ist die Adelung eines Ressentiments zu einem berechtigten Gefühl, das ernst genommen werden müsse – anstatt es zu kritisieren. Diese „Salonfähigmachung“ eines Ressentiments hat im deutschen Bürgertum eine lange Tradition, die von Heinrich von Treitschke und Richard Wagner bis zu Roland Koch, Martin Walser und Thilo Sarrazin reicht. Weniger problematisch wird sie dadurch nicht.

Womit wir bei der – angesichts der heiligen Fünfparteienfaltigkeit bislang nahezu ausgeblendeten poltischen Kritik – an Gauck und dessen Nominierung durch SPD und Grüne wären: Warum um alles in der Welt sollten linke, linksliberale, sozialdemokratische Wählerinnen und Wähler diesen Kandidaten mittragen? Rot-Grün hätte jede Chance der Welt gehabt, eine progressive Kandidatin zu finden. Dass sie es nicht getan haben, weil ihnen ihre eigene Anti-Wulff-Taktik auf die Füße gefallen ist – geschenkt! Aber, liebe Leute: IHR wollt MEINE, IHR wollt UNSERE Stimmen haben – nicht umgekehrt! NATÜRLICH erwarte ich, erwarten wir, dass IHR andere Kandidaten für dieses Amt findet als einen rechtskonservativen „Stinkstiefel“ (Yücel), über den sich auch die „Junge Freiheit“ freut. Denn Dieter Stein irrt sich in dieser Frage leider genauso wenig wie Deniz Yücel – und wenn Ihr noch so sehr vor Euch hin schäumt. Mit Gauck wird der politische Diskurs exakt im Sinne der Neuen Rechten verändert – ein fatales Signal für den gesellschaftlichen und politischen Fortschritt in diesem Land. Tut, was Ihr nicht lassen könnt – aber rechnet nicht mit unserer Unterstützung!

Siehe auch: Die Gauck-Debatte in den sozialen Netzwerken, Voll im Kontext: Gauck und die Überfremdung, Das rot-grüne Desaster, Wäre Gauck der bessere Schlossherr?

*Nachtrag:

Es wurde von einigen Kommentatoren kritisch angemerkt, dass die Darstellung des Vereins „Gegen Vergessen – für Demokratie“ hier viel zu oberflächlich sei. Das ist richtig, nur ging es darum auch gar nicht. Uns ist klar, dass es sich dabei um eine breit getragene Organisation handelt, die durchaus gute Arbeit macht. Aber wer sich das Selbstverständnis und die Satzung durchliest, wird darin die Worte Holocaust oder Shoah nicht einmal erwähnt sehen, überhaupt ist von der Ermordung der Juden insgesamt herzlich wenig die Rede. Stattdessen heißt es, man widme sich der:

„Aufarbeitung und Bewahrung des Vermächtnisses des Widerstands gegen die Nazi-Diktatur, zur Aufklärung über den Ursprung des Nationalsozialismus und des Faschismus und ihrer Strukturen sowie zur Darstellung der Opposition, des Widerstandes, der Verfolgung und des Exils der Gegner des NS-Regimes, zur Darstellung der Opposition, des Widerstandes und der Verfolgung im kommunistischen System durch Aufklärung über die Entwicklung des Kommunismus, zur Auseinandersetzung mit Feindbildern, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Ausländerfeindlichkeit, Antisemitismus und anderer Formen des politischen Extremismus und zur Förderung demokratischer Gesinnung beizutragen.“

Daraus ergeben sich durchaus ehrenwerte Ziele, aber eine besondere Betonung der Vernichtung der europäischen Juden ergibt sich daraus eben gerade nicht. Deswegen ist es schlechterdings unlauter, wie Jürgen Trittin bei Maybritt Illner versucht, allein mit dem Hinweis auf den Namen des Vereins eine bestimmte Kritk an Gauck zu unterbinden. Niemand hat behauptet, Gauck verleugne NS-Verbrechen. Aber er möchte sie eben in einem Kontext anderer politischer Verbrechen des 20. Jahrhunderts verstanden und bewertet wissen. Die Singulärität des Menschheitsverbrechens, für das Auschwitz gemeinhin steht, spielt dabei leider keine allzu große Rolle.

Die „Kontextualisierung“ und „Historisierung“ der Shoah ist aber gleichzeitig ein seit Jahren erklärtes Ziel der Neuen Rechten, die den Holocaust ja auch keinesfalls leugnet – sie möchte ihn eben nur nicht „überhöht“ sehen. Und genau darin trifft sie sich unserer Ansicht nach mit Gaucks Geschichtsverständnis. Mithin ist die von Yücel geäußerte Kritik keinesfalls obsolet, wie Jürgen Trittins moralische Empörung suggerieren will. Ganz abgesehen davon halten wir es für bemerkenswert, dass Trittin öffentlich fordert, die TAZ solle sich für Kommentare entschuldigen, während Christian Wulff durch Nachrichten auf Kai Diekmanns Mailbox bereits die Pressefreiheit gefährdet haben soll.

37 Kommentare zu „Noch mehr „Schweinejournalismus!“

  1. Versteh die Hysterie von beiden Seiten ehrlich gesagt nicht. Ich hoffe, dass das jetzt so langsam mal der letzte Gauck Artikel war. Damit meine ich auch die Pro-Gauck, als auch Kontra-Artikel.

    Erst soll er mal zum Präsidenten gewählt werden und dann muss man sehen, inwiefern er sich zu den Themen, die da kommen werden, äußert.

    Zweifelsohne sind die Äußerungen – egal ob sie gekürzt, falsch zitiert und ausgedacht sind – fragwürdig und bedarfen keinesfalls eines unter dem Tisch kehren. Andererseits nimmt das im Moment Züge an, die mich langweilen und ständig ohne neue Erkenntnise wiedergekaut werden.

    Mein Appell: Lasst ihn erst einmal einziehen und dann Position beziehen. Dann gibt es sicher noch genug Möglichkeiten Guack kritisch zu hinterfragen.

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  2. @ flo

    Das ist so ziemlich das Unreflektierteste, was ich seit langem gelesen habe. Wie kannst Du fordern, dass Gauck erst einmal zum Präsidenten gewählt werden solle, um danach Stellung zu beziehen? Die Frage ist doch, wie eine Person, die solche Positionen in der jüngeren und jüngsten Vergangenheit bezogen hat, überhaupt für das Amt des Bundespräsidenten nominiert werden konnte. Es geht nicht um den Vorortsbürgermeisterposten von Kleinkleckersheim, dessen Außenwirkung gegen Null tendiert, sondern um das Amt des höchsten Repräsentanten des Landes (über dessen Sinnhaftigkeit auch mal ernsthaft debattiert werden sollte). Ist er gewählt, bleibt er fünf bis zehn Jahre, oder zumindest so lange, bis ER SELBST sich für den Rücktritt entscheidet. Selbstverständlich ist die Diskussion erst um Wulff, jetzt um ihn in den Medien ermüdend, langweilig, aber eben notwendig. Damit es nicht hinterher irgendwann heißt: Man hätte es wissen müssen. Andererseits: wieso auch nicht – lenkt doch wunderbar davon ab, worüber die politische Klasse _eigentlich_ sprechen müsste.

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  3. …dann kritisieren Sie mal schön Gefühle. Sie können auch gleich einen Kreis quadrieren.

    Warum muss man im Jahre 2012 noch derlei voraufklärerische Texte wie den Ihren lesen?

    GH

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  4. Das Amt des Bundespräsidenten ist kein Schülerpraktikum, bei dem man mal nach 2 Wochen guckt, wie sich der Aspirant geschlagen hat. Es ist Aufgabe der Parteien, den Streit und die demokratische Auswahl zu gewährleisten – Partei wirken am politischen WIllensbildungsprozess mit. Diese Gauck-Show genügt nicht den hohen demokratischen Anforderungen, die wir sonst so gerne nach außen tragen. Sehr gute Analyse von Herrn Reisin. Bei Gauck sehe ich ja neben dem „was“ er sagt, auch ein großen Problem in dem „wie“ er etwas sagt. Er wird von Roth bis BILD als „toller Redner und Stichwortgeber“ gefeiert, schaffte es aber scheinbar nicht, sich in zentralen Frage der letzten fünf Jahre klar und deutlich auszudrücken. Also entweder ist er rhetorisch doch nicht so gut wie alle meinen, oder er ist ein Opportunist. In beiden Fällen wäre Zweifel ab den Beurteilungskriterien der Großen-Mega-Koalition angebracht! Das gefährlich ist doch, dass Trttin, Özdemir und Roth dermaßen angeschossen sind, dass sie gar keine Kritik an Gauck zulassen und damit ihr eigenes Debattenfeld nicht ordentlich bestellen können. Sie werden noch die bitteren Früchte der Diskursverschiebung in Richtung „bisschen HartzIV-Schelte ist okay“ und „bisschen Sarrazin Mut ist okay“ ernten und abkotzen.

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  5. Ich finde den Artikel echt zu platt. Mir ist Gauck auch zu nationalliberal, zu alteuropäisch und er hat auch die Tendenz die sozialen und wirtschaftsethischen Fragen unter den Teppich der Eigenverantwortung zu kehren. Aber mit dem Hinweis auf die Navigationsleiste einer Homepage eines Vereines in dem Gauck mitwirkt ihm Revisionismus zu unterstellen, da kann ich echt nicht mitgehen. In dem Artikel wird auch von Tabus gesprochen, die man nicht brechen dürfe. Auch das ist eine Denke, die ich nicht teile, weder das Aufstellen von Tabus, noch das vorgebliche Einreissen von Tabus, wie es ja Konservative und Rechte gerne für sich reklamieren. Das Aufstellen oder Einreissen von (vorgeblichen) Tabus lenkt doch nur davon ab, worum es eigentlich geht: In diesem Fall: der Streit um die richtige Einordnung und Beurteilung des Holocaust.

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  6. Ein peinlicher Artikel, der zeigt, dass der Autor die entsprechenden Textstellen gar nicht verstanden hat.
    Es wäre besser, wenn man sich einmal mit dem Kandidaten der Piratenpartei und der Linken-Jugend, Georg Schramm beschäftigen würde, der reinsten Antisemitismus agbesondert hat.
    „Das nun allerdings innerhalb der Piratenpartei mit dem Gedanken gespielt wird, den Antisemiten Georg Schramm als Präsidentschaftskandidaten zu nominieren, macht die Sache nicht gerade besser. Darum, für alle, an denen es vorbeigegangen ist, hier nocheinmal der Hinweis auf die Art von Gesellschaftskritik, wie sie Georg Schramm in der politischen Öffentlichkeit vertritt:
    Auf der 67. Montagsdemo gegen Stuttgart 21 am 14.03.2011 war er geladen um dem Zorn der angereisten Wutbürger Ausdruck zu geben. Dabei hat er uns dann eine Neuauflage der Theorie vom raffenden Geldverleihers, seineszeichens nichtchristlich, geliefert, die bei Youtube nachgehört werden kann, ab Minute 5:25, um genau zu sein (via IkL):

    „das volk ist weiter als die in der regierung.[…]
    das volk würde liebend gern den banken wieder zu dem ansehen verhelfen, dass sie einmal hatten, als man sie noch geldverleiher nannte. als es noch ein dreckiges handwerk war, dass ein ehrbarer christ gar nicht ausüben wollte. als die ackermänner den dienstboteneingang nehmen mussten, anstatt als fußvolk der herrschenden an der tafel zu sitzen. […]
    mit an der herrschaftstafel dürfen geldverleiher erst sitzen, seit sie kaiser und königen den wahlkampf finanziert und dafür das monopol auf silbertaler forderten – und auch bekommen haben.“

    Das ist nicht schön, und wird auch nicht besser durch den Hinweis auf bei Minute 8:07, die „wahrhaft mächtigen“ hätten sich schmarotzend im deutschen Volkskörper eingenistet:

    „die wahrhaft mächtigen, die sind gewiss, dass sie die gunst des volkes schon verloren haben. das macht die kanzlerin so wertvoll. so lange sie die gunst des volkes hat, hat sie die gunst der macht. das nennt man in der biologie eine symbiose. aber wenn es zu lasten des wirtstiers geht, dann nennt man das eine parasitäre symbiose. und das wirtstier sind wir.“

    Was also lernen wir von Georg Schramm? Das in Wirklichkeit „die Geldverleiher“ die Macht haben. Das Geldverleihen ein „dreckiges Handwerk“ ist und dem guten Christen auch lange Zeit als solches galt. Dass sich das verändert hat, weil die Geldverleiher hinter allem Bösen stecken und das politische Geschäft finanzieren. Als solche „wahrhaft Mächtige“ haben sie sich nun einem Parasiten gleich im Wirtstier (also etwas biologisches, wie es scheint) eingenistet – und saugen es aus. Viel deutlicher lässt sich kaum machen, wessen Geistes Kind Georg Schramm ist.

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  7. @Flo
    Das ist erstaunlicherweise nicht das erste Mal, dass ich so einen Unfug höre.

    Aber anni schon völlig zurecht geschrieben: den Mann erst einmal ins Amt zu hieven, um ihm dann jahrelang bei allen üblen Umtrieben zuzuschauen (ohne ihn wieder loswerden zu können) ist natürlich alles andere als intelligent.

    Und klau mir nicht den Nick, du Nase. 😉

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  8. Gratulation! Dies ist der Journalismus, den man sich wünscht.
    Diese peinliche Verweigerung des „Qualitätsjournalismus“ sich mit Gauck kritisch auseinanderzusetzen und das Mantra des aus dem Zusammenhang gerissenen Zitats unaufhörlich zu beten. Danke für die Illusion einer existierenden kritischen Öffentlichkeit.

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  9. @Flo
    Kritik an Georg Schramm ist richtig und wichtig. Für mehr Informationen, auch in zusammenhängender Form, mal hier schauen:
    http://emanzipationoderbarbarei.blogsport.de/2012/02/18/derein-antisemit-als-bundespraesident/ und http://emanzipationoderbarbarei.blogsport.de/2012/02/19/antisemitismus-und-kapitalismuskritik/
    Allerdings ist Schramm, angesichts der Nominierung von Gauck durch Grüne, SPD, FDP und Union, nur eine Fußnote. Insofern weiß ich auch nicht, warum dieser Artikel peinlich wäre.

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  10. „Niemand hat behauptet, Gauck verleugne NS-Verbrechen. Aber er möchte sie eben in einem Kontext anderer politischer Verbrechen des 20. Jahrhunderts verstanden und bewertet wissen. Die Singulärität des Menschheitsverbrechens, für das Auschwitz gemeinhin steht, spielt dabei leider keine allzu große Rolle.“

    Und was bitte ist daran nun auszusetzen? Natürlich darf man die NS-Verbrechen in einen Kontext zu anderen, wohl kaum weniger schlimmen politisch bzw. ideologisch bedingten Massenmorden der Zeit stellen. Oder sind die Abermillionen der vom Kommunismus systematisch Ermordeten etwa weniger singulär? Waren diese Menschenleben weniger wert? Ich finde es höchst amüsant, auf welche doch sehr leicht zu entlarvende Art sich manche selbsternannten Deutungshoheitsbewahrer über die Geschichte immer wieder selbst ein Bein stellen. Sie begehen quasi denselben Fehler, den Sie Gauck vorwerfen. Aufarbeitung von Geschichte kann nicht bedeuten, den einen Massenmord ständig nach vorne zu stellen, während man über die anderen gigantischen Leichenberge mit solcher (und hier wohl eindeutig in politischen Sympathien zu suchender) Selbstgefälligkeit, einer bedenklichen Neigung zu Geschichtsrevisionismus und -vergessenheit übergeht.

    Und was bitte soll das für eine „Kausalkette“ sein? Nur weil „die Juden“ bzw. „die Shoah“ nicht explizit erwähnt werden, ist das in Ihren Augen bereits in Beweis für „Schuldverdrängung“ o.ä.? Im Ernst?

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  11. Dass es einen umfassenden demographischen Wandel -zu Ungunsten der autochtonen Deutschen und Europäer in diesem Land gibt und gegeben hat- lässt sich abstreiten, obman diesen nur als „Überfremdung“ verdammt oder „Vielfalt“ oder „kulturelle Bereicherung“ feiert.

    Viel wichtiger sollte daher die Frage sein, wie dieser Wandel und die Folgen die sich daraus ergeben objektiv zu bewerten ist und nicht welche Wertung böse (rechts) oder gut (links) ist.

    Fakt ist, dass man die „autochtone“ Bevölkerung niemals gefragt hat, was sie will beispielsweise ob sie eine die Verbreitung und Etablierung einer Ideologie, Religion und Kultur wie dem Islam eine Zunahme der Bevölkerung, die mehr oder weniger unter deren Einfluss steht.

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  12. „Ganz abgesehen davon halten wir es für bemerkenswert, dass Trittin öffentlich fordert, die TAZ solle sich für Kommentare entschuldigen, während Christian Wulff durch Nachrichten auf Kai Diekmanns Mailbox bereits die Pressefreiheit gefährdet haben soll.“

    Das ist so ziemlich der Satz zum Tage. Nicht nur zum vorgestrigen des Beitragsdatums, wie ich hoffen darf.

    „Moralkeule“ ist für einige Talkshow-Gäste wohl das Schlagwort einer zu verstaubten Debatte, um sich rechtzeitig auf die Zunge zu beißen.

    Und nun, da sieh mal ein, ein Applaus von der „Jungen Freiheit“, ist das nicht eine Überraschung. Ich hab das an einer anderen Stelle schon erwähnt, aber die Fingerkuppen jucken, das Zitat nochmal zu wiederholen: ein 140-Zeichen-Kurzstatement, das ich gelungen fand, lautete „Sarazzin freut sich auf den neuen Bundespräsidenten. Ich hoffe, das ist nicht aus dem Kontext gerissen.“ – ich halte den immer noch für gelungen.

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  13. Der medial als „Kandidat der Herzen“ inszenierte Gauck ist der Theologe der Herzlosigkeit

    Die Kirche in der DDR war nicht nur das Nest der Opposition – sie war auch der Hort der Reaktion. Herr Gauck mit seinen autoritär-reaktionären Vorstellungen wird mit seinen Sprüchen den Weg der Bundesrepublik in eine marktgängige Demokratie/Finanzmarkt­-Diktatur „moralisch“ abfedern.
    Es ist doch bemerkenswert: Wulff ist erst nach seiner Lindauer Rede bei den Eliten und Medien in Ungnade gefallen …

    Nun kriegen wir einen Bundespräsidenten, der als Schönredner des Irak- und Afghanistan-Krieges Kriegführen und Zivilversagern für unterstützenswert hält, seinem Anti-Kommunismus entspricht, die geheimdienstliche Überwachung der Linkspartei für angemessen zu halten, das Buch von Thilo Sarrazin hält er politisch für vorbildlich, Kapitalismus-Kritik ist für ihn albern, soziale Einschnitte und Rente mit 67 notwendig, den Atomausstieg stuft er als „gefühlsduselig“ ein und für die berechtigte Sorge weiter Teile der Bevölkerung um ihre Lebensqualität hat er kein Verständnis.

    Wir kriegen einen neuen Lautsprecher für den weiteren Demokratie-Abbau in Deutschland! Gauck wird das Land spalten und SPD und Grüne haben mit ihrem Pyrrhussieg ein Eigentor hingelegt! – Aber was soll man von denen auch noch anderes erwarten? Oder gibt es noch Reste innerparteilicher Demokratie, die sich dem demokratischen Zentralismus der gewerbsmäßigen Parlamentarier von Rot-Grün widersetzen?

    Wolfgang Lieb hat auf den NachDenkSeiten heute treffend analysiert:
    „Yes we Gauck“ – Springer hat sich durchgesetzt – „Die Präsidentschaft von Joachim Gauck ist ein Produkt der Springer-Presse. Der rechtskonservative Zeitungskonzern hat nicht nur zur Popularität Gaucks wesentlich beigetragen sondern den Kandidatenvorschlag durch FDP, CDU/CSU und SPD sowie durch die Grünen erst möglich gemacht. Mit Gauck hat Schwarz-Gelb einen willkommenen Wahlhelfer gefunden, zumindest aber ist er ein Garant gegen jede Alternative zu einer neoliberal geprägten Politik in Deutschland.“

    Peter Rath-Sangkhakorn 2012-02-20

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  14. So so nun ist also Georg Schramm auch schon ein Antisemit, weil er sich in einer (im Übrigen ziemlich brillanten, wie ich finde) Polemik gegen den Finanzsektor geäußert hat. Das ist echt top, erinnert mich ein wenig an Wolfsohn, der damals Müntefering so etwas wie Nazisprech unterstellen wollte, als der Private-Equity Manager als Heuschrecken bezeichnete.

    Ja, da entdecken Leute, die sonst kein Problem damit haben jeden mit einem sozialen Restgewissen des „Gutmenschentums“ zu zeihen, plötzlich ihre political correctness. Das müssen wahre Gauck-Fans sein. Geht gar nicht anders.

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  15. @Deadpool
    Es ging hier nur nie um Schramm – das ist das Problem. 🙂

    Und zwei Links in ein anonymes und mir unbekanntes Blog lassen mich jetzt nicht an die antisemitische Haltung eines Kabarettisten glauben…

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  16. Der Bundespräsident wird nicht vom Volk gewählt: Quatsch wass intressiert mich da ein Herr Gauck oder Herr Wolff.

    Die Frage muss sein: ist deutschland eine Demokratie – nach meiner Meinung natürlich nicht.

    Ein Bundespräsident gehört in einer Demokratie vom Volk gewählt, wir können ja wieder eine Monarchie einführen die werden auch nicht vom Volk gewählt.

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  17. Der Titel „Noch mehr “Schweinejournalismus!” stimmt.

    Allerdings ohne Ironie.

    Von Kritik lebt die Demokratie, man kann aber auch einfach nur dummes Zeug reden.

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