„Döner-Killer“: Anklage gegen Gigi erhoben

Im November hatten tagesschau.de und Publikative.org exklusiv über das Hetzlied „Döner-Killer“ von Gigi und die braunen Stadtmusikanten berichtet. Nun wurde gegen den Kopf der Band Anklage erhoben.

“Neun mal hat er es jetzt schon getan. Die SoKo Bosporus, sie schlägt Alarm. Die Ermittler stehen unter Strom. Eine blutige Spur und keiner stoppt das Phantom. Sie drehen durch, weil man ihn nicht findet. Er kommt, er tötet und er verschwindet. Spannender als jeder Thriller, sie jagen den Döner-Killer. […]
Am Dönerstand herrschen Angst und Schrecken. Kommt er vorbei, müssen sie verrecken. Kein Fingerabdruck, keine DNA. Er kommt aus dem Nichts – doch plötzlich ist er da.[…]
Bei allen Kebabs herrschen Angst und Schrecken. Der Döner bleibt im Halse stecken, denn er kommt gerne spontan zu Besuch, am Dönerstand, denn neun sind nicht genug.”
(Gigi und die braunen Stadtmusikanten: “Dönerkiller”, 2010)

Mit diesen Zeilen huldigte die Neonazi-Kultband dem “Döner-Killer”. Das Lied wurde 2010 auf der CD “Adolf Hitler lebt” veröffentlicht – und bald darauf indiziert. Offenbar machte es aber niemanden stutzig, dass die rechtsextreme Szene die Mordserie der Zwickauer Zelle feiert, dabei werden in dem Lied sogar weitere Anschläge angedroht: “… denn neun sind nicht genug.“ Damit nicht genug: In dem Text wird auch der Begriff „Phantom“ benutzt – so war im Zusammenhang mit dem Mord an der Polizistin Michelle Kiesewetter in Heilbronn der unbekannte Täter genannt worden.

Daniel "Gigi" Giese Stahlgewitter Gigi und die braunen Stadtmusikanten
Daniel “Gigi” Giese bei einem Auftritt seiner Band Gigi und die braunen Stadtmusikanten (Foto: aan.blogsport.de)

Der Kopf der Band, Daniel “Gigi” Giese, ist auch in anderen Rechtsrock-Gruppen wie “Stahlgewitter” aktiv. Eine dieser Bands soll auch bei Neonazi-Konzerten in Thüringen aufgetreten sein, unter anderem im Umfeld der Jenaer Szene, aus der die Rechtsterroristen stammen.

Nun dürfte Giese aber bald erst einmal vor Gericht auftreten dürfen, denn die Staatsanwaltschaft Meppen erhob Anklage wegen Volksverhetzung. Angezeigt hatte den Sänger der Band die Berliner Sektion der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes.  Dies sei „ein erster Schritt zur längst überfälligen Ausschöpfung aller rechtlichen Mittel zur nachhaltigen Unterbindung rassistischer Gewaltverherrlichung, der Billigung und Verharmlosung von Straftaten durch Neonazis und Rassisten sowie der Verhöhnung und Verunglimpfung ihrer Opfer“, teilte die Vereinigung mit. „Der nächste Schritt, die Anklage gegen die übrigen Bandmitglieder, muss nun folgen. „

Die Vereinigung erklärte weiter:

„Die Neonaziband hetzt seit Jahren auf nicht hinnehmbare Art und Weise gegen  Menschen, die nicht in ihr Weltbild passen und verherrlichen Gewalt. Den Tiefpunkt allerdings bildete die Verhöhnung der Ermordeten mit Migrationsgeschichte, deren Täter aus der Neonaziszene sowie deren rassistischer Hintergrund erst jüngst entlarvt wurden. Schon 2010 hatte die Neonaziband mit dem Lied „Döner-Killer“ im Album „Adolf Hitler lebt!“ Bezug auf die Neonazimorde genommen. Die CD wurde zwar indiziert, doch sah das sächsische Landeskriminalamt weder eine strafrechtliche Relevanz, noch wurde dies zum Anlass genommen, die Mörder in der Neonaziszene zu suchen. Dies scheint die Staatsanwaltschaft Meppen jetzt anders zu sehen und hat Anklage wegen Volksverhetzung gegen Daniel Giese erhoben. Wir werden auch weiterhin mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln gegen Neonazistrukturen sowie ihre rassistische und gewaltverherrlichende Hetze vorgehen. Deshalb hatten wir mit Unterstützung der Rechtsanwaltskanzlei „HERZOG&Kollegen“ aus Frankfurt am Main Strafanzeige sowohl gegen Daniel Giese und die anderen Mitglieder der Neonaziband „Gigi & Die braunen Stadtmusikanten“ sowie die Betreiber des Neonazi-Versandhandels „Reconquista“ Dirk Bernt, André Reinicke und Rodrigo Diaz wegen aller in Betracht kommender Straftaten, insbesondere Volksverhetzung, Billigung von Straftaten und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener gestellt. Die Ergebnisse der Durchsuchung und der Anzeige gegen die Betreiber des Neonazi-Versandhandels „Reconquista“ wegen des T-Shirts mit dem Aufdruck „Killer Döner nach Thüringer Art“ stehen noch aus.“

Siehe auch: Dokumentation: Das Bekenner-Video des NSURechter Terror: Das Gegenteil von wahllosAlles Döner oder was?Der Paul Panther von ZwickauV-Männer in der NPD: Die unverbietbare ParteiUnd hier terrorisiert der “Nationale Widerstand”Bologna, München, Utöya: Die blutige Spur des rechten TerrorsExekutionen als Heimatschutz

4 thoughts on “„Döner-Killer“: Anklage gegen Gigi erhoben

  1. Vor Jahren brachte er die CD Gigi und die braunen Stadtmusikanten raus wodrauf bekannte Lieder gecovert werden-mit anderem Text natürlich.
    Dagegen kann jeder vorgehen!AUch darf bezweifelt werden das sie dafür Gema Gebühren zahlten oder die richtigen Daten für die GEMA Freigabe angaben(ohne die Presst keine Firma!).

    Ich schrieb 3 Urheber an.Darunter einer der bekanntesten Deutschen Komiker,eine Norddeutsche Band und die bekannteste Deutsche „Punk“ Band die sich ja immer ach so Antifaschistisch gibt.

    Keiner hat was dagegen unternommen!Die Norddeutsche BAnd schrieb mir zurück das man dagegen nichts machen kann.

    Man erinnere sich an Kübelböck und Rio Reiser:
    D. Küblböck coverte „König von Deutschland“: Rio Reisers Erben verbieten Version
    Daniel Küblböcks neue Single ist eine Cover-Version des Rio Reiser-Hits „König von Deutschland“. Jedoch gibt es nun Probleme mit den Erben des Sängers. Küblböck hatte unerlaubterweise eine Textzeile des Songs geändert.

    Ursprünglich heißt es: „Im Fernsehen gäb’ es nur noch ein Programm: Robert Lembke 24 Stunden lang“. Küblböck sang: „Sex and the City 24 Stunden lang“. Außerdem nannte er einige Namen von Promis wie Oliver Pocher und Heidi Klum.

    Daher ließen sie das provokative Video, in dem Küblböck u. a. Reisers Leiche ausgräbt, nun vorerst verbieten. Nun wird es eine neue Version der Küblböck-Version geben. Denn in Deutschland ist das Covern erlaubt, so lange Text und Melodie nicht geändert werden.

  2. Tatsächlich war dieser Titel 2010 nach meiner Kenntnis nicht indiziert. Es ging bei der Indizierung der CD „Adolf Hitler lebt“ um drei andere Songs, die als „jugendgefährdend“ bzw. „volksverhetzend“ klassifiziert wurden, darunter nicht der „Döner Killer“ Song. Sehr bezeichnend. Gut, dass die VVN jetzt Anzeige erstattet hat, „von Staats wegen“ wurde ja offensichtlich bis heute nicht ermittelt. Dabei zeigt das Lied, dass es in der Neonazi-Szene ein zumindest vages Wissen über den rechtsterroristischen Hintergrund der Mordserie gab.

  3. Widerlich, wie diese Regierung sich den „Deutschen Tugenden“ hingibt, Linke bespitzelt, deren Leute sich als „Verfassungsschützer“ in der Rechten Szene verkriechen können und Gewalttaten und Aufmärsche begleiten und solchen Bands einfach nicht das Handwerk legt und sie an sich verbietet! Man schämt sich als Deutscher gegenüber der ganzen Welt! Eine Tendenz des Staates, welche seit dem Krieg nie ausgemerzt wurde!

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