Steinbach, linke Nazis und der Nachhilfeunterricht

BdV-Chefin Erika Steinbach hat in ihrer Karriere schon für einige Aufreger gesorgt. Mittlerweile ist ihre Bedeutung in der Union, Deutschland und Polen aber soweit gesunken, dass ihre Äußerungen gerade noch als heitere Fundstücke im Netz taugen.

Dagegen will Steinbach nun offenbar vorgehen – und sucht Nachhilfeunterricht in Geschichte.

Erika Steinbach sucht Nachhilfe in Geschichte... (Foto: Publikative.org)
Erika Steinbach sucht Nachhilfe in Geschichte... (Foto: Publikative.org)

Ein Foto aus dem Bundestag, das Publikative.org exklusiv vorliegt, zeigt die Bürotür Steinbachs. Darauf  klebt ein Zettel, demzufolge Steinbach Nachhilfe in Geschichte, insbesondere deutscher Geschichte, sucht. Ihre Probleme seien: Sie halte die NSDAP für eine linke Partei, wie Steinbach via Twitter verkündet hatte, und die Deutschen für die zweite große Opfergruppe des 2. Weltkriegs neben den Juden.

Schon vergessen? Die Linken sind an allem schuld, sogar an der Vertreibung der Deutschen...
Schon vergessen? Die Linken sind an allem schuld, sogar an der Vertreibung der Deutschen...

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung – und so empfiehlt die Redaktion Frau Steinbach zunächst die Lektüre von Publikative.org. Wer der BdV-Vorsitzenden und CDU-Bundestagsabgeordneten zudem eine qualifizierte Nachhilfe empfehlen möchte, wende sich doch bitte direkt an ihr Büro. Möglicherweise ergeben sich auch noch umfangreiche Folgeaufträge für den kommenden Schlesiertag oder andere Vertriebenen-Veranstaltungen. Ob der Zettel allerdings wirklich von Erika Steinbach stammt, ist bislang unklar.

Steinbach rechts von der NSDAP?

Mittlerweile legte Steinbach auf Facebook noch einmal nach, nannte ihre Äußerungen über die vermeintlich linke NSDAP eine „gewollte Provokation“ und erklärte, der von ihr „sehr geschätzte“ Kurt Schumacher habe 1930 gesagt: „Der Weg der leider ziemlich zahlreichen proletarischen Hakenkreuzler geht über die Kommunisten, die in Wirklichkeit nur rotlackierte Doppelausgaben der Nationalsozialisten sind. Beiden ist gemeinsam der Hass gegen die Demokratie und Vorliebe für Gewalt.“

Angesichts der zahlreichen ehemaligen NSDAP-Mitglieder, die im BdV organisiert waren, stellt sich nun allerdings die Frage, ob die Vertriebenen-Organisation nicht eine Art KPD-AO ist, die dringend die Extremismusklausel unterzeichnen sollte, damit die Bundesrepublik vor kommunistischer Agitation geschützt wird! Frau Familienministerin, Herr Innenminister, übernehmen Sie! 

Zudem stellt sich die Frage, wie sich Erika Steinbach eigentlich selbst politisch verortet, wenn aus ihrer Perspektive die NSDAP links ist.

Siehe auch: Konservative in der Union: Auf zum letzen Gefecht!, “Steinbach spielt in Polen keine Rolle mehr!”, extra 3 erklärt Erika Steinbach, Getrennt marschieren oder den rechten Flügel stärken?, “Steinbach-Position in rechtsradikalen Kreisen verbreitet”, Neumann: “Vertriebene Opfer des von Hitler angezettelten Krieges”, 100.000 Euro für umstrittene BdV-Studie, Kritik an Steinbach: “Holocaust-Gedenken kein Taubenschlag”

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20 thoughts on “Steinbach, linke Nazis und der Nachhilfeunterricht

  1. „Angesichts der zahlreichen ehemaligen NSDAP-Mitglieder im BdV “

    Gibt es da noch zahlreiche NSDAP-Mitglieder?
    Kleine Rechnung: 2012-1945=67
    Midestalter für die Aufnahme waren 1945 17 Jahre.
    Ein NSDAP-Mitglied muss heute daher mindestens 84 Jahre sein.
    So viele werden da nicht mehr übrig sein. Gibts da Zahlen?

  2. Manchmal melde ich mich, so auch heute auf eure Artikel. Heute saemtlich ohne Umlaute, weil ich in mich in dem ARKADIA Hotel in Warschau aufhalte ohne eigenen deutschen LapTop. Nicht mal ich selbst hatte gelesen, sondern ein das Buero eines wirklich bedeutenden Mannes der Politik in Polen. Und seine Meinung(auf seine Bitte hin) gebe ich nun mal wieder, anschliessend meine eigene: Er meint, dass auch ihr selbst(Er sagte Gensing) euch von der Erika Steinbach taeuschen lasst. Es ginge nicht um den ersten Satz, sondern um die Opferrolle der Deutschen, die sich neben den Juden quasi gleich berechtigt, nur getrennt durch Nr.1 und Nr. 2 als Opfer fuehlen duerfen. Weiter gedacht, sagt er, heisst diese Aussage doch nichts anderes, als die Deutschen selbst nie Taeter waren. Hier muss man natuerlich den gelebten,- durch die BRD finanzierten- Geschichtsrevisionismus des BdV in Wort,Bild und Schrift der letzten Jahre mit bewerten, der die Kriegsschuld nicht alleine bei Deutschen sieht, sondern bei Polen. Nach dem Aushaengeschild, sofern keine Fotomontage (meine Einlassung) geht der BdV nun sogar einen Schritt weiter und sieht Deutschland nur noch in der Opferrolle. Dies eben gleichberechtigt neben den Juden.
    Kaeme nun eine solche Aussage von irgendwoher aus der Gosse der Nachfolge-NSDAP in Verbindung Steinbach, sondern aus der Schaltstelle der Macht CDU/CSU Fraktion, wuerde man als Pole denken, OK, man hats ja immer gewusst, die Steinbach ist ein verkappter Nazi, die man einfach weitersabbeln lassen kann, wie einen Ap(f)el, so aber wirds eng mit dem Schmusekurs von Tusk mit Deutschland. Das sagte nicht ein politischer Gegner von Tusk, sondern hoher Wuerdentraeger unter Tusk. Letzteres mal am Rande erwaehnt durch mich. Ich denke, man wird nicht so einfach darueber wegsehen in Polen, auch wenns „”Nur „” von der Steinbach kommt. Was mache ich in Warschau? (Herr Gensing(:-)
    Die Entnazifizierung von Ostsachsen vorbereiten. Jeder eben so – und dort am Platze- an dem er etwas erreichen kann.
    Frank Gottschlich Goerlitz ( http:europastadt.wordpress.com )

  3. @Menschenrechtsfundamentalist

    Fest kann leider nicht mehr angezeigt werden, da er sich – zu meinem großen Bedauern – vor einer Anzeige aus dem „Staub“ gemacht hat, der Volksverhetzer. Und nur weil man ihn auch „hätte Anzeigen müssen“ und es wohl nicht getan hat, heißt` dies nicht, dass Steinbach nicht angezeigt werden könne. Ich weiß` auch nicht, woher du die Gewissheit nimmst`, dass sie keine Volksverhetzung betreiben würde, auch wenn ich verstärkt mutmaße, dass sie durch hiesige Staatsanwälte lediglich zu einer Art „Gebrüder Strasser-Anhängerin“ verniedligt, verortet und „vermutmaßt“ würde – obwohl diese Tussie seit Jahrzehnten aus einem, durchaus Bundesweit bekannten, Gesamtkontext heraus vor sich hin giftet. Ein Baring übrigens – allein mit seinen Aussagen zum Grundgesetz und zu den Alliierten – ist übrigens, so wie Haffner, auch kein Garant für lupenreine Nachkriegsgeschichtsschreibung im Schatten von Nolte und Fest… Aber zum Glück sabbert Baring schon, während er noch Kohle für seine Auftritte bei den Öffentlich-Rechtlichen bekommt…

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