NRW-Gesundheistministerin Steffens will mehr Homöopathie

In NRW soll künftig mehr zur Homoöpathie geforscht werden – das wünscht sich zumindest Gesundheitsministerin Steffens. In Großbritannien ist man schon einen Schritt weiter. Dort stellen Wissenschaftler regelmäßig fest, Homöopathie wirke nicht besser als ein Placebo.

Von Stefan Laurin, Ruhrbarone

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hat sich mehrfach für mehr Homöopathie eingesetzt. Sich wünscht sich eine andere Forschung zur Homoöpathie und setzt sich auch dafür einen, dass es entsprechende Studiengänge an den Hochschulen in NRW gibt. Und klar, Patienten sollten häufiger Homöopathen besuchen. Immerhin ist auch die Gesundheitsministerin von Homöopathie überzeugt. Steffens sei, bevor sie mit Steuergeldern den Weg in die Esoterik-Medizin beschreitet, ein Blick nach Großbritannien empfohlen.

Dort gibt es nicht nur einen Prinzen der Homöopathie-Fan ist, sondern auch ganz viele Studiengänge zum Thema Hokuspokus in der Medizin. Allerdings werden es gerade ein paar weniger. Und das liegt auch an Edzard Ernst. Der ist Professor für Naturheilkunde an der Universität von Exeter und hat Homoöpathie, Akupunktur und andere Methoden der sogenannten Alternativmedizin untersucht. Mit wissenschaftlichen Methoden. Das Ergebnis seiner Arbeit hat ein Artikel auf Zeit.de zusammengefasst:

 Bis heute sind etwa 200 hochwertige Studien zur Homöopathie erschienen. In der Gesamtschau, sagt Ernst, »zeigen sie, dass die Homöopathie für keine Indikation besser ist als ein Placebo«. Das Kapitel Homöopathie ist für ihn abgeschlossen. Nur seine Frau, eine Französin, sagt noch manchmal, er sehe aus wie Samuel Hahnemann, der Vater der Homöopathie. Dann will sie ihn ärgern.

Was aber ist mit den unzähligen Patienten, die auf homöopathische Mittel schwören? Irren sie sich alle? »Anekdoten führen uns in der Medizin nicht weiter«, sagt Ernst. Er meint Einzelfälle, die von keiner Statistik erfasst werden. »Wir haben in der Medizin Fortschritte gemacht, als wir vor 150 Jahren aufgehört haben, uns an Anekdoten zu orientieren.«

Tja, es ist wie immer: Esoterik hat immer an ganz gemeinen Gegner: Die Realität.

19 thoughts on “NRW-Gesundheistministerin Steffens will mehr Homöopathie

  1. Es gibt keine „Schulmedizin“ oder „Alternativmedizin“. Es gibt Medizin – und Blödzin.

    Entweder ein Wirkstoff oder eine Behandlungsmethode wirken in einem statistisch relevanten Umfeld (Medizin), oder sie wirken nur in Erzählungen von Nachbars, Neffen und der Putzfrau von der Frau vom Friseur (Alternativmedizin).

    Alles Weitere zu dem leidigen Thema schreibt jede Woche EsoWatch und andere.

    @Aeroflott
    Du zitierst einen Blog für alternativen Hokuspokus, um Edzard Ernst zu verunglimpfen? 😀 Ist nicht wahr, oder…

    @Jörg Rupp
    Es gibt Wrikungen, die sind mit der Schulmedizin nicht eklärbar.

    Normale Menschen (und Tiere) stehen Dingen, die sie (noch) nicht verstehen und erklären können mit Skepsis gegenüber. Und forschen nach, bevor sie ihren Nachwuchs damit abfüllen.

    Wenn ein homöopathises Mittel dadruch, dass es verordnet wird, die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert – die es unzweifelhaft gibt – dann sind sie ein Medikament.

    Nein. Ein Plazebo ist kein Medikament.

    Übriegns: aucn Akupunktur ist keine einfache “Ursache-Wirkung” – Medizin.

    Stimmt. Akupunktur ist nämlich keine Medizin im modernen Sinn. Ich habe über 1000 Euro in diesen Blödsinn gesteckt, bis ich den Skeptikern endlich geglaubt habe.

    Es gibt merh Möglihckeiten, Menschen zu heilen, als die Schulmedizin und die Pharmaindustrie uns glauben machen will.

    Sicher gibt es die – aber die kennt bestimmt keine wünschelrutenschwingende Ex-Sekretärin aus Hannover! Mit dem Kopf denken!

  2. @ Publikative

    der Kommentator „Aeroflott“ postet hier links der Homöopathie-Lobby:

    in seinem ersten Kommentar beispielsweise zu „Psychophysik“. Diese website wird von „Claus Fritzsche“ betrieben. Siehe zu Klaus Fritzsche:

    http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Claus_Fritzsche

    „Claus Fritzsche (geb. 1964) ist ein in Meerbusch wohnhafer deutscher freiberuflicher Werbetexter, Spin Doctor in Sachen Alternativmedizin, Autor und von der Pharmaindustrie gesponserter Homöopathie-Lobbyist. Der gelernte Betriebswirt betreibt mehrere Internetauftritte zu alternativmedizinischen und esoterischen Themen. Darunter seit 2005 psychophysik.com, für das er Autoren vom Format eines Helmut Hille gewonnen hat, und das homöopathiefreundliche H.Blog. Mit Partnern betreibt Fritzsche ein Netzwerk Claus Fritzsche Mentaltraining zur Vermarktung von Mentaltraining-Angeboten.

    Fritzsche ist auch Redakteur eines an den Webauftritt des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte e. V. (DZVhÄ) angeschlossenen Blogs (…)“

  3. Und weil EsoWatch im Gegensatz dazu so vertrauenswürdig ist, treten die Betreiber anonym auf, lassen die Seite ohne Impressum von zweifelhaften Anbietern im Ausland aus hosten und stehen im Verdacht der Schmähkritik, üblen Nachrede, Verleumdung und Urheberrechtsverletzung. Ein Prozess vor dem Landgericht Hamburg ist anhängig.

    Der Medizinjournalist Bert Ehgartner beschreibt EsoWatch als „eine unappetitliche Melange aus Stimmungsmache und Vorurteilen gewürzt mit ein paar Pseudofakten. Diese ‚Fakten‘ sind Seriosität heischend mit Quellen belegt, die dann allerdings nichts, oder sogar das Gegenteil der getätigten Aussage belegen.“:

    http://ehgartner.blogspot.com/2010/10/esowatch-und-placeboeffekt.html

    Um zu erkennen, dass Edzard Ernst nicht koscher argumentiert, bedarf es eigentlich keiner Homöopathie-Blogs. Zeig mir jedoch eine unabhängige Seite, die sich mit ihm auseinandersetzt und aufzeigt, wie er der Kritik auf unsachliche und oberflächliche Art und Weise ausweicht, und ich werde sie beim nächsten Mal verlinken/zitieren.

    Eben. :-)

  4. Hier noch zwei Kritiken zu Edzard Ernsts und Simon Singhs Buch „Gesund ohne Pillen. Was kann die Alternativmedizin?“ aus der FAZ von Prof. Robert Jütte, Leiter des Instituts für Geschichte der Medizin, und dem ORF:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/geldgierig-sind-wir-doch-alle-1775205.html

    http://oe1.orf.at/artikel/214946

    Fazit:

    „…eine, leider, einäugige Warnung vor blindem Vertrauen“ mit auffallender „Ignoranz gegenüber methodischen und sachlichen Einwänden…“

  5. Esowatch über Bert Ehgartner:

    http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Bert_Ehgartner

    „Bert Ehgartner (geb. 7. Oktober 1962, Waidhofen a.d. Ybbs / Österreich) ist ein österreichischer Journalist, Autor, Dokumentarfilmer und ein bekannter Impfgegner.[1]

    (…) Aktivitäten

    Der sich – aus Eigensicht – der evidenzbasierten Medizin verschreibende Ehgartner veröffentlicht „polemische Rundumschlag-Werke“ (Zitat taz [2]), die sich aus Sicht des Laien medizinkritischen Themen und entsprechenden Verschwörungstheorien (siehe daher auch das Interesse des Kopp Verlags an Ehgartner [3]) widmen, wobei er regelmäßig das Augenmerk auf Veröffentlichungen lenkt, die seinen Vorstellungen genehm sind. Aktuelle Sekundärliteratur muss der Leser daher meist selbst recherchieren, um einen umfassenden und distanzierten Standpunkt zu erfahren.

    Im Internet ist Ehgartner als Impfgegner bekannt und trat in der Vergangenheit auch bei so genannten Impfsymposien des Laien-Impf“kritikers“ Hans Tolzin auf. 2009 kündigte Ehgartner an, beim Impfsymposium 2009 von Tolzin einen Vortrag zu halten und dort eines seiner Bücher zu bewerben.

    Typisch sind die kritischen Äußerungen zu unterstellten Positionen der wissenschaftlichen Medizin, die nur von Einzelpersonen vertreten werden oder längst überholt und daher leicht zu widerlegen sind. Privattheorien zum Anti Aging sind ein weiteres Thema eines Autors, dessen Sympathien zur Homöopathie und anthroposophischen Medizin unüberhörbar sind (…)“

  6. http://en.wikipedia.org/wiki/Trick_or_Treatment#Reception

    The book received generally good reviews.
    […]
    The book drew criticism from consumers and practitioners of alternative therapies.The British Journal of General Practice published a review by Jeremy Swayne (former Dean of the Faculty of Homeopathy) that was critical of the book and its argument.

    A review by Harriet A. Hall in Quackwatch stated that some negative reviews of the book demonstrated „an appalling poverty of thought“; articulating that since the reasoning behind the author’s conclusions is solid, critics instead deny the methods of science, misrepresent the books‘ contents and use ad hominem attacks against the authors.

  7. @Aeroflott
    1. Wenn ausländische Hoster Zeichen für böses Tun sind, dürftest du 99% des Internets nicht mehr besucht. Diese Seite oder die haben ein Impressum.

    2. Bert Ehgartner ist kein Medizinjournalist (von solchen erwartet man Unabhängigkeit und Objektivität), sondern jemand, der Bücher für Homöopathie und Feng Shui und gegen Impfungen schreibt. Siehe seine Internetseite.

    3. Wenn bei FAZ oder ORF zwei mir völlig Unbekannte den Ruf nach Vernunft und evidenzbasierter Medizin nicht teilen, stört mich das ehrlich gesagt nicht sonderlich. Es muss jeder selbst entscheiden, ob er sich auf seinen Verstand oder selbsternannte Heiler verlassen möchte.
    Ich zum Beispiel weigere mich, mein Leben an unbewiesenen / unbeweisbaren Behauptungen auszurichten („Es gibt einen Gott“, „Die Erde ist flach“, „Zuckerkugeln heilen Krebs“, „100 Jahre alt durch Schlangenöl“ …)

    4. EselWatch kannte ich noch nicht. Aber wenn die Autoren der Seite wie du versuchen, wissenschaftliche Argumente durch religiöse, parapsychologische oder astrologische zu bekämpfen haben sie bei mir und jedem denkenden Menschen einen ganz schweren Stand. :(

    Falls du EsoWatch.com nicht traust, dann vielleicht Scilogs? Meiner Meinung nach eine der besten wissenschaftlichen Publikationen im deutschsprachigen Netz. Hatten 2010 einen Artikel zum Thema, den du lesen solltest.

  8. Homöopathie hat schon vielen meiner Bekannten und mir selbst gut geholfen und das, obwohl ich selber eher mit Vorsicht an das Thema gehe.

    Ich denke nicht, dass es nur am Placeboeffekt liegt (der zweifellos mittspielt). Vielleicht werden die Studien in einer Art und Weise durchgeführt, in der die Homöopathie einfach nicht wirken „kann“. Wir wissen noch nicht, wie es wirkt (wenn überhaupt) also können wir keine aussagekräftigen Tests und Studien machen.

    Das Atom galt auch lange als unteilbar (daher auch der Name), aber wir sind schon viel weiter. Vielleicht kommen wir durch Forschung und Beobachtung auch irgendwann hinter die Wirkung von Alternativmedizin. Wer weiß…

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