Nazi-Leaks: Viel Lärm um wenig Inhalt

Der Titel passt nicht, das große Medienecho auf die Veröffentlichungen auf der Seite Nazi-Leaks.net ebenfalls nicht. Die rechtsextreme Szene holt derweil zum Gegenschlag aus.

Von Patrick Gensing

Antifaschistische Hacker greifen im Zuge der "Operation Blitzkrieg" immer wieder rechtsextreme Internet-Seiten an.
Antifaschistische Hacker greifen im Zuge der "Operation Blitzkrieg" immer wieder rechtsextreme Internet-Seiten an.

Der Titel Nazi-Leaks ist irreführend, denn mit einem Leak (Leck) ist ein Informant gemeint, der interne Daten weitergibt, damit diese an die Öffentlichkeit gelangen. Wikileaks machte den Begriff weltweit bekannt, der Begriff Nazi-Leaks wurde unter anderem auf diesem Blog und bei tagesschau.de der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt.

Bei den Informationen auf Nazi-Leaks.net handelte es sich hingegen um erbeutete Daten, teilweise schon älter – und mit einem geringen Nutzwert. Wie Autoren oder Interview-Partner der „Jungen Freiheit“ heißen, das ist kein Geheimnis, sondern steht eben in dieser Zeitung. Wenn Journalisten nun berichten, auf dieser Liste sei auch der Name eines ehemaligen ARD-Korrespondenten zu finden, zeigt dies vor allem eins: pure Ahnungslosigkeit. Denn dass Peter Scholl-Latour mit dem rechtsaußen Blatt spricht, ist weder neu noch geheim.

Andere Daten auf Nazi-Leaks.net waren bereits zuvor vorhanden – und bei der Spenderliste der NPD fehlen die Namen von großen Geldgebern, die ohnehin zugänglich sind. Zudem stellt sich die Frage, welchen Mehrwert die Öffentlichkeit hat, wenn sie weiß, wie die Spender heißen. Für Recherchen helfen solche Daten, um bestimmte Informationen abzugleichen, der Mehrwert für die breite Öffentlichkeit liegt hingegen bei Null.

Prinzip Abschreckung

So setzt Nazi-Leaks.net wohl eher auf das Prinzip Abschreckung. Denn Öffentlichkeit suchen die meisten Spender der NPD nicht gerade – und möglicherweise überlegen es sich potentielle Geber noch mehrmals, ob sie wirklich demnächst im Netz als Gönner der Neonazi-Partei auftauchen wollen. Gleiches gilt für die Kunden von Versandhändlern.

Rein inhaltlich bringt das aber wenig bis gar nichts. Zudem war Nazi-Leaks.net nur sehr eingeschränkt zu erreichen. Zwar schwirren diverse Datenspiegel durchs Netz, doch für viele Interessierte dürfte dies bereits eine große Hürde sein. Der Medien-Hype um Nazi-Leaks.net hängt wohl weniger mit dem Wert der Daten und den Inhalten zusammen, als viel mehr mit der Nachrichtenarmut rund um den Jahreswechsel – und weil derzeit das Thema Neonazis eben so gut geht.

Gegenangriff

Zweifelsohne sorgten die Attacken auf diverse „Weltnetzseiten“ aber für grobe Verstimmung bei den Neonazis. Und so holen die nun zum Gegenschlag aus, bzw. hängen sich an eine Aktion mit dem Titel „Operation Takedown“ ran. Dabei handelt es sich offenbar um Hacker, die gegen die „Operation Blitzkrieg“ zu Felde ziehen, da diese die „Meinungsfreiheit“ verletze. „So Freunde der Nacht, der Gegenangriff hat begonnen“, heißt es auf einer Neonazi-Seite. „Nun zwingen wir dieses Gesindel von OP-Blitzkrieg in die Knie!“

Als Waffe werden DDos-Attacken aufgefahren – und diese zeigten offenbar bereits Wirkung. Zunächst war die Seite wie erwähnt offline. Mittlerweile erscheint auf Nazi-Leaks.net nur noch ein WordPress-Blog ohne Inhalt. Viel Lärm um wenig Inhalt also.

Siehe auch: “Operation Blitzkrieg”: Das Weltnetz wackelt,  Hacker legen “Weltnetzseiten” lahm, Nazi-Leak: Medien erhalten Tausende NPD-Emails, Seite der NPD umgestaltet: “Hacker stahlen 179 Weltnetzseiten”, NPD 2.0: Neonazis bieten “Verbandsserver” an

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8 thoughts on “Nazi-Leaks: Viel Lärm um wenig Inhalt

  1. auch wenn ich die aktion eigentlich gut finden will, sollte man sehr vorsichtig mit den daten und ihrer aussagekraft sein.
    ein freund fand es damals z.B. lustig, mir NPD-wahlunterlagen ins haus schicken zu lassen. wäre natürlich dufte, wenn meine adresse dann im falschen licht dort auftaucht.
    ein weiteres beispiel dafür, dass datenschutz wichtig ist.

  2. Also ich kannte die Privatanschrift von Herrn Scholl-Latour und anderen Rechten noch nicht.

  3. Man hätte es auch kürzer Formulieren können: Alle Daten wurden bereits wo anders veröffentlicht, die Seite war nur eine Sammlung.

    Die neusten Daten: ccc-Wiki zum kongress
    JF & NPD Liste: linksunten.indymedia.org
    etc.

    Und doch, die Liste der JF Autoren und Interviewpartnern brachte etwas neuen: die Adressen und Telefonnummern von rechtskonservativen bis rechtsradikalen Arschlöchern.

  4. Ich finde es irgendwie asozial, wenn man Daten veröffentlicht, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Klar gibt es Ausnahmen, wie schon Leaks von Wikileaks es vorgeführt hat, aber Spenderlisten, in denen ganz normale Menschen versuchen im (noch?) legalen Rahmen sich politisch zu engagieren? Wenn man Demokratie und Rechtsstaatlichkeit befürwortet, dann solle man sich auch diesen Prinzipien beugen, um derartige Grundsätze in der Gesellschaft fest zu machen. Aktionen wie diese fallen nicht unter dieser Handlungsethik.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Tom Mensch

  5. Es sind ja auch verschiedene andere Daten veröffentlicht worden, z.B. von ‚Nationalen Versanshaus‘ oder ‚Thor Steinar‘, die erstens dokumentieren wie viele Leute solche Scheiße eigentlich kaufen. Zweitens ist es z.B. in meinem Fall schon ganz interessant zu wissen, dass genau nebenan ein Fascho wohnt…
    Bei aller Vorsicht mit der Aussagekraft von solchen Daten: Nazis sind extrem gefährlich und da gilt m.E., dass solche Infos wichtig sind. Der Nationalsozialismus ist eine Ideologie, die andere Menschen in lebenswert und nicht-lebenswert unterteilt, um zweitere schlichtweg zu vernichten. Leute, die solche Ansichten vertreten sollten öffentlich gemacht werden.

  6. @Bearjew
    Du hast den durchblick wa, hol dir mal mehr infos über die kommunisten und globalisten die sind alle nicht besser, so kannste gleich x milliarden anklagen, man man man soviel dünnschiss hab ick selten gelesen.
    du glaubst auch an den weihnachtsmann wa, nimm deine rosa brille ab und informiert euch mal was hier in der welt passiert oder macht endlich mal die augen auf und schaut nicht soviel verdummungsvernsehen und lest irgendwelche staatspresse.

  7. fernsehen natürlich mit f :)

    nur so am rande, niemand egal ob links,rechts, oben ode runten gehört auf vermutung in irgendwelchen listen.

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