Neonazi-Brandanschlag auf Pfarrhaus?

Unbekannte Täter haben in der Nacht zum 15. Dezember einen Brandanschlag auf ein Pfarrhaus in Unterlüß im Landkreis Celle verübt. Der evangelische Gemeindepfarrer Wilfried Manneke ist seit langem für sein Engagement gegen Rechtsextremismus bekannt, die Initiative „Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus“ in der Landeskirche Hannovers vermutet Neonazis als Täter.

Von Kai Budler

Seit 16 Jahren ist Manneke der Gemeindepfarrer in der Friedenskirchengemeinde Unterlüß und er bezieht seit langem offen Stellung gegen Neonazis. Für Samstag, d. 18.12., ruft er zu einer Demonstration gegen eine rechtsextreme Veranstaltung auf einem Bauernhof im benachbarten Eschede auf, auch gegen das geplante Schulungszentrum von Neonazis in Faßberg hatte sich der Geistliche engagiert.

Sein Engagement ist den Neonazis ein Dorn im Auge: Schon in der Vergangenheit gab es Taten mit rechtsextremem Hintergrund rund um sein Pfarrhaus. Wenige Tage vor der Demonstration schleuderten Unbekannte nun einen Molotov-Cocktail gegen das Gebäude der Familie. Menschen wurden nicht verletzt, der Brandsatz hinterließ deutliche Spuren am Pfarrhaus.

Kirchlicher Widerstand gegen die Neonazi-Aktivitäten in Niedersachsen (Foto: Kai Budler)
Kirchlicher Widerstand gegen die Neonazi-Aktivitäten in Niedersachsen (Foto: Kai Budler)

Die Initiative „Kirche für Demokratie gegen Rechtsextremismus“ (IKDR) verurteilte den „feigen Anschlag“ mit einem rechtsextremen Hintergrund, bei dem bewusst Menschenleben aufs Spiel gesetzt worden seien. Die Tat sei eine „klare Provokation für alle dar, die sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit engagieren“. Für die IKDR sind Christentum und Rechtsextremismus unvereinbar, die Initiative hält an der Demonstration gegen die Sonnenwendfeier von Neonazis in Eschede fest.

Seit Jahren ist der Hof des Landwirts und Rechtsextremen Joachim Nahtz ein Anlaufpunkt für Neonazis aus Norddeutschland und der gesamten Republik. Für Konzerte auf dem Hof waren auch schon Neonazis aus dem europäischen Ausland angereist.

Besucher des Neonazi-Konzerts am 21. August 2010 in Eschede (Foto: monitorex)
Besucher des Neonazi-Konzerts am 21. August 2010 in Eschede (Foto: monitorex)

Die hannoversche Landeskirche hatte im Dezember 2010 die Initiative “Kirche für Demokratie – gegen Rechtsextremismus” in Bad Nenndorf gegründet. Ihr Ziel ist die Vernetzung von Bündnissen gegen Rechtsextremismus. Auch der Ort der Gründung war nicht zufällig gewählt. In den vergangenen Jahren avancierte der Kurort in der Nähe von Hannover im August zum Wallfahrtsort von Neonazis, die dort zu einem sog. „Trauermarsch“ der Rechtsextremen aufmarschieren.

Siehe auch: Landeskirche gründet Initiative gegen NeonazisPachtvertrag mit Neonazi Nahtz gekündigt, 600 Neonazis bei Rechtsrock-Konzert in Eschede, Neonazis finanzieren Arbeit gegen Rechtsextremismus