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Angriff der “Karlsbande”: Offener Brief an die Alemannia

15. Dezember 2011 10:17 3.812 mal gelesen 14 Kommentare

Das Zweitligaspiel Alemannia Aachen gegen Erzgebirge Aue ist von Auseinandersetzungen im Aachener Fanblock überschattet worden. Während der ersten Halbzeit wurde eine Ultra-Gruppierung der Alemannia im eigenen Block von 20 bis 30 Personen attackiert. Nach dem Spiel forderte der Verein die Angegriffenen auf, den Riss in der Fanszene zu kitten. Ein Aufruf, der für Kritik aus der Fanszene sorgt.

Anlässlich der Vorfälle, die sich beim Spiel von Alemannia Aachen gegen Aue zugetragen haben, und als Reaktion auf zwei Veröffentlichungen (1, 2) auf der Homepage des Vereins, hat die Bremer Gruppe Racaille Verte einen Brief geschrieben, den wir hiermit dokumentieren:

Sehr geehrte Verantwortliche bei Alemannia Aachen sowie im Aachener Fanprojekt,

wahrscheinlich kommt dieser Brief etwas unerwartet für Sie. Wir, die Mitglieder der Ultragruppierung „Racaille Verte“, schreiben Ihnen bezüglich des Angriffs von „Alemannia Supporters“ und „Karlsbande“ auf die „Aachen Ultras“, weil wir glauben, dass unsere Bremer Erfahrungen im Umgang mit rechtsgerichteten Fans Ihnen durchaus eine Hilfe sein können.

Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass die Schilderungen der „Aachen Ultras“ in irgendeiner Weise falsch oder übertrieben sind. Es ist innerhalb der Ultraszene seit längerem bekannt, dass die „Karlsbande“ nicht nur rechts unterwandert ist, sondern ausdrücklich unter antiprogressivem Vorzeichen gegründet wurde. Die ebenfalls beteiligten „Alemannia Supporters“ können als Tarngruppe für die Aachener Hooligans gesehen werden. Auch diese sind politisch eindeutig rechts einzuordnen.

Aachen gegen Aue (http://www.derfriedri.ch/)

Aachen gegen Aue (http://www.derfriedri.ch/)

Es ist uns schleierhaft, wieso Sie den Angreifern auf der offiziellen Vereinsseite eine Plattform gegeben haben, auf der sie ihre Sicht der Dinge quasi unkommentiert darstellen dürfen. Noch viel mehr schockiert uns allerdings Ihre Aufforderung an die „Alemannia Supporters“ und die „Aachen Ultras“, „an der Lösung ihrer Konflikte aktiv zu arbeiten und zur Überwindung des tiefen Risses beizutragen, der die Aachener Fanszene durchzieht“. Wir wollen Ihnen im Detail darlegen, warum wir Ihre Wortwahl und die dahinter stehenden Vorstellungen für völlig abwegig und gefährlich halten.

Dadurch wird eine völlig unangebrachte Äquidistanz zu Opfern und Tätern geschaffen. Es hat hier einen Angriff gegeben, der ganz klar von einem rechtsgerichteten Haufen ausging. Als Verein sind Sie in der Verantwortung, sich hinter diejenigen zu stellen, die sich gegen Diskriminierung und für eine bunte Fankurve einsetzen, und diejenigen zu verurteilen und auszuschließen (nicht nur aus dem Stadion, sondern aus dem gesamten Diskurs), die sich Hass und die gewaltsame Verdrängung andersdenkender Menschen auf die Fahnen geschrieben haben.

Die „Aachen Ultras“ leisten seit einigen Jahren gute Arbeit gegen Diskriminierung. Es ist ein Hohn, nun von dieser Gruppe zu fordern, mit rassistisch, homophob, sexistisch und antisemitisch motivierten Rechtsradikalen zusammenzuarbeiten, um einen Riss in der Fanszene zu kitten. Wenn es zu einem solchen Riss in einer Fanszene kommt, ist die Zeit gekommen, klar Stellung zu beziehen und nicht die Illusion einer Einheit zu wahren.

Eine solche notwendig klare Positionierung mag gerade einem kleineren Verein schwer fallen, doch es lohnt sich. Nachdem unsere Gruppierung vor nunmehr fast fünf Jahren von Neonazis aus der Bremer Hooliganszene angegriffen wurde, erhielten auch wir über die Presse das Angebot des Vereins, sich an einen runden Tisch zu setzen. Wir waren entrüstet ob der Vorstellung, uns mit Nazi-Schlägern zu treffen, die uns erklärtermaßen mit Gewalt loswerden wollten (und bis heute wollen). Nach einiger Zeit sah der Verein seinen verfehlten Ansatz ein und unterstützte unseren Kampf gegen Diskriminierung, den wir trotz aller Drohungen immer weiter intensivierten. Heute kann sich der SV Werder damit rühmen, eine vorbildliche Arbeit gegen Diskriminierung innerhalb und außerhalb des Stadions zu leisten. Durch die kontinuierliche Arbeit der Fans und mit Hilfe der Rückendeckung des Vereins und Fanprojekts hat die Bremer Ostkurve mittlerweile den Ruf, ein offener Ort für alle Menschen zu sein. Das hat nicht nur zur Folge, dass die aktive Fanszene heute größer ist als je zuvor, es sind auch sichtbar mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund anzutreffen. Der Kampf gegen Diskriminierung ist weitgehend Konsens, rechte Schläger sind ein Randphänomen.

Aber nicht nur der Verein, sondern auch das Fanprojekt ist hier in der Pflicht. Eine deutliche, öffentliche und schnelle Positionierung zur Solidarität und Unterstützung der „Aachen Ultras“ wäre das Mindeste. Des Weiteren sollte diese heikle Situation durch ausgebildete Fachkräfte begleitet werden. Die Opfer jetzt alleine zu lassen, würde einer Akzeptanz für den politisch motivierten Angriff gleichkommen. Das Fanprojekt Bremen hat gezeigt, wie eine solche Unterstützung aussehen kann.

Wir wünschen Ihnen in Aachen eine ähnlich erfreuliche Entwicklung. Die „Aachen Ultras“ haben dafür den richtigen Weg eingeschlagen. Unterstützen Sie Ihre Fans auf diesem Weg und verabschieden Sie sich von rechten und rechtsoffenen Ewiggestrigen, denn sie werden Ihnen nicht fehlen!

Herzliche Grüße aus Bremen, Racaille Verte

 

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14 Kommentare »

  • FK said:

    Nur eine Frage: War es ein Spiel gegen Erzgebirge Aue oder Wismut Aue?

  • Publikative (author) said:

    Erzgebirge Aue. Der Verein hieß zuvor Wismut Aue und wird von vielen Fans weiterhin so genannt.
    Grüße

  • derFriedri.ch said:

    Die Überschrift ist falsch! Der Übergriff erfolgte in erster Linie durch die “Alemannia Supporters”. Die andere Ultragruppierung “Karlsbande” trat dabei durch einige “Aktivisten” ebenfalls in Erscheinung. Da Ihr schon – was ok ist – mein Build verwendet, hättet Ihr dies aber auch im dazugehörigen bericht nachlesen können.

    Beste Grüße

  • @friedrich said:

    friedrich, in deinem bericht steht es aber genau andersrum:

    “Wohl aufgrund einer Lesung gegen Faschismus, veranstaltet von den Aachen Ultras (ACU), ist der Konflikt zwischen eben diesen und der Karlsbande, sowie Teilen der Supportes eskaliert.”

  • Too much information - Papierkorb - Nachtgeschichten said:

    [...] Publikative.org » Blog Archive » Angriff der “Karlsbande”: Offener Brief an … | Das Zweitligaspiel Alemannia Aachen gegen Erzgebirge Aue ist von Auseinandersetzungen im Aachener Fanblock überschattet worden. Während der ersten Halbzeit wurde eine Ultra-Gruppierung der Alemannia im eigenen Block von 20 bis 30 Personen attackiert. Nach dem Spiel forderte der Verein die Angegriffenen auf, den Riss in der Fanszene zu kitten. Ein Aufruf, der für Kritik aus der Fanszene sorgt. [...]

  • aachen bob said:

    Es ist unglaublich wieviel Mist geschrieben wird, von Zeitungen und Menschen, die gar keine Ahnung haben was wirklich vorgefallen ist….Karlsbande: rechts unterwandert!! – Aachen supporters: rechter Haufen! Kein Mensch würde so etwas behaupten wenn er sich ernsthaft mit der Sache befasst hätte…Und übrigens: wo ständig große Menschengruppen aufeinander treffen,findet man bestimmt auch mal einen Rechten…

  • Mister X said:

    Eine Frage an die sogenannten heiligen aus Bremen.
    Was haben die Aachen Ultras bezahlt für so einen offen Brief.
    Es gibt einen Satz der hier gut passt;
    Wenn man keine Ahnung hat einfach mal die Schauöse halten.

  • Publikative.org » Blog Archive » Werder schließt NPDler Pühse endgültig aus said:

    [...] auch: Angriff der “Karlsbande”: Offener Brief an die Alemannia,  Kommentar: Werder hat alles richtig gemacht, die Medien nicht!, Werder leitet Verfahren gegen [...]

  • dot tilde dot said:

    @1 (fk):

    “erzgebirge” passt halt nicht, wenn man guantanamera singt… ;-)

    .~.

  • Publikative.org » Blog Archive » Das unpolitische Wir der Fanszene said:

    [...] aus ihrer eigenen Erfahrung mit Angriffen von rechts in einem offenen Brief kritisiert (Publikative berichtete): “Wenn es zu einem solchen Riss in einer Fanszene kommt, ist die Zeit gekommen, klar [...]

  • Nach dem Aachen-Heimspiel « von nichts gewusst said:

    [...] aus ihrer eigenen Erfahrung mit Angriffen von rechts in einem offenen Brief kritisiert (Publikative berichtete): “Wenn es zu einem solchen Riss in einer Fanszene kommt, ist die Zeit gekommen, klar Stellung zu [...]

  • MC said:

    HABT IHR NICHTS ANDERES ZU TUN?
    LÄCHERLICHE DISKUSSION…
    SUPPORTES RECHTS *LACH MICH KAPUTT*
    MEHR AUSLÄNDER ALS RECHTE IM BLOCK…

  • Publikative.org » Blog Archive » Gewaltorgie beim Hallenturnier: Des Rätsels Lösung said:

    [...] auch: “Tolle Kulisse”: TeBe-Fans flüchten von Hallenturnier,  Angriff der “Karlsbande”: Offener Brief an die Alemannia, Alle Meldungen aus der Rubrik [...]

  • alf said:

    @MC du hast recht… aber diese heben sehr gern den rechten arm zum gruß, gesehen beim spiel dynamo – aachen
    da gab es auch schon eine auseinandersetzung zwischen aachen ultras und anderen fangruppierungen ( glaub sogar da waren karlsbande und supporters dabei)