Glückwunsch, Herrmann Dierkes (Die Linke)!

Antisemitische Propaganda - dieses Flugblatt lag auf den Seiten der Linkspartei Duisburg
Antisemitische Propaganda – dieses Flugblatt lag auf den Seiten der Linkspartei Duisburg

Die Linkspartei hat in den eigenen Reihen mit heftigen Sektierern zu tun, wie Publikative.org bereits mehrfach berichtet hatte. Besonders in den westdeutschen Landesverbänden sitzen teilweise Funktionäre, die aus den Resten der dogmatischen Linken kommen und bei der Linkspartei eine neue Heimat gefunden haben – und hier teilweise sogar international bekannt werden. So beispielsweise Herrmann Dierkes von der Linkspartei in Duisburg. Er wurde vom Simon Wiesenthal Center in die aktuelle Top Ten der Israel-Hasser bzw. Antisemiten gewählt.

Die Liste soll zeigen, dass der wachsende Antisemitismus sowie die Strategie der Delegitimation des Staates Israel nicht nur aus dem Iran oder von Neonazis kommt, sondern aus dem Mainstream. Statements von terroristischen Gruppen, Neonazis und iranischen Antisemiten wurden nicht berücksichtigt.

Dierkes wurde in die Liste aufgenommen, da auf der Seite der Linkspartei in Duisburg ein antisemitisches Flugblatt veröffentlicht worden war.  Neben Dierkes tauchen beispielsweise Machmud Abbas, Recep Erdogan und Mikis Theodorakis auf. Der griechische Komponist hatte die Krise in seinem Land so erklärt: „Everything that happens today in the world has to do with the Zionists… American Jews are behind the world economic crisis that has hit Greece also.”

Siehe auch: 9. November: Hammer, Sichel und ganz viele NägelVerschwörung als Ausweg der erfolglosen Rechthaber, Jahrestag der Pogromnacht: Linke wollen “Antisemitismus-Falle” erklärenVereint gegen Israel? Die DDR und der Linksterrorismus Wie antisemitisch ist die Linkspartei?,  Alarmruf gegen den globalisierten Antisemitismus, “Die Juden sind schuld”,  Die NPD und der Holocaust: Relativieren statt leugnenDER KRIEG GEGEN DIE JUDEN – Warum sich die globale Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet, Querfront-Träume: NPD bietet Elsässer Zusammenarbeit an, Finanzkrise als Nährboden für AntisemitismusAufruf Zusammen gegen den Al Quds-Tag – gegen antisemitische und antiisraelische Hetze, Antisemitismus: Yes, they can!, Darf man Israel in Deutschland kritisieren?,  Querfront: Vermeintliche Linke auf Abwegen , “Der Antisemit nimmt dem Juden nicht übel, wie er ist, sondern, dass er existiert” , Deutschland, Iran und die Linkspartei, 09/11, ZOG und “Judenpresse”: Wie baue ich eine Verschwörungstheorie?, Völkischer Antiimperialismus: Bei der NPD gut aufgehobenDie UN und der Antisemitismus: Noch kein Abschlussdokument von Durban 2001“Protokoll der Weisen von Zion” in der UN-Vollversammlung

18 thoughts on “Glückwunsch, Herrmann Dierkes (Die Linke)!

  1. @ Dennis K.:

    Die Einstufung des türkischen Premiers Erdogan durch das Simon-Wiesenthal-Center mag u.a. auch daran liegen, dass dieser in einem Interview mit dem „Guardian“ meinte, der iranische Ministerpräsident sei „ohne Zweifel unser Freund“

    http://blog.zeit.de/joerglau/2009/10/26/erdogan-achmadinedschad-ist-unser-freund_3180

    oder meint, er sehe in Hamas keine Terrororganisation, sondern eine „Widerstandsbewegung“

    http://archive.hurriyetdailynews.com/n.php?n=akp-can-not-have-it-both-ways-on-terrorism-2011-05-12 .

    @ Sinn ?

    „Wo bleibt in dieser Liste Ahmadinedschad? (…) Wo bleiben Apfel und Pastörs?“

    Zwei Bitten an Sie:

    1. Den Artikel genau lesen.

    2. Sich fragen: Wo bleibt der – längst überfällige – Rausschmiß von Hetzern und „antizionistisch“-antisemitschen Vollpfosten aus der Linkspartei?

    WARUM schmeißt die SPD Sarrazin nicht raus? Und warum die Linkspartei nicht Leute wie Dierkes oder Zematitis?

    http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2010/06/28/wer-so-alles-gegen-synagogen-in-deutschland-aktiv-ist_3745

  2. Das Simon-Wiesenthal-Center hat sich und den Kampf gegen den Antisemitismus keinen Gefallen getan, Herman Dierkes dieses Flugblatt zuzurechnen. Nur zur Erinnerung: Es wurde bis heute nicht aufgeklärt, wer dieses Flugblatt auf die HP der DIE LINKE Duisburg stellte. Sicher war es kein „U-Boot“, aber eben auch nicht Herman Dierkes.

    Es zeugt von einer völligen politisch und wissenschaftlichen Haltlosigkeit, dieses antisemitische Flugblatt Herman Dierkes zuzurechnen, auch wenn er aus Sicht des Simon-Wiesenthal-Center sich vorher „einschlägig“ äußerte.

    Aber Boykottaufrufen gegen Israel und diesem Flugblatt gibt es Unterschiede, die offensichtlich sein sollten. Auch in ihrem politischen Anliegen. Wer diese verwischt, zeigt dass der Vorwurf des Antisemitismus für ihn ein beliebiges politisches Instrument ist.

  3. Tach zusammen.

    Ich finde es auch ziemlich kritisch, dass Kritik am STAAT Israel schnellstmöglich und unumstößlich mit Antisemitismus gleichgesetzt wird. Ist doch Unsinn! Was ist, wenn ich was gegen alle Staaten in ihrer derzeitigen Konstitution habe? Bin ich dann ein Misanthrop?? Gleichwohl ist eine gewisse Skepsis bei manchen Zeitgenossen – vor allem aus dem konservativen und absolut beim rechten Lager – angebracht, da bei denen tatsächlich kein Trennstrich zwischen Antisemitismus und Israelkritik vorhanden ist. Dies anzugreifen ist absolute Pflicht und nicht tolerierbar. Absolut und ohne Diskussion.

    Gleichwohl halte ich es aber auch für bedenklich, wenn es nicht erlaubt ist, die Außenpolitik und generell den STAAT Israel zu kritisieren, ohne als Antisemit deklariert zu werden. Ist doch bullshit. Wenn ich, wie gesagt, denn STAAT Israel kritisiere, hat das nichts mit der dortigen Bevölkerung oder Menschen mit diesem Glauben zu tun. Es hat ausschließlich damit zu tun, dass mir ein Staat, der von Konservativen und Rechtskonservativen regiert wird und sich dabei derart gegenüber Minderheiten benimmt, wie er es in Palästina tut, einfach nicht symphatisch sein kann; ob dieser nun Israel, USA oder Deutschland heißt. Außerdem gibt es genügend linke Israelis, die selbst ihren Staat kritisieren und dessen Außenpolitik verurteilen! Sind das dann auch Antisemiten?!

    Fazit also ist, dass mensch durchaus vorsichtig bei israel-kritischen Kommentaren sein muss, da all zu oft Faschisten, Antisemiten oder sonstiges Gesindel dahinter steckt, sie (die israel-kritischen Kommentare) sind aber derzeit dennoch legitim und nötig, so lange sie eben nicht von genannten Spinnern kommt und auf Fakten und einer generellen Staatskritik beruhen. Ein generelles „Kritikverbot“, wie es derweilen von selbsternannten „progressiven Linken“ kommt, halte ich für den falschen Weg.

    P.S.: Achja, die Leute von der Linkspartei sind einfach oft nicht ganz sauber, von daher sollte man diese Kommentare und vor allem, die die als Grundlage für diesen Artikel dienen, auf jeden Fall ablehnen.

  4. „Ich würde die Liste, aber in Frage stellen, da an erster Stelle Mahmoud Abbas gelistet ist, der sich für eine friedliche und diplomatische Lösung des Nahost-Konfliktes einsetzt“

    lol klar. der holocaustleugner abbas setzt sich für eine friedliche lösung ein. deshalb hat er auch den jüdischen staat nie anerkannt, möchte ein judenreines judea und samaria und beglückwünscht leute wie samir kuntar.

  5. @Hans Dampf

    Was soll denn diese seltsame Verteidigung von wegen, „der hat das Flugblatt ja gar nicht selbst draufgestellt“? Das kann ja sein, aber politisch interessant ist doch nur, ob er den Inhalt verteidigt oder nicht.

    Wenn er denn wollte, könnte er sich ja durchaus abgrenzen mit der Aussage „Das stammt nicht von mir, und ich verurteile die darin vertretenen Ansichten und werde mich politisch dafür einsetzten, dass sie in meiner Partei nicht vertreten werden.“ Würde dann der Vorwurf des Antisemitismus gegen ihn aufrecht erhalten weil der Verdacht besteht, dass dies eine Lüge ist, wäre es von einigem Interesse heraus zu finden, wer die Veröffentlichung zu verantworten hat.

    In der jetzigen Situation aber nicht, denn so verteidigt sich doch gar niemand. Vielmehr so: „Auf der dubiosen Liste bin ich in bester Gesellschaft.“
    (http://www.linksfraktion-duisburg.de/1208.html?&tx_ttnewstt_news=5040)

    Damit übernimmt er nicht nur den Inhalt des Flugblatts, sondern erklärt auch noch Einverständnis mit den antisemitischen Äußerungen der anderen Mitglieder der Liste. Du magst ja Unterschiede zwischen Antisemitismus und Antisemitismus sehen, Dierkes allerdings nicht.

  6. @ me: DIE LINKE und mit ihr Herman Dierkes haben sich – mehrfach – von diesem Flugblatt distanziert und es als das bezeichnet was es ist: antisemitisch.

    Die Distanzierung ist immer noch auf der Startseite der DIE LINKE Duisburg zu finden, da zu dieser Distanzierung kein direkter Link führt, sei sie hier noch einmal dokumentiert:

    „LINKE erstattet Strafanzeige

    Der Kreisverband und die Ratsfraktion DIE LINKE Duisburg, die Duisburger Landesvorstandsmitglieder, die Linksjugend [`solid] nrw und die Duisburger Landtagsabgeordnete haben sich gestern Abend auf weitere Schritte zur Aufklärung der Verbreitung eines antisemitischen Flugblatts auf der Internetseite des Kreisverbands verständigt. Gemeinsam erklären wir: „Aufgrund unserer Initiative wurde uns gestern vom Provider die IP-Adresse mitgeteilt, von der das Flugblatt am 31. Januar 2011 gegen 20 Uhr auf die Internetseite des Kreisverbandes hochgeladen wurde. Wir haben heute Strafanzeige gestellt und gehen davon aus, dass mit Hilfe der IP-Adresse ermittelt werden kann, wer das Flugblatt ins Netz gesetzt hat.“ Der Kreisverband hat außerdem alle alten Passwörter für den Zugang zur Homepage zurückgesetzt und wird diese nun neu vergeben. Ute Abraham, Sprecherin der Duisburger LINKEN: „Wir werden mit aller Entschlossenheit und mit allen rechtlichen und politischen Mitteln gegen die Verbreitung faschistischer Inhalte vorgehen. Antisemitismus und Rassismus haben keinen Platz in der LINKEN.“

    Und falls sie jetzt den Einwand erheben, dass sich Herman Dierkes nicht persönlich von diesem Flugblatt distanzierte, erlauben sie den Hinweis, das HD der Vorsitzende der Ratsfraktion ist, die sich distanzierte. Er selber hatte auch gar keinen Grund sich als Einzelperson von diesem Flugblatt zu distanzieren, weil HD niemals vom „sog. Holocaust“ sprechen würde und auch er Nazipropaganda erkennt, wenn sie ihm so offensichtlich ins Gesicht springt. Das ihm Monate später dieses Flugblatt persönlich zugerechnet wird, davon konnte er – zu Recht – nicht ausgehen.

    Die IP-Ermittlung führte übrigens zu keinem Ergebnis, da es (glücklicherweise) keine Vorratsdatenspeicherung mehr gibt.

    Dierkes Vorwärtsverteidigung halte ich auch für unglücklich, aber sie ist dem selben Tunnelblick und schwarz/weiß Denken geschuldet, dass auch seine Gegner an den Tag legen. Daraus nun eine Selbstentarnung HDs und Solidarisierung mit Antisemiten zu folgern, ist schlicht unredlich.

    Im übrigen unterscheide ich nicht zwischen Antisemitismus und Antisemitsmus, sondern zwischen einen linken Anti-Imperialismus / Antizionismus, der sich auch antisemitisch manifestieren kann und Antisemitismus.

    HD unterscheidet leider nur zwischen Antizionismus und Antisemitismus. Dies kann man ihm zu Recht zum Vorwurf machen. Wer ihn aber wie das Simon-Wiesenthal-Center schlicht verleudmet und ihm auf unsicherer Quellenlage (offenbar nur ein Blogartikel!) ein antisemitisches Flugblatt und dessen Inhalt als Urheber zurechnet, der instrumentalisiert den Kampf gegen Antisemitismus als politische Waffe. Und dies ist ein Problem, gegen das sich auch die wenden müssen, die es mit dem Kampf gegen Antisemitismus ehrlich meinen.

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