Holocaust-Relativierung und Kindererziehung

Fernab der kritischen Öffentlichkeit verbreiten die völkischen „Ludendorffer“ ihre antisemitische und rassistische Ideologie. Neben einem dichten Netz aus Vereinen und Verlagen steht die Jugend im Fokus. Eine wichtige Organisation der Ludendorff-Bewegung ist seit einem Jahr gemeinnützig anerkannt.

 Von Gideon Thalmann

Das Flaggschiff der Ludendorff-Bewegung, die auf der „Philosophie“ der Antisemitin Mathilde und Erich Ludendorff beruht, ist der „Bund für Gotterkenntnis (Ludendorff)“ (BfG). Geleitet wird er seit 2010 von der Apothekerin Gudrun Klink aus Ingelfingen in Baden-Württemberg. 1961 waren BfG und der wichtigste Verlag der „Ludendorffer“, der „Verlag Hohe Warte“, unter anderem aufgrund von antisemitischer Hetze verboten worden. Nach 15-jährigem Rechtsstreit wurden die Verbote maßgeblich wegen formaljuristischen Fehlern aufgehoben.

Die "Ludendorffer" im Internet
Die "Ludendorffer" im Internet

Der Öffentlichkeit sind die „Ludendorffer“ kaum bekannt. Zumeist können sie ihre Treffen in kleinen Orten durchführen, sind in der Bevölkerung teilweise anerkannt. So versammeln sich seit 30 Jahren alljährlich über 100 BfG-Anhänger zu Ostern im niedersächsischen Dorfmark. Proteste gibt es erst seit wenigen Jahren. Die Kritik an der Tagung verhallt in dem Ort, viele Hotels fürchten um die zahlenden Gäste. Journalisten, die die teils konspirativ organisierten Veranstaltungen dokumentieren wollen, werden bedroht und tätlich angegriffen.

Für die Jugend der „Ludendorffer“ zuständig ist der „Arbeitskreis für Lebenskunde“ (AfL), der sich an der Philosophie Mathilde Ludendorffs orientiert. Regelmäßig werden Ferienlager, Wanderungen und „philosophische“ Schulungen veranstaltet. Kindern und Heranwachsenden wird auch „Lebenskunde“-Unterricht erteilt – ganz im Sinne Ludendorffs. Ein „Geschichtslager“ war in diesem Sommer auf dem Gelände der Jugendherberge im oberbayrischen Possenhofen geplant, wie interne Unterlagen belegen. Es wurde kurzfristig abgesagt beziehungsweise verlegt.

Geländespiele und Volkstanz

Bei einem „Ferienlager“ im württembergischen Herboldshausen bei Kirchberg an der Jagst war im August auch das AfL-Vorstandsmitglied Adelheid „Heidi“ Duppel aus Einbeck in Niedersachsen anwesend. Auf dem Programm standen „Geländespiele“, „Singen und Volkstanzen“.

Im Frühjahr hatte der AfL eine DVD mit einem Vortrag von Duppel beworben, der sich speziell an junge Eltern wendet. Über die „Fremdbetreuung“ von Kindern referiert die „Schriftstellerin und Mutter von vier Kindern“ in dem einstündigen Film. Auch der Online-Shop des „Kopp-Verlags“ vertreibt die DVD. Produzent des Filmes ist Gerwald Soyka aus dem österreichischen Linz, der ebenfalls dem AfL-Vorstand angehört.

Einige Vereine der „Ludendorffer“ sind gar als gemeinnützig anerkannt, werden also steuerrechtlich bevorzugt. Gönner können zudem ihre Spenden von der Steuer absetzen. So erhielt „Die Deutsche Volkshochschule“, die eine Zeitschrift herausgibt und als Denkfabrik der Bewegung fungiert, Ende 1996 einen solchen Bescheid vom zuständigen Finanzamt. Auch ein „Ferienheim“ war zeitweise steuerlich begünstigt worden.

 Vor knapp einem Jahr wurde der Verein „Ludendorff-Gedenkstätte“ als gemeinnützig eingestuft. Kurz zuvor war die „Villa Ludendorff“, das ehemalige Landhaus des Ehepaars in Tutzing am Starnberger See, unter Denkmalschutz gestellt worden. Der „Gedenkstätten“-Verein will seit der Gründung 1967 den „Letzten Willen“ von Erich und Mathilde Ludendorff erfüllen und kümmert sich um das Haus, das dortige Archiv sowie das Grab der völkischen Ideologen. Die damalige Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hatte vor einem unreflektierten Unter-Denkmalschutz-Stellen gewarnt.

Aktiv sind in der „Ludendorff-Gedenkstätte“ Funktionäre der Bewegung aus ganz Deutschland. Vorsitzender ist Hans Binder aus Lindau am Bodensee. Mitglieder sind zum Beispiel die Berlinerin Helge S., die regelmäßig Anmeldungen für BfG-Veranstaltungen in Brandenburg entgegennimmt, und Dr. Wilfried Duppel, Geschäftsführer des „Verlags Hohe Warte“. Im Falle einer Auflösung des seit einem Jahr als gemeinnützig geltenden Vereins soll das Vermögen laut Satzung an den BfG fallen, der von Verfassungsschutz-Behörden als rechtsextrem eingestuft wird.

„Unhaltbare Zahl von 6 Millionen“

Als wichtigstes Sprachroht der heutigen Ludendoff-Anhänger fungiert der „Verlag Hohe Warte“ im oberbayrischen Pähl. In einem 2002 erschienen Buch von Hans Kopp („Geschichte der Ludendorff-Bewegung“, 2. Band) heißt es unverhohlen in Bezug auf die sechs Millionen während des Holocausts ermordeten Juden: „Auch wer die unhaltbare Zahl von 6 Millionen anzweifelte, wurde als Antisemit gebrandmarkt, obwohl man eigentlich erwarten müßte, daß ein Antisemit lieber mehr Tote gesehen hätte.“

Die Mischung aus völkischer Ideologie und Kindererziehung erscheint besorgniserregend. In vielen Familien („Sippen“) wird das antidemokratische Gedankengut Ludendorffs weitergelebt und auch an die Jüngsten weitergegeben. Zudem werden Kinder bei entsprechenden Veranstaltungen mit dieser Weltanschauung indoktriniert.

Siehe auch: Schlagfertige Ludendorffer, “Ludendorffer”: Prominentester Altnazi in der HeideEsoterik – Nationalsozialismus – Rechtsextremismus, “Ludendorffer” trafen sich erneut in Dorfmark

Gideon Thalmann ist Journalist und Mitautor der Broschüre „Im Kampf gegen ‚überstaatliche Mächte’“, die bei der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt erhältlich ist.

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