Keine Antwort ist auch eine Antwort

Mit welchen Mitteln möchte die NPD gegen Rechtsterroristen vorgehen? Das wollte ein Bürger im Jahr 2005 vom damaligen NPD-Kandidaten Ralf Wohlleben wissen. Der blieb eine Antwort schuldig. Aktuell steht Wohlleben in den Schlagzeilen im Zusammenhang mit den Rechtsterroristen aus Thüringen.  Nicht die einzige Baustelle für die neue NPD-Führung unter Holger Apfel.

Von Patrick Gensing

Ex-THS Mitglied Ralf Wohlleben, Foto Wikipedia, unter der Creative Commons-Lizenz
Ex-THS Mitglied Ralf Wohlleben, Foto Wikipedia, unter der Creative Commons-Lizenz

Im Jahr 2005 trat der Thüringer Neonazi Ralf Wohlleben für die NPD bei der Bundestagswahl an. Dies sorgte kaum für Aufsehen, doch mittlerweile ist Wohlleben im Zusammenhang mit den Rechtsterroristen aus Jena in die Schlagzeilen geraten. In der vergangenen Woche durchsuchte die Polizei seine Wohnung. Wohlleben will nach dem Abtauchen von Uwe Mundlos, Uwe Bönhardt und Beate Z. keinen Kontakt mehr zu diesen gehabt haben, gekannt habe er sie aber, räumte er gegenüber der TLZ ein.

Ein Wähler wollte zur Bundestagswahl 2005 auf Abgeordnetenwatch von Wohlleben folgendes wissen: „Neben den „Neonazis“ bzw. „Nationalen Sozialisten“ gibt es in unserem geliebten Land leider auch Rechtsterroristen, die Sprengstoff horten, Bomben bauen, Frauen entführen um Informationen über die antifaschistische Szene zu bekommen, Schlägerskins die in Gruppen auf Jagt gehen u.s.w. Mit welchen Mitteln möchte die NPD gegen solche Schwerkriminellen vorgehen?“

Die Antwort blieb der Thüringer Neonazi dem Bürger übrigens schuldig. Dabei wäre eine Antwort wirklich interessant gewesen.

Überhaupt dürfte der NPD ein heißer Herbst bevorstehen, versucht doch die neue Führung um Holger Apfel der Partei ein neues Image zu verpassen. So kommentierte der neue Pressesprecher Frank Franz eine Anfrage der Süddeutschen Zeitung zum Shop des NPD-Landtagsabgeordneten David Petereit so: „Ich halte das aus politischer Sicht für fragwürdig, um nicht zu sagen für dumm.“ Dass Petereit in seiner „Funktion als Privatmann“ solche CDs vertreibe, sei „nicht besonders schön“. Damit meinte Franz „CD’s“ [wie es auf Petereits Shop heißt] von Gigi und die braunen Stadtmusikanten. Schade nur, dass im NPD-Verlag „Deutsche Stimme“ ebenfalls Tonträger der Hetzkapelle angeboten werden. Mal schauen, wie lange noch.

In Petereits Versandhandel verschwanden zumindest bereits zwei Pins von der Verkaufsoberfläche: Einer mit einer „18“ (Szene-Code für Adolf Hitler) und einer mit einer Handgranate mit einer „88“ darauf. Dumm nur, wenn die „Heil Hitler“-Granate aber noch über Google in dem Shop des Abgeordneten zu finden ist.

"Heil Hitler" meint die Granate auf Petereit`s Shop.
"Heil Hitler" meint die Granate auf Petereit`s Shop.

Apfel und Franz dürften sich indes in der Partei wenig Freunde machen, wenn sie künftig offene NS-Bezüge als „dumm“ bezeichnen – immerhin gehört die Nazi-Nostalgie zur Kernkompetenz der rechtsextremen Partei.

Die NPD und das „Establishment“

Auch die Absage eines Vortrags des Gründer der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ in einem Leipziger NPD-Zentrum dürfte für internen Zwist sorgen. „Das im Besitz der NPD befindliche Versammlungslokal in der Odermannstr. 8 steht mir nicht mehr zur Verfügung“, teilte Hoffmann mit. „Der JN-Aktivist, mit dem ich die Vereinbarungen zur Nutzung getroffen hatte, wurde vom Parteivorstand gezwungen, sein gegebenes Wort zurückzunehmen.“

Weiter hieß es auf Hoffmanns Seite zu den möglichen Gründen: „Die NPD meint, sie könne sich in Anbetracht des durch die Berichterstattung zur ‚Zwickauer Zelle‘ ausgelösten antifaschistischen Tsunamis keine Veranstaltung erlauben.“ Und dann kommentierte Hoffmann noch in Richtung NPD-Spitze: „Die gemeinsame Argumentationslinie der Apfelmannschaft unterscheidet sich nicht von der des politischen Establishments.“

Spur zu B&H

Nach Recherchen des ARD-Magazins MONITOR verdichten sich indes Hinweise, dass hinter dem Zwickauer Terrortrio ein größeres Netzwerk steht, das sich auf die Strukturen der im Jahr 2000 in Deutschland verbotenen Organisation „Blood and Honour“ stützt. „Blood and Honour“ ist ein internationales Netzwerk von Rechtsextremen, das vor allem konspirative Konzerte organisiert und rechtsextreme Tonträger verbreitet und das unter dem Namen „Combat 18“ vor vielen Jahren einen bewaffneten Arm gründete.

Serbischer Ultra-Nationalist in Genua mit Sturmhaube und Blood & Honour-Tätowierung auf dem Arm. (Quelle: Altravita.com)
Serbischer Ultra-Nationalist in Genua mit Sturmhaube und Blood & Honour-Tätowierung auf dem Arm. (Quelle: Altravita.com)

Nach Erkenntnissen von Ermittlern hatten Uwe M. und Uwe B. Mitte der 90er Jahre gemeinsam mit anderen Personen aus dem Thüringer Heimatschutz konspirativ „Blood and Honour“-Konzerte organisiert. Mit dabei auch Marcel D., der spätere Sektionschef Thüringen von „Blood and Honour“ und V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes, außerdem noch mindestens zwei weitere Mitglieder des Thüringer Heimatschutzes. Aus dieser „Blood and Honour“-Arbeit sei eine eingeschworene Clique entstanden, zu denen B. und M. auch außerhalb von Jena Kontakt hielten.

Die Verbindung zu „Blood and Honour“ ist auch deshalb brisant, weil das Terrortrio bei seinen Anschlägen genau nach einer Blaupause gearbeitet hat, wie sie im Umfeld von „Combat 18“ Mitte bis Ende der 90er Jahre als Propagandamaterial verbreitet wurde. Darin wird empfohlen, Anschläge auf Migranten durchzuführen, dabei nur in kleinen Zellen von maximal zwei bis vier Personen zu arbeiten und niemals Bekennerschreiben zu hinterlassen. Außerdem wurden Anleitungen für Nagelbomben verbreitet, die der beim Anschlag in der Kölner Keupstraße verwendeten Nagelbombe stark ähneln.

Siehe auch: “Kanaken zerhacken”, Daten aus “Blood & Honour”-Netzwerk veröffentlicht, Kommunalpolitik und extrem rechte Erlebniswelt, “Blood & Honour”: Sieben Konzerte, 21 Ermittlungsverfahren, “Es ist unverständlich, warum das “Fest der Völker” ungestört über die Bühne gehen kann”

6 thoughts on “Keine Antwort ist auch eine Antwort

  1. Wer im Glashaus sitzt…

    „Damit meinte Franz “CD’s” [wie es auf Petereits Shop heißt]“

    Während die Unterschrift zu Petereits Shop titelt:

    „‚Heil Hitler‘ meint die Granate auf Petereit`s Shop.“

    Sonst aber schöner Artikel..

    Anmerkung: „Petereit`s Shop“ ist ein Genitiv-S, da es sich bei dem Begriff Shop um ein enschlisches Wort handelt, ist das so korrekt. Bei „CD’s“ handelt es sich um einen Plural. Sonst aber ein schöner Kommentar 😉

  2. Anm. zu meinem Kommentar von gerade:

    Okay, dann zieh ich den ironischen Unterton zum Thema Grammatik zurück :), der typographische bleibt aber: Statt einem Apostroph wird hier nämlich ein Accent Grave (à) genutzt.

  3. Wenn ihr euch schon streitet: ein richtiger Apostroph sieht natürlich nicht wie ein Gravis (`) aus, sondern wie ein englisches schließendes Anführungszeichen: ’

  4. wow, Ich wusste nicht das sie in die Zukunft sehen können, aber dank ihnen weiß Ich nun, das im Jahr 20005 ein wähler die braunen gebeine eines Neonazis etwas frägt, der 18000 jahre zuvor an seiner eigenen Dummheit gestorben ist, und sich wundert, keine Antwort zu erhalten.
    bitte korigieren,
    ansonsten toller Artikel.

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