Die blutige Spur des rechten Terrors

Rechtsextremer Terror ist kein neues Phänomen in Europa. Dabei wurden bereits Hunderte Menschen getötet. Allein bei dem Oktoberfestattentat, welches bis heute nicht zweifelsfrei aufgeklärt wurde und bei dem Geheimdienste eine dubiose Rolle gespielt haben sollen, starben 13 Menschen durch eine Bombe. Eine Übersicht.

Italien – zwei Tote: Ein Rechtsextremist ermordet im Dezember 2011 in Florenz auf offener Straße zwei schwarze Männer und verletzt weitere schwer. Der Täter ist Buchautor und Anhänger der neofaschistischen Vereinigung „Casa Pound“, die deutschen Neonazis als Vorbild dient. Nach der Tat erschießt sich der Mann, der von Beobachtern als italienischer Breivik bezeichnet wurde.

Deutschland – mindestens 10 Tote: Eine rechtsextreme Terrorzelle soll in Deutschland ab 2000 mindestens zehn Menschen erschossen haben. Die mutmaßlichen Täter hatten zuvor bereits Sprengsätze mit Hakenkreuzen an öffentlichen Plätzen platziert. Die Neonazis waren den Behörden mindestens seit 1998 bekannt, wurden sogar im Verfassungsschutzbericht des Landes Thüringen geführt.  

Norwegen – 77 Tote: Der Rechtsextremist Anders Breivik ermordete am 11. Juli 2011 in Oslo und auf Utöya 77 Menschen, die meisten waren Jugendliche. Breivik bezeichnete sich als „Marxist Hunter“ und als Kreuzritter gegen eine vermeintliche Islamisierung Europas.

Norwegen trauert um die Opfer des rechtsextremen Doppelanschlags: Blumenmeer vor der Domkirche in Oslo (Foto: Rotes Kreuz Norwegen)
Norwegen trauert um die Opfer des rechtsextremen Doppelanschlags: Blumenmeer vor der Domkirche in Oslo (Foto: Rotes Kreuz Norwegen)

Ungarn – sechs Tote: Hier richtet sich der Hass der Rechtsextremen vor allem gegen Roma. 2008 und 2009 gab es eine Serie von Anschlägen mit sechs Toten. Vier mutmaßliche Täter wurden gefasst. Paramilitärische Neonazi-Gruppen spielten sich jüngst in Dörfern als „Bürgerwehr“ zum „Schutz“ gegen Roma auf und verbreiteten mit ihren Aufmärschen Angst und Schrecken.

Österreich – vier Tote: Hier hielt in den 1990er-Jahren der Briefbomben-Terror der „Bajuwarischen Befreiungsarmee (BBA)“ die Öffentlichkeit in Atem. Ziel waren Personen und Organisationen, die sich für Minderheiten einsetzten oder Ausländer repräsentierten. Bei drei Briefbomben-Serien ab 1993 und Anschlägen mit Rohrbomben wurden insgesamt vier Menschen getötet. Unter den 15 Schwerverletzten war Wiens damaliger Bürgermeister Helmut Zilk. 1999 wurde Franz Fuchs als „BBA“-Kopf inhaftiert, er nahm sich 2000 das Leben.

Deutschland – 13 Tote: Auch das Oktoberfestattentat war ein Terroranschlag mit rechtsextremistischem Hintergrund. Am 26. September 1980 starben 13 Menschen bei der Explosion einer Bombe am Haupteingang des Münchner Oktoberfests, 211 wurden zum Teil schwer verletzt. Der Anschlag gilt als schwerster Terrorakt der deutschen Nachkriegsgeschichte. Ob der von den Behörden als Einzeltäter bezeichnete Bombenleger Gundolf Köhler tatsächlich allein verantwortlich war, ist umstritten. Mehrfach wurde von verschiedenen Seiten vergeblich versucht, eine Wiederaufnahme der Ermittlungen zu bewirken.

Italien – 85 Tote: Der Anschlag von Bologna (italienisch Strage di Bologna) war ein Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof der italienischen Stadt Bologna am Morgen des 2. August 1980. Bei dem Anschlag starben 85 Menschen, mehr als 200 wurden verletzt. Die rechtsradikale terroristische Organisation Ordine Nuovo wurde beschuldigt, den Anschlag verübt zu haben. Zwei Agenten des italienischen Geheimdienstes SISMI und der Vorsitzende der Propaganda Due, Licio Gelli, wurden wegen Behinderung der Ermittlungsarbeiten verurteilt. (Quelle: Wikipedia)

Gedenkstein für die Opfer des Neonazi-Anschlags (Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Muenih)
Gedenkstein für die Opfer des Neonazi-Anschlags (Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Muenih)

Deutschland – zwischen 40 und 182 Tote: Seit 1990 wurden zudem allein in Deutschland weit mehr als 100 Menschen durch Rechtsextreme getötet. Offizielle Stellen sprechen von “nur” rund 50 Opfern, unabhängige Beobachter gehen von 182 Toten aus. Bei Brandanschlägen Anfang der 1990er Jahre wurden mehrere Menschen getötet, in Solingen waren es 1993 allein zwei Frauen und drei Mädchen.

Auch in Skandinavien wurden bereits mehrere Menschen von Rechtsextremen oder Rassisten getötet. Im Jahr 2010 sorgte ein Heckenschütze in Malmö für Angst und Schrecken, er tötete eine junge Frau und verletzte mehrere Personen schwer.

Siehe auch:  Deutscher Herbst: Hauptsache Hooligans und RAF!, Exekutionen als Heimatschutz

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6 thoughts on “Die blutige Spur des rechten Terrors

  1. In Italien gab es eine ganze Anschlags-Serie, die in den 80iger Jahren, als ich oft in Italien war, noch Gesprächsstoff war – so auch, als ich mit Freunden im Zug von Florenz nach Mailand fuhr … unheimlich:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13513412.html

    31.12.1984

    ITALIEN – Verdammte Strecke

    Das Bombenattentat auf der Eisenbahnlinie Florenz-Bologna geht wahrscheinlich auf das Konto von Rechtsextremisten (…)

    „Die Bahnstrecke Florenz-Bologna ist das ständige Ziel des faschistischen Terrorismus“, erklärte nach der Tragödie der florentinische Staatsanwalt Pierluigi Vigna, dem für die Aufklärung des neuen Unglücks mehrere Untersuchungsrichter unterstellt wurden. Vigna, der im Laufe der letzten Jahre einige der gefährlichsten neofaschistischen Killer hinter Schloß und Riegel brachte, vermutet, daß die „verdammte Eisenbahnstrecke“ („L’Espresso“) aus strategischen Gründen immer wieder an derselben Stelle getroffen wird. Der Tunnel bei Vernio ist ein Engpaß des italienischen Eisenbahnnetzes: Ein Anschlag auf die wichtigste Verkehrsachse Nord-Süd unterbricht den gesamten Eisenbahnverkehr Italiens.

    Für die blutigsten Attentate der Neofaschisten auf die „Märtyrer-Strecke“ („La Nazione“) wird in einem parlamentarischen Untersuchungsbericht die Geheimloge P 2 als Finanzier und politischer Drahtzieher verantwortlich gemacht. Ziel: Das Land sollte an den Rand des Chaos gedrängt, eine autoritäre Machtübernahme sollte vorbereitet werden (…)

  2. Bei den USA sollte der per Post verschickten Milzbrand nicht vergessen werden, der im Fahrwasser der Anschläge von 11. September für weitere Unruhe sorgte.

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