Neonazis als Polizistenmörder?

Waffen, die nach einer Razzia bei Neonazis beschlagnahmt wurden.
Waffen, die nach einer Razzia bei Neonazis beschlagnahmt wurden.

Laut Medienberichten haben untergetauchte Neonazis im Jahr 2007 die Polizistin Michele K. in Heilbronn ermordet. Die Dienstwaffe der getöteten Beamtin wurde im thüringischen Eisenach gefunden – zusammen mit derjenigen ihres damals schwer verletzten Kollegen. Gefunden wurden die Waffen bei zwei Bankräubern, die am vergangenen Freitag eine Sparkasse in Eisenach überfallen hatten und sich später in einem Wohnmobil selbst erschossen, als sich Polizisten dem Fahrzeug näherten. Die Wohnung der mutmaßlichen Bankräuber und einer Frau in Zwickau wurde wenig später durch eine Explosion zerstört. Nach der 36-jährigen Frau wurde seitdem gefahndet – bis sie sich heute der Polizei stellte.

Laut der Linkspartei soll es sich bei den Tätern um zwei Männer und eine Frau aus der rechtsextremen Szene handeln. Diese seien 1998 aufgrund von Ermittlungen wegen eines Sprengstoffdelikts untergetaucht. Damals hatte die Polizei eine Bombenwerkstatt ausgehoben und vier funktionsfähige Rohrbomben mit 1,4 Kilogramm Sprengstoff TNT gefunden. Das Verfahren wurde dannn allerdings eingestellt, als die Tat juristisch verjährt war. Laut der Linken-Fraktionsvizen Martina Renner soll es sich um drei Mitglieder der militanten Gruppe „Thüringer Heimatschutz“ (THS) handeln, die sich später in „Anti-Antifa Ostthüringen“ umbenannt habe. Das Thüringer Innenministerium kommentierte die Angaben unter Verweis auf laufende Ermittlungen nicht.

Sollte die Geschichte stimmen, schließen sich allerdings einige Fragen an: Wie kann es sein, dass Täter, die wegen eines Sprengstoffdelikts gesucht werden, mitten in Deutschland – und dazu noch in einer überschaubaren Stadt wie Zwickau – einfach „untertauchen“ können? Und wäre es vielleicht an der Zeit, endlich zu der Einsicht zu gelangen, dass all das Gerede über einen vermeintlichen neuen „Linksterrorismus“ nur verschleiert, wie gefährlich das Gewaltpotential der radikalen Rechten ist? Und warum es Initiativen gegen Nazis braucht und keine „Extremismusklauseln“, um die Demokatie zu schützen …?

Hintergründe zu den zwei Männern und der Frau hat die  JG-Stadtmitte zusammengestellt.

24 thoughts on “Neonazis als Polizistenmörder?

  1. @21 (demokrat):

    wie sie aus meinen vorherigen kommentaren vielleicht schon ersehen konnten stimme ich ihnen zu.

    ich erwarte und gehe davon aus, dass die mitarbeiter unserer polizei ihre arbeit ähnlich gut machen, wie mitarbeiter in anderen mittelgroßen bis großen unternehmen mit gut ausgebildeten und relativ gut bezahlten mitarbeitern.

    ich habe in meinem urteil über selbst erlebte polizeiarbeit durchaus schon worte wie „dankbarkeit“, „verlässlichkeit“ und „professionalität“ benutzen können. diese arbeit, die meine gesundheit, mein selbst- und mein gesellschaftsbild sehr geschützt hat, ist aber natürlich nicht die einzige episode in meiner lebenslangen beziehung mit ihrem arbeitgeber.

    „mehr vertrauen in die behörden“ wäre aber wahrscheinlich nicht meine wortwahl, denn ich denke, dass mein zutrauen in unsere polizei weder anmaßend noch ungerecht ist.

    es ist wie so oft: warten wir mal ab, was die nächsten wochen und monate so bringen. erfolgreiche ermittlungen brauchen zeit _und_ kritische fragen.

    .~.

  2. Ministerin Schröder und Co ziehen Gelder von der Nazibekämpfung ab und jagen nicht-existente Linksextremisten auf die kein einziger Mord oder Anschlag kommt und in unserem demokratischen Hinterhof terrorisieren die Rechten. Witzig irgendwie..

  3. kleiner nachtrag zum thema „zeit und kritische fragen“:

    nils minkmar hat einen artikel in der faz zum thema geheimnisse in ordnungs- und sicherheitsbehörden geschrieben. ich finde ihn lesenswert.

    .~.

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