NPD-Machtkampf: JN wittern ihre Chance

Zwar hat die NPD offenbar noch immer keinen geeigneten Ort für ihren Bundesparteitag gefunden, ihre Jugendorganisation bereitet sich aber schon einmal auf den Sturz des amtierenden Vorsitzenden, Udo Voigt, vor. Unter dem Titel „Aufbruch in die Zukunft“ laden die „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) eine Woche vor dem geplanten Parteitag zu einer Veranstaltung ins thüringische Kirchheim ein. 

Von Kai Budler

JN-Kader und NPD-Landtagskandidat Michael Schäfer
JN-Kader Michael Schäfer

Als Gäste im „Hotel romantischer Fachwerkhof“ knapp 20 Kilometer südlich von Erfurt sind unter anderem Voigts Herausforderer Holger Apfel und Udo Pastörs angekündigt, für die Musik soll der Sänger der Rechtsrock-Band Sleipnir, Marco Laszcz, sorgen.

Dass gerade Apfel und Pastörs, die gerade erst gemeinsam beschlossen, den Vorsitzenden aus dem Amt zu jagen, auf der Liste stehen, scheint hierbei kein Zufall. Die Fronten sind klar verteilt: Die Vorsitzenden der zwei NPD-Landtagsfraktionen stehen gemeinsam mit den JN auf der Seite der vermeintlichen Erneuerer der Partei. Der JN geht es um die Schärfung ihres Profils und größeren Einfluss in der Mutterpartei. 

Die Kritik an deren Umgang mit der eigenen Jugendorganisation schwelt schon seit Längerem, wie der Parteitag 2010 zeigte. In ihren Reaktionen auf einen JN-Antrag zur „Unterstützung der Jugendarbeit“ offenbarten Voigt und Bundesschatzmeister Ulrich Eigenfeld dort ihre eigene Unwissenheit über die finanzielle Unterstützung der Jugendorganisation.

Kritik an NPD-Umgang mit Jugendorganisation

Bereits vorher hatten der JN-Bundesvorsitzende Michael Schäfer und Julian Monaco vom niedersächsischen Landesverband die mangelnde Umsetzung an „zeitgemäßer, jugendlicher Ausrichtung“ offen kritisiert. Statt sie als „innerparteiliche Kaderschmiede“ ernstzunehmen, würden die JN „nur als Anhängsel der Mutterpartei wahrgenommen“. 

Junge Nationaldemokraten - Scharnierfunktion für die Kameradschaftsszene
Junge Nationaldemokraten - Scharnierfunktion für die Kameradschaftsszene

Bei der Frage der Unterstützung gehe die Partei stets auf Tauchstation, bemängelt Schäfers Stellvertreter Andy Knape. Mit dem anstehenden Wahlparteitag der NPD könnte sich das ändern, schließlich stehen Schäfer und Knape auf der Wunschliste des Voigt-Herausforderers und ehemaligen JN-Bundesvorsitzenden Holger Apfel: Für beide JN-Funktionäre ist darauf ein Posten im Bundesvorstand der Partei vorgesehen.

Bislang ist nur Schäfer kraft seines Amtes im Vorstand vertreten. Auch ein von Knape angekündigter Antrag für den Parteitag soll der Jugendorganisation mehr Einfluss innerhalb der NPD sichern. Bislang waren die JN auf Parteitagen ebenso zur Untätigkeit verdammt wie die zwei anderen NPD-Untergliederungen, die „Kommunalpolitische Vereinigung“ (KPV) und der „Ring nationaler Frauen“ (RNF). Der Initiativantrag, den die drei Organisationen gemeinsam stellen wollen, könnte das ändern, wenn die darin vorgesehene Satzungsänderung bei den Delegierten auf Zustimmung stoßen sollte.

„Die Verjüngung ist mehr als überfällig“

Mit der von dem sächsischen NPD-Landesvorsitzenden und Vorsitzenden der sächsischen NPD-Fraktion Apfel vorgesehenen Verjüngung des Parteivorstandes wittern nun offenbar auch die in den 1980ern geborenen JN-Funktionäre Knape und Schäfer ihre Chance für einen Job in der Bundespartei. Die JN stellen sich mit ihrem Kurs auf die Seite von Apfel und dessen angekündigter strategischer Neupositionierung der NPD. Ein Vorhaben, das Voigt den Vorsitz kosten könnte, der 1996 mit einer ähnlichen Neupositionierung den ehemaligen NPD-Chef Günter Deckert beerben konnte.

Zwar würdigen auch die JN-Funktionäre fast schon obligatorisch Voigts „Leistungen“ seit der Übernahme des Vorsitzes im Jahr 1996. Doch gleich folgen die Vorwürfe in Richtung Voigt und den amtierenden Vorstand: Die Rede ist von einem „Wischi-Waschi-Kurs“, von Ideenlosigkeit und fehlenden Zukunftskonzepten. Gleichzeitig rücken sich Knape und Schäfer als neue Generation der NPD selbst ins Rampenlicht. Knape sieht sich offenbar schon als Nachfolger von Manfred Börm, dem amtierenden Leiter des innerparteilichen „Ordnungsdienstes“ (OD). In einem Interview auf die Zusammenarbeit mit Rechtsextremen außerhalb der NPD angesprochen erklärt Knape, er wolle die Neonazis für einen OD mit „verschworenem Mannschaftsgeist“ gewinnen, der an Bedeutung und Attraktivität gewinnen solle.

Siehe auch: Machtkampf in der NPD: Apfel fordert Voigt heraus, NPD-Strategiedebatte: Zwischen bürgerlicher Fassade und NS-Subkulturen (Teil I)