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Etwas Besseres als diesen Journalismus

30. Oktober 2011 02:12 4.951 mal gelesen 20 Kommentare

Der Artikel von Nicole Selmer zu den Ereignissen rund um das Pokalspiel von Dynamo Dresden bei Borussia Dortmund hat in den Kommentaren eine breite Kontroverse ausgelöst. Die Publikative versucht daher noch einmal, die unterschiedlichen Diskussionsstränge zu entwirren. Einerseits, weil wir das Gefühl haben, dass Teile der ursprünglichen Argumentation entweder nicht verstanden oder absichtlich ignoriert wurden, andererseits weil unsere Kritik an einer bestimmten Art von Journalismus täglich aufs Neue bestätigt wird. 

Von Andrej Reisin

1. Seek truth and report it*

Was ist genau passiert? Wann? Wo? Warum? Es ist die vornehmste Aufgabe des Journalismus, als erstes genau diese sogenannten W-Fragen zu beantworten, so wie es der oben zitierte Leitsatz der Berufsvereinigung amerikanischer Journalisten vorsieht. Denn Journalismus ist eine Beschreibung der Realität. Diese ist allerdings nicht wahrhaftig, sondern eine Erzählung eines Geschehens, die immer umstritten ist. Deswegen sollten Journalisten erst so viele „harte“ Fakten wie möglich sammeln, bevor sie ihre Interpretation der Realität präsentieren (“be first – but first be right”).

Was also heißt Randale? Wie viele Menschen wurden verletzt? Von wem? Wobei? In Bezug auf die Dortmunder Ereignisse ging und geht es dabei nicht um die Frage, ob es zu Ausschreitungen, Gewalttaten und anderen Straftaten gekommen ist. Wir sind uns sicher, dass dies der Fall war:

Und wir sympathisieren keinesfalls mit den Tätern im Dresdner Anhang. Aber das ist schlicht und ergreifend nicht das Ende der Geschichte. Viele weitere Fragen schließen sich an: War das Sicherheitskonzept ausreichend für ca. 13.000 Gästefans? Hätte die Polizei den abgesprochenen (und auf ihren Wunsch hin umverlegten) „Marsch“ der Dresdener besser absichern müssen? Ging das in Dortmund verfolgte Konzept, keine Fantrennung durchführen zu wollen, möglicherweise nicht auf? Wie kann es sein, dass einerseits Bürgerkriegsszenarien heraufbeschworen werden, andererseits aber die polizeilich und (sport-)politisch Verantwortlichen sich (zumindest im ZDF) nicht einer kritischen Nachfrage stellen müssen? Weil man zwar Demonstrationen von 100.000 Castor-Gegnern einigermaßen polizeilich und medial begleiten kann, aber keine 13.000 Dresdner Fans?

Pressetribüne

Auch mal woanders hinschauen: Pressetribüne im Fußballstadion (Foto: jhalstein, CC BY-NC-SA 2.0)

Nein! Die Antwort ist: Weil man sich die Mühe nicht macht. Weil es sich zwar Woche für Woche ganze Hundertschaften von Sportreportern auf den Schnittchenplätzen der Bundesliga-Stadien bequem machen, aber nur eine Handvoll dieser Kollegen jemals den Versuch unternommen hätte, tiefer in die Fan(Sub-)kultur einzutauchen oder auch nur in teilnehmender Beobachtung eine Auswärtsfahrt zu einem Sicherheitsspiel mitzumachen und damit die andere Seite der VIP-Logen, Haupttribünen, Presseparkplätze und Polizeiketten kennenzulernen. Genau das aber wäre die eigentliche journalistische Aufgabe – wenn man denn schon seine Berichterstattung vom Spiel auf die Ränge verlagert.

Kein Journalismus von irgendeiner Qualität im engeren Sinne ist es dagegen, wenn ein Fernsehteam all dies unterlässt und stattdessen eine offenbar vorgefertigte Meinung zu einem bestimmten Thema unter Zuhilfenahme bestimmter Bilder in die Wohnzimmer des Landes versendet. Natürlich kann man aus guten Gründen gegen Feuerwerk in Fußballstadien sein, zumal dies derzeit illegal ist. Man kann aber schlechterdings nicht eine Masse von Menschen als „Chaoten“, „Gewalttäter“ und „dumpfe Gestalten“ diffamieren, ohne auch nur den Hauch einer Hintergrundberichterstattung zu liefern. So wird aus Journalismus nämlich nichts weniger als die Verbreitung von Vorurteilen.

2. Give a voice to the voiceless

Auch dabei handelt es sich um eine der goldenen Regeln des Handwerks: Wer ausschließlich Vereinspräsidenten, Sportfunktionäre, Polizeisprecher und Sicherheitspolitiker zu Wort kommen lässt, hat die andere Seite schlichtweg nicht gehört. Wer darüber hinaus die ohnehin schon dominanten Stimmen der genannten Autoritäten in einem medialen Diskurs auch noch verstärkt, leiht seine Stimme daher auch nicht denjenigen, die keine haben, sondern denjenigen, die ohnehin schon in gesellschaftlichen Machtpositionen mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet sind. Dann kann man anstelle der Tagesschau aber auch gleich Regierungserklärungen und Polizeiberichte im Fernsehen verlesen lassen. Und zwar jeden Abend zu jedem Thema.

3. Minimize harm

Als Pars pro Toto erschien in der Süddeutschen Zeitung nach dem Spiel ein Kommentar von Freddie Röckenhaus. Darin beobachtet der Autor das Verhalten der Dresdner Fans nicht nur von der Pressetribüne aus, sondern auch rund um das Stadion. Sein Entsetzen über die Ereignisse ist daher immerhin authentisch. Dennoch unterlässt er es wie selbstverständlich, die Gegenseite auch nur indirekt in seine Betrachtung einfließen zu lassen. Stattdessen wird die ganze Zeit nur über die Dynamo-Anhänger geredet. Und das klingt dann so:

„Ahnungslose Passanten wurden körperlich attackiert und geschlagen, Mütter mit Kindern, die sich auf ein Cupspiel vor 70.000 Zuschauern freuten, brachten sich aufgelöst und weinend in Sicherheit. An eine Eingangskontrolle am Stadion, etwa auf mitgebrachte Feuerwerkskörper, war gegen die Horden von 100-Kilo-Hünen nicht mehr zu denken, ohne zu riskieren, krankenhausreif geschlagen zu werden.“
[…]
„Der Verein Dynamo Dresden wird die Resozialisierung von großen Teilen seiner Anhängerschaft nicht allein bewältigen können. In Dresdens Szene gilt Gewalt als akzeptierter als irgendwo sonst. Blöcke von Dynamo-Fans inszenieren sich gerne als “Wendeverlierer”. 18-Jährige halten DDR-Fahnen und Transparente hoch mit Slogans wie: “Die Wende machte aus uns Monster”. Man sollte aber nicht darauf hereinfallen, die Gewalttätigkeiten für soziologisch oder politisch motiviert zu halten. Es ist vielmehr nichts als spätpubertäres, Testosteron-geschwängertes, pöbelndes Muskelspiel.“

Hier wird ein Stereotyp bedient, das haarscharf an „den Barbaren aus dem Osten“ vorbeischrammt, als die die Dresdener dann aber im weiteren Verlauf zwischen den Zeilen zur Genüge gebrandmarkt werden. „Große Teile“ ist darüber hinaus selbstverständlich weder statistisch noch polizeilich auch nur im Ansatz belegbar: Laut Polizeibericht wurde niemand krankenhausreif geschlagen. Stattdessen ist die Rede von 17 Leichtverletzten – darunter zwei Polizeibeamte. Wie viele Menschen von polizeilichen Maßnahmen wie Pfefferspray verletzt wurden, bleibt offen; 15 Dynamo-Anhänger wurden festgenommen. Auch hier stellt sich deshalb die drängende Frage nach dem adäquaten Verhältnis von Beschreibung und Realität. Nochmal: Wir bestreiten nicht, dass sich diese Szenen so zugetragen haben. Aber die heraufbeschworene permanente Bedrohung für Leib und Leben muss gelinde gesagt angezweifelt werden. (Zu diesem Aspekt äußert sich auch die Dortmunder Fanseite schwatzgelb.de: “Wir waren beim Fußball und haben überlebt.“)

Aber selbst wenn 1000 Dresdener in Dortmund randaliert hätten, wären dies nicht „große Teile der Anhängerschaft“, die darüber hinaus auch noch nicht mehr ohne weiteres „resozialisierbar“ sein sollen. Mithin handelt es sich also offenbar eher um gemeingefährliche Kriminelle, die eigentlich ins Gefängnis gehören. Sogar die selbstironische Anspielung einiger Dresdner Fans auf vermutete oder tatsächliche Stereotype der Berichterstattung über ostdeutsche Fußballclubs („Wendeverlierer“, „Monster“) entgeht Röckenhaus völlig und wird auch noch zum Argument gegen den Dresdner Anhang. Dieser engagiert sich zwar für karitative Zwecke, beteiligt sich an vereinsübergreifenden Aktionen und Kampagnen wie der Demo zum Erhalt der Fankultur und der Kampagne für die Legalisierung von Pyrotechnik - aber diese Teile der Realität interessiert die meisten Kommentatoren nicht.

Sie werden ebenso wenig als Widerspruch bemerkt wie die Tatsache, dass die Ultras Dynamo “das Zünden von Böllern, das Werfen von Pyrotechnik und gewalttätige Übergriffe” in Dortmund verurteilen, eben weil sie ihren Anliegen massiv schaden. Auch, dass es bei den Zweitliga-Ostderbys zwischen Dresden, Rostock und Cottbus zu Beginn der Saison mehr oder weniger ruhig blieb, wird weitgehend ausgeblendet. Stattdessen werden schamlos alle verfügbaren Klischees bedient, um damit die Forderung nach Zero Tolerance und harten Strafen zu verbinden – und zwar bitte ohne großes soziologisches oder sonst wie analytisches Gequatsche. Knüppel aus dem Sack und gut. Wie sehr diese Rhetorik der Logik des unverbesserlichsten Teils der Fanszenen in die Hände spielt, lässt sich kaum überschätzen. Die radikalsten Teile der Ultras werden in ihrem „Wir gegen alle – keine Kompromisse“-Weltbild so massiv bestätigt, wie es eben gerade geht. In der pauschalen Zuschreibung von „Gewalt“ an bestimmte Gruppen oder Fanszenen besteht die größte Gefahr einer Eskalation eben dieser.

Ein anderes Beispiel: In Hannover wurden kürzlich 36 Fans von der Polizei bei einem durchaus fragwürdigen Einsatz verletzt. Wer nun dieses Beispiel benutzt, um darauf hinzuweisen, dass es auch beim “Bundesligaspiel am Sonntag in Hannover Gewalttätigkeiten gab” – der erweist seinem Anliegen und der gesamten Debatte einen Bärendienst. Denn wer auf der anderen Seite völlig unschuldig von der Polizei mit Pfefferspray verletzt wurde und anschließend auch noch lesen muss, er sei der Gewalttäter, kann aufgrund eines durchaus nachvollziehbaren Mangels an Gerechtigkeit den Schulterschluss mit denjenigen vollziehen, die schon immer auf die Gewaltkarte gesetzt haben.

Mit anderen Worten: Wer „große Teile“ der Dresdner Fanszene zu vorerst nicht mehr resozialisierbaren Gewalttätern erklärt, treibt die gemäßigten Teils der Fans in die Arme der gewaltbereiten. Warum sollten sich erstere weiterhin in Dialoge und Initiativen einbringen, wenn sie hinterher doch nur medial verteufelt und polizeilich behandelt werden? Dann lieber 90 Minuten traurige Berühmtheit im ZDF, das im Übrigen auch mal wieder kaum einen Gedanken daran verschwendet hat, welche Bühne man den Gewalttätern am Dienstag aus freien Stücken geboten hat. „Minimize harm“ geht anders, liebe Kollegen – in jeder Hinsicht.

*Zu allen hier zitierten Leitsätzen, vgl.: Society of Professional Journalists Code of Ethics

Siehe auch: Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?,

20 Kommentare »

  • Ulla said:

    Danke für diesen sehr guten Beitrag.

  • Albrecht Kolthoff said:

    Ehrlich gesagt verstehe ich diesen Artikel nicht so richtig. Wenn es darum gehen sollte, den ZDF-Moderator der journalistischen Schludrigkeit zu überführen – geschenkt. Das kann man so gut wie an jedem Spieltag nachvollziehen. Den besten deutschsprachigen Fußballkommentar aller Zeiten hat für meine Begriffe Eberhard Stanjek bei der WM 1982 in Spanien abgeliefert, indem er bei dem unwürdigen Schmierentheater in Gijón einfach das Kommentieren einstellte. Manchmal würde man gerne Leute für’s Schweigen bezahlen.

    Dieser Artikel enthält aber sachliche Unrichtigkeiten wie etwa die Behauptung, es habe ein Konzept gegeben, “keine Fantrennung durchführen zu wollen”. Die Dresdner Fans wurden im Wanderkessel zum Stadion gebracht, wo die Situation sich bedrohlich zuspitzte. Laut dem WAZ-Portal Der Westen wurde dort mit massivem Polizeieinsatz die Fantrennung durchgesetzt: “Hinter einer Absperrung verfolgten gewaltbereite Anhänger aus dem Dortmunder Lager das Geschehen. Die Polizei konnte mit drei Ketten die beiden Gruppen aber erfolgreich voneinander fernhalten und aggressive Dresdener Ultras ins Stadion in den Gäste-Block geleiten.”

    Was will man denn eigentlich? Sollen die Einsatzkräfte nicht nur Wasserwerfer auffahren, sondern gleich auch mit Gummigeschossen reinhalten? Der Aufwand war der gleiche wie bei einem Spiel gegen Schalke – und dass heißt, dass mehr nicht vorstellbar ist. In früheren Zeiten waren Spiele BvB / Schalke tatsächlich Treffen mit Gefahr für Leib und Leben. Nachdem 1992 ein junger Mann im Umfeld eines Derbys erstochen worden war, hatte sich das Ganze einigermaßen normalisiert. Das sollte es nie wieder geben, ist aber anscheinend bei jüngeren Leuten gar nicht bekannt, denn endgültig vorbei ist das Thema allerdings keineswegs, wie beim Derby im letzten Jahr 2010 deutlich wurde. Schwanzlängen-Vergleiche, wer jetzt wem mehr Zähne ausschlägt oder mehr Knochen bricht, braucht einfach niemand mehr. Rivalität kann man prima als Choreo auf der Tribüne ausleben, und da macht den Ultras auch so schnell keiner was vor.

    Soll jetzt also die Polizei wie bei einem Castor-Einsatz aufrüsten, weil Dresdner Fans im Anmarsch sind? Sollen die Gäste von vornherein in rundherum vergitterte Tigerkäfige gesperrt werden, damit sie nicht über die anderen 70.000 Menschen aller Geschlechter und Altersgruppen herfallen? Was würde das für ein öffentliches Heulen und Zähneklappern hervorrufen, wenn sich dann die Gäste berechtigterweise wie Tiere behandelt fühlten?

    Was soll das, die vermeintlich geringe Zahl der Verletzten als Argument heranzuziehen, dass es doch nicht so schlimm gewesen sei? Sollen erst Schwerverletzte und Tote auf dem Pflaster liegen bleiben, damit die Lage als ernst anerkannt wird?

    Eine eindrucksvolle teilnehmende Beobachtung hat die Sächsische Zeitung publiziert. Lesen! Der junge Mann aus Dresden kam zu dem Schluss: “Man muss diese Idioten aus dem Stadion kriegen. Eine Selbstreinigung wird es nicht geben.” Es gibt kein Menschenrecht auf Stadionbesuch, und Emotionalität leben die 95 Prozent der Stadionbesucher weiß Gott aus, die sich dabei aber nicht von Randalierern und Schlägern terrorisieren lassen wollen.

    Natürlich kann man sich über Fernsehkommentatoren aufregen, die – weil es ihr Job so erfordert – sich nicht in die Tribünen stellen und sowieso nicht unbedingt feuilletonistisch veranlagt sind. Mancher von denen würde gerne den Journalisten geben und verhebt sich daran; mir persönlich liegen dann eher Typen wie Werner Hansch oder Manni Breuckmann, die stattdessen erst einmal schlicht und ergreifend Sportreporter (und zwar ziemlich gute, weil unterhaltende) sind – etwas anderes erwarte ich dann auch nicht. Den richtigen Ton für’s Stadion zu treffen muss nicht zwangsläufig bedeuten, als Einfaltspinsel durch die Welt zu gehen, wie Breuckmann im Interview zeigt.

    Im Gegensatz zu manchen Flachrednern im Fernsehen ist Freddie Röckenhaus allerdings ein kenntnisreicher und erfahrener Journalist, der keineswegs nur im Sport als Arbeitsgebiet zu Hause ist; ihm ist sicherlich auch die schlimme Zeit um 1992 herum noch bekannt. Wenn er davon spricht, dass der “Verein Dynamo Dresden [...] die Resozialisierung von großen Teilen seiner Anhängerschaft nicht allein bewältigen” könne, dann hat er damit wohl leider recht. Schließlich hat die Vereinsführung von Dynamo Dresden selbst mitgeteilt:
    “Das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund hat wieder einmal in drastischer Art und Weise das differente Verhalten der Dresdner Fans bei Heim- und Auswärtsspielen gezeigt. Nach den neuerlichen Vorfällen im Gästeblock beim Auswärtsspiel in Ingolstadt und Duisburg sowie dem Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt wurde dem Verein zeitgleich mit den Geschehnissen in Dortmund am Dienstagabend aufgrund des Einsatzes von pyrotechnischen Erzeugnissen und rassistischer Gesänge eine Geldstrafe in einer Höhe von insgesamt 20.000 Euro durch das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes auferlegt. Außerdem steht noch eine weitere Strafe für Becherwürfe im Heimspiel gegen Alemannia Aachen aus. Insgesamt musste der Verein in dieser Spielzeit nach vierzehn ausgetragen Pflichtspielen bisher bei fünf Vorfällen 27.000 Euro an Strafe an das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes entrichten.”

    Mit anderen Worten: Der Verein ist nicht in der Lage, seine Fanszene so einzubinden, dass dieses Theater aufhört. Natürlich gibt es auch andere Vereine, die da ebenfalls erhebliche Probleme haben. Stefan Kuntz hat beispielsweise in seiner, nun ja, etwas altbackenen Art für den FCK beklagt, dass die Hools “die Werte und die Tradition, die Fritz Walter verkörpert hat, mit Füßen treten”.

    Und jetzt? “Etwas Besseres als dieser Journalismus” soll es nun richten, wie die Forderung von Andrej Reisin lautet (der sich als Autor in seinem Artikel erstaunlicherweise durchgehend mit “wir” bezeichnet)? Mehr teilnehmende Beobachtung, mehr Subkultur-Reportagen? Von mir aus gerne, solange ich dafür nicht gezwungenermaßen noch mehr GEZ-Kopfsteuer bezahlen soll für “Leistungen”, die ich als unterirdisch empfinde. Ob sowas dabei hilft, die Randale einzudämmen – ich weiß es nicht, bezweifle es aber eher.

    Aber was soll’s – ARD und ZDF werden bei den geschätzten 180 Millionen, die sie bis 2016 für Fußball-Senderechte ausgeben, dafür gerade zur Zeit möglicherweise sowieso nicht genügend Taler in der Portokasse übrig haben. Das ZDF haut dazu noch 54 Millionen für die Champions League raus. Da hatte die Mainzer Anstalt nichts mehr übrig für den DFB-Pokal ab 2012, den im so genannten Free-TV dann die ARD exklusiv übernimmt – und so kann ZDF-Poschmann jetzt auch mal ein bisschen verbal vom Leder ziehen, wenn sein Laden sowieso raus aus dem Geschäft ist.

    54 weitere Millionen gibt die ARD für Box-Übertragungen an den “Boxstall Sauerland” aus – vielleicht kann man ja die Dresdner Problemfans alle um einen Boxring versammeln, damit Stimmung aufkommt. Der Box-Deal war immerhin vom sächsischen Heimatsender MDR ausgehandelt worden. (Vorsicht, Ironie und Sarkasmus.)

    Da ist dann vielleicht nicht mehr genug Kohle für besseren Journalismus drin. Aber Potential für Unterhaltendes ist sicher noch da. Vorschlag für den Anfang: Als Ergänzung zum hergebrachten Musikantenstadl ein paar frische Formate wie “Live aus dem Stadion – Die volkstümliche Schlägerparade” und “Big Brother im Gästeblock”.

  •   Dynamo Dresden in Dortmund: Fans, Medien und der Mainstream by Ostfussball.com said:

    [...] verteufelt und polizeilich behandelt werden? (…) [Etwas Besseres als diesen Journalismus - publikative.org, 30. Oktober 2011] Rudolf-Harbig-Stadion, 29. Oktober [...]

  • Andrej Reisin (author) said:

    Lieber Herr Kolthoff,
    ein paar grundsätzliche Anmerkungen, die sich auch auf Ihre Kommentare zu Nicole Selmers Artikel beziehen. Ich verstehe Ihre Empörung (wie auch die anderer Augenzeugen) durchaus. Ich bin mir aber ebenso sicher, dass daraus keinesfalls diejenigen Rückschlüsse und ordnungspolitischen Forderungen abgeleitet werden können, die Sie (und andere) daraus ableiten. Man kann als Augenzeuge oder gar Opfer von Gewalt selbstredend immer entsetzt sein. Trotzdem muss in einem zweiten Schritt das eigene Erleben/Entsetzen in eine Verhältnismäßigkeit gebracht werden.

    Sehen Sie sich doch mal das zweite eingebundene Video („Fantipp …“) an. Wo ist da der von Dresdenern inszenierte Bürgerkrieg? Was würden Sie von jemandem halten, der nur dieses Video gesehen hat und anschließend behaupten würde, da sei doch gar nichts los gewesen? Vermutlich spiegelverkehrt dasselbe, was ich von Horroszenarien a la Lebensgefahr, Frauen und Kinder, Krankenhaus und große Teile halte. Woher wollen Sie – jenseits von objektive belegbaren Fakten – wissen, was am Dienstag in Dortmund genau los war? Weil Sie vor Ort waren? An allen Orten zur gleichen Zeit? Immer und überall? Meinen Sie nicht, dass zu Ihrer Version der Geschichte auch eine Menge Augenzeugen-Versionen gibt, die die Sache etwas anders sehen? Glauben Sie ernsthaft eine “oral history” all dieser Stimmen würde Ihre eigene Erzählung wiederspiegeln? Sie können doch schlechterdings nicht verlangen, dass Ihre Darstellung der Realität die allein gültige ist. Und das wissen Sie als Publizist und Wissenschaftler auch besser.

    Ich habe daher ehrlich gesagt keine Lust mehr, Ihnen nunmehr (nachdem dies bereits mehrfach in Nicole Selmers als auch in meinem Artikel steht) auch noch zum hundertunddrölften Mal klar zu sagen, dass niemand bestreitet, es habe Ausschreitungen und Gewalt gegeben – und dass dies zu verurteilen ist. Deswegen ist es schlicht und ergreifend eine unlautere Unterstellung Ihrerseits, wenn sie die Nennung von Fakten (Polizeibericht) als Verharmlosung darstellen wollen. Es geht nun einmal darum, Realität zu erfassen. Ein gängiges Mittel dafür sind statistische Erhebungen. Betroffenheit, Entsetzen und Gefühl hingegen sind weniger geeignet, um es vorsichtig zu sagen. Man muss seine Szenarien IRGENDWIE mit der messbaren Realität in Einklang bringen – ansonsten schreibt man Prosa.

    1989 in Sheffield wurden übrigens 96 Menschen todgequetscht, weil Polizei und Ordnungsdienst sie in einen viel zu kleinen Block trieben leiteten (wegen Missverständlichkeit geändert: siehe weitere Kommentare). Sie hingegen haben den (von anderen Usern korrigierten) Versuch unternommen, die Hillsborough-Katastrophe als ein Beispiel für die schreckliche Hooligan-Gewalt vergangener Jahre zu instrumentalisieren, – eine Opfer-Täter-Umkehr, die mich ehrlich gesagt ein wenig sprachlos zurücklässt. Genau diese Wahrnehmung aber liegt auf einer Linie mit der überwältigenden Mehrheit aller Medienberichte (und zwar egal ob zu Dresden, Dortmund, Hannover, Frankfurt, Kaiserslautern oder sonst wem) zum Thema Gewalt beim Fußball. Es findet in gefühlt (Achtung: diese Zahl ist nicht belegbar) ;-) 99% der Fälle eine einseitige Zuschreibung dieser Gewalt an “die” Chaoten, Hooligans, Unverbesserlichen, Ultras, Krawallmacher etc.pp. statt, selbst dann, wenn es die Polizei selbst ist, die überhaupt erst für Verletzte sorgt, so wie kürzlich in Hannover oder letztes Jahr beim Hamburger Lokalderby im St. Pauli Block. Diese Einseitigkeit der Berichterstattung und die diffamierende Rhetorik, die irgendwo zwischen unbedarft und bösartig pendelt, wird von denjenigen, die Sie offensichtlich für ausschließlich tumbe und stumpfe Schwerbrecher halten, durchaus zur Kenntnis genommen – ob Sie es nun ausgerechnet mir glauben wollen oder eben nicht: It adds insult to injury, wie es im Englischen heißt.

    Versuchen Sie sich doch wenigstens mal an einer Transferleistung auf andere politische und gesellschaftliche Felder: Daran lag nämlich der Sinn des Castor-Vergleichs, nicht in dem Heraufbeschwören weiterer ordnungspolitischer Folgen. Würden Sie hier ernsthaft einer derart diffamierenden Berichterstattung folgen wollen? Oder hätten Sie die Bezeichnungen „dumpfe Gestalten“ oder „Horden von 100-Kilo-Hühnen“ auch adäquat gefunden, wenn es sich um eine gewalttätig eskalierte linke Demo gehandelt hätte? Vielleicht verschwenden Sie wenigstens einen kleinen Gedanken daran, dass Fußballspiele nur ein Feld für Crowd and Riot Control sind, aus Sicht der Exekutive praktischerweise auch noch mit einem Publikum (sic!), das so gut wie gar keine Lobby hat. Denken Sie doch mal ernsthaft darüber nach, was Röckenhaus‘ Forderung, soziologische Erklärungen solle man sich abschminken, bedeutet. Dass wir auf die Erkenntnisse der Wissenschaft, die versucht, Gesellschaft zu beschreiben, verzichten sollen? Sie sind es, der einfach sein gesamtes kritisches Denken über Bord wirft, nur weil er hier zufällig mit der Masse der Berichterstattung konform geht. Herzlichen Glückwunsch!

    Genau die gleiche Rhetorik („alles kriminelle Gewalttäter“) wurde nach den Londoner Riots jüngst auch angestimmt, verbunden mit demselben Ruf nach staatlicher Härte. Ich möchte im einen wie im anderen Fall noch einmal ernsthaft anzweifeln, dass diese Art der Repression diejenigen, die auf Gewalt aus sind, von irgendetwas abhalten wird. Diejenigen, die wirklich die Schwerbrecher sind, für die Sie sie halten, werden im Zweifel auch in den Knast gehen. Allen anderen aber helfen solche Maßnahmen nur dabei, sich zu radikalisieren. Wetten, dass?

    Herzliche Grüße
    Andrej Reisin

    PS
    Zur “Fantrennung”: In Dortmund gibt es insbesondere auf der Strobelallee praktisch keine Fantrennung im engeren Sinn. In der Kneipe an der “Roten Erde” treffen Gästefans und BVB-Fans unkontrolliert aufeinander. Ich begrüße dieses Vorgehen prinzipiell durchaus. Allerdings gab es bereits im Vorfeld dieses Spiels die Sorge, dass es im Bereich Strobelallee, BVB-Fanshop, Auswärtsblock zu Problemen kommen könnte. Nach unseren Informationen verzichtete die Polizei zunächst dennoch auf eine strikte Fantrennung und begleitete den Marsch mit zu wenig Personal, um Gewalttätern konsequent entgegen treten zu können. Damit soll der schwarze Peter am Ende nicht bei der Polizei landen, aber dass das Sicherheitskonzept nicht aufgegangen ist, dürfte wohl evident sein. Und wenn man das nur darauf zurückführt, dass man diese “Horden von 100-Kilo-Hünnen” eben nicht aufhalten kann, dann macht man diese mächtiger als sie sind. Wie gesagt: Ein grrößeres Kompliment kann man den echten Gewalttätern nicht mehr machen.

  • Andrej Reisin (author) said:

    Hier übrigens ein weiteres schönes Beispiel für die übliche maßlose Übertreibung: Zu Bildern von bengalischen Fackeln wird getitelt: “Bremer Fans randallieren in Mainz”. In der Bildunterschrift ist die Rede von einem “Kriegsgebiet”, um dann zu schreiben, es habe “keine weiteren Vorfälle” gegeben. Und niemand merkt was. Und alle halten das für Qualitätsjournalismus. Ist man schon völlig verblendet, wenn man kurz davor ist, beim Weser Kurier anzurufen und zu fragen, ob irgendein Redaktionsmitglied schon mal in einem Kriegsgebiet war? Oder doch einfach nur zu lange auf dem Bremer Freimarkt? Aber vermutlich handelt es sich auch hier um “Horden von 100-Kilo-Hünen” … :roll:
    http://www.weser-kurier.de/Bilder/Werder/Profis/472775/Bremer-Fans-randalieren-in-Mainz.html

  • Anonymous said:

    “1989 in Sheffield wurden übrigens 96 Menschen todgequetscht, weil Polizei und Ordnungsdienst sie in einen viel zu kleinen Block trieben.”

    Komisch, meines Wissens nach haben die Ordnungskräfte lediglich ein zusätzliches Tor öffnen lassen, um den Druck der Zuschauermassen zu verringern. Dadurch gab es konkurierende Zuschauerströme und eine Panik breitete sich aus. In dieser Panik sind die 96 Opfer umgekommen.

    “In den Block getrieben” wurde tatsächlich keiner…

  • Albrecht Kolthoff said:

    Lieber Herr Reisin,

    tatsächlich liegt da ein Missverständnis vor, wenn Sie bei mir Entsetzen und Empörung als tragende Motivation vermuten. Ich bin vor allem konsterniert, dass hier Selbstverständlichkeiten in Frage gestellt werden wie etwa die, dass man Gewalttätern als Konsequenz ihrer Handlungen die Tür weist. Einen solchen Qualitätsabbruch hätte ich hier nicht erwartet.

    Realität ist zweifelsohne, dass man von Glück sagen kann, dass nicht mehr an Verletzten zu beklagen ist. Auch in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen gab es gestern und in der vergangenen Nacht zum Glück keine schweren Verletzungen, wo bei unabhängigen Vorfällen offenbar Anhänger des VfB Stuttgart und des BvB 09 andere Fußballfans massiv und heimtückisch angegriffen haben. Lassen Sie mich raten, wer an diesen Vorfällen schuld war – DFB, Polizei, Autobahnmeisterei?

    Ich habe nichts dagegen, nach Ursachen zu forschen und die Wissenschaft zu bemühen, um anlässlich solcher Ereignisse “Gesellschaft zu beschreiben”. Ich weiß aber jetzt schon auch ohne Expertengutachten, dass ich auf die Gesellschaft derartiger Täter keinen Wert lege. Man kann dann ja auch mal wissenschaftlich erforschen, wie lange sich das allgemeine Fußballpublikum Gewalttätigkeiten durch aggressive Kleingruppen gefallen lässt.

    Solche Beschreibungen von Gesellschaft können aber auch eher selten handlungsorientierte praktische Erkenntnisse liefern, so wie sie etwa bei der der Fanarbeit der Vereine benötigt würden, die teilweise seit Jahrzehnten mit mehr oder weniger Erfolg betrieben wird – oder eben auch nicht.

    In Dortmund ist solche Fanarbeit seit den Zeiten der berüchtigten Borussenfront um “SS-Siggi” Borchardt etabliert. Heutzutage hat man es da beispielsweise mit den “Desperados” zu tun, von denen einige schon durch gemeinsame Straßenkampf-Trainings mit den Dortmunder Neonazis aufgefallen waren. Eine ganze Reihe von denen hat bei Schalke aufgrund ähnlicher Vorfälle wie jetzt Stadionverbot – na und? Ist doch wohl das Mindeste. “Der Ordnungsdienst stellte 33 Messer und sechs Reizstoffsprühgeräte sicher.” Ja, danke aber auch. Ein Leserkommentar dazu im Portal Der Westen:”Ich finde es falsch eine ganze gruppe schlecht zu machen aufgrund antifaschistichen hetz-schreiben! Die sind selber nicht viel besser!” Woher kennt man diese Melodie nur?

    Ich wäre der Letzte, der aufgrund dieser Tatsachen davon reden würde, Dortmunder Fans oder Ultras seien “ausschließlich tumbe und stumpfe Schwerbrecher”, wie Sie es irgendwo in Bezug auf Dresdner Fans herausgelesen haben wollen. Wenn aber solche Leute, eine kleine Minderheit, durch ihre Handlungen die Situation entscheidend bestimmen, dann haben wir ein Problem, Houston.

    Solche Fanprojekte können keine Garantien für eine bessere Welt abgeben, sondern arbeiten immer den sich wandelnden Problemstellungen hinterher. Natürlich kann es sein, das das allein nicht reicht. In einer akuten Situation ist selbstverständlich “Crowd and Riot Control” erforderlich – was denn sonst? Anschließend nehmen die Vereine unter Umständen ihr Hausrecht wahr und erlassen Stadionverbote. Je besser im Vorfeld gearbeitet wird, desto wahrscheinlicher, dass es dazu nicht kommen muss. Sie befürchten offenbar, dass durch solche Maßnahmen einem großen Teil der auffällig Gewordenen geholfen werde, “sich zu radikalisieren”. Wissen Sie was? Das ist mir herzlich egal, solange sie sich dann außerhalb der Stadien und deren Umgebung radikalisieren.

    Zu Hillsborough hatte ich meine erste, zu kurz geratene Aussage bereits präzisiert, also geht Ihre Unterstellung der Instrumentalisierung ins Leere. Die katastrophalen Zustände englischer Stadien sowie der Ordnungskräfte hatten zu den beiden Groß-Unglücken geführt, die – zusammen mit den chronischen Hooligan-Problemen, mit der Heysel-Katastrophe und deren Folgen – wiederum zu dem heutigen englischen Fußball geführt haben, in dem es keine Stehtribünen mehr gibt, in dem die Fans sich für den Ticketkauf namentlich registrieren lassen müssen, in dem das mehr als dreifache Eintrittsgeld wie hierzulande verlangt wird.

    Genau diese Dinge werden jetzt auch hierzulande in den Raum gestellt. Wenn so etwas kommt, braucht man nicht mehr ernsthaft über Erhalt von Fankultur reden. Jedenfalls wäre das auch nicht der Fußball, den ich kennen und lieben gelernt habe. Den Wortführern solcher Forderungen wird von jenen in die Hände gespielt, die Gewalttäter gewähren lassen.

    Grüße
    AK

  • Andrej Reisin (author) said:

    @anonymous:
    Jein. Wenn Sie unter “getrieben” mit dem Knüppel getrieben verstehen, dann haben Sie Recht. Ich meinte aber einfach eine Menschenmenge, die durch ein gemeinsames Ziel und die Art der Wegeführung in eine tödliche Falle “getrieben” wird – ähnlich wie bei der Love Parade. Trotzdem kann es im hier dargestellten Kontext missverständlich sein, was mir beim Schreiben zugegebenermaßen nicht bewusst war. Daher habe ich jetzt ein “geleitet” draus gemacht – vielen Dank für den Hinweis.

    @Albrecht Kolthoff:
    Nach wie vor finde ich, dass Sie nicht bereit sind, zwischen den Ereignissen selbst und einer Kritik der Berichterstattung zu trennen. Ich biete Ihnen daher einen letzten Vergleich an, warum ich Ihren Vorwurf der Verharmlosung beim besten Willen nicht akzeptieren kann: Ich wehre mich jedes Mal vehement dagegen, wenn Tierschützer daherkommen und Hühnerställe mit Konzentrationslagern vergleichen. Das liegt aber nicht daran, dass ich die Bedingungen in den Hühnerställen gut finde, sondern daran, dass ich eine derartige Verharmlosung von Konzentrationslagern unerträglich finde. Außerdem glaube ich, dass man Hühnerzüchter mit solchen Vergleichen erst Recht in eine Wagenburgmentalität treibt, die den Tieren wenig nützt. Vielleicht verstehen Sie jetzt besser, worauf ich hinaus will, vielleicht auch nicht.

    Mein Eindruck Ihrer ursprünglichen Intention des “ins Spiel bringens” von Hillsborough (“Wir können uns hierzulande glücklich schätzen, dass es in unseren heutigen Stadien noch nicht zu solchen Katastrophen wie vor Jahren in England gekommen ist, bei denen Hunderte ums Leben kamen (mal nach Valley Parade und Hillsborough googeln, Heysel-Stadion nicht vergessen). Unsere alltägliche Fußball-Randale-Kultur ist heute in England in und um die Stadien nicht mehr möglich.”) bleibt übrigens derselbe: Sie benutzen eine vollkommen anders gelagerte Tragödie um eine vermeintliche “Randalekultur” jetzt und hier mit den Toten von damals zu brandmarken. Ihre “Präzisierung” erfolgte erst, nachdem Sie darauf hingewiesen wurden. Vielleicht sollten Sie mal nach der Anti-”SUN”-Kampagne in Liverpool googlen, in der es genau darum ging, dass die Toten vom Boulevard auch noch nachträglich zu Horden von kriminellen Chaoten erklärt wurden – und die dazu geführt hat, dass diese Zeitung bis heute in Greater Liverpool kaum verkauft wird.

    Was “SS-Siggi” & Co angeht, habe ich übrigens auch eine dezidiert andere Meinung: Die Borussenfront wurde erst durch ihre permanente (Über-)Repräsentation in den Medien zu der “Legende”, die sie in (Nazi-)Hool-Kreisen bis heute ist. Gerade die Geschichte dieser Gruppierung zeigt deutlich wie kaum eine andere, dass der mediale Overkill diese Leute in ihrem Handeln bestärkt – weil sie genau diese Aufmerksamkeit suchen. “SS-Siggi” ist bis heute als Nazi-Kader aktiv (ergo keine Resozialisation durch Repression) und hat Teile der Borussenfront mit mit den neuen AN-Nazis kurzgeschlossen. Was es nicht mehr gibt, ist deren Dominanz in der BVB-Fanszene. Das das aber ausgerechnet ein Erfolg der Repression sein soll, halte ich für eine gewagte These. Mir fallen auf Anhieb mindestens 3 andere ein – aber die sind wahrscheinlich “soziologisch” verbrämt. ;-)

    Wenn ich Ihren Worten folge, scheinen Sie einfach kein großes Problem mit der Boulevardisierung seriöser Medien zu haben – ich dagegen schon. Zu glauben, dass eine mediale Dramatisierung der Situation mithilfe von Kriegsmetaphern der Sache angemessen und auch noch dienlich sein könnte, halte ich für aberwitzig, aber bitte. Ich empfehle ihnen abschließend die Lektüre des “Untergangs der Welt durch Schwarze Magie” von Karl Kraus – vielleicht fällt ihnen doch noch was auf. ;-)

  • Demokrat said:

    Lieber Herr Reisin,

    mit “getrieben” verstehe ich tatsächlich andere Menschen mit Schlagstöcken wie Vieh zu treiben. Das mag abartig klingen. Aber ich habe mehrfach an Fußballspielen teilgenommen, bei denen wir als Einsatzkräfte das Publikum unter Einsatz des Schlagstocks wie Vieh treiben mussten, um Vorfälle wie in Sheffield zu verhindern. Auch in Dortmund!

    “Geleitet” passt perfekt und wird der Situation von damals mehr als gerecht.

  • Albrecht Kolthoff said:

    Die Borussenfront soll von den Medien hochgeschrieben worden sein? Tut mir leid, da fehlt wohl der Zugang zum Thema. Da ich seinerzeit an der Einflugschneise von der Innenstadt zum Stadion wohnte, hatte ich die Möglichkeit, die vor und nach einem Heimspiel häufig stattfindenden Ausländer-Hetzjagden quasi vom Logenplatz aus zur Kenntnis zu nehmen. Die Lokalpresse hatte sich seinerzeit mit der Berichterstattung zurückgehalten; es hätte vielleicht die Harmonie gestört. Eine zeitgenössische Dokumentation von etwa 1984 kann man hier einsehen.

    Im Stadion war die Borussenfront bis weit in die 1990er präsent und konnte über längere Zeit nicht nur unwidersprochen ihre rassistischen und ausländerfeindlichen Sprechchöre anbringen, sondern hat damit auch die Südtribüne dominiert. Es hatte seine Zeit gedauert, bis sie nicht zuletzt durch die Gegenwehr der großen Mehrheit des Publikums – auch und gerade auf der Südtribüne – marginalisiert und herausgedrängt wurden. Es hatte seine Zeit gedauert, bis die Südtribüne auf einen rassistischen Sprechchor erstmals mit Pfeifkonzert und einem lautstarken “Nazis raus!” reagierte – das war wie ein Akt der Befreiung.

    Eine gar nicht zu überschätzende Rolle spielte dabei das 1988 gegründete Fanprojekt, das explizit vor allem wegen der Borussenfront entstanden war. Der pädagogische Leiter Rolf-Arnd Marewski ist von Beginn an bis heute dabei; seine lesenswerte Chronik des Fanprojekts enthält einen eigenen Abschnitt über “Die Neonazis in Dortmund und der Dortmunder Umgang mit ihnen”, nimmt aber auch aktuelle Entwicklungen auf und konstatiert beispielsweise:
    “Seit 2000 haben sich die “Ultras” in Dortmund etabliert. In den Folgejahren hat sich diese Fangruppierung schnell zum ernst zu nehmenden Ansprechpartner für Verein und Fan-Projekt entwickelt. Die große Geschlossenheit der Dortmunder Ultras und ihre Selbstregulierungskräfte etwa waren ausschlaggebend für die Verbannung hochgefährlicher pyrotechnischer Geräte von der dicht besetzten Dortmunder Südtribüne im Westfalenstadion.”
    Ein derartiges – vom Verein unabhängiges – Fanprojekt gibt es auch bei Dynamo Dresden, dem gutes Gelingen und viel Erfolg zu wünschen ist.

    Und selbstverständlich spielte auch Repression eine Rolle. Unter dem damaligen Polizeipräsidenten wurde die Borussenfront, sagen wir mal, durchaus intensiv mit polizeilichen Maßnahmen bedacht, bis hin zu solchen, die später von Verwaltungsgerichten als widerrechtlich eingestuft wurden.

    Aus der jetzt anderweitig empfohlenen Kolumne bei schwatzgelb.de picke ich mir diesen Abschnitt heraus, den ich aus aus eigener Erfahrung nur unterschreiben kann:

    “Kurzum: Ebenso wie Dynamo-Anhänger können auch BVB-Fans Arschlöcher sein – und die Fans eines jeden anderen Vereins auch. Wer Knallkörper oder Flaschen in Richtung anderer Menschen wirft und deren Verletzung oder gar Tod in Kauf nimmt, darf getrost so bezeichnet werden. Ein solches Verhalten ist kriminell, da gibt es nichts zu beschönigen, und gehört entsprechend hart bestraft.”

    Nebenbemerkung: Dieses jetzt so gelobte Internetmagazin hat zweifellos Qualität und Unterhaltungswert, hatte aber für den Bericht über das Pokalspiel BvB-Dynamo Dresden die irritierende Überschrift verwendet “Wir können’s auch noch in Europa”. Auflösung: “Endlich wieder ein Sieg für den BVB auf europäischer Ebene. Nach einem einseitigen Spiel wurden die Gäste aus der SBZ mit einer 0:2-Niederlage zurück hinter den Eisernen Vorhang geschickt.” Solche Scherze sind allerdings – trotz der aktuellen Frankfurter “Bomben auf Dynamo”-Aufregung – nichts wirklich Neues. Im Herbst 1990 spielte der BvB tatsächlich noch im UEFA-Cup gegen Chemnitz. Bei einem CFC-Freistoß sang das Westfalenstadion dann “Baut die Mauer auf”. Also, ist witzig gewesen, aber jetzt ist mal gut. Den Ossi-Wessi-Scheiß kann man schon lange in eine Mottenkiste packen. Der auch bei publikative.org kritisierte Slogan “Ausreiseantrag abgelehnt” kam im Übrigen offenbar von den Dortmunder Ultras “Desperados”, die durch Verbindungen zu den Dortmunder Neonazis aufgefallen waren (und sich auf der eigenen Homepage im Bild maskiert oder mit verpixeltem Gesicht präsentieren, aber das ist wohl “Fankultur” …).

    Ich hatte oben von Gegenwehr des eigenen Publikums gesprochen. Da ich immer noch an das Gute im Menschen glaube, hoffe ich auf solche Gegenwehr an allen aktuell in der Debatte stehenden Orten. Dazu gehört aber die Einsicht, dass unter Umständen bestimmte Leute raus müssen – ob nun zeitweise oder auf Dauer, bleibt der Einzelfallprüfung überlassen. Immerhin wird bei Dynamo Dresden jetzt nicht nur die Teilnahme eigener Fans an Auswärtsspielen abgesagt, sondern ein zweiter (!) Fanbetreuer eingestellt.

    Natürlich kann und muss man beide Themen “fußballbezogene Randale” und “Medienberichterstattung über fußballbezogene Randale” behandeln. Die Frage ist nur, welches dieser beiden Themen stellt das Hauptproblem dar. Mich hat an den betreffenden Artikeln auf publikative.org die dominierende Tendenz gestört, das erste Problem sei durch das zweite verursacht oder sogar größtenteils eine mediale Produktion. Durch Poschmann-Kommentare sind meines Wissens noch keine Zuschauer tot umgefallen, durch fußballbezogene Randale allerdings schon.

  • Leben birgt Lebensgefahr » Fussball » Italien blog said:

    [...] Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale? Etwas Besseres als diesen Journalismus Glosse: Handschellen für die Sachlichkeit Bundesligaanalyse: Pyrotechnik und [...]

  • Demokrat said:

    “Und selbstverständlich spielte auch Repression eine Rolle. Unter dem damaligen Polizeipräsidenten wurde die Borussenfront, sagen wir mal, durchaus intensiv mit polizeilichen Maßnahmen bedacht, bis hin zu solchen, die später von Verwaltungsgerichten als widerrechtlich eingestuft wurden.”

    Also ich erinner mich noch immer gerne an die SS-Siggi-Pool-Party! Wie oft kann man schon den Keller eines Störers durch die Feuerwehr fluten lassen um eine Party aufzulösen :D

    Tatsache ist, dass die Polizei Dortmund wirklich stark und kompromisslos gegen die Borussenfront vorgegangen ist. Es ist wohl die Gesamtheit der Maßnahmen, natürlich auch Fanprojekte etc., die dafür gesorgt hat, dass die Borussenfront heutzutage nichtmehr maßgeblich in Erscheinung tritt.

    Die entsprechenden Leute sind aber nur in andere Ligen oder Subkulturen verdrängt worden. In Dortmund sind es die Autonomen Nationalisten aus Dortmund-Dorstfeld. (Die Heute ähnlich intensiv durch die Polizei beobachtet und behandelt werden.)

  • Andrej Reisin (author) said:

    Ach, Herr Kolthoff, glauben Sie mir: Auch ohne Dortmunder Mikrokosmos-Blick durch die schwarz-gelbe Brille kann man Geschichte und Bedeutung der Borussen-Front beurteilen. Wenn man Ihnen folgt, müsste man sich ja geradezu fragen, warum diese Gruppierung jenseits der Sichtweite des U-Turms der Union Brauerei überhaupt jemand kennt. Weil nämlich die Borussenfront immer als DAS Paradebeispiel für Nazi-Hools durch die Medien geisterte, praktisch keine Reportage zur Thematik ohne deren Erwähnung. Und das fing ebenfalls schon recht “früh” an. Geben Sie das Stichwort mal bei YouTube ein und schauen Sie, was Sie allein da an hochgeladenen Videos finden. Und das ist wirklich nur ein kleiner Bruchteil. Nazi-Hools verschwanden ab später 90ern übrigens aus nahezu allen (west-)deutschen Stadien, von daher ist dies eben keine Besonderheit der einzigartigen Dortmunder Insellage oder eines besonders engagierten Polizeipräsidenten, sondern eine Folge von verschiedenen gesellschaftlichen Entwicklungen im Segment “Fußballkultur”. Dazu gehören eine gewissen Verbürgerlichung (bzw. Öffnung und Vermarktung an mittlere und obere Gesellschaftsschichten), die Übernahme der Fankurven durch die Ultras, die die Hools abgelöst bzw. z.T. auch verdrängt haben und die Einrichtung sozialpädagogischer Maßnahmen.

    Schön finde ich auch, dass der Artikel von Schwatzgelb unsere Sichtweise auf die Ereignisse mehr als bestätigt, Sie sich aber eine Stelle herauspicken, die vermeintlich ihre Argumentation stützen soll, obwohl dort nichts anderes steht als das, was wir auch gesagt haben – und zwar nahezu wortwörtlich: Nämlich, dass einige dieser Fans kriminelle Gewalttäter sind, was aber weder die pauschale Diffamierung der anderen noch Bürgerkriegsszenarien rechtfertigt. Ihnen geht es um das, was Ihrer Meinung nach passiert ist, uns ging es um den medialen Umgang damit (ein Feld übrigens, in der man dieselben Fehler immer wieder machen kann, wie Sie hier nachlesen können) – und warum wir diesen erstens unprofessionell, zweitens ethisch problematisch und drittens kontraproduktiv finden. Und ob durch verantwortungslose mediale Berichterstattung noch nie jemand tot umgefallen ist (um Ihr “Poschmann-Argument” mal ein wenig auf die Ebene der generellen Wichtigkeit der Debatte zu heben), wage ich doch stark zu bezweifeln.

  • Albrecht Kolthoff said:

    @ Demokrat:
    Richtig, diese Nassreinigungs-Aktion war gemeint. Allerdings kann man durchaus in Frage stellen, ob der Verfolgungseifer unter dem jetzigen Polizeipräsidenten der gleiche ist wie damals. Gerade in Bezug auf die Dorstfelder AN-Szene gibt es da viele kritische Stimmen.

    @ Andrej Reisin:
    Natürlich kann man Rolle und Bedeutung einer NS-Hool-Truppe wie der Borussenfront anhand von Youtube beurteilen, das gewiss enorm makrokosmisch aufgestellt ist.
    Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.

    Sie finden sich durch den Artikel bei schwatzgelb.de bestätigt. Das ist schön für Sie, aber gleichzeitig auch bedauerlich insoweit, weil sich aufgrund ähnlicher Perspektive Schnittmengen ähnlicher Argumentationsmuster ergeben (hier bewusst vereinfacht, kondensiert und polemisch):
    1) War alles nicht so wild (rheinisch: “Et hätt noch immer joot jegange”); wird in der öffentlichen Darstellung maßlos übertrieben oder sogar erst produziert. Optional: ein wenig angewandter Konstruktivismus (“daß die sogenannte Wirklichkeit das Ergebnis von Kommunikation ist“).

    [Einschub: Hier könnte die medienkritische Betrachtung schon Feierabend machen.]

    2) Hat es immer schon gegeben.

    3) Schuld sind Sicherheitskräfte (Medien, DFB, Gesellschaft, männliche Rollenklischees, …).

    4) (und aus meiner Sicht am wichtigsten:) Gewalt gehört dazu, weil in der Natur der Sache Massenansammlung auf engem Raum (gerne wird auch der Vergleich mit Oktoberfest u.ä. genommen) bzw. weil das Positive (Emotionalität) den Kick des Negativen (Aggression, Gewaltbereitschaft) voraussetzt. Restrisiko gering.

    Mit solchen affirmativen Leitsätzen kommt man leider nicht über ausgesprochen sinnvolle, lebenspraktische Verhaltenstipps hinaus wie etwa Gefahrenherde zu meiden, gegebenenfalls den Schal in die Jacke zu packen usw.; eine “Krux, für die es keine abschließende Lösung geben wird” (so schwatzgelb.de). Das ist insoweit richtig, dass abschließende Lösungen die Domäne von Religionen und Weltanschauungen sind, die ich als Ratschläger in puncto Fußball als eher nicht geeignet ansehe. Gewaltprävention kommt da aber nicht vor. Die darf allerdings nicht mehr nur allein den verdienstvollen Fanprojekten aufgehalst werden, die mit ihren Mitteln auch nur bestimmte Erfolge erzielen können.

    Ich bin weit davon entfernt, irgendwelche Kon- oder Rezepte auf den Tisch zu legen. Es gibt Experten, die das besser wissen und können. So wird etwa – um nur ein Beispiel zu nennen – eine aktivere Rolle der Gastvereine bei Auswärtsspielen gefordert – und damit sei der Ball gut mikrokosmisch zurück in den Norden gespielt:

    “Mein Vorschlag vor zwei Jahren war: Der Gastverein solle doch bitte die Verantwortung für seine Fans übernehmen, die ins fremde Stadion gehen. Er soll also seine Fans mit eigenen Ordnungskräften kontrollieren, damit sie keine unerlaubten Gegenstände mit ins Stadion nehmen. Und er soll dafür gerade stehen, was seine Fans machen.”

  • Demokrat said:

    “Gerade in Bezug auf die Dorstfelder AN-Szene gibt es da viele kritische Stimmen.”

    Das Ptoblem der “kritischen” meist sehr linken Stimmen:

    Sie fordern ganz eindeutig rechtswidrige Repressionen! Das Handeln der Polizei ist aber an Recht und Gesetz gebunden. Auch das Handeln gegenüber Rechtsextremisten.

    Man kann nicht einfach eine Versammlung ohne Rechtsgrundlage verbieten. Ebenso wie man nicht einfach Personen inhaftieren kann. Glücklicherweise!
    Das hält die “kritischen” Stimmen nicht davon ab, eben jene Maßnahmen zu fordern und sich über das Ausbleiben zu echauffieren.

    Die Gesellschaft ist auf dem rechten Auge sehr sensibel. Aber die Polizei kann kein gesellschaftliches Phänomen bekämpfen, nur dessen Symptome. Eine strafrechtliche Repression allein kann und wird ein rechtsextremistischens Problem niemals lösen können.
    Der oft geäußerte Vorwurf, die Polizei würde rechtsextremistische Straftaten nicht verfolgen oder sogar begünstigen, wie er von linker Seite auch in Dortmund häufig geäußert wird, entbehrt jeglicher Grundlage. Es gibt keinen Fall, in dem auch nur ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung im Amte mit Bezug auf eine politisch motivierte Straftat eingeleitet wurde.

    Auch mir gegenüber ist der Vorwurf häufig geäußert worden. Die simple Gegenfrage “Wann und wo?” konnte noch nie auch nur ansatzweise beantwortet werden.

    Fakt ist, dass die Polizei Dortmund gegen Rechtsextremisten den Rahmen ihrer Maßnahmen, der durch die Gesetze eindeutig festgelegt ist, voll ausschöpft. (Alles andere auch in anderen Bereichen wäre mehr als traurig!)

  • Albrecht Kolthoff said:

    @ Demokrat:
    Hab schon verstanden. Die jetzige Polizeiführung hatte beispielsweise anscheinend auch keine Lust, sich mit aussichtslosen Demo-Verboten in symbolische Schaukämpfe zu verzetteln; das Spiel VG Gelsenkirchen -> OVG Münster -> BVerfG war ja schon ritualisiert und der Ausgang war klar. Das ganze Drumherum wird dann auch instrumentalisiert.

    Will mal so sagen: Dem Hörensagen nach gab es Zeiten, in denen kleine Dienstwege und kurze Drähte zwischen verschiedenen Behörden, Verwaltungen und politischen sowie gesellschaftlichen Institutionen ganz gut ergebnisorientiert funktionierten. Das scheint nicht mehr ganz so zu sein. Vielleicht hat sich manches auch nur aufgrund geänderter Umstände überlebt.

  •   Fundstück des Tages # 224 [Dynamo Dresden, Genickbruch durch DFB-Pokal-Sperre?] by Ostfussball.com said:

    [...] (…) Mit anderen Worten: Wer “große Teile” der Dresdner Fanszene zu vorerst nicht mehr resozialisierbaren Gewalttätern erklärt, treibt die gemäßigten Teils der Fans in die Arme der gewaltbereiten. Warum sollten sich erstere weiterhin in Dialoge und Initiativen einbringen, wenn sie hinterher doch nur medial verteufelt und polizeilich behandelt werden? (…) [publikative.org] [...]

  • Publikative.org » Blog Archive » Distanzlos gegen Fangewalt said:

    [...] auch: Etwas Besseres als diesen Journalismus, Sogenannter Journalismus: Wie erzähle ich Fußballrandale?, Fußball, identitärer [...]

  • Publikative.org » Blog Archive » Deutscher Herbst: Zwischen Roter und Brauner Armee Fraktion said:

    [...] auch: BKA-Beamte logierten in bekanntem Neonazi-Treff,  Limbach-Oberfrohna: Keine Kritik an Nazis, Etwas Besseres als diesen Journalismus, Angst vor “Überfremdung” – ohne “Fremde”, 20 Jahre nach Hoyerswerda: “Das Denken ist [...]