Verschwörung als Ausweg der erfolglosen Rechthaber

Die Antikapitalistische Linke in der Linkspartei hat ihre in Hamburg geplante Veranstaltung über eine vermeintliche „Antisemitismus-Falle“ vom 9. auf den 30. November 2011 verschoben. In einer Erklärung ist von einer „Hexenjagd“ auf Antikapitalisten und Antiimperialisten die Rede. Verschwörung als Ausweg der erfolglosen Rechthaber.

Von Patrick Gensing und Andreas Strippel

In der Erklärung heißt es, man werde „den Zirkeln innerhalb und außerhalb der Partei, die die Opfer der Nazi-Herrschaft für ihre Hexenjagd auf Antikapitalisten und Antiimperialisten instrumentalisieren wollen, am 9. November 2011, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, kein Forum bieten„. Wie gewohnt unterstellen die Anti-Imperialisten ihren Kritikern, diese würden aus rein ideologischen Motiven agieren. Durch diesen Trick wird vermieden, sich inhaltlich zum eigentlichen Thema, nämlich der Anti-Israel-Obsession einiger Linker, verhalten zu  müssen. Die Ausführungen zeugen von einer politischen Wagenburgmentalität, die jeden Begriff von Aufklärung und Emanzipation hohnsprechen.

"Israel-Kritik" an der Kölner Klagemauer
"Israel-Kritik" an der Kölner Klagemauer

Doch es geht noch weiter – nun wird der ganz grobe Hammer geschwungen:

Unseren Gegnern geht es nicht um die Nazi-Opfer, im Gegenteil: Sie zerren die Opfer der Nazi-Herrschaft wieder und wieder auf den gegenwärtigen politischen Kampfplatz.  Hinter der Heuchelei unserer Gegner kann es sich der real existierende Judenhass unterdessen wunderbar bequem machen.

Was „real existierender Judenhass“ ist – das bestimmen selbstverständlich die Antikapitalistischen Linken in der Linkspartei – der Antisemitismus der Hamas beispielsweise scheint es aber nicht zu sein, den bilden sich andere sicherlich nur ein, während man die militanten Islamisten als Bündnispartner gegen Israel protegiert.

Wer nicht für sie ist, ist gegen sie

In ihrem Selbstbild sind diese Linken die Lordsiegelbewahrer und letzte Bastion für alles, was jemals linke Bewegungen ausgemacht hat. Sie sind gegen Kapitalismus und Krieg, sind Antifaschisten und Antiimperialisten, verteidigen Aufklärung und Emanzipation im Meer der Unvernunft und wer nicht für sie ist, ist gegen sie. Da ihr politischer Erfolg chronisch ausbleibt und sie dies nicht mit ihren politischen Positionen und Handlungen in Verbindung bringen, bleibt nur die Verschwörung als Erklärung. Die Verschwörung ist der Ausweg der erfolglosen Rechthaber.

Interessanterweise heißt es in der Erklärung, für die sich der Hamburger Pastor in Ruhestand Christian Arndt verantwortlich zeichnet, weiter:

Wir weisen darauf hin, dass unsere Partei am Jahrestag des 9. November 1938 in diesem Jahre zu einer Veranstaltung „Hat die Linke doch recht?“ einlädt.

Nach Logik der AKL müssten die „Hexenjäger“ auch diese Veranstaltung kritisieren – merkwürdigerweise gibt es aber niemanden, der sich an diesem Termin reibt.  

Die AKL ruft indes den Endkampf um die Linkspartei aus: 

Würden sich diejenigen, die die NS-Opfer als politische Waffe missbrauchen, in unserer Partei durchsetzen, so hätte sie nicht nur unrecht, sie täte Unrecht, und das linke Projekt wäre gescheitert.

 Jeder, der die Antikapitalisten zu kritisieren wagt, wird kurzerhand vorgeworfen, die NS-Opfer als politische Waffe zu missbrauchen. Bei Hagalil heißt es dazu passend:

Der Begriff Auschwitzkeule ist eine rhetorische Wendung in politischen Auseinandersetzungen, die einem politischen Gegner die Argumentationsbasis entziehen soll.

Mit dem Schlagwort wird unterstellt, dass der Gegner plump (daher die Keule) und rein instrumentell die besondere historische Verantwortung der Deutschen für den Völkermord an den europäischen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus als ein Totschlagargument gegen einen Standpunkt benutze – mit der Anspielung auf den dafür exemplarischen industrialisierten Massenmord im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Der verwandte Begriff Faschismuskeule wurde 1993 durch eine Publikation von Hans-Helmuth Knütter geprägt.

Verwendung findet der Begriff häufig in politischen Auseinandersetzungen in denen Kritikern der Politik Israels im Nahostkonflikt Elemente eines latenten oder manifesten Antisemitismus unterstellt werden.

QED.

Die Antikapitalistische Linke präsentiert sich als verfolgte Unschuld – und bietet keinerlei Einsicht, dass es zumindest geschmacklos sein könnte, am 9. November den Antisemitismusvorwurf gegen sich selbst exorzieren zu wollen. Eine größere politische Verwahrlosung als die Ausführungen der AKL lässt sich kaum noch denken. Sie sind eine Bankrotterklärung.

Siehe auch: Jahrestag der Pogromnacht: Linke wollen “Antisemitismus-Falle” erklären, Vereint gegen Israel? Die DDR und der Linksterrorismus, Köln: Die Hetzer-Jecken der Alten Feuerwache, AJC begrüßt deutsche Absage von Durban III, Mutmaßliches Linke-Mitglied posiert mit Waffen und droht gegen Zionisten,  DER KRIEG GEGEN DIE JUDEN – Warum sich die globale Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet, Querfront-Träume: NPD bietet Elsässer Zusammenarbeit an, Finanzkrise als Nährboden für Antisemitismus

6 thoughts on “Verschwörung als Ausweg der erfolglosen Rechthaber

  1. Keinerlei Inhalt in dem Artikel, außer das von einer „Verschwörungstheorie“ geschrieben wird die ich nach dem lesen nicht kenne.

  2. Dieser Artikel erfüllt die zitierte Definition der Auschwitzkeule aber verdammt genau. Absicht?

  3. Herr Gensing, dieser Text ist kein Beitrag, sondern ein Eigentor. Er zeichnet Sie selbst als „erfolglosen Rechthaber“ aus und wirft die Frage auf, welches Problem Sie eigentlich mit „politischer Wagenburgmentalität“ haben. Sehr schade, auf welches Niveau Sie sich herablassen.

    Das Bild der Kölner Klagemauer hat rein gar nichts mit der Veranstaltung in Hamburg zu tun – es soll die Aktiven der Hamburger AKL lediglich in ein zwielichtiges Licht rücken. Es soll vermitteln: das ist der selbe Schlag Leute, denn wer über die behauptete Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs diskutieren will, der zeigt auch solche Bilder. Können Sie das belegen? Was soll das Bild?

    Ferner wollen Sie herbeilügen, die AKL leugne den Antisemitismus der Hamas und protegiere „die militanten Islamisten als Bündnispartner gegen Israel“. Haben Sie Quellen dafür, können Sie das belegen? Falls nein: Können Sie uns Ihr Feindbild „AKL“ erklären?

    In ganzen sechs Zeilen versuchen Sie sich dann an der tiefenpsychologischen Diagnose einer linken Traditionslinie, der Sie dann die Bereitschaft zum Verschwörungsdenken ausstellen. Sie psychologisieren ihre Gegner, stempeln sie zu pathologischen Fällen. Und das haben Sie nötig?

    Die „AKL“ hat übrigens auch nirgends einen „Endkampf“ ausgerufen. Welche Vorstellungen über Ihre eigene Rolle verbergen sich hinter so einer Metapher?

    Ihr Text ist darum das, was Sie als „politische Verwahrlosung“ bezeichnen. Solche Beiträge sind so ziemlich das letzte, was die bundesdeutsche Debatte um das Verhältnis zu Israel braucht.

  4. Ich kann den bisherigen Kommentaren leider nur zustimmen.

    Der (damalige) NPDblog hatte schon das Problem, sich auf das Thema „linker Antisemitismus“ so weit eingeschossen zu haben, dass jede subjektive Sichtweise fehlte. Ich habe kein Problem damit, dass der NPDblog sehr „pro-israelisch“ ist und „übertriebene Solidarität mit den Palästinensern“ daher ein Greuel für die Autoren ist. Hey, das ist Meinungsfreiheit, das ist legitim – bitte.

    ABER ich bitte auch darum, das dann schlicht so zu benennen. Statt dessen jedoch wird ständig versucht, zusammen mit gleichgesinnten „Wissenschaftlern“ wie Herrn Salzborn und co. – Leuten, die selbst aus der antideutschen Szene kommen und krass antipalästinensische Positionen vertreten – eine angebliche „Wahrheit“ zu erschaffen. Die „Wahrheit“ vom linken Antisemitismus, der angeblich überall in der LINKEN als Partei, aber auch in der linken Szene, wuchern würde.

    Ja, es gibt linken Antisemitismus – leider, und das will ich auch nicht leugnen. Zum Glück ist er jedoch eine Randerscheinung ohne politische Bedeutung – ebenso wie Antisemitismus und Antiislamismus in der SPD ohne ernsthafte Bedeutung ist, wenngleich man dank Sarrazin leider etwas anderes denken muss, wenn’s um Antiislamismus geht. (in der CDU hingegen ist Antiislamismus leider eher die Regel als die Ausnahme…).

    Die Berichterstattung hier sucht den Schulterschluss mit den rechten Kräften in Israel, während sie den linken Kräften in Israel massiv auf die Füße tritt. Darüber sollten die Autoren verdammt nochmal nachdenken, statt jedem, der die Positionen der israelischen linken Juden vertritt, als antisemiten zu bezeichnen.

    Dazu kann man nur immer wieder das Schreiben von über 100 linken Israelis (mehrheitlich jüdisch) an den Parteivorstand der LINKEN erwähnen, in dem der Parteivorstand wegen des Antisemitismusbeschlusses kritisiert wurde – eben weil man mit Recht gesehen hat, dass dieser Beschluss die Kritiker der rechten Politik Israels mundtot macht und letztlich jede Zusammenarbeit zwischen Linken in Israel und Linken in Deutschland auf eine schwierige Basis setzt.

    Aber gut, langsam kapituliere ich. Ich sehe ein, ich darf einfach nicht einer Meinung sein mit den linken Genossen in Israel, weil die Meinung der linken Israelis in Deutschland als Antisemitismus gilt. Danke, „Publikative“, für diese Einsicht…

  5. @Elias Pr,

    die Geisteshaltung vom Kölner Friedensp(f)reisler Walter Herrmann und Steinberg/AKL ist dieselbe. Aber Sie haben recht, es geht noch schlimmer. Wie m21 und gewisse Büromitarbeiter dort unter Beweis stellen. Auch DIE LINKE München (Henning Hintze, Elfi Padovan) und Dachau (Sedlmaier) ist durchaus das, was man als sekundäre Antisemiten bezeichnen kann.

    Was die politische Verwahrlosung angeht, verweise ich auf R.Kurz:

    „Neofaschistische Strömungen in aller Welt gehen… mit dem antisemitischen islamistischen „Widerstandskampf“ konform, obwohl sie gleichzeitig rassistische Stimmungen gegen Migranten aus den islamischen Ländern schüren. Auch große Teile der globalen Linken begannen umstandslos die Glorifizierung des alten „Antiimperialismus“ auf die islamistischen Bewegungen und Regimes zu übertragen. Das kann nur als ideologische Verwahrlosung gekennzeichnet werden, denn der Islamismus steht gegen alles, wofür die Linke jemals eingetreten ist; er verfolgt jedes marxistische Denken mit gnadenloser Unterdrückung und Folter, er stellt Homosexualität unter Todesstrafe und behandelt die Frauen als Menschen zweiter Klasse.“ Robert Kurz, „Der Krieg gegen die Juden“ 2009

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