Wunsiedel wieder im Visier von Neonazis

Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr wollen Neonazis im November durch die oberfränkische Kleinstadt Wunsiedel marschieren. Mit dem Bild von zwei an Kreuzen hängenden Stahlhelmen wird im Internet für eine „Öffentliche Versammlung am Volkstrauertag“ am 13. November geworben.

Von Kai Budler für Publikative.org

Bereits im Juli 2011 hatten Neonazis in der 10.000 Stadt im bayrischen Fichtelgebirge an einem Aufmarsch mit dem Titel „Fremdarbeiterinvasion stoppen“ teilgenommen, ein Monat später war ein „Rudolf Heß Gedenkgottesdienst“ verboten und von der Polizei verhindert worden. Wie bereits im Juli handelt es sich bei dem Anmelder auch jetzt um den Landesvorsitzender der Berliner NPD und Mitglied des NPD-Bundesparteivorstandes, Uwe Meenen.

Uwe Meenen beim Bundesparteitag der NPD (Foto: Kai Budler)
Uwe Meenen beim Bundesparteitag der NPD (Foto: Kai Budler)

Aufmarsch während Bundesparteitag?

Seine Anmeldung dürfte bereits vor dem 10. Oktober beim zuständigen Ordnungsamt eingegangenen sein, denn an diesem Datum hatte die NPD öffentlich bekannt gegeben, dass der ursprünglich für Mitte Oktober geplante Bundesparteitag auf den 12. und 13. November verschoben wird. Ob der amtierende NPD-Chef Udo Voigt angesichts der Debatte um den künftigen Vorsitz auf seine Unterstützer verzichten kann, ist ungewiss. Immerhin hatte Meenen den Berliner Wahlkampf für Voigt maßgeblich organisiert und gilt als einer der Getreuen des amtierenden Vorsitzenden, der in den Personaldebatten der NPD immer stärker unter Beschuss gerät.

In Wunsiedel werden die Neonazis entgegen Meenens Planungen nicht durch die Innenstadt marschieren können, denn am 13. November findet dort der sog. Markttag statt – die Innenstadt wird an diesem Tag vom Katharinenmarkt blockiert, der größten derartigen Veranstaltung im Landkreis. In diesem Rahmen sollen am Volkstrauertag die Opfer des Nationalsozialismus im Mittelpunkt stehen, wenn Gedenktafeln für die Opfer der Todesmärsche auf dem örtlichen Friedhof enthüllt werden.

Rechtsextreme Reaktionen auf Einebnung von Heß-Grab

Noch bis zum Sommer dieses Jahres war auf dem Friedhof der Leichnam des NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß begraben. So wurde Wunsiedel zum Wallfahrtsort für Rechtsextreme aus dem In- und Ausland, die Heß zu seinem Todestag im August jedes Jahr als Märtyrer feierten. Erst im Jahr 2005 wurde der jährliche Aufmarsch gerichtlich verboten. Nachdem die Kirchengemeinde in diesem Jahr den Pachtvertrag auslaufen ließ, konnten die Reste von Heß exhuminiert und das Grab eingeebnet werden. Die Überreste des NS-Kriegsverbrechers wurden verbrannt und im Meer verstreut.

Trauermarsch in Wunsiedel für Jürgen Rieger im Jahr 2009
Trauermarsch in Wunsiedel für Jürgen Rieger im Jahr 2009

Als Reaktion marschierten im Juli etwa 250 Neonazis durch Wunsiedel. Ein zwei Wochen später geplanter Gottesdienst wurde verboten, nachdem die Stadt die Sondernutzung des Marktplatzes für eine Heß-Gedenkveranstaltung abgelehnt hatte. Wegen des Verbots klagt der Anmelder Christian Bärthel momentan vor dem Verwaltungsgericht gegen die Stadt. Der heute 37-jährige Bärthel aus Thüringen war ein ehemaliger Funktionär der DVU und avancierte später zum Pressesprecher und stellvertretenden Landesvorsitzenden der „Deutschen Partei“ in Thüringen. Der wegen Volksverhetzung vorbestrafte bekennende „Reichsbürger“ war Mitarbeiter des NPD-Kreisverbandes Zwickau und eines sächsischen NPD-Landtagsabgeordneten.

Siehe auch: Kult um Hitler-Stellvertreter: NPD marschiert in Wunsiedel, Grab aufgelöst: Ende des Heß-Kultes in der NS-Szene?

One thought on “Wunsiedel wieder im Visier von Neonazis

  1. Eventuell sollten Sie auch erwähnen, dass Bärthel wegen seiner Aktivitäten aus der DVU geworfen wurde.

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