Altermedia-Betreiber Möller legt Geständnis ab

Vor dem Landgericht Rostock hat am 24. Oktober 2011 ein weiterer Termin im Prozess gegen zwei Verantwortliche der Neonazi-Seite Altermedia stattgefunden. Axel Möller, der bereits als Betreiber der Seite verurteilt worden war, legte ein Geständnis ab, welches er auch im Netz veröffentlichte. Darin beschreibt sich Möller als politischer Überzeugungstäter, der stolz auf die Texte und Kommentare auf Altermedia sei. Er wolle das Geständnis als Bekenntnis verstanden wissen – um nicht als Kollaborateur mit dem System abgestempelt zu werden.

Axel Möller vor dem Landgericht Rostock (Foto: Kai Budler)
Axel Möller vor dem Landgericht Rostock (Foto: Kai Budler)

Möller bezeichnet die Anklage als kleingeistig und dumm und sieht sich als verfolgter Dissident. Die Schrift verdeutlich noch einmal, was seit Jahren klar war: Dieser Mann lebt in einem mentalen NS-Ghetto, er führte einen virtuellen NS-Krieg aus der Dachgeschosswohnung in Stralsund, von wo aus der die Welt erklären wollte. Damit dürfte es nun vorbei sein, die Staatsanwaltschaft forderte eine mehrjährige Haftstrafe für Möller. Das Urteil wird für Mittwoch erwartet.

Weitere Seiten mit Problemen

Neben Altermedia stehen auch andere rechtsextreme Netzseiten vor großen Problemen. Ein Betreiber des Netzradios Germania wurden jüngst verurteilt, da er indizierte Tonträger verbreitet hatte. Stefan S. muss eine Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen zu 25 Euro zahlen. Und weitere Verfahren gegen S. sind anhängig.

Und auch eine Seite, die sich „Widerstand“ nennt und in den vergangenen Jahren ein gewisses Gewicht in der Szene hatte, muss sich mit Geldsorgen herumschlagen. So ziehen die Neonazis mit der virtuellen Spendendose durch die rechtsextreme Gemeinde, da durch „Server,- Lizenz,- und Domainkosten jährlich Kosten in Höhe von 1.900,00 Euro anfallen, die größtenteils von anonymen Spendern aufgebracht werden. Leider ist die Finanzierung der kommenden Monate sehr unsicher, weswegen wir auf Eure Spenden angewiesen sind“, heißt es auf der Seite. Vielleicht gehen also auch hier bald die Lichter aus. Schade wäre es nicht.

Der NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel kommentierte auf Anfrage des Autors zu Altermedia und dessen Treiben:

Die Frage “Cui bono?” ist nur zu leicht zu beantworten. Der zwielichtige Altermedia-Betreiber M. geht keiner geregelten Arbeit nach, betreibt aber “hauptberuflich” sein Projekt – und das von Hartz IV? Wohl kaum. Altermedia schadet in jeder Hinsicht der nationalen Opposition, weil es stets das Trennende und nicht das Verbindende aller Volkstreuen betont, und hat damit eine systemdienliche Funktion.

Ex-NPD-Chef Günter Deckert bestätigte bereits im Jahr 2006 gegenüber dem Autor: “M. ist Störtebeker, also Ein-Mann-Unternehmen.” Auch andere NPD-Funktionäre aus Mecklenburg-Vorpommern hatten bereits zuvor – teilweise öffentlich – gesagt, M. sei Betreiber der Seite.

“Ich bin im Netz mit die Nummer eins”

Die Frankfurter Runschau berichtet zudem im Dezember 2003 ausführlich über den Mann hinter Altermedia:

Die hasserfüllten Scherze des 39-Jährigen sind unter Deutschlands Rechtsextremisten gefragt, auch wenn ihn nur wenige kennen. Denn Axel Möller schreibt und verbreitet sie anonym, er wohnt im vorpommerschen Stralsund, aber seine Bühne ist das Internet. Fast täglich füttert er die Internetseiten des “Störtebeker-Netzes”. Mit jährlich zwischen drei und vier Millionen Zugriffen aus aller Welt gehört seine Homepage derzeit zu den rechtsextremen Top-Adressen im Netz. Möller ist Mitbegründer des “Störtebeker-Netzes” und Autor fast aller Texte. Dies bestätigt der Verfassungsschutz. Möller will dazu zunächst nichts sagen, ist dann aber doch so eitel und selbstverliebt, dass es nur so aus ihm herausquillt: “Ich bin im Netz mit die Nummer eins”.

Im “Störtebeker-Netz” aber kämpft Möller ganz alleine. Keine Gruppe, keine Organisation, keine Partei steht hinter ihm. Technisch ist das kein Problem. Kosten entstehen kaum. Die Sperrung der Internet-Seiten ist unmöglich, weil der Server vermutlich in den USA steht. Wenn überhaupt von einer Redaktion die Rede sein kann, dann befindet sich diese in einer kleinen Dachwohnung eines tristen 50er Jahre-Baus am Rande der Stralsunder Altstadt. Zwischen einem alterslahmen Computer, einem mit Zeitschriften und Papieren übersäten Schreibtisch und voll gestopften Bücherregalen arbeitet Möller. Lexika, antiquarische Originalausgaben, umfangreiche Werkausgaben sind griffbereit. Gleich neben Hitlers “Mein Kampf” stehen im Regal Marx und Machiavelli; Edgar Julius Jungs Kampfschrift gegen die Weimarer Republik “Die Herrschaft der Minderwertigen” hat in seiner Bibliothek genauso ihren Platz wie Bücher von Goethe, Ibsen oder Schopenhauer. Selbst an Heinrich Heine findet Möller Gefallen, er begeistert sich für dessen “pralle Sprache”, nicht ohne zugleich darauf hinzuweisen, dass dieser ein “überheblicher Gegner Deutschlands” gewesen sei. Möller verehrt auch die Wehrmacht. Gleich neben seinem Schreibtisch hängt ein Plakat mit der Aufschrift “Unsere Großväter waren Helden”, auch eine Reichskriegsfahne darf in Möllers kleinem Reich nicht fehlen.

Siehe auch: Altermedia-Prozess: Stralsunder Neonazi erneut vor Gericht, Neonazis online: massiver Missbrauch des Web-2.0, Hintergrund: Wer hetzt auf Altermedia?, Ermittlungen gegen zweiten Altermedia-Verantwortlichen, “Altermedia”-Administrator verurteilt, Interview des br mit Patrick Gensing über “Die Namen der Hetzer

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6 thoughts on “Altermedia-Betreiber Möller legt Geständnis ab

  1. Ob Altermedia danach tatsächlich den Betrieb einstellt sei ein Mal dahingestellt. Aber bei vielen NS-Seiten sind schon in den letzten Jahren immer wieder massive Probleme aufgetreten was die Finanzierung u. die Bereitstellung von fähigem Verwaltungspersonal angeht. Viele die technisch und auch publizistisch zumindest halbwegs in der Lage sind entsprechende Seiten zu betreuen arbeiten ohnehin meistens auch für andere rechte Netzseiten. Das weiß ich aus ziemlich zuverlässigen Quellen. Auch gibt es viele die Domainadressen auf sich registrieren lassen u. offenbar kaum wissen was das für Konsequenzen haben kann. Da fällt einem das Wort „Strohmann“ ein…
    Wenn allerdings das Flaggschiff der NS-Getto-Medien nun tatsächlich aufhört in gewohnter Form weiterzuexistieren wäre dies durchaus ein herber Schlag für die Szene insgesamt. Die wenigen wo die Naziseiten aktualisieren und für einen normalen Betriebe sorgen sind ohnehin jetzt schon heillos überlastet, wenn nun Möller hinter Gitter wandert wäre dies auch Personell ein Schlag gegen die rechten Medienmacher.

  2. Dieser Mann wird von einem Staat angeklagt, der schon bald Geschichte sein dürfte.
    Menschen wegen Gesinnungsverbrechen Jahre lang einzusperren wird den Zusammenbruch, dieses antideutschen BRD-Gebilde nicht verhindern.
    Ob das was danach kommt besser für die Restdeutschen ist wird sich zeigen, ich persönlich glaube es nicht.
    Die Deutschen werden entweder wach und besinnen sich recht schnell oder sie verschwinden endgültig von der Bildfläche !

  3. Axel Möller, O-Ton:

    „(…)

    Ich möchte hierzu feststellen, daß, wenn ich das Bedürfnis hätte, irgendwelche Staatsanwälte oder sonstige politische Gegner von mir tot sehen zu wollen, es mir nicht an Möglichkeiten fehlen würde, diesen Wunsch auch in die Tat umzusetzen. Wenn ich von solchen Taten absehe, so geschieht das nicht weil ich diesbezüglich unter Skrupeln leide, sondern ganz einfach deshalb, weil solche Zeitgenossen mit ihrer von Jahr zu Jahr naiver und kleinlicher werdenden Repressionspolitik in Deutschland meinen politischen Interessen unabsichtlich entgegenkommen, indem sie selber an dem Ast sägen auf dem sie sitzen.
    Es ist daher nur schwer für mich einsehbar, warum ich solche Kontrahenten beseitigen oder beseitigen lassen sollte, nur weil diese sich in ihrer Naivität selber zum Narren machen. Abgesehen davon möchte ich glauben, daß auch ein politisch so voreingenommenes Gericht mich nicht für so dumm einschätzt, daß ich derartige Dinge ausgerechnet in irgendwelchen virtuellen Kommentarspalten ankündigen oder gar diskutieren würde.

    (…)“, Auszug Ende, siehe http://altermedia-deutschland.info/2011/10/25/dissidenten/letztes-wort-axel-mollers-vor-dem-rostocker-landgericht-im-altermedia-prozes-am-24-oktober-2011-24-10-11/#more-3494

    Es liegt` also in der Macht des Herrn Möller und „Altermedia Deutschland“ Staatsanwälte töten zu lassen, und während dies durch diesen, nur als krankhaft zu bezeichnenden, gewalthetzenden Schizo,- und Psychopathen gegenüber seinem Klientel verkündet und es der Justiz mehr als indirekt angedroht wird, weigern sich der Richter Goebel (so, wie bereits vor über einem Jahr der Herr Lückemann und anhaltend die zuständigen Stellen) einen Haftbefehl für einen NS-Aktivisten zu erwirken, der ERNEUT (neben seinen o.g. Offenbahrungen) durch seine gewaltbereite Anhängerschaft über „Altermedia Deutschland“ den gewaltsamen Umsturz IM NAMEN DER „REICHSBEWEGUNG“ ausruft bzw. ausrufen läßt:

    http://www.reichsbewegung.org/portal/index.php?option=com_content&view=article&id=53 ,siehe ebenfalls o.g. „Altermedia“-URL.

    Ich möchte doch anhaltend hoffen, dass der GenStA von MV sowie das Justizministerium in Berlin gute Gründe haben, den Unterlassungen ihrer Richter und Staatsanwälte in Rostock/MV und bzgl. Möller nebst „Reichsbewegung“ zuzuschauen… Es wird hoffentlich nichts damit zu tun haben, dass man jenen Herrn Möller wohl augenscheinlich lediglich als geistig verwirrt einstuft, um ihn somit letztendlich und anhaltend über sein Medium zum Sprachrohr von und für NS-Umstürzler/n werden zu lassen…

    @Anonymer Informant

    Möchtest du mit deinem Satz: „(…) Die wenigen wo die Naziseiten aktualisieren und für einen normalen Betriebe sorgen sind ohnehin jetzt schon heillos überlastet, wenn nun Möller hinter Gitter wandert wäre dies auch Personell ein Schlag gegen die rechten Medienmacher (…)“, andeuten, dass es noch weitere Personen (außer Möller) gibt, oder geben könnte, die – „heilos überlastet“ – für eine Weiterführung der Page „Altermedia Deutschland“ sorgen könnten? – Ich frage deswegen, da auch momentan unter „Altermedia“ von einem WIR die Rede ist, während die sog. „Schriftleitung“ die Einträge „moderiert“. Also ich dachte immer, dass es ausschließlich der Möller (und/oder Rupprecht) ist bzw. war, die dort als „WIR“ agieren bzw. agierten. – Nun ist es doch wohl, unter der Kenntnis der Justiz, der Möller, der dort weiterhin als „Schriftleitung“ auftritt (als WIR), oder nicht!? – Vielleicht könntest du dich deutlicher zu deinen „ziemlich zuverlässigen Quellen“ äußern, anstatt hier anzufüttern.

  4. „Abgesehen davon möchte ich glauben, daß auch ein politisch so voreingenommenes Gericht mich nicht für so dumm einschätzt, daß ich derartige Dinge ausgerechnet in irgendwelchen virtuellen Kommentarspalten ankündigen oder gar diskutieren würde.”

    Dazu fallen mir die Dutzenden „Kommentierungen“ von Möller ein, der sein mordlüsterndes Klientel x-mal mit den Aussagen einpeitschte:

    „Über manche Dinge spricht man nicht, man tut sie!“ 😉

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