20 Jahre nach Hoyerswerda: „Das Denken ist noch da!“

20 Jahren nach der rassistischen Hetzjagd in Hoyerswerda ist der „Nährboden“ für Rassismus und Demokratiefeindlichkeit in Ostdeutschland weiterhin vorhanden. Das erklärte Brandenburgs Integrationsbeauftragte Karin Weiss anlässlich des 20-jährigen Bestehens des „Bündnisses der Vernunft gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit“. Dieses war 1991 nach den Pogromen in Hoyerswerda in der Oberlausitz gegründet worden. Das Denken sei noch da, so Weiss, doch die hohe rechtsextremistische Gewaltbereitschaft von damals gebe es heute nicht mehr. Dies sei auch der Arbeit der Zivilgesellschaft zu verdanken: Dank Bündnissen und Initiativen habe sich das Bewusstsein der Zivilgesellschaft sehr zum Positiven verändert, so Weiss. Der gegenwärtige Trend zu rechtspopulistischen Bewegungen etwa sei aber „deutliches Zeichen“ dafür, dass man beim Kampf für Toleranz nicht nachlassen dürfe, unterstrich Weiss. Im Vordergrund steht dabei für sie, dass es nicht nur um den Kampf gegen Rechtsextremismus geht, sondern viel mehr um Toleranz, Zivilcourage und Menschlichkeit in der Mitte der Gesellschaft.

Einen Rückblick auf die damalige Situation in Deutschland, die zur Gründung des Bündnisses führte, gab Stefan Collm vom DGB, der zu einem der Gründungsmitglieder gehört. Hanns Thomä von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, der ebenfalls von Anfang an dabei war, ging auf die aktuelle Situation in der Bundesrepublik und speziell in Berlin und Brandenburg ein und betonte, dass die Arbeit des Bündnisses auch heute noch von großer Bedeutung ist. Große Bedenken äußerte Hanns Thomä hinsichtlich der aktuellen Entwicklung in Teilen der Politik, Rechtsextremismus und Linksextremismus auf eine Stufe zu stellen. Hier seien klare Unterscheidungen notwendig.

Der rechtsextreme Mob beherrschte Anfang der 1990er Jahre in einigen Städten die Straßen, die Staatsmacht zog sich zurück. (Screenshot Youtube)
Der rechtsextreme Mob beherrschte Anfang der 1990er Jahre in einigen Städten die Straßen, die Staatsmacht zog sich zurück. (Screenshot Youtube)

Am 16. Oktober 1991 trat das Bündnis mit einer Pressekonferenz im Berliner Rathaus mit dem gemeinsamen „Aufruf zur Wiederherstellung des inneren Friedens und zur Wahrung der Würde aller Menschen“ in die Öffentlichkeit. Seitdem wirbt das Bündnis durch verschiedene Aktivitäten für Toleranz in der Gesellschaft.

Ein besonderes Anliegen des Bündnisses der Vernunft war und ist es, die regionalen Strukturen in Berlin und Brandenburg zu stärken, weshalb seine Mitglieder 1993 beschlossen, als ständige Aktivität beispielhafte Aktionen in Berlin und Brandenburg alljährlich mit dem „Band für Mut und Verständigung“ auszuzeichnen. Dieses wird an Menschen aus Berlin und Brandenburg verliehen, die durch ihr mutiges Eingreifen MitbürgerInnen vor fremdenfeindlichen Gewalttaten beschützt haben oder die durch ihre engagierte Arbeit einen großen Beitrag zur interkulturellen Verständigung geleistet haben.

Im Juni 2011 ehrte Berlins Regierungschef Klaus Wowereit beispielsweise das Aktionsbündnis „Neuruppin bleibt bunt“, das sich seit 2007 gegen Fremdenfeindlichkeit in der Stadt einsetzt und Demonstrationen gegen Neonazi-Aufmärsche organisiert. Der in Berlin lebende Dirk Stegemann wurde ausgezeichnet, weil er sich für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus einsetzt. Zudem rief Stegemann das Bündnis „Rechtspopulismus stoppen“ ins Leben.

Siehe auch: Als aus Schlagworten Brandsätze wurden,