If the apollo program was a hoax …

Ein Mordkomplott unter Beteiligung der iranischen Regierung, das Ziel ausgerechnet der saudische Botschafter – na, so ein Zufall, wo das mit dem Öl doch schon jeder weiß. Wer kann da besser Licht ins Dunkel bringen als die deutsche Presse, Hüterin von Anstand und Moral und in gleichem Maße auch für die Vermittlung von stichhaltigen Informationen zuständig?

Von Dominik Koch, zuerst erschienen auf verbrochenes.net

Mondlandung
Unter Verschwörungstheoretiker eine bekannte „Lüge“: Die Landung auf dem Mond. (Foto: Rhubarble; CC BY-NC 2.0)

Die politische Karriere des Josef Fischer ist eine der schillerndsten und aufregendsten der Nachkriegszeit. Während das Gros seiner vormaligen Genossen entweder in die zahllosen Wohngemeinschaftssümpfe und Aussteigerbauernhöfe abgetaucht oder aber in die linksliberale Presselandschaft der Republik herüberoszilliert ist, hat Joschka es dann doch ein gutes Stück weiter nach oben auf der Karriereleiter gebracht: Statt einer vegetarischen Eckkneipe im Frankfurter Westend führte er – in Turnschuhen – die Grüne Partei an die Spitze der Macht, was – der Kampf ging schließlich weiter – für ihn selbst immerhin das Amt eines bundesdeutschen Außenministers abwarf.

Just in dieser Rolle wurde er dann auch der Weltöffentlichkeit bekannt, als er einem sichtlich nicht amüsierten Verteidigungsminister namens Donald Rumsfeld erklärte, dass er not convinced sei (in diesem Jahr sollte dann auch noch sein Buch mit gleichlautendem Titel nachgelegt werden – das Auskommen will ja auch im höheren Alter noch gesichert sein). Wirklich überzeugend hatte Fischer wohl nur die Ausführungen des deutschen Verteidigungsministers Scharping bezüglich der Existenz von Konzentrationslagern in Srebrenica gefunden, getroffen zu einer Zeit, als die rot-grüne Regierung noch sehr viel eher bereit gewesen war, einen Kriegseinsatz zu autorisieren.

Fischers bekannte Münchner Rede erntete damals in Deutschland vor allem aus zwei Gründen große Zustimmung: Einmal, weil Deutsche in ihrer Selbstwahrnehmung in den allermeisten Fällen Recht haben, denn man hat es hierzulande eigentlich schon immer besser gewußt, da traf es sich noch besser, dass die Amerikaner den Anstand hatten, ihren Fehler offen einzugestehen. Und zweitens, weil, so stand es damals in den Zeitungen dieses Landes zu lesen, endlich mal wieder jemand den USA die Stirn bot – dazu auch noch dem ohnehin ungeliebten Bush und seinem vom militärisch-industriellen Komplex finanzierten Schattenkabinett. Mutig war der ehemalige Linksradikale da gewesen, der von seinen NATO-Kollegen gern mal comrade genannt wurde, wie im vormals erwähnten Büchlein zu erfahren ist. Im gleichen Maße, wie sich Fischers Bedenken in diesem Fall als richtig herausstellten, ist die unmittelbare Wirkung seines Auftrittes auch heute noch zu bemerken: Spätestens seit dem Irakkrieg glaubt man amerikanischen Offiziellen am Besten erst einmal gar nichts mehr.

Und jetzt, wo der Außenminister a.D. schon lange im Lobbynest der Energieindustrie sitzt, kommen die Amis schon wieder mit so einer Räuberpistole daher: Ein Mordkomplott unter Beteiligung der iranischen Regierung, das Ziel ausgerechnet der saudische Botschafter – na, so ein Zufall, wo das mit dem Öl doch schon jeder weiß. Wer kann da besser Licht ins Dunkel bringen als die deutsche Presse, Hüterin von Anstand und Moral und in gleichem Maße auch für die Vermittlung von stichhaltigen Informationen zuständig? Routinemäßig beginnt eine sinnvolle Recherche zum Thema Chevrolet diesmal nicht bei Jürgen Elsässer, wohl aber bei der jungen Welt, wo Knut Mellenthin uns versichert: The whole thing has been turned upside down – die Spur führt nach Washington, nicht nach Teheran. Hastig, immer in der Angst, vom US-Geheimdienst auf frischer Tat ertappt zu werden, wird sich der Ex-KBler noch ein paar Mal umgeschaut haben, bevor er der Leserschaft die Bedeutung des Begriffs Sting Operation näherzubringen versuchte:

“(..) eine sogenannte Sting Operation, wie sie in den vergangenen Jahren immer häufiger von FBI, CIA und anderen US-Sicherheitsbehörden praktiziert wurde, um der Öffentlichkeit »muslimische Terroristen« vorführen zu können. Bei dieser Methode werden systematisch labile Individuen aufgespürt, die sich von Polizei- und Geheimdienstagenten in fingierte Verschwörungen verwickeln lassen. Diese entspringen überwiegend der Phantasie und den Aktivitäten eben dieser Behörden.”

Die jW war allerdings auch schon besser aufgelegt, sehnsüchtig erwarten wir also den bald eintreffenden Artikel von Rainer Rupp. Langley und Arlington, die Orte, an denen die Fäden der Macht zusammenlaufen, wenn gerade mal keine Bilderberger-Treffen stattfinden, liegen zwar genau genommen nicht in Washington, D.C. – aber die paar Kilometer schenken wir der Redaktion an diesem Donnerstagmorgen gerne und wenden uns, ein wenig verstört ob der Frage, wann und ob auch wir von einem Drogenabhängigen oder Kriminellen kontaktiert werden, dem zu, was für Mellenthin vermutlich ein Mainstreammedium ist. Eins davon, die SZ, leistet sich mit Tomas Avenarius einen eigenen Nahost-Korrespondenten, der offenbar auch über Irans polykratische Herrschaftsstrukturen und insbesondere dessen Geheimdienst bestens Bescheid weiß:

“Da sind Präsident Mahmud Ahmadinedschad, das Parlament, die schiitische Geistlichkeit, aber auch Technokraten, einflussreiche Händler und Geschäftsleute sowie die mächtigen Revolutionsgarden mit ihren Al-Quds-Brigaden.  Gebändigt wird dieses Machtgeschwür mehr oder weniger erfolgreich vom Geistlichen Führer Ayatollah Ali Chamenei. “

Aus einem Geschwür entstehen irgendwann einmal viele, das weiß jeder Medizinstudent, da kann sich die Weltöffentlichkeit glüecklich schätzen, dass es Ali Chamenei gibt, der nicht nur das iranische Atomprogramm bestens im Griff hat, sondern auch nachhilft, wenn vor Ort nicht ganz saubere Geschichtswissenschaft betrieben wird. Und, auch das ist für einen echten Kenner der Geheimdienstszenerie augenfällig: Die Al-Quds-Brigaden waren es nicht, dafür war der Anschlag zu dilettantisch vorbereitet.

Vielleicht kann am Ende sogar die hiesige Industrie von der Geschichte profitieren, denn die saudische Monarchie, die nun noch einen Grund hat, neue Panzer und Jets zu bestellen, klopft vielleicht nochmal in Deutschland an. Stirnrunzelnd bleiben wir auf der Seite der SZ hängen und bekommen von Wolfgang Jaschensky erklärt, dass wiederum jemand anderes – kein Mitglied der Al-Quds-Brigaden, dafür aber von der Stiftung Wissenschaft und Politik – sagt, ebenjene operierten ausschließlich auf arabischem Boden. Müssen unsere Nachforschungen also wieder bei Null anfangen? In einer guten Krimiserie wird dann immer die Kardinalsfrage nach dem Tätermotiv gestellt: Was wollen die Iraner denn nun? Von ihnen selbst wird nichts Erhellendes zu erfahren sein, denn Sprecher der iranischen Regierung sprechen lapidar von einem konstruierten Szenario – aber das tun sie in Bezug auf Auschwitz auch. Also weiter im Text:

“Vieles spricht dafür, dass Iran an einer Verschärfung des Konflikts mit den USA kein Interesse hat. Doch es scheint auch denkbar, dass das Regime in Teheran den Streit mit Washington eskalieren will, gerade da der Kampf um die Vorherrschaft in der Region mit Saudi-Arabien an Schärfe gewinnt. Möchte das Regime zeigen, dass es aus einer Position der Stärke heraus agiert? Wollen konservative Kreise eine vorsichtige Annäherung an die USA torpedieren? Oder ist es Rache für die Ermordung des Atomwissenschaftlers Massud Ali-Mohammadi, für die Iran die USA verantwortlich macht? “

Denkbar ist alles, auch ein Berg, dessen Kuppe aus reinem Gold besteht. Und wenn die USA einen Atomphysiker um die Ecke gebracht haben, warum soll dann dafür der saudische Botschafter sterben? Das Geheimdienstgeschäft ist nicht leicht zu durchblicken. Viele Fragen, und dann ist der Artikel zu Ende.

So leicht lässt sich ein Redakteur dieses Blogs nicht abspeisen, also weiter zur Studentenausgabe der Bild, die sich Der Spiegel nennt. In gewohnter journalistischer Qualität stillt die Onlineausgabe des Hamburger Wochenblättchens gleich mit mehreren Artikeln unseren Wissensdurst. Von Anna Reimann werden wir in die Geheimnisse der Al-Kuds-Brigaden eingeführt – doch warum eigentlich, wenn die doch gar nicht dahinterstecken? Schnell klar wird vor allem eines, nämlich, dass man so ziemlich gar nichts über diese Kerle weiß – wer hätte es gedacht, reden wir doch von einer der effizientesten Spezialeinheiten weltweit. Plötzlich operieren sie allerdings auch in Bosnien, Nigeria und Afghanistan, die wiederum nun wahrlich nicht zur arabischen Welt gehören. So weit, so gut. Ein letzter Versuch beim Spiegel bringt uns wenigstens eine der klassischen Einleitungsphrasen, für die wir das Heft so lieben:

“Code-Wörter, konspirative Treffen, verdächtige Telefonate: (..)

Am 28. September schnappt die Falle zu. An jenem Mittwoch fliegt der iranisch-amerikanische Geschäftsmann Manssor Arbabsiar von Mexiko nach New York. Verdeckte US-Ermittler sind bereits mit an Bord. Kaum ist das Flugzeug auf dem Flughafen John F. Kennedy gelandet, zücken sie die Handschellen, nehmen Arbabsiar fest und bringen ihn in ein New Yorker Gefängnis. “

Bei so vielen Unklarheiten kann man sich fast glücklich schätzen, dass es auch noch die Zeitung für Deutschland gibt. In deren Printausgabe bringt es Günther Nonnenmacher, der ansonsten auch schonmal die Lösung des Nahostkonflikts in zwei Spalten bewerkstelligt, auf den Punkt:

“Dass Kräfte in Teheran bei einem mexikanischen Rauschgiftkartell einen Auftragskiller gedungen haben sollen, um den saudiarabischen Botschafter in Washington zu ermorden, das klingt zu phantastisch, als dass es erfunden sein könnte.”

And the FAZ delivers. Wenn man sich vor Augen hält, dass in einer mehr oder minder lupenreinen Demokratie wie der Bundesrepublik Staatstrojaner ohne das Wissen aller offiziellen Stellen zum Einsatz gekommen sind, dann fällt es nun wirklich nicht so schwer sich vorzustellen, wie finstere persische Brigadisten ein Mordkomplott aushecken. Vielleicht hilft es den Skeptikern auch, sich an den state terrorism eines Gaddafi zu erinnern, den der notorische Noam Chomsky übrigens noch Jahre später von jeder Mittäterschaft an Lockerbie und La Belle freisprechen wollte. Alternativ kann man auch noch etwa 20 Jahre warten, bis auf n-tv zum Jahrestag der Festnahme Manssor Arbabsiars eine Dokumentation kommt, bei der zwielichtige Gestalten, deren berufliche Qualifikation mit Ex-Geheimdienstler umschrieben sein wird, das genaue Prozedere der Ermittlungsaktivitäten preisgeben, dank Wikileaks geht es vielleicht sogar noch etwas schneller.

Einstweilen wird die Affäre wohl der Startschuss für verschärfte Sanktionen gegen eines der unangenehmeren politischen Systeme des 21. Jahrhunderts sein – was noch lange nicht heißt, dass das ins Auge gefasste Anschlagsziel der Repräsentant einer offenen Gesellschaft gewesen sei.

Übrigens, für alle, die nicht ganz ohne das big picture auskommen wollen: Die nun entfaltete diplomatische Offensivstrategie der US-Regierung hat Michael Scott Duran schon in der vergangenen Ausgabe des Peridodikums Foreign Affairs unter dem Titel Arab Spring, Persian Winter skizziert. Leg’ dein Ohr auf die Schiene der Publizistik.

One thought on “If the apollo program was a hoax …

  1. Also nur mal am Rande, was Lockerbie angeht: Da ist der Großteil der Hinterbliebenen nun wirklich sehr skeptisch gegenüber den Ermittlungsresultaten. Doch zu glauben das wir von unseren Regierungen gerne mal belogen werden und das unsere Medien hauptsächlich unkritisch wiederkäuen ist wohl doch von Vielen zu viel verlangt. Aber einen Mann vom Format eines Chomsky so argumentationslos billig ans Bein zu pissen, das ist einfach nur niveaulos.
    Da ist dann vermutlich ein Wesley Clark auch nur noch ein verschwörungstheoretischer Spinner und die Tatsache das seine Liste ( http://www.youtube.com/watch?v=SXS3vW47mOE ) von 2001 korrekt die ‚Interventionen‘ der USA vorhersagt ein simpler Zufall.

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