Hans-Frankenthal-Preis für Ultras des FC St. Pauli

Wie wir bereits via Facebook vermeldeten (nichts verpassen, dort Fan der Publikative werden), ist der Hans-Frankenthal-Preis der Stiftung Auschwitz-Komitee 2011 unter anderen an Ultrà Sankt Pauli (USP) gegangen. Da es doch ja doch eher ungewöhnlich ist, dass eine Ultra-Gruppierung eines Fußballvereins einen solchen Preis gewinnt, haben wir die Gelegenheit genutzt und Max von USP dazu ein paar Fragen gestellt.

Alerta Netzwerk
Logo des Alterta-Netzwerks mit zahlreichen Zaunfahnen im Hintergrrund (Foto: Alerta-Netzwerk).

Die Publikative: Max, Ihr seid Preisträger des Hans-Fankenthal-Preises 2011. Wofür habt Ihr diesen erhalten?

Max: Für unsere langjährige antifaschistische und antirassistische Arbeit bei und im Umfeld von Fußballspielen. Wir veranstalten zusammen mit dem Fanladen und dem Frauenfußballteam Sankt Pauli alle zwei Jahre ein antirassistisches Fußballturnier in Hamburg, machen intern politische Bildungsarbeit und ermöglichen es im Rahmen eines Flüchtlingsprojekts, dass Asybewerber/Innen, die normalerweise vollkommen abgeschottet leben müssen, Heimspiele des FC St. Pauli besuchen können. Damit wollen wir auf die staatlich gewollte Isolierung von Flüchtlingen und Asylsuchenden aufmerksam machen und diese punktuell durchbrechen. Im Anschluss an das Antira-Turnier 2007 haben wir uns mit anderen Fans in ganz Europa zum „Alerta“-Netzwerk zusammengeschlossen, um auf Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Neofaschismus in Fußballstadien aufmerksam zu machen und gemeinsam dagegen vorzugehen. Mittlerweile sind 15 Gruppen aus verschienenden europäischen Ländern und Israel dabei.

Die Publikative: Kannst Du mal ein Beispiel für Eure Aktionen geben?

Max: Im Umfeld vieler Fußballvereine kommt es immer wieder zu neofaschistischen, rassistischen oder anderweitig diskriminierenden Äußerungen. Entsprechende Sprechchöre und Transparente werden dabei häufig ganz offen gesungen und zur Schau gestellt. Wir halten zum Beispiel mit unseren „Action Days“ dagegen, wo alle im Netzwerk vertretenden Gruppen zwei bis drei Mal im Jahr versuchen, in den Stadien mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf bestimmte Themen aufmerksam zu machen. Das heißt, alle Gruppen gestalten Transparente, Zaun- und Blockfahnen und / oder Choreographien zu einem Thema, dass dann möglichst an einem Spieltag in 15 Stadien gleichzeitig präsent ist. Bisherige Themen waren unter anderen Faschismus, Antiziganismus und eine relativ große Osteuropa-Kampagne, aus Solidarität mit den dortigen Antifaschisten, die teilweise um ihr Leben fürchten müssen.

Die Publikative: Und was macht Ihr jetzt mit dem Preisgeld?

Max: Wir wollen vor allem eine Internet-Plattform vorantreiben, die es leichter machen soll, uns zu vernetzen und auch neue Interessierte für unser Netzwerk zu gewinnen. Bisher hat das Netzwerk nämlich noch keine eigene Homepage. Außerdem fehlen uns häufig die Mittel, um zum Beispiel Material- oder Fahrtkosten zu bezuschussen, insbesondere wenn es um Gruppen oder Einzelpersonen aus Osteuropa geht, wo wir den Aufbau antifaschistischer Strukturen für besonders wichtig erachten. Jenseits des Preisgeldes freuen wir uns aber vor allem darüber, dass unsere Arbeit im Fußballumfeld so gewürdigt wird, weil wir glauben, dass wir gerade hier die Möglichkeit haben, viele junge Menschen anzusprechen, die ansonsten eher selten von antifaschistischen Projekten erreicht werden.

Die Publikative: Vielen Dank für das Gespräch.

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