„Neger“ und „Balkan-Connection“: Schafft die NPD sich ab?

Die „Integrationsdebatte“ beschäftigt die NPD auch noch ein Jahr nach Sarrazin. In der Neonazi-Partei wird diskutiert, wie man es mit „fremdrassigen“ Mitgliedern hält – und ob „Neger“, die eine deutsche Mutter haben, Deutsche sein können. Zudem sorgt der NPDler Safet Babic mal wieder für Aufsehen. Schafft die NPD sich endlich ab?

Von Patrick Gensing

Die Frage, wer eigentlich Deutscher ist, kann die NPD nicht klar beantworten. Wer „deutsches Blut“ in seinen Adern hat – so dürfte eine gängige Definition in rechtsextremen Kreisen lauten, die aber mehr Fragen aufwirft als dass sie diese beantworten könnte, denn schon die politischen Vorbilder der NPD hatten mit dem deutschen Blut so einige Probleme – und seitdem ist die Welt nicht übersichtlicher geworden.

Während Ewiggestrige über Blut und "Rassen" streiten, schauen die Eltern der deutschen Fußball-Nationalspieler gemeinsam ein Spiel.
Während Ewiggestrige über Blut und "Rassen" streiten, schauen die Eltern der deutschen Fußball-Nationalspieler gemeinsam ein Spiel.

Und das macht der NPD zu schaffen. So soll NPD-Chef Udo Voigt nun erklären, ob er „Neger“, die eine deutsche Mutter haben, als Deutsche anerkennt. Das forderte Eckhard Bräuninger, Mitglied des NPD-Parteivorstands, vor wenigen Tagen auf einer bekannten NS-Internet-Seite. Hintergrund: Voigt hatte den ehemaligen Nationalspieler Patrick Owomoyela als “echten Deutschen” bezeichnet. Was zivilisierte Menschen mit einem Schulterzucken quittieren, das sorgte in der völkischen Sektenwelt für einen Aufschrei. Bräuninger warnte davor, “durch den Vorsitzenden der Partei in öffentlicher Weise” zu versuchen, “das deutsche Identitätsgefühl mit derartig eigenen Worten zu definieren”. Ganz schön sensibel für einen Ex-Söldner.

Babic aus dem Stadtrat ausgeschlossen

Damit nicht genug, der NPD dürften weitere Diskussionen über eine vermeintliche Balkan-Connection in der Partei bevorstehen. Denn in Trier stimmte der Stadtrat am 22. September 2011 in einer Sondersitzung über den Ausschluss des NPD-Politikers Safet Babic ab. Alle 42 anwesenden Ratsmitglieder waren laut Medienberichten dafür. Hintergrund: Babic, der seit 2009 im Stadtrat sitzt, war im Dezember vom Landgericht Trier wegen gefährlicher Körperverletzung zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Laut Gemeindeordnung kann der Rat ein Mitglied ab einer Freiheitsstrafe von drei Monaten ausschließen. . Die NPD könnte nun einen Nachrücker stellen. Fraglich ist, ob sie nun auch Babic ausschließt, denn die Partei plakatiert in Wahlkämpfen „Kriminelle Ausländer raus!“ Ob das auch für die eigene Partei gilt? Denn nach Definition der NPD müsste es sich bei Babic eigentlich um einen „Plaste-Deutschen“ handeln… 

Ob Menschen, die vom Balkan kommen, bereits „fremdrassig“ sind, müssen die Blutsexperten aus der NPD beantworten. Bräuninger will auf jeden Fall von Voigt wissen, wie der Parteivorsitzende „grundlegend die Parteiaufnahme von Fremdrassigen, die möglicherweise einen deutschen Paß besitzen, aber gegen den Willen des regionalen Landesverbandes sich die Mitgliedschaft erschleichen wollen“, sehe?

Übrigens: Balkan-Babic scheint nicht allein in der Partei zu sein. In dem „Balkanforum“ ist zu lesen:

„Er beschmutzt den Nachnamen der Berishas!“.

Mit „Er“ ist Christian Berisha gemeint, NPD-Funktionär aus Niedersachsen. Im „Balkan-Forum“ wird dem rechtsextremen Kader wenig Gegenliebe entgegen gebracht, obwohl es auch hier von nationalistischen Parolen nur so wimmelt. Das Urteil über Berisha ist eindeutig – die Begründung ebenfalls blutverschmiert:

„Ein Vollpfosten, aber wenigstens ein Halbblut Deutscher im Gegensatz zu Babic.“

Etwas überzeugender der Kommentar eines anderen Mitglieds des Balkanforums:

„Die Härte.. und so einer geht zur NPD.. Vor 70 Jahren wäre er im KZ gelandet wenn es nach seinen „Kameraden“ ginge.“

Ein anderer nimmt es das Engagement von Babic und Berisha hingegen mit Humor und meint in Anspielung auf die Spannungen auf dem Balkan:

„Das ist fatal, so könnte die NPD nun von deutlich weniger Serben gewählt werden.“

Angeblich gibt es in NRW zudem einen führenden NPD-Kader, der Sohn eines aus Albanien stammenden Romas sein soll. Das wiesen Neonazis zwar zurück, aber eine offizielle Stellungnahme der Partei gibt es bislang offenbar nicht.

Schlaue Bayern gegen dumme Norddeutsche?

Die Neonazis können es aber noch doller. Ein weiterer Clou der völkischen Fanatiker und Hobby-Genforscher: Bayern, Sachsen und Thüringer gegen Norddeutsche. Diese Front wurde 2010 im Bezug auf die Ergebnisse eines Schulleistungsvergleichs aufgemacht. Und das geht so:

volksgemeinschaft

Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde der Weimarer Republik durch das Versailler Diktat ein Hunderttausend-Mann-Herr erlaubt. Das hatte zur Folge, daß die Reichswehr das Luxusproblem hatte, unter den Bewerbern nur die allerbesten Männer auswählen zu können. Diese mußten ein umfangreiches Musterungsprogramm durchlaufen, wozu auch Intelligenztests gehörten. Bereits in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war den Werbeoffizieren der Reichswehr daher bekannt, daß die Bayern, Baden-Württemberger, Thüringer und Sachsen im Durchschnitt „schlauer“ waren, als Norddeutsche. Liberalisten und Internationalisten werden diese Erkenntnisse natürlich nicht zur Kenntnis nehmen, weil sie aus ideologischen Gründen an der angeblichen Gleichheit aller Menschen festhalten müssen. Menschen sind gleich vor Gott und dem Gesetz, ansonsten sind sie sehr unterschiedlich, selbst innerhalb eines Volkes.

Schade, dass die NPD den Unterschied zwischen Gleichheit und Gleichwertigkeit offenbar nicht versteht. Aber wie passen diese NPD-Erkenntnisse eigentlich mit der Ideologie einer homogenen Volksgemeinschaft zusammen? Selbstverständlich überhaupt nicht; aber das ist bei der NPD ohnehin egal. Ihre politischen und gesellschaftlichen „Analysen“ bewegen sich maximal auf Kindergartenniveau. Nur dass Kinder nicht so vernagelt sind – dafür aber lernfähig, ob nun „fremdrassig“ oder nicht.

Siehe auch: NPD-Schwabentag: “Wir ertrinken in fremdem Blut”, Bade: “Tausendjährige deutsche Kultur ist eine völkische Fiktion”

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