Machtkampf in der NPD: Apfel fordert Voigt heraus

Wie NPD-BLOG.INFO bereits berichtet hatte, wird der Sächsische NPD-Fraktionschef Holger Apfel beim kommenden Bundesparteitag für den Vorsitz der Neonazi-Partei kandidieren. Damit könnte die Zeit von NPD-Chef Udo Voigt an der Parteispitze ablaufen.

Von Patrick Gensing

Mit seiner Kandidatur komme er „dem Wunsch zahlreicher Parteifreunde aus vielen Landesverbänden nach“, teilte Apfel in einer Pressemitteilung mit. „Gerade an der Parteibasis, aber auch auf der Vorstandsebene vieler Verbände“ werde „der Ruf nach einem Wechsel auf Bundesebene lauter“, verkündete Apfel. Ausschlaggebend seien „vor allem Gespräche mit dem Vorsitzenden unserer Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern“ gewesen.

Holger Apfel (Foto: J. Wrede)
Holger Apfel (Foto: J. Wrede)

NPD-BLOG.INFO hatte bereits berichtet, dass Udo Pastörs nach Apfels Plänen Parteivize werden solle. Dies bestätigte sich nun: In Absprache mit Udo Pastörs erkläre er seine Kandidatur für den Parteivorsitz, so Apfel, und er freue sich, „daß sich dieser bereiterklärt hat, sich im Falle meiner Wahl um das Amt des stellvertretenden Parteivorsitzenden zu bewerben“.

Bereits nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern war deutlich geworden, dass sich die Parteifunktionäre an der Küste mit einem Vorsitzenden Apfel arrangieren könnten. Pastörs und auch Peter Marx übten deutliche Kritik am Kurs der Parteispitze.

„Seriöse Radikalität“ und Anti-Euro-Kampagne

Seine Entscheidung sei bereits in den vergangenen Monaten „gereift“, so Apfel weiter. Er habe Voigt bereits über seine Entscheidung informiert. Der NPD-Fraktionschef in Sachsen will offenkundig weiterhin nach außen möglichst bürgerlich auftreten, ohne sich von radikalen Inhalten zu trennen. Apfel bringt daher erneut den Begriff „seriöse Radikalität“ ein, dies bedeute, „konstruktiv, gegenwartsbezogen und volksnah für einen radikalen, d.h. an die Problemwurzel gehenden Politikwechsel einzutreten“, so Apfel.

Ein Beier, ein Apfel, ein Faust, ein Voigt und ein Pühse flanieren zum Sozialkongress der NPD unter der Hochbrücke. Motto: Sehen und nicht gesehen werden, denn die Bremer wollten von den Nazis nichts wissen. (Foto: Kai Budler)
Ein Beier, ein Apfel, ein Faust, ein Voigt und ein Pühse flanieren zum Sozialkongress der NPD unter der Hochbrücke. Motto: Sehen und nicht gesehen werden, denn die Bremer wollten von den Nazis nichts wissen. (Foto: Kai Budler)

Thematisch will die NPD vor allem als Anti-Euro-Partei auftreten. Hier verspricht sich der Neonazis angesichts der Eurofinanzschuldenkrise die größten Chancen – „als Schutzmacht der deutschen Steuerzahler und Sparer gegen das Brüsseler Umverteilungs-Regime“.

Bundesvorstand ohne Voigt?

Parteichef Voigt konnte sich in den vergangenen Jahren trotz massiver interner Kritik an der Spitze der NPD halten. Doch sollten sich nun die mächtigen Fraktionschefs aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gemeinsam gegen ihn stellen – mit Wahlerfolgen im Rücken – dürfte eine Wiederwahl Voigts fast unmöglich werden. Vor allem, da der Parteivorsitzende nach dem Tod von Jürgen Rieger einen wichtigen Unterstützer verloren hatte.

Kummer gewohnt: NPD-Vize Faust und Parteichef Voigt am 30. April 2011 in Bremen (Foto: Kai Budler)
Kummer gewohnt: NPD-Vize Faust und Parteichef Voigt am 30. April 2011 in Bremen (Foto: Kai Budler)

Einem Dokument zufolge, das NDR Info vorliegt, sieht Apfel auf seiner Kandidatenliste keine führende Rolle mehr für Voigt vor – demnach soll der langjährige Parteichef nicht einmal mehr im Bundesvorstand sitzen.

Neben Pastörs sieht das Papier Karl Richter aus München und Frank Franz aus dem Saarland als Stellvertreter an der Spitze vor. Die Vorschlagsliste der Sachsen-NPD liest sich ansonsten wie ein „ Who is Who“ der NPD: Jörg Hähnel, Jens Pühse, Eckart Bräuniger, Patrick Wieschke, Frank Schwerdt, Stefan Köster, Arne Schimmer, Ingmar Knop, Michael Schäfer, Andreas Storr, Andy Knape, Wolf Lehner und Ronny Zasowk. Einzige Frau auf der Liste ist Birgit Fechner.

Die NPD plant ihren Bundesparteitag für Mitte Oktober, wahrscheinlich in Gera.

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One thought on “Machtkampf in der NPD: Apfel fordert Voigt heraus

  1. Das letzte Aufgebot, die Apfel-Truppe! Das was die da als „Wandel an der Parteispitze“ verkaufen ist der letzte Aufguß der braunen Kameraden. Der Erfolg in Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern darf nicht darüber hinwegtäuschen das sich weite Teile der Partei insbesondere im Westen rückläufig entwickeln oder auf der Stelle treten. Alles andere ist pure Propaganda, dass sieht man schon wenn man sich intensiv mit den von der Partei selbst veröffentlichten Zahlen bezüglich Mitgliederentwicklung beschäftigt. Und wer ein Bischen Szenekenntnis hat weiß auch das der Rest hier keinesweg rosig Dasteht. Leute wie Apfel haben doch außer jener Partei NICHTS im Leben, sie sind auf Gedeih und Verderb diesem Verein ausgeliefert, klar das die niemals aufhören bis der Verein Aufgrund Verbotsverfahren oder wirklicher Selbstauflösung verschwindet.

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