Nazi-Leak: Medien erhalten Tausende NPD-Emails

Erneute Blamage für die NPD: Mehrere Medien haben wieder Emails aus der Neonazi-Partei zugespielt bekommen. Es handelt sich um Tausende interne Nachrichten aus verschiedenen Landes- und Kreisverbänden der Partei.

Von Patrick Gensing

Für die NPD ist es ein Fiasko: Offenbar schaffen es die Rechtsextremen nicht, ihren internen Nachrichtenverkehr zu schützen. Denn es ist nicht das erste Mal, dass Journalisten ausführlich das Innenleben der NPD sezieren können. Erst im Februar 2011 berichteten tagesschau.de, NPD-BLOG.INFO und weitere Medien über das Nazi-Leak. Unter dem Begriff Nazi-Leaks hatte NPD-BLOG.INFO interne Dokumente aus der Neonazi-Partei veröffentlicht.

"NaziLeaks" - die Infos fließen aus der NPD, die Neonazis schimpfen.

Nun liefert die NPD erneut, wenn auch unfreiwillig. Die Mails sind wieder aktuell – und stammen aus diversen Landes- und Kreisverbänden der Partei. Besonders die Informationen aus Süddeutschland, Sachsen-Anhalt und Thüringen dürften aufschlussreiche Einblicke erlauben. Mehrere Redaktionen werten die Daten derzeit aus.

Die NPD reagierte empört auf den jüngsten Hacker-Angriff. Seit “rund viereinhalb Wochen sind die Weltnetzseiten der NPD intensiven Angriffen linksextremistischer Krimineller ausgesetzt”, vermeldete die Partei auf ihrer Bundes-Seite, die noch läuft. Die Angriffe hätten

am 17. September 2011, einen Tag vor den Berliner Wahlen einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Kriminellen brachen in einen Anbieterserver ein und stahlen 179 Weltnetzseiten der NPD. Die Schadensbehebung wird eine Zeitlang in Anspruch nehmen, erklärte der IT-Fachmann der NPD. Die Dimension des Verbrechens ist so enorm, daß dieser eine große organisierte Bande als Drahtzieher ver-mutet.

Nicht nur die Daten sind der NPD verloren gegangen, sie hat derzeit offenbar auch keine Gewalt über zahlreiche Internet-Seiten. Dort wird zurzeit angekündigt, hier entstehe die Domain „nazi-leaks.de“. Die Domain ist bei Denic übrigens auf Sven-Gunnar Haverlandt registriert. Haverlandt soll für den „Netzdienst“ der NPD zuständig sein. Er ist als Funktionär der NPD aktiv und sitzt als Abgeordneter im Kreistag Dahme-Spreewald.

Auf der Seite Alarmknopf wird die Stellungnahme der NPD analysiert. Dort heißt es:

Es handelt sich nicht um 179 Seiten, sondern um 179 Sites (die jeweils viele einzelne Seiten mit Inhalten zur Verfügung stellen könnten). Von einem IT-Fachmann der NPD sollte man hier bei allem Ringen um deutsche Bezeichnungen die erforderliche technische Klarheit erwarten können — tatsächlich ist der Angriff durch die unbeholfene Ausdrucksweise sprachlich verharmlost worden, etwa so, als ob in einem Blog mit tausenden Beiträgen ein paar hundert verschwunden wären. Diese Sites wurden auch nicht „gestohlen“, sondern im schlimmsten Fall wurden die auf dem Server verfügbaren Daten und Inhalte von einem Angreifer kopiert und anschließend auf dem Server gelöscht. Man sollte erwarten, dass der IT-Fachmann der NPD regelmäßig eine — Achtung, deutsches Wort — Datensicherung angelegt hat, um einem solchen, gar nicht unwahrscheinlichen Schaden zu begegnen. Wenn er das unterlassen hat und einfach darauf gehofft hat, dass auf einem „Opferrechner“ wie einem ständig mit dem Internet verbundenen Serverrechner „schon nichts passieren“ wird, handelt es sich nämlich nicht um einen Fachmann, sondern um einen Flachmann. Aber um einen ganz flachen!

Nicht nur das, auch ist die große organisierte Bande gar nicht erforderlich, wenn der angegriffene Server wirklich 179 Websites gehostet hat. Es reicht ein einziger erfolgreicher Angriff auf den Server, um sich heiter zu bedienen. So etwas kann einem einzigen, verpickelten Zwölfjährigen gelingen, was übrigens immer wieder einmal passiert. Dafür bedarf es keiner hoch organisierten, verbrecherischen Cyberangriffstruppe. Deshalb macht man von solchen Servern ja auch regelmäßig Datensicherungen, um nach einem erfolgreichen Angriff den Betrieb fortsetzen zu können. Natürlich hat der IT-Fachmann dann auch die Vorgehensweise des Angreifers zu analysieren und die ausgebeuteten Lücken in der zuvor gepflegten Sicherheitsstrategie zu stopfen. Aber das weiß der IT-Fachmann der NPD gewiss selbst, wenn er auch scheinbar ein bisschen überfordert mit diesem Anforderungsprofil zu sein scheint, denn diverse Websites von NPD-Strukturen liefern zurzeit immer noch nicht die üblichen Inhalte aus. In einer solchen Situation persönlicher Überforderung großtönende Worte von einem riesigen Verbrechen (kriminell ist es unbestritten, es handelt sich um Datensabotage) auszusprechen und von großen feindlichen Banden zu fantasieren, deren Opfer man geworden ist, ist kein adäquater Umgang mit einer derartigen Angriffssituation. Vielmehr zeigt ein solcher öffentlicher Auftritt, dass auch in der NPD in gleicher Weise vom Netz gesprochen wird, in der Blinde vom Licht reden: Vollkommen ahnungslos.

Wer hinter der erneuten Hacker-Attacke auf die NPD steckt, ist unklar. Eine „große organisierte Bande“, von der die NPD schwadroniert, dürfte es aber wohl kaum sein.

Siehe auch: Seite der NPD umgestaltet: “Hacker stahlen 179 Weltnetzseiten”, NPD 2.0: Neonazis bieten “Verbandsserver” an

 

13 thoughts on “Nazi-Leak: Medien erhalten Tausende NPD-Emails

  1. Bei §303b StGB (Datensabotage) handelt es sich um ein Vergehen, kein Verbrechen!

    Also ist die Dimension dieses „Verbrechens“ eher klein bzw. nicht vorhanden 😀

  2. Richtig,ein Wählerwillen wurde nie beeinflusst,zeitlich 1.Tag vor der Wahl völlig unmöglich,die Nazis spielen sich wieder als „Opfer“ auf.
    Die Wähler setzen eben das Kreuz nicht bei der NPD,weil sie nicht im neuen Nationalsozialismus enden wollen,so einfach ist das!!
    Ich würde mich auch auf die Mails der braunen Socken freuen.
    Natürlich sind die kleinen Möchtegern-Arier überzüchtet und durch solch Inzest kommt nun mal sowas bei rum,ähnlich wie bei den Rassemöpsen die ständig vom gleichen Rüden soweit der noch kann auf die gleiche Wurf-Gruppe wieder angesetzt (Rasse-Hundezucht)
    Wenn die kleinen Arier-Klone einfach zu dämlich sind eine Fire-Wall richtig zu installieren,dann sind die Nasen wirklich hoffnungslos degeneriert und dekadent,aber auch arrogant was ja auch Markenzeichen eines strammen Nazis ist.
    Ein Vergehen ist völlig bedeutungslos,da gibt es nur ein DU Du.
    Die Nazidaten sollten dringenst veröffentlicht werden um den freien Bürger auf zuklären wie die Nazis wirklich ticken und was sie vor haben.

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