Teurer Spaß? NPD muss Schüler-Video löschen, Schadensersatz droht

Udo Pastörs vor einer Schulklasse in Ferdinandshof (Screenshot YouTube)
Udo Pastörs vor einer Schulklasse in Ferdinandshof (Screenshot YouTube)

Eltern und Schüler aus Ferdinandshof (Kreis Vorpommern-Greifswald) haben sich mit Erfolg gegen besonders aggressive Wahlkampf-Methoden der rechtsextremistischen NPD gewehrt. Die NPD musste laut NDR ein Propaganda-Video weitgehend aus dem Internet entfernen. Auf dem Video waren Schüler einer neunten Klasse zu sehen, die von NPD-Fraktionschef Udo Pastörs zugetextet wurden. Das Video hatte die NPD ohne Einwilligung der Schüler gezeigt. Auf einer bekannten Neonazi-Seite aus MVP, von der NPD maßgeblich getragen, ist das Video bereits verschwunden.

Schadensersatz könnte fällig werden

Das Bildungsministerium sah laut NDR die Persönlichkeitsrechte massiv verletzt. Eine Schweriner Anwaltskanzlei hat diese Rechte nun im Auftrag von 14 Schülern und ihren Eltern durchgesetzt. Rechtsanwalt Volker Pollehn erklärte laut NDR, das Vorgehen der NPD zeige, mit welcher Brutalität und welchen Tricksereien sie Rechte unbeteiligter mit Füssen trete und sogar Minderjährige missbrauche. Die NPD habe eine Verpflichtung unterzeichnet, das Material nicht weiter zu verbreiten, so Pollehn. Jetzt müsse die NPD auch Schadensersatz zahlen, das werde juristisch durchgesetzt.

Kurz vor der Landtagswahl am 4. September hatte der Propaganda-Film bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Das Video zeigte den NPD-Fraktionschef, wie er auf die offenbar gelangweilten Minderjährigen einredet. Pastörs wetterte über 17 Minuten gegen Demokratie und EU – durchsetzt mit Nazi-Vokabular und ausländerfeindlichen Sprüchen. Die Neuntklässler einer Regionalschule waren mit ihrem Sozialkunde-Lehrer außerhalb des Schulhofs unterwegs, um Wahlplakate zu analysieren.

Siehe auch: NPD-Erfolg nur wegen geringer Wahlbeteiligung und brauner Hochburgen?, Pastörs wirbt vor Schülern mit Nazi-Parole

10 thoughts on “Teurer Spaß? NPD muss Schüler-Video löschen, Schadensersatz droht

  1. Vielen Dank für diese gute Nachricht und auch für das Video, das mir endlich erklärt, warum die NPD ausdrücklich kriminelle Ausländer loswerden will. Daß ich da nicht selbst drauf gekommen bin!

  2. Apropos löschen:

    Die NPD in Bremen hat es wohl versäumt, eine fingierte Pressemeldung zu löschen. So lesen wir unter der Überschrift „Erfolgreiche Informationsveranstaltung der NPD Bremen“:

    „… Im Anschluß an die klaren Worte Holger Apfels waren die Besucher vom Landesverband zu einem Grillabend eingeladen, der von einem nationalen Liedermacher (hier müsste dann vielleicht der Künstlername des Liedermachers eingefügt werden) musikalisch begleitet wurde.“

    Wenn man noch nicht einmal den Namen des Liedermachers weiß, dann scheint man von „eindrucksvollen Worten“ Apfels und über „rund 50 Mitglieder“ schon vor der Veranstaltung geschrieben zu haben.
    Blöd nur, wenn man den Entwurf dann unkorrigiert (und offensichtlich ungelesen) veröffentlicht…

  3. Ich hoffe das sich die NPD dumm und dämlich zahlt!!
    Es kann nicht sein das eine ganze Schulklasse ohne Wissen und Willen gefilmt werden und so die Schüler unfreiwillig mit der NPD und den Neo-Nazis in Verbindung gebracht werden.
    Wenn einmal solch ins Netz geraten sind,kann es schon rund um die Welt gegangen sein und die Jugendlichen sind gebrandmarkt.

  4. Gewusst haben sie es – sie haben ja in die Kamera geguckt. Aber
    1. konnten sie nicht wissen, in welchem Umfang dies Filmchen veröffentlicht wird,
    2. kann man von Jugendlichen nicht erwarten, daß sie ihre diesbezüglichen Rechte in vollem Umfang kennen und auch nicht, daß sie die möglichen Folgen eines solchen Films ganz abschätzen können,
    3. wäre die Filmerei aus formalen Gründen auch dann illegal, wenn es ein mündliches Einverständnis der Jugendlichen gegeben hätte, eben weil sie noch nicht volljährig sind und ein schriftliches Einverständnis der Erziehungsberechtigten daher notwendig ist.

    Die fingierte Pressemeldung ist ja köstlich. Ich bin ganz dafür, daß die NPD solche Sachen öfter macht – je unmöglicher die sich machen, desto besser.

  5. @ Claudia Sperlich

    Die Jugendlichen können so etwas nicht wissen. Ein Lehrer für Sozialkunde schon, denke ich…

    Jede Institution, die Bildmaterial produziert, verfolgt damit ein Interesse. Das ist nicht so abwegig, daß man da nicht bei 20 Minuten Bedenkzeit drauf kommen könnte….

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