Der Western “Ritt zum Ox-Bow: “Mit Henry Fonda gegen den Faschismus

Filme des Western-Genres bieten in der Regel keine tiefschürfende Gesellschaftskritik. Eine rühmliche Ausnahme ist aber zweifellos der Western “Ritt zum Ox-Bow“ mit Henry Fonda in der Hauptrolle. Der in der Zeit des Zweiten Weltkriegs gedrehte Film überzeugt durch eine differenzierte Analyse faschistischer Funktionsprinzipien.

Von Stefan Kubon für NPD-BLOG.INFO

Das sehenswerte Werk Ritt zum Ox-Bow basiert auf einer Romanvorlage von Walter Van Tilburg Clark. Die Handlung des Films, bei dem William A. Wellman die Regiearbeit leistete, gestaltet sich wie folgt: In einem verschlafenen Dorf bricht plötzlich Unruhe aus, denn ein verdienter Bürger des Orts soll einem Raubmord zum Opfer gefallen sein. Da der Sheriff gerade nicht zugegen ist, fasst eine aufgebrachte Schar von Dorfbewohnern den Entschluss, die Suche nach den Tätern selbst in die Hand zu nehmen.

Doch unter dem Suchtrupp sind auch einige wenige Männer, die den Vernichtungswillen des lynchwütigen Mobs nicht teilen. Die Motive dafür, dass diese Männer trotzdem an der Suche teilnehmen, sind recht unterschiedlicher Natur: Einer glaubt, durch seine Teilnahme mäßigend auf das Treiben der wilden Meute einwirken zu können. Ein anderer hofft, den möglichen Opfern des Lynchmobs zumindest seelsorgerisch beistehen zu können. Ein Dritter, ein junger Mann, wird von seinem Vater zur Teilnahme gezwungen.

Die Außenseiter des Suchtrupps

Und zwei weitere Männer reiten mit dem Suchtrupp los, obwohl sie die Motive des Mobs nicht teilen: Zwei Fremde, die zufällig in dem Ort weilen, als die Nachricht des angeblichen Raubmords die Runde macht. Sie heißen Art und Gil (Henry Fonda). Die beiden sind Freunde und schon länger gemeinsam unterwegs. Wegen der Verbrechensmeldung ist die Situation für Fremde besonders brenzlig. Auch um nicht noch mehr Misstrauen auf sich zu ziehen, beschließen die beiden, an dem Suchtrupp teilzunehmen.

Die Führung des wilden Haufens übernimmt von Anfang an der Akteur, der seinen Sohn zur Teilnahme an der Suchaktion gezwungen hat. Es handelt sich dabei um einen Offizier namens Tetley, der sich aber scheinbar nicht mehr im aktiven Militärdienst befindet. Gleichwohl nimmt er an der Suchaktion in seiner Uniform teil.

Nachdem die Truppe einige Stunden unterwegs ist, greift sie schließlich in dunkler Nacht drei Fremde auf. Die überwältigende Mehrheit ist schnell davon überzeugt, dass die drei die gesuchten Verbrecher sind. Und tatsächlich spricht manches dafür, dass die drei Männer den Raubmord begangen haben könnten. Tetley unterzieht die Verdächtigen noch einer Befragung. Doch diese Befragung ist nichts weiter als eine einseitige Beweisaufnahme zuungunsten der Verdächtigen.

In der Nacht wird ein Urteil über drei Fremde gefällt

Schließlich kommt es zu einer Abstimmung darüber, ob die drei Verdächtigen schuldig sind. Eine Minderheit von sieben Zweifelnden positioniert sich gegen die überwältigende Mehrheit, die die drei Fremden als schuldig betrachtet und hinrichten will. Unter den sieben Abtrünnigen ist Gil. Er ist schließlich auch der Einzige, der sogar mit Gewalt versucht, den Lynchmob von seinem Tun abzuhalten. Doch er wird überwältigt. Die drei Fremden werden gehängt, obgleich sie ihre Unschuld bis zuletzt beteuern.

Als die Truppe im Morgengrauen zurück ins Dorf reitet, begegnet sie bald dem Sheriff, der die neuesten Ermittlungsergebnisse verkündet. Schnell wird klar: Drei Unschuldige sind der Meute zum Opfer gefallen!

Typische Merkmale faschistischer Machtergreifung

Durch den Film werden typische Merkmale (Bedingungen, Prozesse, Ergebnisse) einer faschistischen Machtergreifung herausgearbeitet. Die angenommene Stabilität der sozialen Ordnung, die im Film durch ein verschlafenes Dorf dargestellt wird, stellt sich als Trugbild heraus. Denn als die Nachricht eines angeblichen Raubmords die Runde macht, bricht die Stabilität des sozialen Systems recht schnell zusammen. Materielle Verlustängste scheinen im besonderen Maße dafür verantwortlich zu sein, dass die bisherige Ordnung Schiffbruch erleidet.

Es wird deutlich: Die Dorfbevölkerung identifizierte sich nicht ausreichend stark mit den Rechtsnormen der eigenen demokratischen Verfassungsordnung, denn ansonsten hätten diese Rechtsnormen auch in einer Krisensituation die bisherige soziale Ordnung aufrechterhalten müssen. Da die demokratischen Rechtsnormen als gesellschaftliche Integrationsbasis verloren gegangen sind, müssen nun andere Elemente des sozialen Zusammenhalts etabliert werden.

Rückfall in eine vorzivilisatorische Welt

Die entfesselten Angstgefühle führen dazu, dass ein Rückfall in eine vorzivilisatorische Lebenswelt stattfindet. Die Fähigkeit zur Rationalität geht verloren. Somit kann die Suche nach den Schuldigen des vermeintlichen Verbrechens keinen aufklärerischen Zweck mehr erfüllen. Gleichwohl genügt die Suche nach den Schuldigen einer gewissen Logik: Sie wird zu einem Element der neuen Identität, die die gewünschte soziale Bindung gewährleisten soll.

Als Zielpunkt der Suche bieten sich Fremde an, weil diese innerhalb der Dorfgemeinschaft über keine Machtbasis verfügen. Die Abgrenzung gegenüber den angeblich andersartigen Menschen dient zudem der Verfestigung der eigenen Identität. Auch fungieren die Fremden als klassische Sündenböcke, da sie die Ängste der Dorfgemeinschaft kompensieren sollen. So wird suggeriert, die Überwindung der Krisenlage sei zum Greifen nah.

Zuspitzung der Krisenlage

Doch die Überwindung der Krisenlage ist schon längst nicht mehr das Ziel des neuen Machthabers. Vielmehr will dieser mit Nachdruck eine naturalistische Lebenswelt schaffen, in der humanitäre Werte keinen Platz mehr haben: Mitgefühl wird als Schwäche denunziert. Besonnenheit muss blindem Aktionismus weichen. Zweifel zersetzt man durch die Behauptung einer Entscheidungsnotwendigkeit. Grausamkeit wird als Stärke glorifiziert. Schließlich ist es soweit: Die Gefangennahme der Verdächtigen genügt der Meute nicht mehr. Sie will die vollkommene Vernichtung der vermeintlich Schuldigen. Dadurch soll die neue Identität und die neue Ordnung ihrer Vollendung zugeführt werden.

Pseudodemokratischer Anspruch

Die Abstimmung über die mögliche Schuld der Verdächtigen entpuppt sich als pseudodemokratischer Vorgang. Denn Abstimmungen, die nicht an rechtsstaatliche Grundsätze gebunden sind, verdienen bekanntlich nicht das Prädikat “demokratisch“. So ist die Abstimmung des Suchtrupps nichts weiter als ein inhaltsleeres Relikt der untergegangenen demokratischen Ordnung.

Doch obwohl der demokratische Entscheidungsprozess zum reinen Formalismus degeneriert ist, kann er immerhin noch eine gewisse demokratische Legitimität des neuen Machthabers suggerieren. Letztlich orientiert sich auch der Umstand, dass in dem Film der neue Machthaber ein Vertreter des Militärs ist, an der historischen Wirklichkeit des Faschismus. Schließlich spielte das Militär bei der Machtergreifung des Faschismus zumeist eine tragende Rolle.

Ein Ausnahmefilm, der wichtige Erkenntnisse vermittelt

Als der Film im Jahr 1943 in den Kinos der USA gezeigt wurde, kämpfte das Land bekanntlich gegen den Faschismus. Trotzdem ging es Regisseur Wellman und Romanautor Clark nicht primär um die Kritik am europäischen Faschismus. Vielmehr wollten die beiden vor allem auf die faschistischen Tendenzen in der US-Gesellschaft hinweisen.

Nun ist endlich eine deutschsprachige DVD-Ausgabe dieses außergewöhnlichen Films erschienen. Eine Anschaffung erscheint lohnend. Denn tatsächlich werden durch den Film elementare politische Erkenntnisse sehr überzeugend vermittelt. Wobei zwei Erkenntnisse besonders wichtig erscheinen: Ein demokratischer Rechtsstaat ist keine Selbstverständlichkeit! Und die Würde des Menschen ist ein Wert, der es verdient, verteidigt zu werden!

8 thoughts on “Der Western “Ritt zum Ox-Bow: “Mit Henry Fonda gegen den Faschismus

  1. Guten Tag!

    Sehr löblich, diesen Film in diesem Zusammenhang vorzustellen!

    Daraus könnte doch eigentlich eine kleine informelle Reihe werden: Filme gegen Faschismus – und zwar solche, die diesen Anspruch nicht schon in der Auswahl des Themas („Schindlers Liste“), der Handlungs-Zeit oder so zeigen.

    Nichts gegen „Schindlers Liste“, „Das Leben ist schön“, „Der Pianist“ oder „Die Brücke“ – diese Filme haben ihre Verdienste, die ich nicht schmälern möchte.

    Aber es gibt auch Filme, denen ihre Kraft gegen den Faschismus nicht so ohne weiteres anzusehen ist: „Die zwölf Geschworenen“ etwa zeigt, wie sich ein Fehlurteil vermeiden lässt – in einem demokratischen Rechtsstaat keine unwichtige Sache.

    Oder „Babettes Fest“: Wie Lebenslust sich zu Fundamentalismus verhält.

    Oder „Der Dieb von Bagdad“ (mit Sabu und Conrad Veidt): Ein Faschist (Jaffar ist meines Erachtens eindeutig ein Faschist) strebt nach der Gewaltherrschaft über ein orientalisches friedliches Märchenreich.

    Wohlgemerkt: Es geht mir nicht darum, irgendwo irgend etwas hineinzuinterpretieren, das nicht da ist, sondern darum, unterschätzte und/oder wenig bekannte Kräfte zu mobilisieren.

    Wie sagte doch der bekannte Antifaschist Bert Brecht:
    „Man muss das Unrecht auch mit schwachen Mitteln bekämpfen.“

    In diesem Sinne
    vielen Dank für die Aufmerksamkeit

    Harald Leinweber

  2. naja, schindlers liste würde ich persönlich niemals als antifaschistischen film kategorisieren. hier handelt es sich um hollywoodkino, dass den tiefgang der thematik des holocaustes total vermissen lässt. stattdessen wird ein plumpes heldentum gefeiert. faschismus-kritk sieht anders aus. etwas unterhaltsamer als guido knopp; mehr aber auch nicht.

    über die filmgeschichtliche einordnung kann man selbstverständlich streiten. der historische anspruch wird aber defintiv nicht erfüllt!

  3. Das ist eine erfrischende Ergänzung. – Ohne Zweifel ist „The Ox-Bow Incident“ ein Genre-Highlight, aber bei weitem nicht das Einzige. Ich muß dem einfach widersprechen, dass der Western (im Großen- und Ganzen) sich nicht angeboten hätte, um durch dieses Genre Parabeln und Metaphern zum Faschismus (als Gegenpart zum individuellen Humanismus) zu transportieren, u.A. speziell während der McCarthy-Ära. Nun brachte der Western selbst eine Menge reaktionären Schrott hervor, der „nur“ als faschistoid zu bezeichnen wäre, insbesondere gegenüber den Native Americans – aber die Staaten wären eben nicht die Staaten, wenn man nicht wüßte, wie es auch anders zu machen wäre. Aus der anfänglich billigen „Klamotte“ des puren „Indianerfilm“ wurde später durchaus ein unterhaltsames Popcorn-Kino mit großen Botschaften, so, wie es im Artikel beschrieben wurde. Da gab` es überdies eine Menge zerrissener „Outlaws“, die bewußt als „Outlaws“ gezeichnet wurden, um durch jenen „Einzelgänger“ zu zeigen, wie sich Individuen auflehnen können: entweder gegen den lynchenden Mob selbst, oder gegen die „bigotte“ Gemeinde, die zuschaut und/oder sich vom pervertierten Sheriff bzw. Marshall tyrannisieren oder einspannen läßt. Und das Sujet auf die Zeit des Zweiten Weltkriegs bzw. auf den Kampf der Alliierten – in diesem Fall der USA – gegen die Nazis zu beziehen, wäre wahrscheinlich zu kurz gegriffen, da der Western nun einmal in einer Zeit angesiedelt ist, zu der er schwerlich direkten Bezug zu Hitler-Deutschland herstellen kann, wie etwa ein Kriegsfilm oder u.A. die Filme der „Schwarzen Reihe“ (Film Noir). Ich denke, dass gerade der Western – mit Ausnahme der meißten Kavallerie-Western und der tumben Indianer-Klamotte – in seiner Spielart des sog. Stadt-Western grundsätzlich humanistische Aspekte aufgezeigt hat: egal, ob nun Eastwood im Neo-Western „Erbarmungslos“ („… und behandelt eure Huren gut, sonst komme ich zurück und töte jeden Einzelnen von euch Bastarden!“), Cooper in „High Noon“, McQueen in „Nevada Smith“, Newman in „Hombre“, Fonda in „Die gefürchteten Vier“, Wayne in „Rio Bravo“ und „El Dorado“ usw. – Da gab` es immer das Individuum (meißtens sogar scheiternd; sogar Wayne in „Der schwarze Falke“), das letztendlich Gut und Böse unterscheiden konnte und vom Humanismus getragen war; das überdies wusste, dass „die Huren“ gut behandelt gehören und der Sheriff nicht zu marodieren hat („Erbarmungslos“), dass die Rancher und Cowboys nicht zu lynchen und keine Städte zu terrorisieren haben, und dass „das Half-breed“ Mensch ist.

    Auch das zeichnet einen guten Western aus: Es werden keine Stellvertreter-Kriege geführt: die Protagonisten stehen sich letztendlich ganz allein unter der tiefstehenden Sonne gegenüber. – Schließlich liegt der spezielle Reiz eines guten Western darin, dass der Zuschauer mit dem Protagonisten erkennt, dass der Bösewicht um 12.00 Uhr mittags auf der staubigen Strasse im Duell erschossen gehört. – So, wie die ganze NPD (bildlich gesprochen). :)

  4. Der Film bzw. seine Analyse legen es ja nahe, dass man demokratische Rechtsnormen (sagen wir mal, Versammlungsfreiheit)auch dann aufrechterhalten soll, wenn es unbequem ist.
    Anstelle beim bloßen Gerücht einer (sagen wir mal, nazistischen) Gefahr gleich alles über den Haufen zu werfen.
    Das würde also erfordern, dass man den hiesigen Antifaschismus wesentlich revidiert.

  5. Übrigens sind Buch und Film nicht zwingend antinazistisch zu deuten, sondern können sich sehr wohl gegen die Roosevelt-Regierung richten.

    Totalitäre Tendenzen bei Roosevelt wurden kritisiert, seitdem er versucht hatte, sich das Verfassungsgericht untertan zu machen (z.B. von Walter Lippman; dieser Vorfall war der Anlass zur Gründung der neoliberalen Bewegung). Der Protest wurde stärker, als Roosevelts Kriegsregime begann, mit Masseninternierungen und sedition trials zu arbeiten. Die zeitgenössischen Kritiker hoben naturgemäß die Ähnlichkeiten zum nazistischen Erzfeind hervor (Flynn, „As we go marching“); de facto waren Roosevelts Entscheidungen aber nicht von Nazis beeinflusst, sondern viel mehr von den im Staatsapparat tätigen „Salon-„Kommunisten.

  6. Zum Thema Lynchjustiz ebenfalls höchst sehenswert (und sogar im Netz frei verfügbar, wenn auch nur in deutscher Synchronisation) ist „Fury – Blinde Wut“, der erte Film, den Fritz Lang im amerikanischen Exil drehte.

    Ich stelle einen starken Willen zur Lynchjustiz keineswegs nur in Nazikreisen fest, wann immer an einem Kind ein Verbrechen begangen wird. Da werden dann (meiner Erfahrung nach auch unter Pflegern und Schwestern, deren Aufgabe ja eine ganz andere ist als die eines Henkers), ganz schnell Forderungen nach Foltertod für den Verdächtigen laut. Übrigens werden auf dieser Seite einige Leser kurz denken: Naja – Kinderschänder, also da könnte man ja schon ne Ausnahme machen… (Vielleicht irre ich mich, aber ich kenne es nicht anders. Bei dem Thema sind über 90% der Deutschen wenn nicht für Lynchjustiz, so doch mindestens für Folter und Todesstrafe.)

    Merke: Man muß kein Nazi sein, um Unrecht ausdrücklich zu unterstützen.

  7. @iso

    Nun ausgerechnet Oskar Schindler ein „plumpes Heldentum“ zu unterstellen, das ihm da wohl vorgeblich Hollywood angedichtet hätte, zeigt`, dass du nichts über die historische Person Schindler weißt` und den Film nicht verstanden hast oder nicht verstehen wolltest. Wie sehe denn für dich und angesichts „Schindlers Liste“ ein „Tiefgang der Thematik des Themas Holocaustes“ aus, wenn schon Schindler in deinen Augen „plumpes Heldentum“ im Film an den Tag gelegt hätte? – Aus welchen Quellen würdest du denn deine „Antifaschismus-Kritik“ speisen, wenn dir offenbar Knopp zu trocken und „Schindlers Liste“ lediglich „hollywoodkino“ ist. Da wird die Wahl ja wohl eng.

    @Rainer

    Ich denke, dass es im Auge des Betrachters liegt, aus „Ritt zum Ox-Bow“ herauslesen zu können, dass er (der Film), sagen wir einmal, angesichts einer „nazistischen Gefahr“ den Anstoß gäbe, nicht „alles über den Haufen zu werfen.“ – Der Film und die allgemeine Botschaft sagen nicht aus, dass der „hiesige Antifaschismus wesentlich revidiert“ werden müsse oder gehöre; da ist bei dir wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Und lass` mich raten: du hast` bis zu deinem „Übrigens“ eine halbe Stunde in diversen Quellen gesucht, um quasi die Kurve vom Ox-Bow zu F. D. Roosevelt und den, wie du schreibst, „Salon-Kommunisten“ zu kriegen: den wohl für dich wahren Kriegseinflüsterern. Nun bestand aber das kaiserliche Japan nicht aus „Salon-Kommunisten“ und Pearl Harbor wurde auch nicht durch selbige überfallen… Du kleiner Schelm.

  8. Kleine Anmerkung:

    ‚Machtergreifung‘ ist NS-Sprech und hat in Beiträgen wie diesem nichts zu suchen. 1933 hat es keine ‚Machtergreifung‘ gegeben, vielmehr lässt sich von einer Machtübergabe an die Nazis sprechen.

    ‚Machtergreifung‘ ist dagegen der von den Nazis (Goebbels?) selbst geprägte Begriff, der das Versagen der Weimarer Demokratie umdeutet: Die (jetzt aktiven) Nazis ‚ergreifen‘ sich die Macht – tatsächlich haben konservativ-nationale Kreise auf einen senilen Präsidenten gewirkt, einen Kanzler zu ernennen. Die Zustimmung des ‚Volkes‘ zur NSDAP war bis zur Machtübergabe schon wieder rückläufig, wie die Wahlergebnisse 1932 bis März 1933 zeigen. Es hätte nicht dieser Kanzler sein müssen.

    In der gewählten Form reprodutiert der Begriff die (durch Propaganda erzeugte) pathetische und dazu sachlich falsche Aufladung der schlichten Machtübergabe zur ‚Machtergreifung‘.

    Wir sollten uns heute diese Sprache nicht mehr zu eigen machen.

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