Keine Heimat für Heises „Eichsfelder Heimattag“?

Die Premiere des „Eichsfelder Heimattages“ im thüringischen Leinfelde wurde für den NPD-Funktionär und mehrfach vorbestraften Neonazi Thorsten Heise zum Flop. Dem „familienorientierten Nachmittagsprogramm“ fehlten die Familien, beim anschließenden Rechtsrockkonzert fiel der Hauptact aus. Aus Protest gegen die rechtsextreme Veranstaltung demonstrierten rund 350 Personen gegen den „Heimattag“. Sie folgten damit dem Aufruf des breiten „Bündnis 3. September“ in Leinfelde.

Von Kai Budler für NPD-BLOG.INFO

Auf den ersten Blick wirkt der 3. September in der knapp 10.000 Einwohner großen Stadt Leinefelde wie ein ganz normaler Samstag. Doch der Eindruck trügt: us Thüringen und vier anderen Bundesländern sind Polizeieinheiten im ländlichen geprägten Eichsfeld zusammen gezogen worden, an den Einfallstraßen beobachten Beamte den Verkehr in Richtung Leinefelde. Im südlichen Teil der Stadt umringen weiträumige Polizeiabsperrungen bei strahlendem Sonnenschein den alten Sportplatz.

Sicherheitsdienst der „Arischen Bruderschaft“

An einer Stirnseite des Platzes ist neben einer Hüpfburg eine Bühne aufgebaut, in den Mittagsstunden wehen die Geräusche eines Soundchecks durch den südlichen Teil von Leinefelde. Am Mikro heißt es „One two one two“, bevor sich der Sprecher korrigiert und erneut ansetzt „Eins zwei, eins zwei“. Im Schatten von zwei NPD-Sonnenschirmen auf der Rückseite der Bühne warten Neonazis am Einlass auf die Besucher des „Heimattages“ mit dem Headliner „Die Lunikoff Verschwörung“. Flankiert werden sie von einem Werbebanner des bei Rechtsextremen beliebten Kleidungslabels „Erik and Sons“ und Neonazis mit schwarzen T-Shirts. Darauf prangen der Aufdruck „Security“ in Frakturschrift und zwei gekreuzte Stabgranaten als Symbol der „arischen Bruderschaft“. Ihr Vorbild ist das Wappen der berüchtigten SS-Sondereinheit Dirlewanger im damaligen NS-Deutschland. Ein Transparent mit der Aufschrift „Arische Bruderschaft“ soll im April 2005 auch hinter der Bühne des Schützenhauses im thüringischen Pößneck gehangen haben. Dort hatte Regener als ehemaliger Sänger der Rechtsrockband „Landser“ vor seinem Haftantritt ein Abschiedskonzert gegeben, zu dem mehr als 1.000 Neonazis gekommen waren.

In Leinefelde blieb der Besucheransturm aus: mit 400 Neonazis blieb die Zahl der Neonazis deutlich unter den von Heise angemeldeten 1500 Teilnehmern, auch der Auftritt des vermeintlichen Publikumsmagneten Regener alias Lunikoff musste ausfallen.

Bündnisdemonstration zeigt Neonazis die „Rote Karte“

Während auf dem Sportplatz der Soundcheck andauert, laufen auf dem zwei Kilometer entfernten Bahnhofsplatz in Leinefelde die letzten Vorbereitungen für die Demonstration gegen den „Heimattag“ auf Hochtouren. Während vorerst das Gerücht unter der Hand die Runde macht, der Auftritt von Regener falle aus, ist das Auftrittsverbot wenig später offiziell. Der Grund: im Rahmen seiner Bewährungsauflagen muss der 46-jährige Regener alias „Lunikoff“ mehrere Tage vor seinem Auftritt Ort und Zeitpunkt bekannt geben. Offenbar hatte es der Anwalt des rechtsextremen Musikers versäumt, die Frist einzuhalten, auch der Rechtsweg blieb erfolglos. Begleitet von einer Samba-Gruppe verleiht die Nachricht der Demonstration durch Leinefelde zusätzlichen Schwung.

Hinter dem Kopftransparent „Kein Platz für Nazis im Eichsfeld“ versammeln sich ungewöhnlich einträchtig Landes- und Kommunalpolitiker unterschiedlicher Couleur, Bürgermeister und Landrat, Gewerkschaften und Vertreter der großen christlichen Kirchen und der jüdischen Gemeinde. Selbst die anfangs misstrauisch beäugten Demonstranten aus dem Antifa-Spektrum ernten später ein offizielles „Danke“ des DGB-Sekretärs Sandro Witt. Nachdem der als Lautsprecherwagen umfunktionierte Pkw der Gewerkschaft seinen Geist aufgegeben hatte, konnte der Protestzug auf das Fahrzeug der Angereisten aus Niedersachsen zurück greifen. Auf dem anschließenden Kulturfest forderte Thüringens Sozialministerin Heike Taubert, Flagge gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus zu zeigen. „Die Rechtsextremisten dürfen nicht die Straßen erobern“, warnt die Ministerin.

„Ein akustischer Alptraum“

In Leinefelde scheitert für die Neonazis an diesem Tag selbst die Eroberung des Sportplatzes: am Nachmittag beziffert die Polizei die Teilnehmerzahl auf etwa 80 Personen, Familien fehlen bei dem „Familienprogramm“ mit Clown und Hüpfburg fast gänzlich. Kurzerhand wird das Rechtsrockkonzert vorgezogen, so dass das norddeutsche Neonazi-Trio „Words of Anger“ bereits um 18.00 Uhr auf der Bühne steht. Noch am Vorabend hatte die Band die 1995 gegründete Formation „Oidoxie“ aus Nordrhein-Westfalen bei ihrem Versuch unterstützt, in der regionalen Szene zu punkten. Nachdem der Band um Marko Gottschalk immer wieder vorgeworfen wurde, Konkurrenzveranstaltungen aufgezogen zu haben, stärkte „Oidoxie“ nun musikalisch die Vorabenddemo zum „Nationalen Antikriegstag“, in Leinefelde waren sie bereits kurz vor 20.00 Uhr bei der Zugabe angelangt.

Zur Qualität des Sounds scheint die ausgiebige Proben am Mittag nicht beigetragen zu haben, wie Klagen in entsprechenden Neonazi-Foren zeigen. Dort heißt es beispielsweise: „vom Schlagzeug war kaum was zu hören und die Gitarren krächzten ohne Gnade durch die Boxen – Ein akkustischer Albtraum! So einen schlechten Sound (…) habe ich wirklich noch nie gehört, nicht mal auf den miesesten Proberaumpartys“ (Rechtschreibefehler im Original). Die zeitliche Umstellung des Programms bietet zwar den Rechtsextremen auf dem Sportplatz ein adäquates Programm, dafür kommen die von Heise umworbenen Neonazis vom „Nationalen Antikriegstag“ in Dortmund zu spät zum Konzert.

Ohnehin nehmen nur höchstens zwei Busse mit Neonazis die lange Fahrt ins Eichsfeld auf sich und erleben statt des angekündigten Highlights einen Auftritt ohne „Lunikoff“. Regener steht zwar im Publikum, auf der Bühne wird seine Band aber von den Sängern der vorangegangenen Bands vertreten. Unterstützung erhalten sie vom Sänger der Formation „Tätervolk“, gegen die Musiker wird momentan wegen Volksverhetzung ermittelt. Zum Zeitpunkt des Auftritts haben sich einige Besucher bereits auf den Rückweg gemacht, „denn auch die Luni-Covershow konnte meine Laune nicht bessern“, wie ein Forenschreiber berichtet. Von Kommentaren der Besucher wie „sehr schwacher Abend“ oder „Etablieren muß sich der Eichsfeldtag in Zukunft für mich nicht“ lässt sich der Organisator Thorsten Heise offenbar nicht entmutigen. Ein Kommentator schreibt, der 42-Jährige habe bereits jetzt einen zweiten „Heimattag“ im September 2012 angekündigt.

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