Machtkampf in der NPD: Apfel startet offenbar durch

Der Machkampf in der rechtsextremen NPD scheint voll entbrannt: Nachdem der Schweriner Fraktionschef Udo Pastörs noch am Wahlabend mittelbar seinen Hut ins Rennen um den Parteivorsitz geworfen hatte, legt sein Konkurrent Holger Apfel aus Sachsen nach: Der hat nach Informationen von NDR Info bereits ein fertiges Personaltableau für den „33.ordentlichen Bundesparteitag“ in petto.

Von Stefan Schölermann NDRInfo

Stattfinden soll der Parteitag Mitte Oktober in Gera – wenn bis dahin eine geeignete Halle gemietet werden könne. In einem NDR Info vorliegenden Dokument hat Apfel offenbar seine Vorstellungen für die künftige Parteispitze niedergeschrieben – nicht nur seine –  das Papier ist überschrieben mit der Zeile“ Personalvorschläge des Landesverbandes Sachsen für den 33. Ordentlichen Parteitag“. Das Papier wurde offenbar bereits vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern verfasst.

Holger Apfel (Foto: J. Wrede)
Holger Apfel (Foto: J. Wrede)

Darin geht es ordentlich zur Sache – vor allem mit Noch-Parteichef Udo Voigt wird nicht sonderlich pfleglich umgegangen: Für ihn ist auf der sächsischen Vorschlagsliste kein finanziell wärmendes Pöstchen im Parteivorstand mehr vorgesehen. Wenige überraschend, dass diese Position in dem NDR Info vorliegenden Papier für Apfel selbst vorgesehen ist.

Ob sich Udo Pastörs mit diesem Vorschlag wird anfreunden können, darf mit Spannung erwartet werden- für ihn ist in dem Papier einer der drei Stellvertreterposten vorgesehen, die anderen beiden sind Karl Richter aus München und Frank Franz aus dem Saarland – beide dürften sich mühelos mit Holger Apfel im künftigen NPD-Vorstand arrangieren können.

Für einen, der nach der „Verschmelzung“ von NPD und DVU ganz vorne im NPD-Vorstand mitmischte, könnte die Politkarriere demnächst vorbei sein, wenn der Vorschlag aus Sachsen auf dem NPD- Parteitag eine Mehrheit finden sollte – den Ex-DVU- Chef Matthias Faust. Für ihn ist dem Apfel-Tableau keine Rückkehr in den Parteivorstand vorgesehen. Gleiches gilt für den langjährigen NPD-Vorstandsmitstreiter aus Niedersachsen, Ulrich Eigenfeld.

Die Vorschlagsliste der Sachsen-NPD liest sich ansonsten wie ein „ Who is Who“ der NPD:  Jörg Hähnel, Jens Pühse, Eckart Bräuniger, Patrick Wieschke, Frank Schwerdt, Stefan Köster, Arne Schimmer, Ingmar Knop, Michael Schäfer, Andreas Storr, Andy Knape, Wolf Lehner und Ronny Zasowk. Einzige Frau auf der Liste ist Birgit Fechner.

Ob Apfel diesen Personalvorschlag wird durchsetzen können, steht in den Sternen. In rechtsextremen Kreisen gilt „ Königsmord“ als wenig schicklich – und von Noch-Parteichef Udo Voigt war im Berliner Landtagswahlkampf zu erfahren, dass er förmlich darauf brenne „Gas zu geben“. Die Entscheidung über Voigts Zukunft dürfte also in der Hauptstadt fallen.

Ob sich altgediente NPD- Kämpen wie Manfred Börm und Ulrich Eigenfeld eine Abwahl aus dem Vorstand so sang- und klanglos gefallen lassen, steht ebenfalls in der Sternen. Vor allem der als zurückhaltend geltende Eigenfeld, seit Jahrzehnten der NPD treu verbunden, gilt als einer der besten Kenner des NPD- Innenlebens. „Der hat über jeden in der NPD-Szene etwas in seinem Keller“, heißt es aus Parteikreisen. So könnte auf die offene Feldschlacht um den Parteivorsitz durchaus eine Schlammschlacht um die Macht in der Partei folgen.

Siehe auch: Folgt auf den Wahlsieg der Machtkampf?