Produktion von Populärmythen am laufenden Band

Die Erstauflage des Buches „Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September. Neue Varianten eines alten Deutungsmusters“ von Tobias Jaecker erschien bereits im Jahre 2004. Der Inhalt des Buches ist aber nach wie vor sehr aktuell. Gerade zum 10. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center in New York und dem Pentagon in Washington, lohnt ein Blick in das Buch und die Beschäftigung mit der Thematik. An diesem Jahrestag werden auch in Deutschland wieder Demonstrationen stattfinden, die sicher auch Verschwörungstheoretiker anziehen werden.

Von Jochen Böhmer für NPD-BLOG.INFO

So ist z. B. in Karlsruhe am 10. September eine Demonstration geplant, die von der, in dieser Hinsicht, berühmt-berüchtigten Band, „Die Bandbreite“ bis zum genauso berüchtigten Kopp-Verlag (u. a. mit Eva Herman) beworben und unterstützt wird.

CNN Special Report über die Anschläge vom 11. September 2011
CNN Special Report über die Anschläge vom 11. September 2011

Darüber hinaus glauben auch heute noch etwas mehr als 20 % der deutschen Bevölkerung an eine Mitwisserschaft bzw. Mittäterschaft der US-Regierung. Andere Umfragen kommen zu noch eindeutigeren Ergebnissen. Ob die Berichterstattung zum 10. Jahrestag zu einer Zunahme oder eher zu einer Abnahme solcher Einstellungen führt, kann von dieser Stelle aus noch nicht beurteilt werden. Selbst wiederholte Selbstbezichtigungen von Al-Qaida, zum Beispiel aus dem Jahre 2008, lassen die Stimmen der Verschwörungstheoretiker keineswegs verstummen.

Das Buch selbst geht diskursanalytisch vor. Es geht also nicht darum, die Argumente von Verschwörungstheorien „wissenschaftlich“ zu widerlegen, sondern um die Einordnung der Texte, Bilder und Diskurse, die in solchen Theorien mitschwingen. Für eine Widerlegung von Verschwörungstheorien mit Fakten sei u. a. auf den Spiegel, 37/2003, S. 58 – 76, auf das ARD-Magazin Panorama vom 21.08.2003  oder auch auf die Überblicksseite und die am Ende der Seite stehenden witerführenden Links bei Wikipedia verwiesen. Offizielle Informationen der US-Regierung zu Argumenten gegen Verschwörungstheorien gibt es hier.

Im Buch werden zunächst theoretische und historische Hintergründe zum Themenkomplex Antisemitismus und Verschwörungstheorien erklärt. Durch das Mehr an Kommunikationsmöglichkeiten (Internet, Massenmedien) sind keineswegs Strukturen entstanden, die Verschwörungstheorien immer weiter marginalisieren. Im Gegenteil: Die Massenmedien „produzieren ungeniert Populärmythen am laufenden Band, darunter beliebte Enthüllungen über tatsächliche und vermeintliche Machenschaften verschiedenster Art.“ (T. Jaecker, Antisemitische Verschwörungstheorien nach dem 11. September, S. 19) Besonders das Internet hat sich in den letzten Jahren zum „zentralen Tummelplatz für Verschwörungstheoretiker“ (ebda.) entwickelt. Aber keine Frage, auch die US-Regierung hat mit der Art und Weise, wie z. B. der Irakkrieg gerechtfertigt wurde, „reichlich Anlässe für Misstrauen geliefert“ (ebda., S. 178). Fragen blieben offen und der „Hunger nach Interpretation“ bei vielen Menschen konnte nur „unzureichend gestillt“ (ebda., S. 178) werden. Diese Lücken untermauern möglicherweise auch das kleine „Körnchen Wahrheit“ (ebda., S. 16), dass in den Verschwörungstheorien steckt und aus dem die vermeintliche Legitimation solcher Theorien stammt.

Reproduktion von Feindbildern

Verschwörungstheorien zeichnen sich nun einmal dadurch aus, dass eine solche Theorie dem Weltgeschehen einen scheinbaren Sinn verleiht. Sie bedient also ein psychologisches und soziales Bedürfnis im einzelnen Subjekt. Sie bieten eine „geschlossene ideologische“ (ebda., S. 17) Welterklärung an, die durch die Reproduktion von Feindbildern gefährlich wird. Das ist ein zentraler Unterschied zu „legitimen Deutungsversuchen, Spekulationen und Fragen“ und einer berechtigten „Kritik an Regierungen und Entscheidungsträgern“ (ebda., S. 16/17). Ein weiterer Punkt ist die Tatsache, dass die meisten Verschwörungstheorien mit Personifizierungen arbeiten. Dies bedeutet, dass komplexe gesellschaftliche Vorgänge auf das Handeln einzelner Personen oder Gruppen reduziert, also „Schuldige“ präsentiert werden.

Verschwörungstheorien sind im Internet verbreitet.
Verschwörungstheorien sind im Internet verbreitet.

Gerade diese Punkte machen die Juden zum prädestinierten „Opfer von Verschwörungstheorien“ (ebda., S. 10). Wenn man darüber hinaus noch Adornos Diktum vom Antisemitismus als „Gerücht über die Juden“ (ebda.) denkt, wird einem das immer wiederkehrende Muster von Verschwörungstheorien noch klarer. Tobias Jaecker beschreibt anhand vieler Beispiele, wie das antisemitische Weltbild und das verschwörungstheoretische Denken aneinander andocken. Das untermauert der Autor einerseits mit historischen Beispielen (u. a. Protokolle der Weisen von Zion), ist aber andererseits auch durch die Grundstruktur des antisemitischen Weltbildes bereits bedingt. Denn „Personifizierung, Manichäismus und [die] Konstruktion identitärer Kollektive“ (ebda., S. 28) findet man hier wie dort.

Nach einer kurzen Einführung in die Technik der Diskursanalyse, sowie die Vorstellung der untersuchten Quellen und Medien, widmet sich der Autor nun den drei wichtigen Themenkomplexen, die er für seine Arbeit ausgewählt hat: Die Terroranschläge vom 11. September, den Nahost-Konflikt und den Irak-Krieg. In jedem dieser drei Abschnitte werden die häufigsten Diskurse genannt und abgearbeitet. Zum Abschluss eines jeden Kapitels widmet sich Jaecker einer Detailanalyse eines Textes (ein „´idealtypisches´ Diskursfragment“,
ebda., S. 65) zum jeweiligen Diskursfeld.

Im ersten Diskursfeld (den Terroranschlägen vom 11. September) geht es z. B. um die „Warnungen des Mossad“, die ein „angebliches Insider Wissen des Mossad“ (ebda., S. 68) konstruieren. Beim zweiten Komplex (dem Nahost-Konflikt) geht es u. a. um die angebliche Äußerung Ariel Scharons vom „totalen Krieg“ (ebda., S. 98 ff.) oder um die angeblich mächtige „jüdische Lobby“ (ebda., S. 110 ff.) in den USA. Im dritten diskursanalytischen Beitrag (Irak-Krieg) geht es u. a. um die Wahrnehmung der „Neocons“ (ebda., S. 132 ff.) in den USA und den darin enthaltenen Zuschreibungen, z. B. an Personen wie Paul Wolfowitz (ebda., S. 150 ff.). In allen drei untersuchten Diskursfeldern stellte sich heraus, dass antisemitische Zuschreibungen (also von einer angeblichen „jüdischen Allmacht“ oder von einer „jüdischen Rachsucht“) immer wieder auftauchen und in allen Medien, die den „Mainstream“ (ebda., S. 64) des deutschen Mediendiskurses abbilden, vorkamen.

Zum Schluss des Buches betont der Autor noch einmal, dass es ihm um die Präsentation des „diskursiven Zusammenhangs“ (ebda., S. 170) geht und nicht um eine Kritik an einzelnen Zeitungen oder Medien. Auch der Terroranschlag selbst ist nicht Gegenstand des Buches. Genauso wenig sollen alle Deutungen zum 11. September dargelegt werden, sondern lediglich die, die im „antisemitisch-verschwörungstheoretischen“ (ebda.) Kontext von Interesse sind. Gemeinsamer Nenner vieler solcher Texte weisen auf den alten Mythos einer „jüdischen Weltverschwörung“ (ebda.) hin: Sei es, wenn der Aggressor im Nahost-Konflikt eindeutig scheint, oder wenn der Profiteur von den Anschlägen bzw. vom Irak-Krieg feststeht: die Israelis und/oder die Juden.

Die Besonderheit der „nationalen Selbstversöhnung“

Besonders interessant ist darüber hinaus noch die deutsche Besonderheit beim Antisemitismus, nämlich die Besonderheit der „nationalen Selbstversöhnung“ (ebda., S. 180), wie Jaecker schreibt. Primär die „Täter-Opfer-Umkehr“ (ebda.) ist hierzulande ein zentrales Merkmal antisemitischer Verschwörungstheorien. Denn mit solchen verschwörungstheoretischen Argumenten kann man gerade in Deutschland ganz gut den „Entschuldungsdiskurs“ (ebda.) unterstützen, damit das Land, welches die Shoah zu verantworten hat, endlich auch als „normale“ Nation anerkannt werden kann. Denn: „Um eine ´normale´ Nation zu sein, braucht Deutschland eine ´einigende Ideologie´, mit der es sich von seinen einstigen Opfern (den Juden) und deren Rettern (den Amerikanern) abgrenzen kann.“ (ebda., S. 181)

Weitere Informationen sind auch auf der Homepage des Autors des Buches nachzulesen: www.jaecker.com

Siehe auch: Legenden nach 9/11: Masse statt Qualität, Der Beitrag von ttt am 10. Juli 2011 in der ARD, Verschwörungstheorien im Internet: Eindeutig, scheinbar schlüssig – und kaum zu widerlegen (Interview von Patrick Gensing mit Tobias Jaecker), Von einer vereinfachten Weltsicht und Verschwörungstheorien, Neonazis besorgt: Halbe Hähnchen machen schwul!, Querfront: Rosa Luxemburgs Erben für Rudolf Heß

5 thoughts on “Produktion von Populärmythen am laufenden Band

  1. Ich finde es schon etwas problematisch, Zweifel an der offiziellen Version pauschal in eine rechtsradikale/antisemitische Ecke zu stellen und dazu ausgerechnet „Informationen der US-Regierung“ als Beleg heranzuziehen…

  2. qttxxx666
    Das größte und feigste Verbrechen der Nachkriegszeit,fand nun mal in den USA statt am 11.9 2001.
    Wo kommt den das ganze Gemecker her vorwiegend aus der rechten Ecke,Antisemitismus ist dort nun mal zu Hause.
    Etliche Theorien der Verschwörungs-Rüben konnten ganz simpel wiederlegt werden,das ist nun mal Fakt,das WTC-brach deswegen zusammen weil die Stahlträger durch die Hitze bei 1500C spröde und instabil werden und das Eigengewicht in sich zusammenfällt.
    Die Tanks einer Boeing 757 fast etliche tausend Liter Kerosin und das hat einen heißen Brennwert.(Keine Sprengung)
    Ziemlich unwahrscheinlich wie jemand behauptet 5000 Juden wurden vorgewarnt,so viele Menschen jüdischen Glaubens laufen nicht mal in ganz NY rum geschweige in einen Gebäude (Märchen)
    Sowas können die Theoretiker einer verschwägerten Bekannten erzählen die schon vor vieeeelen Jahren offensichtlich in BIO gepennt hat und meint der Mensch hätte 2.Wirbelsäulen,die ist schon 58.Jahre alt und leider auch braun angestrichen.
    Die Untersuchungs-Behörden arbeiten mit Architekten,Statikern und anderen Fachleuten zusammen,die nichts mit Politik zu tun haben.
    Ständig kommt ein neuer Besserwisser um die Ecke das nervt!!!

  3. http://www.ds-versand.de/
    So Beweis Nr.1 sollte man mal reingucken was der Versand der Deutschen Stimme zum Thema 9/11 vor Shirts in Bezug zur Lunikoff-Verschwörung zum Pressefest raus brachte das ist ja wohl Beweis genug !!??
    Wie krank müssen die bekloppten Vollpfosten denn sein???
    Soweit ich weis ist die Nazi-Band verboten bzw.viele „Lieder“ stehen auf den Index.
    Das Coverbild der neuen CD „Lunikoff-Verschwörung-L-Kaida erzählt schon was die Nazis zu 9/11 meinen,sie verehren die 19. Attentäter und machen sich über das Verbrechen lustig mit solchen Shirts und Cover-Postern,was einen Soldaten-vermutlich zeigt in einen kleinen Flugzeug was über Hochhäusern fliegt.
    Da sollte mal der Staatsschutz sich mal hinterklemmen.
    Solch kranker Mist wird über den Verlag der Deutschen Stimme vertrieben.
    Wenn das nicht strafbar ist glaube ich an UFOS und Aliens die 2.Wirbelsäulen haben und trage wieder Pampers.

  4. Vielen Dank @Martsky.
    Um sowas ans Tageslicht zu bringen muss ich auch leider auf die Web-Seiten der Nazis zugreifen um auf aktuelle Themen die „Denkweisen“ dieser Irren raus zu bekommen,manchmal kann einen bei den Hetzkram übel werden,dann mache ich das öffentlich,vor allem wenn eine Strafrelewaz beinhalten könnte.
    Ich konnte den 2.Einschlag damals live im Fernsehen sehen da ja die Sondersendung zum 1.Einschlags auf RTL lief.
    Ich beschäftigte mich dann seit dem mit diesen superfeigen Angriff von diesen durchgeknallten und fehlgeleiteten Religionsfanatikern um den Oberguru Osama Bin Laden der Al-Kaida leitete und die 19.Terroristen 1.Jahr zu vor schon auf den Dschihad gegen die Westliche Welt mobil machte.
    Auch kann ich mich in die Passagiere der 4.entführten Flugzeuge hinnein versetzen,wenn man sieht 4-5 Hijagger schlachten vorne die Piloten ab und schmeißen die im Gang da weis jeder das man nie wieder Heim kommt und im Feuer stirbt.
    Ich bin zwar nur Krankenschwester und hatte was das statische Verhaltens der Gebäude WTC in guten Reportagen angesehen und im Netz nachrecherchiert um zu wissen das dort keine „Sprengung“ stattfand,was man kettenmäßig puffen sieht sind die platzenden Fenster die durch den Druck der nachgebenden Struktur des Gebäudes kurz vor und während des Kollapses der Türme das passiert immer.
    Auch sprach mal einer was von Drohnen die dort einschlugen,seit wann sitzen Passagiere in Drohnen.Drohnen sind kleine unbemannte Flugzeuge die zur Aufklärung meist eingesetzt werden, in einer Größenordnung einer 757 gibt es keine Drohnen.
    Da versuchen die Verschwörungs-Theoretiker einen zu verarschen nur zu dumm wenn einige in der Schule schon aufgepasst haben und in Physik und Chemie schon hinhörte.
    Das gleiche Gewinsel der Rechten geht ja auch schon bei den Massaker von Oslo und Utöye schon los,Breivik wird auch schon als „Held“ gefeiert,zu mindest bei einigen Nazis.
    Solche verbrecherischen Taten müssen aufgeklärt werden!!!
    Ich stehe immer zu meiner Meinung und das ist auch gut so.
    Wenn mich was interessiert oder mich für oder gegen etwas engagiere „seziere“ ich buchstäblich den Sachverhalt um nicht in ei Fettnäpfchen zu treten wie meine beschränkte Schwägerin mit einer Schülerin die von der die Zustimmung bekam ohne Scheiß „Ja an der rechten Wirbelsäule“

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