Pastörs wirbt vor Schülern mit Nazi-Parole

Die NPD rühmt sich, besonders bei Jugendlichen gut anzukommen. Doch hier scheint einmal mehr der Wunsch Vater des Gedanken zu sein. Vor einem Supermarkt in Ferdinandshof hielt NPD-Fraktionschef Udo Pastörs unaufgefordert einen rund 17-minütigen Monolog vor einer Schulklasse, lediglich unterbrochen von wenigen Fragen des Lehrers sowie zweier Schüler. Pastörs machte dabei keine gute Figur, die Schüler langweilten sich offensichtlich schnell. Pastörs setzte derweil auf die Nazi-Parole „Kraft durch Freude“. Der NPD droht nun ein rechtliches Nachspiel, da die Persönlichkeitsrechte der Schüler wohl verletzt wurden.

Von Patrick Gensing

Udo Pastörs vor einer Schulklasse in Ferdinandshof (Screenshot YouTube)
Udo Pastörs vor einer Schulklasse in Ferdinandshof (Screenshot YouTube)

Pastörs wies in seinen Ausführungen immer wieder darauf hin, dass gegen die NPD gehetzt werde und niemand mit ihr rede. Ein absurdes Schauspiel, denn gleichzeitig hing über den Köpfen der 9. Klasse ein Wahlplakat der Rechtsextremen, zudem ließen sich die Schüler gerade den Quasi-Monolog von Pastörs über sich ergehen. Begeisterung kam dabei aber nicht auf, schon nach wenigen Minuten drehten sich Schüler gelangweilt um, eine Jugendliche schaute ungeduldig auf ihre Armbanduhr.

Pastörs versuchte derweil, den Schülern zu erklären, warum die EU eine Diktatur sei und sprach von Kommissaren – so wie bei Stalin. Verständnislose Gesichtsausdrücke bei den Schülern. Zudem benutzte der Rechtsextremist die Nazi-Parole „Kraft durch Freude“.

Nach gut zehn Minuten schien aber auch Pastörs zu merken, wie wenig seine Ausführungen ankommen – und er versuchte die Kurve zu kriegen, präsentierte sich als „Vollblutpolitiker“, der mit den „Blockflöten“ nicht zu tun haben wolle. „Die Politiker verarschen Euch von vorne bis hinten“, gab Pastörs den Schülern mit auf den Weg, die im Folgenden aber nicht nach bösen Ausländern, sondern faulen Deutschen fragten – was Pastörs mit Statistiken über Kriminalität von Nicht-Deutschen in Großstädten wenig gekonnt konterte.

Persönlichkeitsrechte offenbar verletzt

Erstaunlich, dass die NPD dieses Video dennoch online gestellt hat, denn der ganze Auftritt Pastörs überzeugt nicht. Offenbar will die Partei noch einmal Schlagzeilen produzieren – was ihr aber rechtliche Probleme einbringen dürfte. Denn die NPD drehte die ganze Szenerie offenbar, ohne die Persönlichkeitsrechte von Lehrer und Schülern – konkret deren Recht am eigenen Bild – zu beachten. Eine besonders sensible Angelegenheit bei Jugendlichen, besonders was die Verbreitung der Bilder im Internet angeht. Bei Fernsehdrehs wird zumeist ein Einverständnis für eine einmalige Ausstrahlung gegeben, Rechte für das Netz sind hingegen die Ausnahme.

Die NPD habe das Filmmaterial drehen lassen, ohne dass die Einwilligung der Betroffenen vorgelegen habe, berichtet der Nordkurier. Im Hinblick auf die Fürsorge- und Aufsichtspflicht der Schule sei ein Medienanwalt eingeschaltet worden, hieß es demnach aus dem Bildungsministerium. Er soll prüfen, ob die rechtsextremistische Partei den Mitschnitt von den Kindern weiter zur Wahlwerbung missbrauchen darf. Bildungsminister Henry Tesch (CDU) will laut Nordkurier heute die Schule besuchen, um ein Gespräch mit der Klasse zu führen.

Siehe auch: NPD-Wahlkampf: Handschrift des “Führers” zu erkennen

*Fehler in der Überschrift korrigiert!

 

18 thoughts on “Pastörs wirbt vor Schülern mit Nazi-Parole

  1. P.S.

    Können Sie bitte weitere Fälle benennen, bei denen Sie „Politische Korrektheit“ und „Scheuklappenmentalität“ beobachtet haben? Bitte erklären Sie diese Begriffe, das erschließt sich nicht ganz.

  2. Plakate-schau ist ja in Ordnung,kein Problem da können sie ja vom Lehrer erklärt werden.
    Um die jugendlichen gegen Rechtsextremismus und deren Auswüchse und vor allem die Geschichte könnte man ja eine Gedenkstätte oder ein ehemaliges KZ z.B Buchenwald oder Sachsenhausen ansehen.
    Man könnte auch an solchen Organisationen wie Exit,oder Gewaltopfer Rechtsextremer besuchen die bereit dazu sind.
    Aussteiger aus der Szene könnten vielleicht auch mal angefragt werden,ob sie die Schule mal besuchen und in der Aula vor möglichst vielen Schülern Auskunft geben,es gibt bestimmt Leute die gerne sich bereiterklären würden um die Jungen Menschen andere und bessere Wege als die Nazi-Szene aufzeigen.

  3. Verrückt:

    Bei 3:13 erklärt Pastörs Ausbeutung mit Hilfe der Marxschen Mehrwerttheorie. Und schafft es innerhalb von 40 Sekunden auf „Kraft durch Freude“ zu kommen.

    Auch großartig:

    „Wie versuchen, verschiedene soziologische Gruppen anzusprechen“

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