„Ausgeblendet? Der Holocaust in Film und Literatur der DDR“

In der DDR entstanden zahlreiche Filme und Romane zum Nationalsozialismus. Warum in diesen die Massenvernichtung der Juden kaum thematisiert wurde, hinterfragte das Projekt „Ausgeblendet?“ in einer Reihe von Veranstaltungen. Die Ergebnisse werden nun in einer Broschüre und umfangreichen Arbeitsmaterialien veröffentlicht.

Von Konstanze Ameer, AAS

Eine grundsätzliche und offene Auseinandersetzung mit der Darstellung des Holocaust in Film und Literatur der DDR war Ziel des von der DEFA-Stiftung und der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur geförderten Projekts „Ausgeblendet?“. Unter dieser Prämisse fanden im vergangenen Jahr Lesungen und Filmvorführungen mit anschließender Diskussion in verschiedenen Städten Deutschlands statt. Hier diskutierten Interessierte, ZeitzeugInnen der DDR, SchülerInnen und ExpertInnen oft lange und intensiv über den Antifaschismus der DDR.

Unlängst hat Kulturstaatssekretär Bernd Neumann (CDU) auf ein seit Jahren bestehendes Defizit verwiesen: Das Wissen über die DDR, insbesondere bei Schülerinnen und Schülern, ist erschreckend gering. Auch Studien, wie die des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin, belegen immer wieder, wie wenig Wissen insbesondere bei Jugendlichen über die DDR vorhanden ist.

Um die Auseinandersetzung mit Literatur und Filmen aus der DDR nachhaltig zu fördern und einen wesentlichen Aspekt des DDR-Selbstverständnisses, den Antifaschismus, auch jungen Erwachsenen und Jugendlichen näher zu bringen, entstand im Rahmen des Projektes die Broschüre „Ausgeblendet? Der Holocaust in Film und Literatur der DDR“. Sie soll dazu dienen, die begonnene Auseinandersetzung nachhaltig zu gestalten und die angestoßenen Diskussionen auch in die Bildungsarbeit zu tragen. Die Broschüre wendet sich ebenso an Lehrerinnen und Lehrer wie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren im außerschulischen Bereich.

Ausblendung des Holocaust?

In keinem anderen Staat wie der DDR wurden so viele literarische und filmische Werke veröffentlicht, die sich dem antifaschistischen Genre verpflichtet sahen. Mit Arbeitsmaterial zu fünf, zumeist kanonischen Werken wie „Nackt unter Wölfen“, „Jakob der Lügner“ oder auch „Sterne“ will das „Ausgeblendet?“-Projekt eine Einblick in die Vielfalt dieser Werke geben und gleichzeitig dazu anregen, zu untersuchen, wie in filmischen und literarischen Werken der DDR der Holocaust thematisiert und dargestellt wurde. Denn Kritikerinnen und Kritiker innerhalb und außerhalb der DDR merkten immer wieder an, dass trotz der Antifaschismus-Thematik die Vernichtung der europäischen Juden in vielen dieser Werke kaum oder gar nicht behandelt wurde.

Das Material stellt, ebenso wie die Veranstaltungen im ersten Projektabschnitt 2010, die Frage, welche Gründe sich für diese Ausblendung ausmachen lassen. Neben dem konkreten Arbeitsmaterial mit detaillierter Schrittfolge findet sich in der Broschüre eine kurze Einführung in den zeitlichen Kontext in dem die ausgewählten Werke entstanden. Ergänzt wird das ganze durch eine reichhaltige DVD. Hier finden sich alle benötigten Arbeitsmaterialien als Kopiervorlagen, ebenso wie Hintergrundtexte zu Themen, die im Vorfeld oder im Nachklang zu den Seminaren von den MultiplikatorInnen gelesen werden können. Ein Bonbon sind die Filme und Hördateien, in denen ZeitzeugInnen und ExpertInnen zu einschlägigen Themen interviewt werden.

Gegen eine Gebühr von fünf Euro kann die Broschüre bei der Amadeu Antonio Stiftung bestellt werden.

Unter folgendem Link kann das Material (ohne Filme und Hördateien) heruntergeladen werden:
Broschüre
Arbeitsmaterial

Siehe auch:  Adolf Eichmann – der Stratege der Vernichtung, Tag der Befreiung: Der rechte Opfermythos lebt

2 thoughts on “„Ausgeblendet? Der Holocaust in Film und Literatur der DDR“

  1. So wichtig das Thema auch ist. Das ganze unter dem Obermotto „Aufarbeitung der SED-Diktatur” zu machen, hinterlässt den unschönen Beigeschmack dass es vielleicht doch eher um den „Wer hat das dritte Reich besser aufgearbeitet”-Schwanzvergleich, als um die Opfer des Holocausts gehen könnte.

    Wobei die Amadeu Antonio Stiftung fit genug sein sollte um nicht in die Extremismus-Falle zu tappen.

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