Die schönsten Wahlniederlagen der NPD

Die Liste der NPD-Wahlniederlagen ist lang, am Sonntag könnte ein neuer Eintrag folgen: Jüngste Umfragen sahen die Neonazi-Partei bei 4,5 bis 5,0 Prozent. Es wird also eine braune Zitterpartie. Die NPD gibt sich unbeirrt optimistisch, ihr Ziel: mindestens 8 Prozent. Nicht das erste Mal, dass die Rechtsextremen etwas zu hohe Ziele anpeilten.

Von Patrick Gensing

Niedersachsen

In Niedersachsen wollte die NPD bei der Landtagswahl 2007 sechs Prozent plus X holen. Die Partei mobilisierte ihre relativ bescheidenen Kräfte in das flächenmäßig zweigrößte Bundesland, beruhigte Konflikte in der rechtsextremen Bewegung und beschwor immer wieder das Ziel: Den Einzug in den Landtag von Hannover schaffen. Dazu führten CDU und SPD einen unaufgeregten Wahlkampf, so dass kleine Parteien durchaus die Chance hatten, auf sich aufmerksam zu machen.

NPD-Chef Udo Voigt, Andreas Molau (heute Pro), der damalige DVU-Chef Faust (heute NPD-Vize)
NPD-Chef Udo Voigt, Andreas Molau (heute Pro), der damalige DVU-Chef Faust (heute NPD-Vize)

1,5 Prozent – so das Ergebnis für die Rechtsextremisten, der damalige NPD-Hoffnungsträger Andreas Molau (heute als „Verräter“ beschimpft) holte in seinem Wahlkreis noch weniger Erststimmen. Danach herrschte offenbar in der Partei der Schockzustand – Reaktionen auf die Wahl gab es aus Niedersachsen erst zwei Tage danach. Und auch die waren von Hilflosigkeit geprägt, im Umfeld der Partei wurde darüber diskutiert, “den Westen aufzugeben”. Mittlerweile gilt die NPD in Niedersachsen als nicht mehr kampagnenfähig, zuletzt blamierte sich die NPD virtuell durch ihre amateurhafte Internet-Seite zur anstehenden Kommunalwahl in dem Bundesland.

Hessen

Einen selbst für NPD-Verhältnisse bizarren Wahlkampf führte der Landesverband Hessen im Jahr 2008 auf. Unter dem Vorsitzenden Marcel Wöll mutierte der NPD-Landeschef in einem Video zum Retter der unterdrückten Gartenzwerge. Der Lohn für diese braune Slapstick-Einlage war überschaubar, nicht einmal ein Prozent sollte es werden.

Im Folgenden verließen alteingesessene Rechtsextreme das Bundesland und machten nach Mecklenburg-Vorpommern rüber, da man dort unter Deutschen leben könne. Allerdings wurde das Ehepaar Zutt später auch von den ach so kameradschaftlichen Deutschen in der NPD ganz schön gelinkt, aber das ist eine andere Geschichte. Um die NPD in Hessen ist es nach diesem Wahlkampf relativ ruhig geworden. Parteifreie Kräfte machten eher von sich reden.

Saarland

Fast schon vergessen: Im Saarland wollte die NPD im Jahr 2009 in den Landtag einziehen. NPD-Landeschef Frank Franz erzählte ein Jahr vor der Wahl:  “Wir können den steigenden Zuspruch deutlich spüren. Vorher mussten wir die Bürger ansprechen und hatten nur bescheidenen Erfolg, unsere Werbemittel zu verteilen. Inzwischen kommen viele Bürger von selbst an unsere Informationsstände und möchten Informationsmaterial mitnehmen”, so der Landesvorsitzende der NPD Saar. Sollte diese Beobachtung tatsächlich mehr als Wunschdenken sein, stellt sich noch die Frage, ob die Leute die Neonazi-Propaganda nicht gleich im nächsten Mülleimer versenkt haben. Franz gab sich aber „fest davon überzeugt, dass die NPD nächstes Jahr in den Landtag einziehen wird”.

"NPD ...aus der Mitte des Volkes" (Copyright: auf Anfrage)

Nun, es kam auch hier anders – 1,5 Prozent reichten „nicht ganz“ zum Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Franz gilt dennoch weiter als ambitionierter Kader in der NPD – wären da nicht seine Avancen zum Rechtspopulismus, die wahnhaften Antisemiten in Neonazi-Kreisen, die bei PRONRW bereits eine „Israel-Connection“ am Werk sehen, schlaflose Nächte bereiten.

Thüringen

Im Landtagswahlkampf 2009 mobilisierte die NPD alle Kräfte. Dutzende Kundgebungen und Infostände in ganz Thüringen fanden statt, Tausende Wahlzeitungen und Flugblätter landeten in den Thüringer Haushalten. Mehr als 160.000 Euro soll die NPD dabei verausgabt haben, berichteten Szene-Kenner. Eine Summe, die für die Sicherheit spricht, mit der man den Einzug in den Landtag einplante. Trotzdem sollte es nicht reichen. Die Wahlergebnisse der vorherigen Kommunalwahlen stellten sich in etwa ein. In zehn von 44 Wahlkreisen kam die NPD über die fünf Prozent hinweg, was unter dem Strich etwa 4,3 Prozent landesweit bedeutete. Schlimm genug, dass eine Partei wie die NPD solche Ergebnisse überhaupt erzielen kann – doch für die Partei war es ein Schock. Intern war offenbar fest mit einem Einzug in den Landtag gerechnet worden. Auch in Thüringen setzte die Pleite dem Landesverband stark zu, die Partei gilt finanziell und personell als angeschlagen.

Sachsen-Anhalt

Nirgendwo sonst war sich die NPD so sicher wie hier, den Einzug in einen dritten Landtag zu erreichen und so eine Achse Schwerin, Magdeburg, Dresden etablieren zu können. Um nichts dem Zufall zu überlassen, wurde der Sächsische NPD-Fraktionschef Holger Apfel als Wahlkampfleiter eingesetzt. Im Wahlkampf selbst kamen Kameraden aus mehreren Bundesländern nach Sachsen-Anhalt, um Plakate aufzuhängen, Zettel zu verteilen oder Info-Stände zu unterstützen. Auch in Umfragen stand die Partei gut da. Doch eine Woche vor der Wahl veröffentlichte tagesschau.de und NPD-BLOG.INFO Auszüge aus einem Internet-Forum, in dem der NPD-Spitzenkandidat Matthias Heyder aktiv war. Das Forum hatte es in sich: Anleitungen zum Bombenbau, Aufrufe zur „Schändung“ von linken Frauen – und eine intensive Debatte über die NPD-Wahlkampfstrategien zur Landtagswahl. Welche Auswirkungen die Enthüllungen tatsächlich hatten, lässt sich nicht messen, geholfen haben dürften die Äußerungen von „Junker Jörg“ der NPD auf keinen Fall. Und so standen letztendlich 4,6 Prozent auf der Habenseite der Neonazis.

Aufräumen, wo gar nichts los ist: Wahlplakat der NPD in Sachsen-Anhalt.
Aufräumen, wo gar nichts los ist: Wahlplakat der NPD in Sachsen-Anhalt.

Auch in Sachsen-Anhalt verfiel die Partei in Schockstarre, schließlich zeigte der Landesverband fast schon Auflösungserscheinungen. In dem Bundesland hatte die NPD ganz auf ihre vermeintliche Erfolgsstrategie gesetzt, sich nach außen bürgerlich zu geben, intern aber radikale Nachwuchskräfte an die Spitze zu holen. Alles vorbei. Die NPD in Sachsen-Anhalt wählte im Juni 2011 bei einem Landesparteitag in Halberstadt mit Peter Walde einen neuen Parteivorsitzenden. Zudem tauschte die Neonazi-Partei fast ihre komplette Führungsspitze aus. Der bisherige Parteichef Matthias Heyder, sein Stellvertreter Matthias Gärtner – der Student ist Bundesschulungsleiter der NPD-Jugendorganisation – und Organisationsleiter Philipp Valenta (auch er ist Student) seien nicht mehr im Landesvorstand, hieß es laut Medienberichten. Ein Generationswechsel der besonderen Art: Junge Kader gehen, ältere Semester, extern kaum bekannt, werden installiert. Seitdem hört man nur noch wenig von der NPD in Sachsen-Anhalt.

Fazit: Hohe Ziele, tiefer Fall

Auffällig ist: Die härtesten Niederlagen der NPD gehen fast immer einher mit einem Spitzenkandidaten, der sich intern besonders empfehlen möchte – und daher besonders hohe, sprich besonders unrealistische, Ziele ausgibt. Die jeweiligen Landesverbände werden für die Wahlkämpfe bis auf das Äußerste strapaziert, was personellen Einsatz und auch die Finanzen angeht. Werden die hohen Ziele dann nicht erreicht, herrscht doppelter Frust: Ambitionierte Kandidaten suchen oft das Weite, der Landesverband bleibt auf finanziellen Lasten sitzen, die Stimmung ist im Keller. Die Arbeit der NPD ist in den folgenden Monaten bis Jahren größtenteils gelähmt.  Die desolate Lage der NPD nach den Niederlagen verursacht bisweilen zudem, dass „parteifreie“ Strukturen, also „Kameradschaften“ oder Neonazi-Banden, erstarken. Die Partei verliert in Neonazi-Kreisen schlicht an Attraktivität.

Und Mecklenburg-Vorpommern?

Pastörs bei seiner Hetzrede in Saarbrücken im Jahr 2009 (Screenshot YouTube)

Selbst bei einem Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde steht die NPD nicht vor dem Nichts, denn bei der zeitgleich stattfindenden Kommunalwahl dürfte die Partei erneut zahlreiche Mandate holen. Die Strukturen in dem Bundesland sind zudem über Jahre in der Kameradschaftsszene gewachsen, dürften also nicht komplett auseinanderbrechen, sollte sich die Fraktion im Landtag in Luft auflösen.

Dennoch wäre es zweifelsohne ein harter Schlag für die NPD, sollte sie an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Zum einen würde der Staat ihr keine Fraktion mit Büros und zahlreichen Mitarbeitern finanzieren müssen. Diese professionelle Infrastruktur, in der Kader von Beurf Neonazi sein können, würde komplett wegbrechen. Und, dies wäre langfristig vielleicht noch einschneidender für die Partei: Ihre Strategie, sich im Osten festzubeißen, eine braune Graswurzelrevolution voranzutreiben, würde vor dem Scheitern stehen. Sicher: Die NPD sitzt in vielen Kommunalparlamenten, doch wie will die Partei ihren Anhängern ernsthaft klar machen, dass die ganz große Zeit der Völkischen noch kommen werde, obwohl es politisch, kulturell und wirtschaftlich in vielen Regionen Ostdeutschlands bergauf geht?

Die NPD hatte bei ihren großen Wahltriumphen 2004 in Sachsen und 2006 in Mecklenburg-Vorpommern von Debatten um Hartz IV und großer Frustration profitiert. Doch die Lage in Ostdeutschland ändert sich, der NPD bläst der demokratische Wind ins Gesicht. Auch in Mecklenburg-Vorpommern, wo es mehrere Kampagnen gegen die NPD gibt. Letztendlich wird es von den Nicht-Wählern abhängen: Die NPD wird ihre Anhängerschaft zur Wahl mobilisieren können, gibt es eine niedrige Wahlbeteiligung, wird dies für den Wiedereinzug in den Landtag reichen.

NPD-Fraktionschef Udo Pastörs erwartet denn auch mindestens acht Prozent für seine Partei. Große Ziele, tiefer Fall? Das kennt man doch. NPD – do it again!

Siehe auch: NPD-Schmierentheater: Bauunternehmer klagt über Niedriglöhne, Braune Zitterpartie: NPD laut Umfrage bei 4,5 Prozent, Frittenbude meint: Keine Stimme den Nazis in MV!, Hetzer, Kriminelle, Antidemokraten: Die NPD-Fraktion im Porträt, NPD-Kandidat wegen Körperverletzung verurteit, Kommentar: Nicht nur auf die NPD starren!

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17 thoughts on “Die schönsten Wahlniederlagen der NPD

  1. Danke Quicksie,es kann natürlich daran liegen das die Braunen Kameraden für die Weiblichkeit unattraktiv ist,da die Frau bei den Braunen ja nur als Brutkasten für möglichst viele kleine Germanen-Kids oder als plumpes wertloses Sexobjekt dienen und sonst die Klappe halten müssen,so ist es zu mindest bei vielen Nazis.
    Danke Adler,Herr Voss und seine Mannen haben wirklich nichts mitbekommen.
    Kann es an der Arroganz die Nazis immer haben liegen,oder an Dummheit??
    Es kann beides sein und eben das Nichtwahrhabenwollens der NPD und den restlichen Nazis ob nun JN,freie Kameradschaften oder die einfachen Mitläufer die zu Hauf Schule oder Lehre abbrachen und sagen „Warum arbeiten wenn es ja vom Staat Kohle gibt?“
    Diesen Herrschaften ist echt nicht mehr zu helfen.
    Ich gehe davon aus das die NPD auch in MVP und in Berlin die nächste Wahl-Niederlage hinnehmen muss,zwangsläufig wird dann früher oder später zum Zusammenbruch der gesamten rechten Szene führen,da der Rechtsextremismus einfach Mist ist und das auch immer mehr Menschen das mit massiven Protesten und Menschenketten (Dresden) es zeigen um das Nazitum stoppen,ist das Beweis genug Herr Voss von der NPD niemand will ein 4.Reich!!!

  2. Lieber KV Unna / Hamm,

    bevor Ihr Volk und Vaterland mit dem nächsten Polenfeldzug rettet, versucht Euch doch erstmal daran, die NPD vor Euren eigenen Führerchen zu retten. Die finanzielle Katastrophe und der drohende Kollaps gehen nämlich nur auf Eure eigenen Leute und Ihre fatale Misswirtschaft (auch zum eigenen Vorteil) zurück. Ging da nicht eine Immobilie verlustig in Nordrhein-Westfalen? :-)

    Aber auch das hat ja ein historisches Vorbild: Hätte der GröFaZ damals nicht den Krieg begonnen, dann wäre das arische Reich nämlich kurz darauf finanziell kollabiert. Panzer pur sind eben ungesund für die Binnenwirtschaft – und exportiert hat man sie ja aus bestimmten Gründen auch nicht.

    Was lernen wir daraus? Nie NPD ist wieder einmal eine NSDAP im Kleinen, nur viel unbedeutender, viel unfähiger, viel erfolgloser…
    Macht doch lieber in Musik: „Wollt Ihr den totalen Grieg?“

  3. […] da Ihnen wie vielen anderen, das deutsche volkes wahrscheinlich kaum etwas bedeutet.

    das muss man sich mal auf der (bitteschön recht deutschen!) zunge zergehen lassen.

    offensichtlich ist das rechtsschreibung, keine rechtschreibung. vielleicht auch rechtsextremschreibung. womit hat das deutsche volkes so etwas nur verdient?

    luthergrimmgoetherückertdudenseibeiuns. rettung! deutsch! der meint das womöglich ernst.

    .~.

  4. Auf die Äußerungen der NPD Parteimumie Herrn Voss braucht man eigentlich garnicht einzugehen, da sind die Nerven zu Schade dafür.

    Eine Wahlniederlage wurde vergessen oder? Die in Baden-Württemberg! Dort haben die braunen Stümper auch vollmundig (zumindest wenn man den Verlautbarungen auf deren Internetseite glauben möchte..) verkündet sie werden in den Landtag einziehen….und nun nicht Mal die Grenze zur Parteienfinanzierung erreicht haben. Die haben auch zumindest Propagandamäßig ne riesen Fresse gehabt und dürften sich nun im Selbstauflösungsprozess befinden… nachdem nun auch die Kameraden der „Standarte Württemberg“ aufgeflogen sind, freilich haben die „rein garnichts“ mit der Partei zu tun… ich meine ja nur… 😉

  5. Natürlich dürfen wir das nicht vergessen, NPD KV UNNA / HAMM, dass die NPD nach jeder Niederlage stärker als zu vor antritt … natürlich, natürlich …

    Der gleiche Durchhaltewille wie beim Führer … lächerlich …

  6. Ich freue mich schon auf Sonntag auf die Hochrechnungen in MVP,mal gucken ob die NPD da überhaupt erwähnt wird.
    Bei den vor raus gegangenen Wahlen kam es vor das die NPD gar nicht erwähnt wurde und im Netz gucken musste um überhaupt zu wissen wo die braune Gülle gelandet ist,nämlich krass aus gedrückt auf die Fresse muhahaha.
    Niemand will die Sauerkraut-Verkäufer mit Zinken inter der Nase haben.
    Niemand will diese „rassische Schutzgemeinschaft“,die nicht mal richtig schreiben können.

  7. … dabei versteht man gar nicht, was die Leute denn gegen diese NPD haben, welche die Umweltplakette als „Auto-Euthanasie“ bezeichnet (Ha, ha…) und einen begabten Sänger und Dichter wie Hans Püschel auftreten lässt und die aktuell aufruft: „Pastörs wählen!“ welcher gern gegen die „Systemparteien“ Hetzreden hält. Ich weiß gar nicht, an was mich das erinnert…

    http://www.geschichteinchronologie.ch/eu/3R/propaganda-2wk-d/plakat011-weim-rep-gebt-dem-system-die-antwort-waehlt-H-1932.jpg

    Aber anstatt Plakate von der schweizer SVP zu kopieren, könnte man sich ja auch einmal woanders Anregungen holen:

    http://kliosurft.files.wordpress.com/2009/03/bush-hitler.jpg

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