Zentralrat der Juden fordert Boykott der Anti-Rassismus-Konferenz

Der Zentralrat der Juden in Deutschland (ZdJ) hat gefordert, dass die Bundesregierung die UN-Rassismuskonferenz am 23. September in New York boykottiert. „Das ist eine Konferenz der Lüge, der Schande und der Doppelmoral“, sagte Zentralratspräsident Dieter Graumann dem „Weser-Kurier“ angesichts neuer Drohungen aus dem Iran, den Staat Israel auslöschen zu wollen. „Es ist ein Heuchelei der internationalen Politik, wenn Staaten, die selbst die Menschenrechte dreist mit Füßen treten, dort alleine Israel anklagen“, betont Graumann. Nachdem Italien, die Niederlande, Tschechien, Australien und die USA bereits ihren Boykott angekündigt haben, sollte „Deutschland nun endlich auch mit ihnen gemeinsam Flagge zeigen“.

Die Anti-Rassismus-Konferenzen der UNO wurden zu absurden Veranstaltungen, auf denen teilweise offen der Holocaust geleugnet wurde.
Die Anti-Rassismus-Konferenzen der UNO wurden zu absurden Veranstaltungen, auf denen teilweise offen der Holocaust geleugnet wurde.

Graumann wünscht sich in Deutschland „ein bisschen mehr Verständnis dafür, dass Israel immer noch in einem Existenzkampf steckt“. Der Iran habe schließlich mit der Hamas und der Hisbollah „zwei große Terror-Filialen, die bis an die Zähne bewaffnet, sprungbereit und aggressionslüstern direkt an den Grenzen Israels stehen“.

In Deutschland gäbe es allerdings an den Rändern der Gesellschaft „da und dort“ eine „aggressive Israel-Feindschaft, die schon in Judenhass umschlägt“. Das beträfe neben klassischen Faschisten auch manche Linke und Teile der muslimischen Bevölkerung, „vor allem unter Jugendlichen“. Graumann hofft hier auf eine bessere Zusammenarbeit des ZdJ mit den muslimischen Gemeinden. „Es gibt einige, die das Problem erkannt haben und etwas dagegen tun wollen“, berichtet er im Interview. „Bei anderen müsste noch viel mehr kommen. Hier dürfen wir niemanden aus der Verantwortung entlassen.“

Antizionistische Hetzrede von Ahmadinedschad

Bei der UN-”Anti-Rassismus”-Konferenz 2009 in Genf war wie bereits befürchtet zum Eklat gekommen. Irans Präsident Ahmadinedschad, der immer wieder den Holocaust leugnet und zur Zerstörung Israels aufruft, hatte einmal mehr eine antisemitische Hetzrede gehalten. Viele Delegierte, darunter Vertreter von EU-Staaten, verließen aus Protest das Plenum.

Hintergrund: Alarmruf gegen den globalisierten Antisemitismus

Laut UN-Watch schlug Ahamdinedschad vor, Rassismus als Ursache für die US-Invasionen im Irak und in Afghanistan zu sehen. Der Rassismus unterstütze zudem das “Zionisten-Regime”, welches rassistisch und grausam sei.

UN-Generalsekretär Ban verurteilte die Rede e scharf: “Das ist das Gegenteil dessen, was diese Konferenz erreichen will. … Ich verurteile, dass der iranische Präsident diese Plattform dazu genutzt hat, Schuldzuweisungen zu machen, zu spalten und aufzuhetzen.” Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, wies die Anschuldigungen Ahmadinedschads ebenfalls zurück. Aus Protest gegen die Ahmadinedschad-Rede brach die tschechische Vertretung ihre Teilnahme in Genf ab. Massive Kritik kam auch von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy. Er verurteile “diese Hassrede vollständig”, erklärte Sarkozy. Er forderte die EU zu einer “Reaktion von äußerster Entschlossenheit” auf. Ahmadinedschad rufe zum “Rassenhass” auf und verhöhne die Ideale und Werte, die in der universellen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben seien.

Botschafter abberufen

Zuvor war Ahmadinedschad vom Schweizer Präsidenten Hans-Rudolf Merz empfangen worden. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu dankte den Staaten, die die Teilnahme an der Konferenz abgesagt hatten. “In der Shoah wurden sechs Millionen unseres Volkes abgeschlachtet. Leider haben nicht alle die Lehren daraus gezogen. Während wir Ihrer gedenken, tritt in der Schweiz eine Konferenz zusammen, die sich quasi gegen den Rassismus wendet. Der Ehrengast dort ist ein Rassist, der die Shoah verleugnet, der keinen Hehl aus seiner Absicht macht, Israel auslöschen zu wollen. Ich ziehe den Hut vor den Staaten, die ihre Teilnahme an dieser Parade des Hasses verweigern.”

Siehe auch: Warum sich die Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet, Die deutsche Rechte: Mit Carl Schmitt für Allah und Ahmadinedschad, UN-Antirassismuskonferenz: Abschlusserklärung vorzeitig angenommen, Kommentar: “Durban II eine Karikatur der UN-Diplomatie”, “Anti-Rassismus”-Konferenz: Eklat nach antisemitischer Hetzrede von Ahmadinedschad, Bundesrepublik nimmt nicht an Anti-Rassismus-Konferenz der UNO teil, UN-Anti-Rassismus-Konferenz: Offenbar Kompromiss erzielt / Interview zu Durban II, Alarmruf gegen den globalisierten Antisemitismus, “Die Juden sind schuld”,  Die NPD und der Holocaust: Relativieren statt leugnenDER KRIEG GEGEN DIE JUDEN – Warum sich die globale Öffentlichkeit in der ökonomischen Krise gegen Israel wendet, Querfront-Träume: NPD bietet Elsässer Zusammenarbeit an, Finanzkrise als Nährboden für AntisemitismusAufruf Zusammen gegen den Al Quds-Tag – gegen antisemitische und antiisraelische Hetze, Antisemitismus: Yes, they can!, Darf man Israel in Deutschland kritisieren?,  Querfront: Vermeintliche Linke auf Abwegen , “Der Antisemit nimmt dem Juden nicht übel, wie er ist, sondern, dass er existiert” , Deutschland, Iran und die Linkspartei, 09/11, ZOG und “Judenpresse”: Wie baue ich eine Verschwörungstheorie?, Völkischer Antiimperialismus: Bei der NPD gut aufgehobenDie UN und der Antisemitismus: Noch kein Abschlussdokument von Durban 2001“Protokoll der Weisen von Zion” in der UN-Vollversammlung

4 thoughts on “Zentralrat der Juden fordert Boykott der Anti-Rassismus-Konferenz

  1. Schwierige Kiste wieder.

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    Graumann wünscht sich in Deutschland “ein bisschen mehr Verständnis dafür, dass Israel immer noch in einem Existenzkampf steckt”.
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    Naja, und ich wünsche mir von Institutionen wie dem ZdJ „ein bisschen mehr Verständnis dafür, dass die Palästinenser durch die Gründung Israels verdammt viel verloren haben und dafür angemessen entschädigt werden sollten – statt ihnen durch Siedlungen noch mehr Raum und Handelsembargos bis zur Seesperre die notwendigsten Baumittel zu nehmen.

    Zur Konfernz allgemein:
    Es ist eine UN-Konferenz. Statt sie den Extremisten oder denjenigen, deren Meinung man nicht teilt, kampflos zu überlassen, indem man sagt: „Wir spielen nicht mit!“ sollte man lieber hinfahren und Kontra geben. Und wenn es gar nicht mehr geht sollte man eher die UN überzeugen, die Konferenz abzubrechen oder bestimmte Nationen nach wiederholten Ausfällen auszuladen.

    Denn sonst kommt es eben tatsächlich dazu, dass nur noch Extremisten unter dem Banner der UN stehen und diskutieren – was wohl kaum wünschenswert ist.

    Fazit:
    Auf einer internationalen Konferenz muss man auch Reden ertragen, die man mit vollem Recht ablehnt und verurteilt – was ja auch die meisten Nationen getan haben. Einfach gar nicht mehr hinzufahren ist das falsche Signal.

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