Kirche wehrt sich gegen Razzia bei Jugendpfarrer

Der Landesjugendkonvent der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands hat das Vorgehen der Staatsanwaltschaft Dresden und der sächsischen Polizei scharf kritisiert. Diese durchsuchten am Morgen des 10.08.11 die Dienst- und Wohnräume des Stadtjugendpfarrers Lothar König, sowie die Räumlichkeiten der örtlichen Jungen Gemeinde. Die Durchsuchung wurde in Vorbereitung einer Ermittlung gegen den Stadtjugendpfarrer wegen angeblichem „aufwieglerischen Landfriedensbruch“ durchgeführt.

Evangelische Jugend
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Ilse Junkermann, Landesbischöfin der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), sah in der Aktion eine besondere Gefährdung des seelsorgerischen Vertrauensschutzes: „Die Durchsuchung des Dienstzimmers von Stadtjugendpfarrer König und die Beschlagnahmung von Datenträgern, die dienstliche und damit auch seelsorgerliche Belange betreffen können, ist skandalös. Es ist zentral für die Arbeit unserer Pfarrer, dass sich ihnen die Gläubigen und auch andere Menschen anvertrauen können, ohne die staatliche Kenntnisnahme befürchten zu müssen. Dieses Interesse ist verfassungsrechtlich geschützt. Die Religionsfreiheit und die Menschenwürdegarantie des Grundgesetzes verbieten es, dass Unterlagen im Zusammenhang mit seelsorgerlichen Informationen dem Staat zur Kenntnis gelangen oder auch nur gelangen können. Die Mitnahme des im Dienstzimmer befindlichen Computers und weiterer Unterlagen lässt die staatliche Kenntnisnahme von seelsorgerlichen Daten befürchten und hat daher zumindest den dringenden Verdacht rechtswidrig zu sein.“

Aus Sicht des Landesjugendkonvents stellen die Maßnahmen einen unsinnigen Einschüchterungsversuch gegen zukünftige zivilgesellschaftliche Aktionen gegen Rechts dar. Daher solidarisiert er sich mit Pfarrer König und der Jungen Gemeinde vor Ort. „Die Beschlagnahmung des Busses und anderer Materialien ein halbes Jahr nach dem 19. Februar ist ein vollkommen übertriebener Akt der sächsischen Polizei. Die friedlichen Aktionen vor Ort sollen so als Straftaten umgedeutet werden.“, äußerte sich Jacob Beuchel (Landesjugendkonvent der EKM) zum Vorgehen der Behörden.

Viele Menschen beteiligen sich an Blockaden und Demonstrationen, um friedlich der Ausbreitung des Nationalsozialismus entgegenzuwirken. Unter ihnen befinden sich auch Mitglieder der Evangelischen Jugend. Diese friedlichen Demonstrationen sollen nun nachträglich rechtliche Folgen haben, um Engagierte von der zukünftigen Beteiligung an ähnlichen Aktionen abzuhalten. Der Landesjugendkonvent fordert auf, sich engagiert an friedlichen zivilgesellschaftlichen Aktionen gegen den Rechtsextremismus zu beteiligen. Er fordert darüber hinaus das sofortige Ende der Ermittlungen gegen Pfarrer König und wünscht allen Beteiligten vor Ort in Jena Kraft und Stärke, diese Ermittlungen schnell und unbeschadet zu überstehen.

Minister irritiert

Thüringens Justizminister Holger Poppenhäger (SPD) zeigte sich derweil irritiert über die sächsische Polizei-Razzia. „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand ist fraglich, ob die Thüringer Behörden in erforderlichem Maße eingebunden waren“, erklärte er laut Medienberichten in Erfurt. Rechtlich müssten sie bei einem sächsischen Polizeieinsatz auf Thüringer Boden zumindest informiert und eingebrachte Einwände berücksichtigt werden.

Siehe auch: “Razzia beim Jugendpfarrer in Jena ein Skandal!”, Sachsen: Der ganz normale Wahnsinn, Die 10.000 vergessenen Neonazis von Dresden, Dresden 2011: Trauerspiel statt Trauermarsch

10 thoughts on “Kirche wehrt sich gegen Razzia bei Jugendpfarrer

  1. „Rechtlich müssten sie bei einem sächsischen Polizeieinsatz auf Thüringer Boden zumindest informiert und eingebrachte Einwände berücksichtigt werden.“

    Ja, das zeigt doch schon deutlich, welches Verfassungsverständnis offenbar in manchen Kreisen der sächsischen Exekutive herrscht.

    Man möchte ja schon fast von einem „sächsischen Weg“ in diesem Zusammenhang sprechen…

  2. Diese „Razzia“ gegen einen Jugend-Pfarrer der sich mit seiner Gemeinde gegen Rechtsextremismus wehrt ist ein voll durchgeknalltes Affentheater was völlig unbegründet und die Polizei buddelte auf der falschen Seite rum.
    Die Behörden sollen lieber die irren Nazischläger von der Strasse räumen und nicht die Menschen die für Freiheit,Toleranz und ein fröhliches Miteinander aller friedlichen Menschen aus den In und Ausland sich einsetzten und so echte Zivilcourage zeigen.
    Die Nazis führen hingegen ein ziemlich trauriges,einsames und aggressives sektenähnliches „Leben“ worauf wir nun wirklich verzichten können.
    Ich hoffe das im nächsten Februar in Dresden wieder so viele oder viel,viel mehr Menschen gegen diese braune Gülle auf die Strasse geht und natürlich friedlich die Nazis blocken werden,zusätzlich hoffentlich eine kilometerlange Menschenkette gegen diesen Fascho-Dreck.
    Ich wünsche Jugend-Pfarrer Lothar König viel Glück und das er weiter macht,solche engagierten Menschen sollten noch viel mehr werden und so den braunen Sumpf der ziemlich überschwappt wieder trockengelegt wird aus Braun soll wieder Bunt werden.

  3. Oha Augenzeuge,etwas angefressen??
    Ich war zwar nicht dabei,aber kann mir nicht so wirklich vorstellen das der Pfarrer über Lautsprecher „Deckt die Bullen mit Steinen ein“
    Dann ist es wohl daneben,sowas glaub ich auch nicht dann hat er die Kirche an den Hacken und würde disziplinarische Probleme bekommen.
    Ich habe keine „linke Gehirnwäsche“ bekommen wurde schon so geboren,bin selbst gläubige Christin.
    Mit Gewalt kommt man nicht weiter!

  4. Mensch, Augenzeuge … haben Sie aber ein Glück, gleich einen Ansprechpartner mit einem großen offenen Ohr gefunden zu haben, der umgehends „den Apparat“ in Bewegung setzt. Wenn „Unsereins“ (also grob umrissen „die Antifanten“) unter Youtube ein Video findet, auf dem „schlafende“ Beamte zu sehen sind, die am gleichen Tag in Dresden dem randalierenden NS-Mob bei seinen Straftaten zuschauen, dann sieht` das nicht allzu rosig mit dem Ansprechpartner und dem großen Ohr aus.

    Geben Sie mir doch mal einen Tip, an welchen korrekten Beamten Sie bzgl. Ihrer Zeugenschaft „geraten“ sind – vielleicht könnte der ja hinsichtlich jener „schlafenden“ Kollegen auch gleich „den Apparat“ in Bewegung setzen? – Es muß ja nun nicht gleich ein SEK bei den Cops einreiten, aber ein Staatsanwalt wäre schon „schön“… :)

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