Daten aus „Blood & Honour“-Netzwerk veröffentlicht

Die Hacker-Gruppe Anonymous hat im Zuge ihrer „Operation Blitzkrieg“ eine weitere Neonazi-Seite gehackt – und die Daten aus einem internationalen Blood & Honour-Netzwerk veröffentlicht. Hunderte Namen mit Adressen veröffentlichten die Hacker von registrierten Nutzern der Seite bloodandhonour.com, darunter auch Dutzende User aus Deutschland. Auffällig viele der deutschen B&H-Nutzer kommt aus dem Südwesten, aber auch aus dem restlichen Bundesgebiet tauchen Adressen auf. Ein mutmaßlicher Neonazi aus Bayern gab als Email-Adresse seinen Arbeitgeber an, eine Steuerberatungsgesellschaft.

Kontrollzentrum des B&H-Forums aus dem Hack 2008
Kontrollzentrum des B&H-Forums aus dem Hack 2008

„The Blood & Honour Forum is one of the most highly visited and highly used Nationalist Forums on the Internet“ – das vermeldet bloodandhonour.com stolz auf seiner Seite. Über den angeblichen Hackerangriff ist dort bislang aber nicht zu lesen.

In den ersten Jahren nach dem Verbot der ”Blood&Honour Division Deutschland“ im Jahr 2000 kam es laut Bundesregierung noch zu insgesamt sieben Konzerten mit ”Blood&Honour“-Bezug. Veröffentlichungen von Tonträgern der deutschen Sektion seien nach dem Verbot nicht bekannt geworden, schrieb die Bundesregierung in ihrer Antwort (17/4624) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (17/4397) im Februar 2011.

 

Serbischer Ultra-Nationalist in Genua mit Sturmhaube und Blood & Honour-Tätowierung auf dem Arm. (Quelle: Altravita.com)Serbischer Ultra-Nationalist in Genua mit Sturmhaube und Blood & Honour-Tätowierung auf dem Arm. (Quelle: Altravita.com)

B&H ist in Deutschland verboten. Dennoch wurden seit dem Verbot der „Blood&Honour Division Deutschland“ im Jahr 2000 dezentral 21 Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Vereinigungsverbot gegen zunächst 139 Beschuldigte in acht Bundesländern geführt. In drei Verfahren ergingen Verurteilungen wegen Verstoß gegen das Vereinigungsverbot. In fünf Verfahren stehen die gerichtlichen Entscheidungen zum Teil aus Revisionsgründen noch aus. In zwölf Verfahren erfolgten Verfahrenseinstellungen. In einem Verfahren sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Blood&Honour (B&H) ist ein international agierendes Netzwerk in der neonazistischen Skinhead-Szene, das Rechtsrockkonzerte und den Vertrieb neonazistischer Musik organisiert. B&H vertritt die Ideologie von der globalen Dominanz der weißen „Rasse“. Das Netzwerk wurde in den 80er-Jahren in Großbritannien unter maßgeblicher Beteiligung von Ian Stuart Donaldson (1993 verstorben), dem Sänger der Nazi-Band „Skrewdriver“, gegründet. Der Name knüpft bewusst an die Parole „Blut und Ehre“ der Hitler-Jugend an, die sich auch in der Begründung der Nürnberger Rassegesetze findet. Die als Symbol von B&H verwendete Triskele – ein dreizackiges Hakenkreuz – ist an das Logo der militant-rechtsextremen „Afrikaner Weerstandsbeweging“ aus Südafrika angelegt, die für eine Beibehaltung der Apartheid kämpfte.

Chemnitzer "Riot Boys" mit Keltenkreuz und 28 Chemnitzer „Riot Boys“ mit Keltenkreuz und 28

Mit „Combat 18“ – die Zahlsteht für den ersten und achten Buchstaben des Alphabets und damit für die Initialen von Adolf Hitler – verfügt B&H zudem über einen „bewaffneten Arm“. Ein Schwerpunkt der Aktivität von B&H und der „Division 28“ besteht in der Koordination von Neonazi-Bands und der Veranstaltung entsprechender Konzerte. Die 1994 gegründete deutsche Division von B&H wurde gemeinsam mit ihrer Jugendorganisation White Youth im September 2000 durch das Bundesministerium des Innern verboten. Unter dem Namen „Division 28“ – die Zahlen stehen für die Buchstaben B und H – arbeitet zumindest ein Teildes Netzwerks weiter und setzt auch gewaltsam seinen Alleinvertretungsanspruch als „Erbfolgerin“ von B6H gegen Konkurrenten im rechtsextremen Milieu durch. Am 7. März 2006 gab es Polizeirazzien in 119 Wohnungen und Geschäftsräumen von 80 Neonazis, die im Verdacht standen, die verbotene deutsche Division des B&H-Netzwerkes fortzuführen. Neben rechtsextremen Propagandamaterialwurden auch Waffen beschlagnahmt. Aus dem B&H-Netzwerk kommende Gruppen und Einzelpersonen haben nach Recherchen des Antifaschistischen Infoblatts AIB enge Kontakte mit dem Rocker- und dem Rotlichtmilieu.

Im Jahr 2008 gelangten antifaschistische Aktivisten in den Besitz einer Kopie eines der internationalen B&H-Internetforen mit fast 32 000 registrierten Nutzern und veröffentlichten diese Daten im Internet. Auch andere Neonazi-Netzwerke und Online-Händler, wie beisielsweise der Asgard-Versand, wurden gehackt, die Daten veröffentlicht.

Siehe auch: “Blood & Honour is our voice Combat 18 is our choice”: Übersetzte Nazi-Parolen nicht strafbar

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