„Die globale junge Generation ist längst multikulturell“

Die Tragödie von Norwegen hat uns alle sehr mitgenommen. Wir denken an die Opfer, an ihre Familien und an diejenigen, die das Unglück überlebt haben. In den Bildern vom Unglücksort sahen wir junge Leute, deren Leben aus den Fugen geraten ist. Und ehrlich gesagt, ist das auch mein Lebensgefühl in diesen Tagen. Das Morden in Norwegen löst bei mir ein ähnliches Gefühl von Schreck und Ratlosigkeit aus, wie der 11. September vor 10 Jahren.

Von Anetta Kahane, Amadeu Antonio Stiftung

Das Massaker von Norwegen wird politische und emotionale Folgen haben für ganz Europa. Denn das hier ist ein europäisches Ereignis. Ganz eindeutig. Und es gefährdet Europa. Denn das besteht aus mehr als nur einer Währung oder einem Wirtschaftssystem.

Die Opfer von Oslo sind junge Leute, sie sind Norweger und Freunde aus anderen Ländern. Ich finde, wir sollten uns mit ihnen beschäftigen und nicht allein mit dem Täter. In den Interviews nach der Tat sahen wir in Gesichter, die nicht verstehen konnten, was geschehen war. Die junge Generation auf der Insel bei Oslo lebt aktiv in einer globalisierten Welt. Mit anderen engagierten Jugendlichen verbinden sie gemeinsame Interessen an Politik und Kultur oder Wertvorstellungen, vielleicht sogar eine vergleichbare soziale Herkunft. Das allein bringt sie zusammen und nicht die ethnische Herkunft oder ihre Religion. Die globale junge Generation ist längst multikulturell. Viele haben Migrationshintergrund oder leben in binationalen Familien. So sieht Europa heute aus. Und wer dagegen mit Bomben und Gewehren antritt ist ein einfach nur ein Rassist.

Norwegen trauert um die Opfer des rechtsextremen Doppelanschlags: Blumenmeer vor der Domkirche in Oslo (Foto: Rotes Kreuz Norwegen)
Norwegen trauert um die Opfer des rechtsextremen Doppelanschlags: Blumenmeer vor der Domkirche in Oslo (Foto: Rotes Kreuz Norwegen)

Will Europa nicht ein unbedeutender Platz auf der Welt werden, der am Ende nur aus Sehenswürdigkeiten wie Fachwerkhäusern, gotischen Kirchen oder schönen Fjörds besteht, dann muss es die Welt hineinlassen. Ohne die nötige Offenheit kann es keine Entwicklung mehr geben. Ohne Einwanderung können die Herausforderungen nicht mehr beantwortet werden. Europas Stärke ist die Demokratie. Demokratie ohne Offenheit, aber dafür mit einem rassistischen Grundton, kann es nicht geben. Der Täter von Oslo zeigt es uns.

Es wird viel über seinen islamfeindlichen Hintergrund diskutiert. Aber stimmt das? Was sind das für Leute, die sich als islamkritisch bezeichnen und wilde Phantasien und Paranoia schüren gegen die Bedrohung durch den Islam? Ich bin davon überzeugt, dass dies nur ein platter rhetorischer Trick ist und eine verdammte Lüge. Die rechtspopulistischen Islamhasser schieben ihre Religionskritik vor, weil der reine Rassismus in Europa nicht mehr konsensfähig ist. Doch wie man an der Wahl der Opfer von Oslo sieht, sind die Feinde keineswegs die Muslime oder der Islam, sondern die Kinder des offenen, multiethnischen Europa. Die ermordeten Jugendlichen in dem sozialdemokratischen Camp waren aller Wahrscheinlichkeit nach eher säkular als religiös, eher kosmopolitisch als fundamentalistisch. Vor denen also fürchtete sich der Täter und nicht vor „dem Islam“. Die Verteidiger der westlichen Demokratie vor den Zumutungen des islamischen Fundamentalismus – so sehen sich die Leute aus dem „islamkritischen Milieu“ – sind in Wahrheit ganz banale, primitive Rassisten, die gegen die moderne Gesellschaft, die Gleichwertigkeit aller Menschen und die Globalisierung kämpfen. In ihren Hasstiraden sehen sie sich als Minderheit in einem überfremdeten, islamisierten Europa. Das ist statistisch und in jeder anderen Hinsicht Unsinn und verdreht die Machverhältnisse und Rassismen in ihr Gegenteil. Wer beispielsweise hysterisch und den Anlässen unangemessen vor „Deutschenfeindlichkeit“ warnt, reitet genau auf dieser Welle.

In den ideologischen Grabenkämpfen um Einwanderung und ethnische Pluralität wird viel gelogen und Missbrauch betrieben. Es wird Zeit, dass Europa und gerade Deutschland sich klar bekennt zur einer Zukunft, in der Rassismus keinen Platz hat: aus moralischen UND politischen Gründen. Sätze wie: „Multikulti ist gescheitert!“ die letztes Jahr leider auch von der Kanzlerin zu hören waren, zeugen vom unzeitgemäßen Ungeist des alten weißen Herrenmenschentums. Das neue Europa mitten in der Welt wäre demnach gescheitert. Dieses Europa sollte nicht bekämpft sondern gestaltet werden. Einschließlich der Tatsache, dass Einwanderung notwendig und wünschenswert ist! Daran arbeiten wir Tag für Tag. Der Ungeist der ethnisch wie religiös bereinigten, also ausschließlich weißen Nationen, sollte ein für alle mal verschwinden, denn er enthält die Obszönitäten des Rassismus. Bei Neonazis wie bei „Islamfeinden“. Das sind wir den Opfern von Norwegen schuldig!

Siehe auch: Debatte über Breivik: Von Beißreflexen und Pauschalvorwürfen

9 thoughts on “„Die globale junge Generation ist längst multikulturell“

  1. Den Opfern von Norwegen ist man schuldig, dass diese Tragödie nicht von Politik und Medien ausgeschlachtet wird. Sei es von den Rechten, der Mitte oder den Linken. Ganz egal.

    Das Sie hier diese Tragödie instrumentalisieren, um Ihr Weltbild zu propagieren finde ich zum kotzen. Damit begeben Sie sich auf NPD-Niveau, welche die Tat genau wie Sie instrumentalisiert – der einzige Unterschied ist der Zweck. Die Mittel sind gleich.

    Kotzen könnte ich. Schämen sollten Sie sich.

  2. So einen linkspopulistischen Schwachsinn habe ich noch nie gelesen. Kompliment, ich musste wirklich lachen.

  3. Deutschmann seit wann wird gelacht wenn es Tote gab,das hat nichts mit Linkspopulismus zu tun du Deutschmännchen.
    Wo von hat Breivik gelabert?? Von einen Rassenkrieg=Rassenwahn!!
    Wo von hat Breivik gelabert?? Von Überfremdung!!
    Der Rassenhass veranlasste Breivik die Terroranschläge zu verüben,in feigster Weise,erst bombt er das Regierungsviertel weg und legt fast 2h Kinder in einen Ferienlager um,aus puren Hass gegen Multikulti!
    Was gibt es da zu lachen Deutschmann??
    Die Terrormotive waren aus reinen rechtsextremistischen Rassenhass (Rassenwahn)
    Das ist kein „Linkspopulismus“!!
    Dieses Massaker hat natürlich Auswirkungen auf Europa,negativ versteht sich.
    Die Islamkritiker sind nichts anderes als verdeckte Rechtsextreme,die sich nicht offiziell dazu bekennen wie es die strammen NPD ler es tun.
    Nationalisten gibt es logischerweise in jeden Land.
    National= Nation also Volk.
    Multikulti ist nicht out ihr Germanen-Würstchen Rechtsextremismus ist out nur ihr bekommt es irgendwie nicht mit.
    Die grauenhaften Kindermorde von Utöye werden leider in die Geschichte eingehen,wie das Kriegsverbrechen der fehlgeleiteten Religionsfanatiker
    von Al Kaida am 11.September 2001 in NY.
    9/11 verurteilten natürlich alle normalen Moslems in aller Welt aufs schärfste.
    Wenn Populismus dann kommt es aus der braunen Ecke!!!

  4. @1 (frederik):

    nur zu, erbrechen sie sich. wenn sie meinen, damit die pietät zu wahren, bitte sehr.

    wir werden hier weiterhin den feigen rechtsradikalen anschlag auf die norwegische demokratie diskutieren. die norweger selbst tun dies übrigens auch. und wenden sich dabei gegen fremdenhass und teilung der norwegischen gesellschaft.

    wenn ich mir die berichterstattung und die reaktionen des umfelds der opfer ansehe, kann ich mir schwerlich vorstellen, dass ihre vorstellung von schuld den opfern gegenüber in norwegen großen anklang findet.

    .~.

  5. Sehr geehrter Herr Gensing,

    wie kann man nur derart weltfremd sein wie Frau Kahane und die multikulturelle Gesellschaft schönreden. Ohne Einwanderung können die Probleme Europas nicht gelöst werden, meint die Dame. Genau das ist Unsinn. Die Probleme der europäischen Völker müssen diese Völker wohl selbst lösen und nicht aus anderen Erdteilen die Menschen abziehen. Will Frau Kahane den Wohlstand der Europäer mit Einwanderen erhalten, die in ihren Heimatländern eher gebraucht werden?

    Multikulti ist nicht nur gescheitert. Multikulti kann gar nicht funktionieren. Das war von Anfang an klar. Entweder setzt sich die angestammte Kultur durch oder sie wird ersetzt durch die Kultur der Zuwanderer.

    Beste Grüße
    Frank Schwerdt

  6. „Den Opfern von Norwegen ist man schuldig, dass diese Tragödie nicht von Politik und Medien ausgeschlachtet wird.“

    Den Opfern einer jeden Straftat ist man schuldig, den Sachverhalt zu klären, den Beschuldigtne zu bestrafen und eine Lehre aus dem Geschehen zu ziehen. Sei es polizeitaktischer oder gesellschaftspolitischer Natur.

  7. Ob der Volksgenosse Schwerdt auch mitschunkelt … in Gera und während der brüllende NS-Mob zum „Rassenkrieg“ hetzt!? – Ist aber eigentlich auch Wurscht, da soundso jeder weiß`, was für eine verlogene, pseudo-besorgte Kacke die NPD und ihre Wehrmachts/SS-Freunde, nebst „Blood & Honour“-, und „Ku-Klux-Klan“-Anhang, verbreiten.

    Schwerdt: „Multikulti ist nicht nur gescheitert. Multikulti kann gar nicht funktionieren. Das war von Anfang an klar. Entweder setzt sich die angestammte Kultur durch oder sie wird ersetzt durch die Kultur der Zuwanderer“.

    …da merkt` man gleich, wie… öhm … beschränkt der Mann und seine Partei ist, da er/sie nur in Vernichtungs-, bzw. Verdrängungskategorien denken können; passend zur Überbetonung der „weissen Rasse“ und ihrer angeblichen Gefährdung durch jenen ominösen „Volkstod“. – Für mich ist jener Herr Schwerdt nur ein ungebildeter, kulturloser „Bauer“, der nur seine braune Suppe kennt und offenbar alles Andere als Gefahr ansieht. – Eben typisch NPD.

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