Rechtsradikaler Blogger rief zu den Waffen

Der Publizist Michael Mannheimer ist einer der rechtsradikalen Blogger in Deutschland, die sich dem Kampf gegen die Islamisierung Europas verschrieben haben. Im April 2011 rief er dazu auf, gegen das Establishment zu den Waffen zu greifen. Ein einsamer Spinner? Bei PI-News wurden seine Vorträge beworben und gelobt, zu einem Buch über die Christenverfolgung in islamischen Ländern steuerte Mannheimer drei Kapitel bei – das Vorwort für das Werk stammt von Kardinal Lehmann.

Von Patrick Gensing

„Ich bin mir der Tragweite meines Aufrufs voll bewusst.“ Mit diesen Worten bestätigte Mannheimer am 09. April 2011, dass er am Vortag in der Kommentarspalte der Seite PI-News einen „Aufruf zum allgemeinen Widerstand des deutschen Volkes gemäß Art.20 Abs. 4 GG“ veröffentlicht hatte. Darin verbreitete Mannheimer die These, in Deutschland und dem übrigen Europa „arbeiten Muslime seit Jahrzehnten beharrlich und mit immer größerem Erfolg an der Übernahme unseres Kontinents“. Das zentrale Ziel des Islam sei „die Weltherrschaft. Diesem Ziel ist das GESAMTE „religiöse“ Leben des Islam untergeordnet“, so Mannheimer.

Aufruf von Michael Mannheimer zu einem gewaltsamen Aufstand.
Aufruf von Michael Mannheimer zu einem gewaltsamen Aufstand.

Die Wegbereiter der „islamischen Landnahme“ ist laut Mannheimer „das gesamte deutsche Establishment: Politik, Wissenschaft, Medien, Justiz und jetzt auch die Kirche mit dem Islam sympathisiert und kollaboriert“. In Anbetracht der „verfassungswidrigen Ent-Ethnisierung der deutschen Bevölkerung“ halte er nun „die Zeit für gekommen, die Inkraftsetzung und schonungslose Anwendung des Widerstandsrechts (und der Widerstandspflicht) aller Deutschen gemäß Artikel 20 Abs.4 des GG auszurufen!“

Um jede Zweideutigkeit zu vermeiden, führt Mannheimer aus, was er nun erwarte:

Gemäß den Statuten dieses Widerstandsrechts darf und muss sich das deutsche Volk gegen ALLE Kräfte erheben, die im Begriff sind, die deutsche Verfassung abzuschaffen – was politische Parteien, Kommunal-, Landesregierungen und Bundesregierung – aber auch Medien und sonstige wichtigen Multiplikatoren veröffentlichter Meinung miteinbezieht, die dies unterstützen. Das Widerstandsrecht erlaubt diesen Kampf ausdrücklich mit allen Mitteln, auch bewaffnet und unter Bedingungen eines Bürgerkriegs, wenn sonstige Maßnahmen nicht gefruchtet haben. […] Vertreibt das herrschende Establishment aus seinen Ämtern und Schreibstuben und stellt die Verantwortlichen vor ein Gericht!“

Wie „sonstige Maßnahmen“ aussehen könnten, das wird bereits im Netz deutlich. Dort haben Unbekannte den Internet-Pranger „Nürnberg 2.0“ eingerichtet. Mannheimer stellte diese Seite auf seinem Blog vor. Der Widerstand gegen die Islamisierung erreiche einen neuen Höhepunkt, vermeldete Mannheimer. Auf der Seite „Nürnberg 2.0“ seien bereits diverse Politiker und Journalisten aufgeführt, die wegen des Verdachts von „Rechtsverstößen im Zusammenhang mit der Islamisierung Deutschlands“ aufgefallen seien. Bei den Politikern sind vor allem Grüne und Sozialdemokraten, beispielsweise Volker Beck oder Sebastian Edathy, zu finden – aber auch Wissenschaftler wie Klaus Bade oder Wilhelm Heitmeyer sollen den „Islam-Kritikern“ zufolge auf die Anklagebank in Nürnberg – historisch in einer Reihe mit Göring, Heß und Keitel. Die NS-Verbrechen werden von den vermeintlichen Israel-Freunden massiv verharmlost, um Hass auf „linke Gutmenschen“ zu schüren.

„Zum Aufstand bereit“

In den Kommentaren auf Mannheimers Blog wird dieser für seinen Aufruf gelobt, der Schritt sei mutig, finden viele. Aber es gibt auch Kritik: „Ihr Aufruf in allen Ehren Herr Mannheimer, aber er kommt zu früh.“ Wie gewohnt wird aber die „mutige“ Stimme Mannheimers vom linken Establishment totgeschwiegen, der Kommentator „Hans Deutscher“ beklagt, „nur ein Bruchteil unserer Sympathisanten wird von Ihrem Aufruf überhaupt erfahren, die linksgrünen Massenmedien werden diese Meldung entweder verschweigen oder Sie, den Verfasser, als Rechtspopulisten und Rassisten diffamieren, die übliche Vorgehensweise“.

Einige sind sofort Feuer und Flamme. J. Eichhorn jubelt:

„Auch ich bin zum Aufstand bereit und kann Ihnen fest eine größere Masse versprechen, die ich noch vollkommenst von dem zu gehnden wege überzeugen kann.“

„Gert Will“ ist hingegen skeptischer:

„Nun müsste man eigentlich darüber nachdenken, wie dieser Widerstand durchgeführt werden sollte. Mit unseren „Gutmenschen“ ist nicht viel anzufangen. Die jammern erst und auch nur das, wenn es ihnen an den Kragen, Geld oder Bequemlichkeit geht. Für eine gewaltsame Lösung sehe ich kaum Chancen […] Die Gleichschaltung und Beeinflussung der Medien ist bereits fast vollendet(Meldung: „Der Amokläufer war groß, blond und blauäugig!“) und viele Politiker denken, so meine ich, bereits in diesen Kategorien.“ [Anmerkung: Dieser Kommentar stammt vom 10. April 2011, also VOR dem Massaker auf Utöya.]

Mannheimer bedankt sich für den Zuspruch und die angebotene Unterstützung für den Fall, dass er angeklagt werden sollte. „Wir Islamkritiker haben so gut wie keine Lobby. Außer unserem Gewissen“, beklagt Mannheimer. Keine Lobby, kein Einfluss? Ist Mannheimer einfach nur ein wirrer Einzelgänger? Wohl kaum, bei PI-News, das nach eigenen Angaben zehntausende Zugriffe täglich verzeichnet, wird Mannheimer in der Blogroll geführt, zudem wurden seine Vorträge in verschiedenen Städten angekündigt. Einen Vortrag Mannheimers in Heilbronn lobte PI-News ausführlich, auch hier wurden Verschwörungstheorien gegen Muslime – bzw. hier türkischstämmige Deutsche verbreitet:

Trotz unseres Wissens über den Islam war dieser Vortrag für uns sehr interessant, denn wir konnten wieder die sehr gründliche, systematische Art bewundern, wie Michael Mannheimer (der den gesamten Vortrag frei sprach und kein Redemanuskript benötigte) die Fülle der Fakten aufbereitete und ausführlich sowie in geradezu zwingender Logik darstellte. Auch gab es für uns einige bemerkenswerte Fakten zum Mitnehmen. So war uns die Aussage unbekannt, dass es in Deutschland bereits um die 4000 Moscheen und Gebetshäuser gibt, oder dass die türkischen Zuwanderer gezielt die Parteien unterwandern, indem sie in alle politischen Parteien eintreten. Aus diesem Grunde sind den Parteien die Hände gebunden, wenn es um Maßnahmen gegen die Islamisierung geht.

Zudem durfte der Aufrührer dem Buch „Christenverfolgung in Islamischen Landern“ drei Kapitel beisteuern – samt äußerst brutalen Bildern von mutmaßlichen Gewalttaten gegen Christen. Herausgegeben wurde dieses Buch von den Wissenschaftlern Jürgen Bellers und Markus Porsch-Ludwig. Das Vorwort lieferte niemand geringeres als Karl Kardinal Lehmann. Inwieweit dieser über den Autor des Buchs in Kenntnis gesetzt wurde, ist bislang nicht bekannt. Es gab aber bereits mindestens eine Anfrage an den Kardinal in dieser Sache.

Der Attentäter inszeniert sich als "Marxist Hunter" - alles unpolitisch?
Der Attentäter inszeniert sich als "Marxist Hunter" - alles unpolitisch?

Und was macht Mannheimer? Der versucht die positiven Folgen des Doppelanschlags in Norwegen zu betonen:

Während das politische Establishment unmittelbar nach dem Oslo-Massaker in infamer Weise den schwarzen Peter für die Wahnsinnstat Breiviks der Islamkritik zuzuschieben versuchte, indem sie dahingehend argumentierte, dass erst die Kritik am Islam Breivik zu seiner Wahnsinns-Tat inspiriert hätte, beginnen immer mehr Menschen aufzuwachen und nach dem verständlichen Entsetzen der ersten Tage nach Oslo ihre Gedanken zu sortieren. […] Der Stein der Aufklärung über den Islam und die Hintergründe der geplanten Islamisierung Europas durch das politische Establishment ist ins Rollen gekommen und wird sich nicht mehr aufhalten lassen.

Schuld an dem Dutzendfachen Mord an jungen Sozialdemokraten sind laut Mannheimer, man muss es eigentlich kaum noch erwähnen, jene „Kollaborateure der islamischen Hassideologie“, welche Muslime „millionenfach in ihre Länder geholt und das Gesicht Europas in einem historisch beispiellosen Ausmaß bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet“ haben. Sie hätten „damit den Willen der überwiegenden Mehrheit der indigenen Europäer vergewaltigt und sind daher die wahren Verantwortlichen für das Norwegen-Massaker“.

Allerdings widerspricht diese „Argumentation“ der beliebten These, es handele sich bei Breivik um einen unpolitischen Verrückten, der  nichts mit der rechtspopulistischen Szene zu tun habe – oder noch besser, eher ein Verbündeter der Dschihadisten sei. 

Selbstverständlich ist Mannheimer nicht für die Anschläge in Norwegen mitverantwortlich.  Weder dürfte Breivik das Blog von Mannheimer gelesen haben, noch kommt der zeitliche Zusammenhang hin. Doch sind die Ähnlichkeiten – Rhetorik, Feindbilder und hier auch bei der Wahl der Maßnahmen – so deutlich, dass ein Abstreiten von ideologischen Zusammenhängen kaum noch ernstgenommen  werden kann. Doch statt verbal endlich abzurüsten, geben sich die Rechtspopulisten als verfolgte Minderheit – nach einem Massaker eines Rechtsextremen an sozialdemokratischen Jugendlichen.  

Dank an Robert S. für den Hinweis!

Siehe auch: Debatte über Breivik: Von Beißreflexen und Pauschalvorwürfen

36 thoughts on “Rechtsradikaler Blogger rief zu den Waffen

  1. @Lurchi

    Also erst einmal bin ich nicht dein „Kollege“, und weiterhin wäre es mir neu, dass ich mich bis zum jetzigen Zeitpunkt mit jenem Mannheimer „angelegt“ hätte; auch mit dir habe ich mich nicht „angelegt“, da dies allein in Anbetracht deines Nicks wohl etwas übertrieben wäre: wie könnte man sich mit einem „Lurchi“ anlegen…

    Und deine pupertäre Unbildung bzw. deine jugendliche Überschäumung zeigt` mir deine kleinliche Beschränktheit innerhalb deiner „Freund/Feind-Kennung“: Wenn dir aufgezeigt wird, dass du wohl nicht das Opfer eines von dir gemutmaßten „Multikulti-Chaos“ oder eines dich wohl täglich einschränkenden Islamismus bist (die für dich augenscheinlich zur existenziellen Bedrohung geworden sind, der man zusammen mit Mannheimer-Wirrkopf im Strassenkampf entgegnen müsste), dann mutmaßt` du in deiner Beschränktheit gleich einen linken Angriff, da es bei dir zu weiteren Gedankengängen eben noch nicht reicht.

    p.s.: …und du brauchst` mich auch nicht ernst zu nehmen; ich verspreche dir mich zu bemühen, nicht daran einzugehen, wenn mich ein „Lurchi“ nicht ernst nimmt… 😉

  2. @ Axel Mylius
    @ dot tilde dot

    Zitat:

    „p.s.: …und du brauchst` mich auch nicht ernst zu nehmen; ich verspreche dir mich zu bemühen, nicht daran einzugehen, wenn mich ein “Lurchi” nicht ernst nimmt… “

    Die Vorstellung, dass Sie mit ihren Bemuehungen scheitern hat, so muss ich zugeben, schon seinen Reiz ;-). Mein Nick und meine Jugend hat es Ihnen ja wirklich angetan!

    Scheinbar so sehr,dass sich Ihr verbaler Erguss ( fast) auschliesslich darauf beschraenkt. Leider sehe ich mich deshalb gezwungen unsere leichte Konversation hier zu beenden. Vielleicht hat ja „dot tilde dot“ Lust weiter sich ueber die schoene heile Welt auszulassen und ihr koennt Euch dann “ gegenseitig auf die Schultern klopfen“. Sehen Sie sich ruhig als Sieger an, ich goenne Ihnen diesen Erfolg,den Sie sicher beide ihres Egos willen dringend benoetigen.
    Leider aber wird D & Europa wegen Leuten wie Ihnen der Verlierer sein.
    Das Ihnen beiden das voellig schnuppe ist, steht natuerlich ausser Frage.

    P.S. ich verspreche Ihnen, dass ich Ihre weiteren Beitraege nicht lesen werde.

  3. @32 (lurchi):

    wir haben uns nun über mehrere kommentare hin und her bewegt. sie sind bis auf meine bemerkung, ihre eigene rechtschreibung entwerte ihre kritik an sabine doch ein wenig, auf keinen meiner einwände eingegangen, meinen, das sei nicht nötig. mutmaßen, ich sehe wider besseres wissen nur eine schöne heile welt.

    ich finde mich in ihrer beschreibung nicht wieder, und ihre offensichtliche diskussionsstrategie langweilt mich ehrlich gesagt ein wenig. letzten endes müssen sie aber selber wissen, wie sie sich darstellen wollen.

    ihren angedeuteten vorwurf der naivität finde ich seltsam. aber na gut, woher sollen sie auch wissen, wie schön und heile sich die welt mir darstellt? welche länder ich bereist habe oder nicht, was für erfahrungen ich mit welchen kulturen gemacht habe? das bisschen zwiegespräch, dem sie sich konsequent entziehen, kann zu einer einschätzung meiner weltsicht doch kaum reichen.

    trauen sie sich doch mal beizeiten, eine belastbare diskussion zu führen. daran kann man durchaus wachsen, egal ob man gewinnt oder meint, verloren zu haben.

    wünscht ihnen

    .~.

  4. @Lurchi
    Zitat:
    Leider aber wird D & Europa wegen Leuten wie Ihnen der Verlierer sein.
    Das Ihnen beiden das voellig schnuppe ist, steht natuerlich ausser Frage.

    Mit anderen Worten:
    Ganz schlechter Abgang. Anstatt auf irgendwas einzugehen, nein, lieber einen Rückzug ala „Ich hab aber doch Recht*bääääh*“ antreten. Nebenbei noch paar schwachsinnige Unterstellungen einstreuen. Gaz schlechtes Kino. Hat eher den Eindruck einer beleidigten Leberwurst als jemanden, der einen Meinungsaustausch praktizieren möchte. Großes Kino sieht anders aus.

    Mit freundlichen Grüßen
    Olli

  5. Zu Mannheimer, seinen Kollegen und den auch hier anzutreffenden Verteidigern sag ich mal kein Wort, es zeigt sich von selbst von wo der Wind dort weht.

    Aber um mal ein etwas ähnliches Thema anzuschneiden, es wird ja hier auf NPD-Blog so getan als gäb es nur eine aus der Bahn geratene Islam“kritik“ die aus der Ecke der Konservativen, Reaktionären und ganz Rechts kommt… dann frag ich des öfteren wieso die teils ebenfalls ausartene Islamkritik von „links“(Von der ja jeder eine andere Sicht hat“ hier eigentlich rein gar nicht vorkommt?

    Ich würd jetzt langsam wirklich wissen was den an Gelabere wie „Zickenf***** des Propheten“, Mulitkulti ist ein Ausdruck des Faschismus“ „Wir haben ja nichts gegen den Menschen hinter den Islam, aber der ist halt komplett ein Nationalsozialismus in Grün“, „Englische Rassisten die es auf Muslime abgesehen haben können ja nicht schlecht sein weil im Geiste Churchills“ und ähnliches den aufgeklärt ect. ist? Interessant ist ja auch das bei den „Antideutschen“(Für mich ein saublödes Wort, aber irgendwie muss das Kind beim Namen genannt werden) die Tat fast genauso verteidigt wird wie bei den hier an den Pranger gestellten Islam“Kritikern“…

    … also wo liegt der Unterschied, oder ist das etwas die benötigte Islamkritik?

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